Niederlenz

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Niederlenz
Wappen von Niederlenz
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4204i1f3f4
Postleitzahl: 5702
UN/LOCODE: CH NLZ
Koordinaten: 655682 / 250479Koordinaten: 47° 24′ 10″ N, 8° 10′ 35″ O; CH1903: 655682 / 250479
Höhe: 374 m ü. M.
Fläche: 3,26 km²
Einwohner: 4682 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 1436 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
27,8 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.niederlenz.ch
Niederlenz

Niederlenz

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Niederlenz (schweizerdeutsch: ˈnɪdərˌlænts)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Zentrum des Kantons im unteren Seetal, zwei Kilometer nördlich des Bezirkshauptorts.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände wird durch ein flaches Plateau geprägt. Durch eine schmale Rinne, die aber kaum mehr als 20 Meter tief ist, fliesst der Aabach in nördlicher Richtung und teilt das Dorf in zwei etwa gleich grosse Hälften. Grössere Erhebungen fehlen völlig. 1977 ergab eine Berechnung, dass sich die geographische Mitte des Kantons Aargau im Lenzhardwald nordwestlich des Dorfzentrums befindet (Koordinaten 654217/251240). Dieser Punkt wird seither mit einem Findling markiert. Die Gemeinden Niederlenz, Lenzburg und Staufen sind zu einer zusammenhängenden Agglomeration mit rund 15'000 Einwohnern zusammengewachsen, die Grenzen zwischen den drei Orten sind kaum mehr erkennbar. Die nördliche Gemeindegrenze reicht bis an den Dorfrand von Wildegg.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 331 Hektaren, davon sind 85 Hektaren bewaldet und 143 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 430 Metern an der südöstlichen Gemeindegrenze, der tiefste auf 355 Metern am Aabach.

Nachbargemeinden sind Möriken-Wildegg im Norden, Lenzburg im Osten und Süden sowie Rupperswil im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühesten Besiedlungsspuren stammen aus der Mittelsteinzeit vor etwa 8000 Jahren. Später besiedelten Helvetier, Römer und Alamannen die Gegend. Allerdings gab es vorerst nur einige Einzelhöfe, eine dörfliche Siedlung existierte noch nicht. Die erste urkundliche Erwähnung von Nider-Lenz erfolgte im Jahr 1261. Der Name des Ortes leitet sich vom alteuropäischen Flussnamen Lentia ab, der «die Biegsame» oder «die Gekrümmte» bedeutet und später von Helvetiern und Römern übernommen wurde. Tatsächlich hiess der Aabach im Mittelalter Lenzbach.[3] Die Habsburger kauften 1291 das Gebiet vom Kloster Murbach. Erst 1480 findet sich der erste Hinweis darauf, dass Niederlenz ein von Lenzburg getrenntes dörfliches Gemeinwesen war.

Im Mittelalter war Niederlenz Teil der Pfarrei Staufberg auf dem gleichnamigen Hügel. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Niederlenz gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau und bildete einen Teil des Gerichtsbezirks Rupperswil im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Niederlenz gehört seither zum Kanton Aargau.

Ihren Aufschwung verdankt die Gemeinde hauptsächlich der früh erfolgten Industrialisierung. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nutzten zahlreiche Fabriken die Wasserkraft des Aabachs, darunter eine Gipsmühle, zwei Schnupftabakstampfen, eine Textilfabrik und eine grosse Mühle. Am 1. Oktober 1895 wurde der Abschnitt Lenzburg–Wildegg der Seetalbahn mit einem Bahnhof in Niederlenz eröffnet. Seit dem 2. Juni 1984 wird die Strecke allerdings nicht mehr befahren und dem Zerfall überlassen. Die Bevölkerungszahl hat sich seit 1900 fast vervierfacht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühle am Aabach wurde erstmals 1234 erwähnt. Die ältesten erhalten gebliebenen Gebäudeteile gehen auf das Jahr 1575 zurück; markante Erweiterungen erfolgten 1826 und 1852. Die Gemeinde erwarb die Mühle 1899 und nutzt sie heute als Veranstaltungssaal.[5]

Die vom Künstler Paul Eichenberger entworfene Reformierte Kirche Niederlenz besteht seit 1949.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb über grünem Dreiberg grünes Lindenblatt.» Bereits auf den Gemeindesiegeln des 19. Jahrhunderts ist ein Lindenblatt über einem Dreiberg zu sehen. Allerdings war der Schildgrund damals noch blau, das Wappen entsprach somit nicht den heraldischen Farbregeln und wirkte etwas stumpf. 1953 erfolgte der Wechsel vom blauen zum gelben Schildgrund. Der alteuropäische Name des Aabachs, Lentia, hat den gleichen Wortstamm wie die Linde.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2010
Einwohner 779 995 1550 1987 2775 3027 3406 3576 3846 4073 4228

Am 31. Dezember 2016 lebten 4682 Menschen in Niederlenz, der Ausländeranteil betrug 27,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 46,8 % reformiert. 31,2 % römisch-katholisch, 9,2 % moslemisch und 1,2 % christlich-orthodox; 1,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 82,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,8 % Italienisch, 3,5 % Serbokroatisch, 2,7 % Türkisch, 1,1 % Albanisch, je 0,7 % Französisch und Portugiesisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Niederlenz gehört zum Friedensrichterkreis Lenzburg.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Niederlenz gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1000 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 44 % in der Industrie und 54 % im Dienstleistungsbereich.[10] Die bedeutendsten Arbeitgeber sind ein Betonwerk, eine Garnspinnerei, eine Pumpen- und Waagenfabrik sowie eine Papierhülsenfabrik. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden der Umgebung wie Lenzburg oder Aarau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auffahrt Lenzburg auf die A1, Blick in Richtung Niederlenz

Mitten durch das Dorf verläuft die Hauptstrasse 26 (BruggLenzburgLuzern). Der Anschluss Lenzburg der Autobahn A1 ist etwas mehr als drei Kilometer entfernt. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch drei Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg zu den Bahnhöfen von Lenzburg, Wildegg und Mägenwil.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über fünf Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Möriken-Wildegg besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Reck (1920–1996), Journalist und Publizist

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 300–302.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  5. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 227.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.