Höltigbaum

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Naturschutzgebiet Höltigbaum

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Typische Wiesenlandschaft

Typische Wiesenlandschaft

Lage Hamburg, Deutschland f3
Fläche 2,62 km²
WDPA-ID 318567
Geographische Lage 53° 38′ N, 10° 12′ OKoordinaten: 53° 37′ 31,5″ N, 10° 11′ 56,5″ O
Höltigbaum (Hamburg)
Höltigbaum
Einrichtungsdatum 1998
Verwaltung BSU
f4
Naturschutzgebiet Höltigbaum

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Lage Schleswig-Holstein, Deutschland
Fläche 2,86 km²
WDPA-ID 318566
Einrichtungsdatum 1998
Verwaltung LLUR
Blühender Obstbaum mit Resten der Panzerstraße
Naturnahe Beweidung durch Rinder

Der Höltigbaum war bis 1992 der Standortübungsplatz Höltigbaum. Er wurde hauptsächlich von den damals in Hamburg-Rahlstedt stationierten Einheiten der Panzergrenadierbrigade 17 genutzt. Heute ist Höltigbaum eines der größten Naturschutzgebiete auf Hamburger Gebiet und nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. Es ist ein länderübergreifendes Schutzgebiet auf der Grenze zu Schleswig-Holstein, seine Hamburger Teile gehören zum Bezirk Wandsbek, Stadtteil Rahlstedt, die schleswig-holsteinischen Teile gehören zur Gemeinde Stapelfeld im Kreis Stormarn.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Höltigbaum hat eine lange landwirtschaftliche Nutzung hinter sich, die 1930 zu Gunsten der Nutzung als Standortübungsplatz eingestellt wurde. Von 1937 bis 1992, mit Unterbrechung von 1945 bis 1958, wurde das Gelände militärisch genutzt. Von den besonders nach 1958 für die Bundeswehr gebauten militärischen Anlagen sind heute, ausgenommen die Panzerstraßen und ein Munitionsdepot, nur noch Reste erhalten. Als 1995 die Aufgabe des Militärstandorts bekannt gegeben wurde, begann eine intensive öffentliche Diskussion über die Zukunft des Höltigbaums. Im Ergebnis wurde auf dem südwestlichen Teil, in dem früher die Schießstände lagen, ein Gewerbegebiet eingerichtet, der Rest konnte unter Naturschutz gestellt werden. Ausnahmen sind das Gelände um den Sender Hamburg-Rahlstedt, ein sanierter ehemaliger Sprengplatz und das ehemalige Munitionsdepot im schleswig-holsteinischen Teil.

Der Stormarner Teil ist seit 1997 geschützt und 286 ha groß. Der 272 ha große Teil auf Hamburger Gebiet wurde ein Jahr später unter Schutz gestellt.[1] Insgesamt hat das Schutzgebiet so eine Fläche von 558 ha. Das Naturschutzgebiet wird betreut durch den Naturschutzbund Deutschland, den Verein Jordsand, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Stiftung Natur im Norden, das Amt für Natur- und Ressourcenschutz Hamburg sowie das Forstamt Wandsbek. Die ökologische Bedeutung sowie zahlreiche archäologische Siedlungsfunde begründen den Schutz.[1]

Das Schutzgebiet Höltigbaum ist räumlich eng verbunden mit den Naturschutzgebieten Stellmoorer Tunneltal und Ahrensburger Tunneltal, die beide in unmittelbarer Nähe liegen. Es wird in vielen Belangen als eine Einheit mit dem Stellmoorer Tunneltal behandelt.

Seit 2008 gibt es mit dem „Haus der wilden Weiden“ ein Informations- und Besucherzentrum für das Schutzgebiet.[2]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch gehören die drei Gebiete Höltigbaum, Stellmoorer Tunneltal und Ahrensburger Tunneltal zusammen und bilden ein reich gegliedertes Endmoränengebiet der Weichseleiszeit. Zentrale Formation ist dabei das namensgebende Tunneltal, das sich von Ahrensburg-Hagen bis zu den östlichen Rändern Rahlstedts erstreckt und durch das heute der Lauf der Wandse und des Stellmoorer Quellflusses führt.

Der Höltigbaum ist weniger reich gegliedert und stellt ein gutes Beispiel für eine Grundmoränenlandschaft der letzten Eiszeit dar.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Teile des Schutzgebietes unterscheiden sich aufgrund ihrer Vegetation stark. Im schleswig-holsteinischen Gebiet gibt es ein bemerkenswert großes Vorkommen der Feldlerche, die dort als Bodenbrüter optimale Bedingungen vorfindet. Im Hamburger Teil dominiert dagegen starker Bewuchs, der das Vorkommen des Fitislaubsängers begünstigt. Insgesamt gibt es im Gebiet der Hansestadt mehr Arten und Tiere als im Stormarner Gebiet. In der halboffenen Heidelandschaft kommen Baumpieper, Neuntöter, Dorngrasmücke und Goldammer in regional bedeutender Population vor. Das Schutzgebiet besitzt auch eine große Bedeutung für Amphibien und Insekten. Insgesamt 58 Pflanzen- und 78 Tierarten der Roten Liste werden geschützt.

Über vierzig Jahre Bundeswehrnutzung haben die Vegetation auf dem Höltigbaum entscheidend geprägt. Die Flächen wurden kaum gedüngt, die Vegetationsdecke wurde immer wieder zerstört, wodurch sich hier vor allem kurzlebige Pionierpflanzen etablieren konnten. Auf sandigen Hügelkuppen und sonnigen Hängen wachsen bis heute trockene Magerrasen. Besonders typisch sind die savannenartigen Grasfluren mit Rot-Schwingel und Rot-Straußgras. Eingestreut in die Landschaft finden sich Reste von Sand- und Lehmheiden. Die vorhandenen Knicks wurden lange Zeit nur sehr sparsam bewirtschaftet und weisen neben den typischen Eichen, Eschen, Schlehen und Weißdorn einen hohen Anteil an Wildapfelbäumen auf.

Zum Erhalt der Lebensraumvielfalt wird der größte Teil des Höltigbaum seit 2000 nach der Methode der „Halboffenen Weidelandschaft“, einer extensiven Ganzjahresbeweidung mit verschiedenen Weidetieren (vor allem Galloway- und Highlandrinder und Heidschnucken) bewirtschaftet.

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Straße Hagenweg nahe der ehemaligen Mülldeponie wurde von 1972 bis 1988 eine eisenzeitliche ländliche Siedlungsstelle aus dem Zeitraum des 1. Jh. v. Chr. ausgegraben und umfangreich dokumentiert. Wenn man auch keine eindeutigen Spuren von Häusern nachweisen konnte, hat man doch Wasserstellen, Öfen, Keramikreste und steinerne Gebrauchsgegenstände gefunden, die mit anderen eisenzeitlichen Funden im Hamburger Osten vergleichbar sind. Als Besonderheit wird ein bauchiges Keramikgefäß mit sechs Henkeln erwähnt, das bisher in der entsprechenden Zeitperiode ein Einzelstück in Norddeutschland ist.

Gedenkort Schießplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht der Gedenkstätte am ehemaligen Exekutionsplatz

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden an den Schießständen des Truppenübungsplatzes Höltigbaum zahlreiche von Kriegsgerichten wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Soldaten hingerichtet. Die Exekutionskommandos wurden von den umliegenden Kasernen gestellt. Die letzten Erschießungen fanden am 28. April 1945, fünf Tage vor dem Eintreffen der britischen Truppen, statt. Bekannt sind die Namen von 22 Hingerichteten, die beim Standesamt Rahlstedt eingetragen wurden. Es waren einfache Soldaten, Matrosen, Pioniere und Schützen, auch Obergefreite und Unteroffiziere sowie zwei junge Offiziere. Insgesamt geht man von etwa 330 erschossenen Deserteuren aus.[3] Nach Aufgabe des Standortübungsplatzes wurde am 5. September 2003 an dieser Stätte eine Gedenktafel im Rahmen des Tafelprogramms der Hamburger Kulturbehörde angebracht, um der Soldaten zu gedenken, die für ihre Weigerung, den weiteren Kriegsdienst für die NS-Gewaltherrschaft auszuüben, verfolgt und getötet wurden. Der Rahlstedter Kulturverein e.V. hat die Initiative ergriffen und die Höltigbaum-Informationstafel am 5. September 2003 aufgestellt. Die Rahlstedter Kommunalpolitik hat sich der Initiative angeschlossen.[4][5] Das Deserteurdenkmal ist in der Planung.

Ursprung des Namens Höltigbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südöstlich des Höltigbaums verläuft die L222, schon seit Jahrhunderten eine Landstraße zwischen Hamburg und Lübeck. Von 1788 bis 1837 befand sich hier (53° 36′ 33,2″ N, 10° 11′ 29,4″ O) ein Gutshof mit Zollstation und einem Schlagbaum. Aus der plattdeutschen Bezeichnung für diesen „Haltebaum“ leitet sich der heutige Name des Gebietes ab.[6]

Fotografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Schmille: Die hamburgischen Naturschutzgebiete. Edition Temmen, Bremen 2011, ISBN 978-3-8378-2015-7, S. 163–171.
  • Werner Jansen: Die Naturschutzgebiete Stellmoorer Tunneltal und Höltigbaum. In: Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur. Nr. 5. Rahlstedter Kulturverein, 2003, S. 68–71 (online [abgerufen am 31. Januar 2012]).
  • Friedrich Grube: Gletscher formten die Rahlstedter Landschaft. In: Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur. Nr. 8. Rahlstedter Kulturverein, 2006, S. 34–46.
  • Wulf Thieme: Die Ausgrabung einer urgeschichtlichen Siedlung am Hagenweg in Hamburg-Meiendorf. In: Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur. Nr. 10. Rahlstedter Kulturverein, 2008, S. 22–34 (online [abgerufen am 2. Februar 2012]).
  • Umweltbehörde Hamburg, Naturschutzamt (Hrsg.): Naturschutzgebiete Höltigbaum Stellmoorer Tunneltal (Karte 1:10.000 mit Erläuterungen). Umweltbehörde Hamburg, Hamburg 1999.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verordnung über das Naturschutzgebiet Höltigbaum in der Version vom 24. April 2012, abgerufen am 5. Juli 2012
  2. "Haus der wilden Weiden" auf hamburg.de, abgerufen am 1. Februar 2012
  3. taz artikel vom 21. Juli 2009: Die ehrenhaften Verräter, abgerufen am 20. Februar 2010
  4. http://www.rahlstedter-kulturverein.de/ (Jahrbuch 2004 – Rede zur Einweihung der Tafel von Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs).
  5. Gedenkstätten in Hamburg, Schießplatz Höltigbaum abgerufen am 10. Juli 2012
  6. Geschichte des Höltigbaums auf www.jordsand.eu (abgerufen am 10. März 2013)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Höltigbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien