Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal

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Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal

IUCN-Kategorie IV – Habitat-/Species Management Area

Blick über das Stellmoorer Tunneltal

Blick über das Stellmoorer Tunneltal

Lage Hamburg, Deutschland
Fläche 217 ha
WDPA-ID 82637
Geographische Lage 53° 38′ N, 10° 11′ OKoordinaten: 53° 37′ 36,6″ N, 10° 10′ 38,2″ O
Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal (Hamburg)
Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal
Einrichtungsdatum 1978
Verwaltung BSU
Rand des ehemaligen Eichen-Krattwaldes
Teich im Wandse-Tal

Das Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal liegt im Hamburger Stadtteil Rahlstedt in der Nähe der Naturschutzgebiete Höltigbaum und Ahrensburger Tunneltal an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Es ist europäisches Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das circa 217 Hektar große Naturschutzgebiet erhielt am 28. März 1978 seinen Schutzstatus[1][2] und gehört damit zu den älteren Naturschutzgebieten in Hamburg. Es wird heute vom NABU betreut.[3] Die Grenzziehung des NSG wurde mehrfach verändert und erweitert, es enthält allerdings weiterhin Siedlungsenklaven und eine entsprechende Infrastruktur.

Die besondere geologische Situation, zahlreiche archäologische Funde und die ökologische Bedeutung begründen den Schutz. Das Gelände besteht aus eiszeitlichen Geländeformen, Naßwiesen, Bachläufen und Niederwald.[1][2] Es ist räumlich eng verbunden mit den Naturschutzgebieten Höltigbaum und Ahrensburger Tunneltal, die beide in unmittelbarer Nähe liegen und wird in vielen Belangen als eine Einheit mit dem Höltigbaum behandelt.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände wurde durch die Weichsel-Eiszeit geformt und stellt den unteren Teil eines Tunneltals dar, das durch Schmelzwassererosion nahe dem Rand der Vereisung entstanden ist. Durch umfangreiche geologische Untersuchungen kennt man den Aufbau der Sedimente heute sehr genau. Vor allem kiesige Schmelzwassersande sowie Übertiefungen in der vermuteten Fließrichtung von Wasser und Eis zeigen, dass es sich nicht um ein normales Flusstal handelt. Querrippen und Drumlins mit aufragenden Sedimentkernen der vorhergehenden Vergletscherung finden sich an der Talsohle.

Der durch Kiesentnahmen im 20. Jahrhundert deutlich veränderte Wallberg entstand wahrscheinlich durch Sedimentaufschüttung unter dem Eis in der Spätphase der Vergletscherung. Aus dieser Zeit finden sich auch Spuren die auf abgelagertes Toteis schließen lassen.

Heute sind die alten Schmelzwasserrinnen die Täler von Wandse und dem in diese einmündenden Stellmoorer Quellfluss.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des sumpfigen Untergrundes wurde das Gebiet in neuerer Zeit noch nicht großflächig bebaut oder intensiv landwirtschaftlich genutzt. Durch die langjährige Nutzung zur Brennholzgewinnung haben sich hier niedrige Eichen-Krattwälder erhalten.

Nach umfangreichen Renaturierungsmassnahmen vor allem am Wandse-Tal in den 1980er-Jahren sind beide Flusstäler heute in weiten Teilen wieder feucht und sumpfig. Die Wandse verfügt über ein naturnahes Rückhaltebecken, mit dichtem Röhrichtgürtel und reicher Wasserflora und -fauna. In den sumpfigen Teilen kommen unter anderem der Kammmolch, der Moorfrosch, die seltene Mond-Azurjungfer, die Große Königslibelle oder die Kleine Pechlibelle vor.

Brutvogelarten im Gebiet sind Kiebitz, Bekassine, Zwergtaucher, Rothalstaucher, Braunkehlchen, Pirol und Eisvogel.

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit sind die Rentierjägerfunde der jungsteinzeitlichen Hamburger Kultur durch Alfred Rust, deren Fundort Stellmoor den Namen der Gegend bekannt gemacht hat. An einer Reihe von spätglazialen Seen gab es hier am Ende der letzten Eiszeit Sommerlager von Rentierjägern, die heute bedeutsame archäologische Fundplätze sind. Die Funde werden häufig der Kultur des Magdalénien zugerechnet.

Gefährdung des Gebietes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet ist sehr störungsanfällig, weil es sehr schmal ist und seine Grenzen keinen geschlossenen Raum umschließen, sondern an vielen Stellen durch Siedlungen oder Verkehrswege aufgeweicht sind. Mehrere Besiedlungsblöcke, besonders entlang der Straße Hagenweg sind nicht Bestandteil des NSG. Die Straße Hagenweg ist als Zufahrt zu diesen Häusern und zu den ehemaligen Müllbergen ausgebaut. Das Gebiet grenzt im südlichen Teil unmittelbar an die Besiedlung in Rahlstedt. Auf ganzer Länge wird das Gebiet von der seit 2008 elektrifizierten Bahnstrecke Hamburg-Lübeck durchzogen, eine 380-kV-Stromleitung durchschneidet die Flächen. Aufgrund der Nähe zu den Wohngebieten und der guten Zugänglichkeit ist der Druck durch erholungssuchende Menschen auf das Gebiet sehr groß.

Fotografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Schmille: Die hamburgischen Naturschutzgebiete. Edition Temmen, Bremen 2011, ISBN 978-3-8378-2015-7, S. 257–267.
  • Werner Jansen: Die Naturschutzgebiete Stellmoorer Tunneltal und Höltigbaum. In: Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur. Nr. 5. Rahlstedter Kulturverein, 2003, S. 68–71.
  • Friedrich Grube: Gletscher formten die Rahlstedter Landschaft. In: Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur. Nr. 8. Rahlstedter Kulturverein, 2006, S. 34–46.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verordnung über das Naturschutzgebiet Stellmoorer Tunneltal in der Version vom 29. September 2015. Abgerufen am 22. Februar 2016
  2. a b Liste der Hamburger Naturschutzgebiete (PDF-Datei; 90 kB). Abgerufen am 30. Januar 2012
  3. nabu.de: Betreute Gebiete. Abgerufen am 30. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stellmoorer Tunneltal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien