Nat Hentoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nathan Irving „Nat“ Hentoff (* 10. Juni 1925 in Boston, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Journalist, Historiker und Jazz-Kritiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hentoff studierte an der Boston Latin School, der Northeastern University (wo er seinen Bachelor of Arts summa cum laude und 1985 einen juristischen Ehrendoktor bekam) und in Harvard. 1950 war er Fulbright-Stipendiat an der Sorbonne in Paris.

Er ist zurzeit Kolumnist für The Village Voice, Legal Times, Washington Times, The Progressive, Hustler sowie Herausgeber von Free Inquiry und Jewish World Review. 25 Jahre lang war er auch Journalist beim New Yorker. Weiter schrieb er für die New York Times, The New Republic, Commonweal, The Atlantic und die Washington Post.

Als Jazzkritiker war er 1953-1957 Mitherausgeber von Down Beat und 1958-1961 Mitherausgeber von The Jazz Review. Bei Down Beat wurde er 1957 entlassen. Wie er in einem Interview sagte[1], lag der Grund darin, dass er eine farbige Sekretärin einstellte, offiziell, weil er die Genehmigung des Eigentümers nicht eingeholt hatte. Er schrieb einige Jazzbücher (u.a. den Interviewband Hear Me Talkin' to Ya 1955 mit Nat Shapiro) und war Berater für den Film The Sound of Jazz von Robert Herridge von 1957. Er verfasste zahlreiche Liner Notes zu Jazzplatten unterschiedlichster Stile und schrieb in den 1990er Jahren über Jazz für das Wall Street Journal. 1960 war er auch als Produzent und musikalischer Leiter des Jazzlabels Candid Records tätig und produzierte Platten u.a. mit Benny Bailey, Abbey Lincoln, Charles Mingus, Phil Woods und Cecil Taylor.

Hentoff ist bekannt als Freidenker und Aktivist für die Redefreiheit, gegen die Todesstrafe und gegen die Abtreibung („pro life“), wobei er sich nicht scheut, sich auch mit der Linken anzulegen. Beispielsweise unterstützte er 2003 die Invasion in den Irak (mit der Begründung, dass damit ein ständig die Menschenrechte verletzender Diktator beseitigt wurde), andererseits kritisierte er den PATRIOT Act der Bush-Regierung und die damit verbundenen Freiheitseinschränkungen mit Nachdruck, wie schon den Effective Death Penalty Act von 1996 und die Antiterrorismus-Gesetze der Clinton-Regierung. In den letzten Jahren ist er als heftiger Kritiker von Political Correctness-Codes der American Civil Liberties Union aufgefallen (und der amerikanischen Linken allgemein, so in seinem Buch Free Speech for Me - But Not for Thee). Seine Gegnerschaft zur Abtreibung schuf ihm in den 1980er Jahren selbst unter seinen Kollegen bei Village Voice viele Feinde. Auch hier reklamiert er für sich Redefreiheit, streitet aber religiöse Motive ab (I am a jewish Atheist, civil-libertarian, pro-lifer).

In jüngster Zeit gehört er auch dem Beratungsgremium der „Foundation for Individual Rights in Education“ an.

Neben Jazz-Büchern und Büchern zu politischen Themen schrieb er auch Romane[2] und Kinderbücher sowie seine Autobiographie Boston Boy - growing up with jazz and other rebellious passions.

In dem Spielfilm Sweet and Lowdown von Woody Allen hat Hentoff einen kurzen Gastauftritt.

2009 ging er bei Village Voice, wo er seit 1958 war, in den Ruhestand (nach eigenen Worten wurde er eher - für ihn überraschend - gefeuert[3]). Er wurde danach Senior Fellow am Cato Institute.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für seine Berichterstattung über juristische und Strafprozess-Themen wurde er als Guggenheim Fellow (in Education) und 1980 mit einem Silver Gavel Preis [4] der American Bar Association (Gesellschaft amerikanischer Rechtsanwälte) ausgezeichnet. 2004 wurde er als erster Jazzkritiker mit einem NEA Jazz Masters Fellowship ausgezeichnet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Does Anybody Give a Damn?: Nat Hentoff on Education Random House, 1977
  • Our Children Are Dying
  • A Doctor Among Addicts
  • Peace Agitator: The Story of A. J Muste, ISBN 0-9608096-0-0
  • The New Equality
  • The First Freedom: The Tumultuous History of Free Speech in America
  • The Day They Came to Arrest the Book ISBN 0-440-91814-6
  • The Man from Internal Affairs
  • Boston Boy: Growing Up With Jazz and Other Rebellious Passions, ISBN 0-9679675-2-X
  • John Cardinal O'Connor: At the Storm Center of a Changing American Catholic Church
  • Free Speech for Me — But Not for Thee: How the American Left and Right Relentlessly Censor Each Other, ISBN 0-06-099510-6
  • Listen to the Stories: Nat Hentoff on Jazz and Country Music
  • Living the Bill of Rights: How to Be an Authentic American ISBN 0-520-21981-3
  • The Nat Hentoff Reader ISBN 0-306-81084-0
  • The War on the Bill of Rights and the Gathering Resistance ISBN 1-58322-621-4
  • The Jazz Life, 1961 (Portraits von Jazz Musikern), ISBN 0-306-80088-8
  • mit Nat Shapiro: Hear me talkin to ya, 1955 (Interviews mit Jazzmusikern), auch in deutscher Übersetzung 1959
  • Does This School Have Capital Punishment?
  • I'm Really Dragged But Nothing Gets Me Down
  • Jazz Country, 1971 (Roman, auch in deutscher Übersetzung)
  • This School is Driving Me Crazy
  • mit McCarthy: Jazz, 1959

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nat Hentoff, Interview, Jazz Wax 2009
  2. Hentoff betätigte sich etwa als Krimiautor; auf deutsch liegt der Kriminalroman Was zum Teufel wird aus dieser Stadt, erschienen 1984 im Rowohlt Taschenbuch Verlag vor (Originaltitel: Blues For Charlie Darwin, 1982)
  3. Interview Jazzwax 2009
  4. „Gavel“ nennt sich das Hämmerchen, mit dem der Richter zur Ordnung ruft.