Natascha Sadr Haghighian

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Natascha Sadr Haghighian (geboren 1967 in Teheran) ist eine iranisch-deutsche Installations- und Videokünstlerin.[1] Sie ist Professorin für Bildhauerei an der HfK Bremen.[2]

Zu ihrer Biografie liegen, als Auswirkung ihrer künstlerischen Praxis, unterschiedliche Informationen vor: Geboren ist sie demzufolge 1963 in Teheran[3], 1967 in Budapest[4], 1979 in München oder Kassel[5], 1966 in London[6], 1953 in Teheran[7], 1967 im Iran[8] oder Sydney[9]. Aus den unterschiedlichen Biografien ist zu entnehmen, dass die Künstlerin in Budapest, Wimbledon oder Gütersloh[10] oder Berlin[11] oder Großbritannien[12] oder Santa Monica, Kalifornien[13] lebt und arbeitet.

Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sadr Haghighians Arbeit untersucht in erster Linie die strukturellen Grundlagen und die Komplizenschaft, Wechselwirkungen oder Verstrickungen zwischen den Komplexen Politik, Wirtschaft und Industrie sowie die Art und Weise, wie diese auf die Gestalt und Struktur der Lebenswirklichkeit einwirken. Haghighian arbeitet an individuellen ebenso wie an kollaborativen Werken – installativ, performativ, mit Text und Sound (oder) in den Bereichen Installation, Performance, Text und Sound. Sie lässt viele mögliche Versionen zur Betrachtung ihrer Werke offen, eine nicht ganz greifbare nicht besonders repräsentative Künstlerin, die sich dem Betrieb durch Namenswechsel und Pseudonyme sowie durch Kollaborationen mit anderen entzieht.[14]

Die Zusammenarbeiten der Künstlerin sind zumeist langfristiger, offener und kumulativer Art. So gründete Haghighian beispielsweise 2010 zusammen mit dem Autor, Wissenschaftler und Kurator Ashkan Sepahvand das Institute for Incongruous Translation mit dem Ziel, den Missklang und Dialog in Übersetzungen zu befördern.[15]

Ihrer Toninstallation Pssst Leopard 2A7+, eine entmilitarisierte Kopie des in Deutschland hergestellten Leopard 2A7+-Kampfpanzer stellte sie, seit sie die Arbeit 2013 konzipierte, bereits mehrfach aus. „Fiktive Fieldrecordings von den Produktions- und Einsatzorten, manipulierte Geräusche aus dem Kettenfahrzeug und Briefe an den Leopard entwerfen eine ambivalente Szenerie. Die scheinbar eindeutigen Funktionen des Kriegsgerätes werden unterwandert. Das Tier trennt sich vom Kettenfahrzeug.“[16]

Haghighian weist das übliche Konzept von Lebensläufen, Biografien und Resümees zurück.[17] Sie besteht darauf, dass in Drucksachen über ihre künstlerische Arbeit nur solche biografischen Daten zu ihrer Person Verwendung finden, die dem bioswop-Projekt entnommen sind.[18] Die Vorstellung einer geschlossenen Erzählung ihrer persönlichen Biografie/n und künstlerischen Produktion läuft ihren politischen und/oder künstlerischen Idealen zuwider. bioswop ist eine von ihr initiierte Biographie-Tausch-Plattform, welche 2004 für Künstlerinnen und Künstler und andere kulturelle Aktive veröffentlicht wurde, um Lebensläufe zu tauschen, auszuleihen oder zusammenzustellen.[19] Ihr Ziel ist es, immer mehr Leute dazu zu bewegen, ihre Lebensläufe für repräsentative Zwecke, wie Kataloge, zu wechseln oder zu verändern.

Haghighian wurde verschiedentlich als Soundkünstlerin[20], Installationskünstlerin[21], Dokumentarfilmerin[22], Chemiestudentin[23], 29-jährige falsche Blondine bezeichnet. Außerdem sei sie schon tätig gewesen als Telefonistin eines Transportunternehmens (1988–90) und Barkeeperin (1990–96).[24]

Haghighian hat unterschiedliche Auszeichnungen und Stipendien erhalten und kann diverse Gruppen- und Einzelausstellungen vorweisen: Sie stellte beispielsweise 2013 in der König Galerie, Berlin[25] unter dem Titel pssst LEOPARD 2A7+ solo aus, war 2012 an der dOCUMENTA (13) in Kassel vertreten sowie 2007 an der Manifesta 7 in TrentinoAlto Adige, Italien[26] und 2002 der Manifesta 4 in Frankfurt am Main.[27]

2019 wird sie auf der Biennale di Venezia den Deutschen Pavillon bespielen (kuratiert von Franciska Zòlyom) und passte dafür ihren Nachnamen der Veranstaltung an und nennt sich Natascha Süder Happelmann.[28][29] Die Künstlerin wollte mit dieser von Algorithmen verbesserten Version ihres Namens die Autokorrekturprogramme und die Unaufmerksamkeit öffentlicher Stellen bloßstellen. Auch auf Interview-Anfragen zum deutschen Pavillon antwortet sie mit Zeichnungen, die optisch an Grafiken erinnern, die Töne sichtbar machen, so dass die Deutung und Entschlüsselung ihrer gezeichneten Antworten nahezu unmöglich erscheint.[30]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografische Angaben in Allgemeines Künstlerlexikon
  2. Natascha Sadr Haghighian (Profil). Hochschule für Künste Bremen, abgerufen am 15. März 2019.
  3. Natascha Sadr Haghighian, im Jahr 2017 als Jurorin der Villa Romana, website der Villa Romana, Florenz, Abruf am 25. Oktober 2018
  4. Pssst Leopard 2A7 - Press Release. König Galerie, Berlin, 2013, abgerufen am 15. Oktober 2018 (englisch).
  5. Natascha Sadr Haghighian with Ashkan Sepahvand. 11th Gwangju Biennale, Korea, 2016, abgerufen am 15. Oktober 2018 (englisch).
  6. bioswop.net in dOCUMENTA 13 Begleitheft, Seite 300
  7. ZKM (Hrsg.): Natascha Sadr Haghighian | ZKM. (zkm.de [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  8. Natascha Sadr Haghighian | MoMA. MoMA, abgerufen am 18. Oktober 2018 (englisch).
  9. Natascha Sadr Haghighian. In: 3. Berliner Herbstsalon. berliner-herbstsalon.de, 2017, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  10. Arsenal: Natascha Sadr Haghighian. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (britisches Englisch).
  11. Pssst Leopard 2A7 - Press Release. König Galerie, Berlin, 2013, abgerufen am 15. Oktober 2018 (englisch).
  12. Natascha Sadr Haghighian. Abgerufen am 18. Oktober 2018.
  13. Natascha Sadr-Haghighian | Bidoun. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (amerikanisches Englisch).
  14. Überraschungscoup: Die Künstlerin des deutschen Pavillons 2019 heißt Natascha Süder Happelmann. Abgerufen am 25. Oktober 2018.
  15. Natascha Sadr Haghighian with Ashkan Sepahvand. In: the8thclimate.org (Hrsg.): the8thclimate.org. (the8thclimate.org [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  16. pssst Leopard 2A7+. Feature des Deutschlandradio Kultur. Erstausstrahlung am 1. August 2014.
  17. CV | Natascha Sadr Haghighian | König Galerie. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (englisch).
  18. 9 Artists. MIT List Visual Arts Center, abgerufen am 18. Oktober 2018 (englisch).
  19. Natascha Sadr Haghighian. Abgerufen am 18. Oktober 2018.
  20. Arsenal: Natascha Sadr Haghighian. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (britisches Englisch).
  21. Natascha Sadr Haghighian. Abgerufen am 18. Oktober 2018.
  22. Natascha Sadr Haghighian | ZKM. (zkm.de [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  23. the8thclimate.org. In: the8thclimate.org. (the8thclimate.org [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  24. Tirdad Zolghadr: Interview mit Natascha Sadr-Haghighian | Bidoun. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (amerikanisches Englisch).
  25. Works | Natascha Sadr Haghighian. König Galerie, Berlin, abgerufen am 15. März 2019 (englisch).
  26. Manifesta 7 - Archiv. 2007, abgerufen am 23. Oktober 2018.
  27. Manifesta 4. 2002, abgerufen am 23. Oktober 2018.
  28. Künstlerin für deutschen Pavillon - Überraschungscoup. In: Monopol Magazin. Elke Buhr, 25. Oktober 2018, abgerufen am 25. Oktober 2018.
  29. Bremer Kunstprofessorin gestaltet Pavillon der Biennale Venedig. In: buten un binnen. (butenunbinnen.de [abgerufen am 25. Oktober 2018]).
  30. Catrin Lorch: Zeichensprache. In: sueddeutsche.de. 1. Februar 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 15. März 2019]).
  31. Ars Viva 00/01. Kunst und Wissenschaft | 2000 | ZKM. (zkm.de [abgerufen am 18. Oktober 2018]).