Neuman & Esser

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Neuman & Esser Group
Neuman & Esser Group Company Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1830
Sitz Übach-Palenberg, Deutschland

Leitung

  • Alexander Peters (Geschäftsführender Gesellschafter)
  • Stefanie Peters (Geschäftsführende Gesellschafterin)
Mitarbeiter 890 (2012) [1]
Umsatz 250 Mio. (2011) [2]
Branche Maschinen- und Anlagenbau
Website www.neuman-esser.de

Das Familienunternehmen Neuman & Esser mit Gründungssitz in Aachen (kurz NEA für Neuman & Esser Aachen) ist ein Hersteller von Kolbenkompressoren und Mahlanlagen. Das Unternehmen produziert vor allem für die Marktsegmente Öl und Gas, Chemie und Petrochemie, Lebensmittelindustrie sowie Erneuerbare Energien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln der Firma Neuman & Esser reichen zurück bis in das Zeitalter der industriellen Revolution.

Erstes Logo von Neuman & Esser

Johann Leonard Neuman, 1796 in Eupen als Sohn des Tuchfabrikanten Walter Kornelius Neuman geboren, zog 1821 nach Aachen und gründete dort unter der Firma Neuman & Bilstein zunächst eine Kupferschmiedewerkstatt. Mit Eintritt seines Schwagers Theodor Esser (* 1802 in Lechenich) und seines jüngeren Bruders Friedrich August Neuman (1805–1881) wandte man sich dem Maschinenbau zu, firmierte ab 1829 als J. L. Neuman & Cie. Maschinenfabrik[3] und ab 1830 als Neuman & Esser Aachen (NEA). 1841 baute dieses Unternehmen u. a. in Zusammenarbeit mit der britischen Imperial-Continental-Gas-Association die ersten Gasbehälter Deutschlands in Köln. 1845 galt es als eine der bedeutendsten Kupferschlägereien in der Rheinprovinz.

Nach dem Tod Johann Leonard Neumans im August 1848, verließ Friedrich August das Unternehmen und gründete zum 1. Januar 1849 eine eigene Kupferschmiedewerkstatt in der Kleinmarschierstraße 1222, die später als Neuman F. A. GmbH & Co. KG firmierte. Er stellte er zunächst Brandspritzen, Gasbehälter sowie Siederöhren für Dampfmaschinen und Lokomotiven her.

Der Hauptbetrieb wurde unter dem alten Namen Neuman & Esser von Theodor Esser weitergeführt. Produziert wurden hydraulische Pressen, Wälzdekatoren, Oszillant-Dampfmaschinen und Schermaschinen. Darüber hinaus gehörte auch damals schon die Instandsetzung schadhafter Maschinen zum Geschäft. 1888 bezog Neuman & Esser eine neue und größere Montagehalle in der Clasenstraße, in der Nähe des Aachener Westbahnhofs.

Maschinenhalle am Westbahnhof

Nach dem Tod Theodor Essers übernahm 1891 Oscar Peters als alleiniger Inhaber die Maschinenfabrik. Seitdem ist Neuman & Esser im Besitz der Familie Peters.

Um 1900 erweitert NEA das Programm um Kolben-Dampfmaschinen und Kolben-Kompressoren, Vakuum- und Flüssigkeitspumpen sowie Trockenanlagen. 1930/1931 folgten die Zerkleinerungsanlagen. Neuman & Esser übernahm von dem insolventen Aachener Unternehmen Mehler die Lizenzen zum Bau von Pendelmühlen nach Patent von Raymond. Zeitgleich entwickelte NEA die ersten ölfreien Trockenlaufverdichter. Die ölfreien Verdichter fanden Anwendung in Brauereien und der stärker werdenden Lebensmittelindustrie. Sie wurden aber auch in der chemischen Industrie zunehmend eingesetzt.

Da das wachsende Unternehmen immer mehr Platz benötigte, bezogen Neuman & Esser 1972 ein neues Fabrikgelände in Übach-Palenberg, 20 km vor Aachen. Damals zählte das Maschinenbauunternehmen 250 Mitarbeiter. Heute sind es etwa 890 Mitarbeiter weltweit. Denn mit dem Wechsel des Firmensitzes wurden die Weichen für die Entwicklung vom Einzelunternehmen zur Unternehmensgruppe mit Standorten in zehn Ländern gestellt.[1]

Die Gründung der Neuman & Esser Kundendienst GmbH und ihrer späteren Umbenennung in NEAC Compressor Service GmbH & Co KG in den 1980er Jahren läutete die Dezentralisierung ein. Die Übernahmen der Maschinenfabrik Wurzen GmbH im Jahr 1991 in Sachsen und des Lieferanten Stasskol Kolbenstangendichtungen im Jahr 2001 führten zur Ausweitung des Kerngeschäfts für Kompressoren.

Immer stärker konzentrierte sich das Unternehmen auf Kolbenverdichter und Mahlanlagen. Nischenprodukte wie etwa der Behälterbau wurden aus dem Produktionsprogramm genommen.

2008 übernahm die vierte Generation der Familie Peters, Alexander und Stefanie, die Geschäftsleitung. Seit 2010 positioniert sich Neuman & Esser als Grüner Maschinenbauer und setzt mit neuen Produkten auf Ressourcenschonung und Energieeffizienz.[4]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kolbenkompressoren wie auch die Mühlen entwickelten sich zunehmend von der Einzelmaschine zu Kompressoren- bzw. Mahlanlagen. Die Neuman & Esser Gruppe produziert zwar ausschließlich an drei Standorten in Deutschland, Zusammenbau und Instandhaltung der Gesamtanlagen erfolgen jedoch durch 17 Tochterunternehmen für Vertrieb und Anlagentechnik sowie Service an strategischen Punkten weltweit.[5] Den 20 operativen Firmen sind drei Holdings in Deutschland, USA und China übergeordnet.[6]

Neben der Produktion von Kompressoren- und Mahlanlagen setzt Neuman & Esser auf Serviceleistungen. Den 1983 gegründeten Kundendienst gliederte NEA 1988 als NEAC Compressor Service als eigenständige Gesellschaft aus. In den ersten zehn Jahren nach 1988 war die NEAC ein gemeinsames Joint-Venture mit Atlas Copco. Das durch den großen Partner zur Verfügung stehende globale Vertriebsnetzwerk ermöglichte den direkten Einstieg in das internationale Geschäft. Die klare Trennung zwischen After Market und Neumaschinengeschäft brachte nicht nur eine höhere Transparenz, sondern auch einen eindeutigen Fokus der Geschäftsbereiche.

Kompressoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kolbenkompressoren von NEA verdichten Luft und technische Gase. Ölfreie und geschmierte Kolbenverdichter im Leistungsbereich bis 100.000 Nm³/h Ansaugvolumen, 30.000 kW Antriebsleistung und 1.000 bar Enddruck werden am Stammsitz in Übach-Palenberg sowie in Wurzen produziert, wobei in Übach-Palenberg die größeren und in Wurzen die kleineren Baugrößen gefertigt werden. Die Kernkompetenz im Bereich der Fertigung von Kompressoren wurde auch durch die Übernahme von Stasskol, eines Herstellers von Kolbenringen und Dichtungssystemen, erweitert.

Mahlanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1930 baut Neuman & Esser Mahlanlagen; begonnen hat das Unternehmen mit Pendelmühlen. Diese besonders robuste Mühlenbauart beherrschte lange Zeit den Markt. Obwohl sie in mancher Hinsicht verbessert wurde, beispielsweise beim Antrieb, haben sie sich bis heute im Grunde kaum geändert. 1994 erfolgte die Markteinführung einer eigenen Prallsichtermühle, für die NEA 1998 das Patent erhielt.

Die Anwendungsgebiete der NEA Mühlen liegen in der keramischen und chemischen Industrie, bei der Pigment-Herstellung sowie in der Aufbereitungstechnik. In den letzten Jahren folgten die Bereiche Pulverlack-Produktion und Süßwaren- bzw. Lebensmittelindustrie.

After Market[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NEAC Compressor Service ist die Kundendienstorganisation für alle Kolbenverdichterprodukte der Neuman & Esser Group. Darüber hinaus besitzt die NEA die Original-Auftragsunterlagen und Originalzeichnungen der Verdichterfabrikate von Linde, Esslinger / GHH, Demag, MaFa Wurzen, Chicago Pneumatic, Halberg, KSB (Erhardt & Sehmer) and PPC (PENN Process Compressors). Des Weiteren hat Neuman & Esser den gesamten Geschäftsbereich After-Sales Service der Borsig-Berlin Kolbenkompressoren von MAN Turbo erworben, die bis Ende 1995 gebaut wurden.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuman & Esser Stammsitz in Übach-Palenberg

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuman & Esser Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 175-jährigen Bestehen des Unternehmens beschloss die Familie Peters im Jahr 2005 eine eigene Stiftung zu gründen: Die Neuman & Esser Stiftung der Familie Peters. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kultur und Denkmalschutz sowie Heimatgeschichte insbesondere in der Industrieregion Aachen. Verwirklicht wird der Förderzweck durch die Pflege und Erhalt von baulichen und technischen Anlagen, wissenschaftliche Stipendien sowie Zuschüsse an Museen und öffentliche Sammlungen.

Zu den geförderten Objekten zählen unter anderem das Lochner-Tor und das Lochner-Grabmal.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Seit 40 Jahren viel Know-how, In: Super Sonntag Sonderveröffentlichung vom 24. Mai 2012
  2. Kampf um die Aufträge im Maschinenbau wird härter, In: Aachener Zeitung vom 12. März 2012, mit Umsatz- und Mitarbeiterzahlen 2011
  3. Rita Mielke (Hrsg.): Neuman & Esser 1830–2005. Grenz-Echo-Verlag, Eupen (Belgien) 2005, ISBN 90-5433-207-7.
  4. Tonnenschwere Dauerläufer. In: Aktiv vom 10. November 2012
  5. Neuman & Esser Leaves Room for Growth. In: CompressorTechTwo, Ausgabe Januar / Februar 2012
  6. Innovation hat Tradition. In: Biogas Journal, Ausgabe 5/2012
  7. Baudenkmal Lochnertor, Veröffentlichung der Stadt Aachen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuman & Esser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien