Nový Šaldorf-Sedlešovice

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Nový Šaldorf-Sedlešovice
Wappen von Nový Šaldorf Sedlešovice
Nový Šaldorf-Sedlešovice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 844 ha
Geographische Lage: 48° 50′ N, 16° 4′ OKoordinaten: 48° 49′ 42″ N, 16° 3′ 42″ O
Höhe: 213 m n.m.
Einwohner: 1.526 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 81
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Dalibor Dočekal (Stand: 2015)
Adresse: Nový Šaldorf 169
671 81 Nový Šaldorf
Gemeindenummer: 587729
Website: www.saldorf-sedlesovice.cz

Nový Šaldorf-Sedlešovice (deutsch Neuschallersdorf-Edelspitz) ist eine Gemeinde im Okres Znojmo (Bezirk Znaim), Jihomoravský kraj (Region Südmähren) in der Tschechischen Republik. Der Ort liegt südlich von Znojmo am Fluss Thaya (Dyje).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte sind Znojmo (Znaim) im Norden, Konice (Deutsch Konitz) im Westen und Načeratice (Naschetitz) im Osten. Der Ort selbst war als ein Breitstraßendorf[2] angelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In frühgeschichtlicher Zeit durchschneidet der sog. „Rittsteig“ (ahd. ritto = Fieber), auch „Bräunersteig“ (Halsbräune = Diphtherie) oder „Fiebersteig“ das Ortsgebiet. Dieser führte wegen der Ansteckungsgefahr am Ort vorbei. Die Anlage des Ortes sowie die bairisch-österreichisch Ui-Mundart[3] mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, welche bis 1945 gesprochen wurde, weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[4] Sie kolonisierten das Land, brachten Ackergeräte aus Eisen mit und setzten neue landwirtschaftliche Anbaumethoden wie die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein. [5]

Neuschallersdorf war ein Ortsteil von Altschallersdorf und wurde um das Jahr 1580 von der Herrschaft Znaim gegründet. Die Bezeichnung "New Schallersdorf" wurde erstmals im Jahre 1672 verwendet und ab dem Jahre 1720 ist der Name "Neueigen" bzw. "Neu-Aigen" mehrmals beurkundet. In den Jahren 1679/80 wütete die Pest in der Ortschaft. Im Jahre 1799 zerstört ein Hochwasser fast den gesamten Ort und so wurde dieser bei der Reichsstraße wieder aufgebaut. Während der Franzosenkriege besetzten die Franzosen zweimal (1805 und 1809) den Ort. Durch einen Brand im Jahre 1834 wurde fast das gesamte Dorf in Schutt und Asche gelegt. In den Jahren 1930/33 wird die Retzer Straße gebaut. Zuerst wollte man den frühzeitlichen Rittsteig ausbauen, doch man entschied sich, die Straße über Gnaldersdorf, Kaidling und Neu-Schallersdorf zu bauen.[6]

Im Jahre 1848 wurden Altschallersdorf und Neuschallersdorf zur Gemeinde "Alt- und Neuschallersdorf".[7] Diese Zusammenlegung war künstlich hergeführt und wurde von keinen der beiden Gemeinden gewünscht. Infolgedessen kam es in den nächsten Jahren zu vielen Streitereien, Prozessen und politischen Diskussionen. Da beide Orte fast gleich groß waren, wollte sich kein Ort dem anderen unterordnen. So kam es in den nächsten Jahren zu mehreren Ansuchen an die Bezirkshauptmannschaft in Znaim, die die Trennung der Gemeinde verlangten. Im Jahre 1874 wurde Neuschallersdorf eine selbstständige Gemeinde. Die Trennung der beiden Ortschaften hatte sich behördlich so verzögert, dass der gesamte Vorgang 10 Jahre dauerte. Die Geschichte der Trennung ist von Josef Rotter im "Gedenkbuch der Gemeinde Neuschallersdorf" beschrieben.[8]

Bis 1945 lebte die Ortsbevölkerung größtenteils von der Landwirtschaft. Im Ort gab es 64 landwirtschaftliche Betriebe und einige Handwerksbetriebe.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 13 Opfer unter den Neuschallersdorfern forderte, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Einer der Nachfolgestaaten war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[9] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Neuschallersdorf, dessen Bewohner 1910 zu 100 % Deutschmährer waren, an den neuen Staat. Maßnahmen folgten wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, wodurch es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität kam.[10] Die entstehenden wachsenden Autonomiebestrebungen der Deutschen führten zu Spannungen innerhalb des Landes und im weiteren zum Münchner Abkommen,[11] das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. Zwischen 1938 und 1945 gehörte der Ort Neuschallersdorf zum Reichsgau Niederdonau. Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1931 und der Neubau der Dorfstraße im Jahre 1935.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945, welcher 33 Opfer forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bei antideutschen Maßnahmen durch nationale Milizen kam es zu einem Ziviltoten. Das Beneš-Dekret 115/1946 schützte vor einer juristischen Aufarbeitung der Geschehen. Bis auf zwölf Personen flohen alle vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen oder wurden über die Grenze nach Österreich vertrieben.[12] Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[13] Zwei Personen verblieben in Neuschallersdorf und zwei in Edelspitz. Die restlichen Ortsbewohner wurden mit dem Vertreibungstransporten 1946 über Znaim nach Deutschland zwangsausgesiedelt.[14] Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert; die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Transfermodalitäten des Potsdamer Kommuniques verlangte im Jänner 1946 die Rote Armee den Abschub aller Volksdeutschen aus Österreich nach Deutschland. Trotzdem konnten 141 Personen in Österreich verbleiben, alle anderen wurden nach Deutschland weiter transferiert. Je eine Person wanderte nach Frankreich und Schweden, drei nach Kanada und sechs nach den USA aus.[15]

Matriken werden seit 1580 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[16]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Nový Šaldorf-Sedlešovice besteht aus den Ortsteilen Nový Šaldorf (Neuschallersdorf) und Sedlešovice (Edelspitz).

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1874 erhielt der Ort ein eigenes Gemeindesiegel. Es zeigt in einem Siegelrund eine Weintraube und ein Winzermesser. Später verwendete der Ort einen bildlosen Gemeindestempel.[17]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 655 645 10 0
1890 660 655 5 0
1900 711 709 1 1
1910 723 721 0 2
1921 665 636 24 5
1930 601 571 20 10

[18]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapelle des hl. Johannes (Neubau 1920) mit Gedenktafel der Gefallenen des Ersten Weltkrieges
  • „G’spitzte Marter“ (1637)
  • Marterl an der Trift, nach Pestepidemie 1679/80

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Traditionsgemäß wurde der Kirtag immer an einem Sonntag Ende August oder Anfang September abgehalten.
  • Jährlich gab es zwei Wallfahrten, eine nach Maria-Dreieichen und eine weitere nach Mariazell.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Böhm: Neu-Schallersdorf, 1965.
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Neu Schallersdorf S. 162.
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Langen Müller, München 1992, ISBN 3-7844-2412-0.
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main / Bern / New York / Wien 1995 und 1996, ISBN 3-631-48302-3 (= Wiener Osteuropastudien, Band 2, Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, ISBN 3-927498-09-2
  3. Universität Giessen (Hrsg.): Sudetendeutsches Wörterbuch Bd.1, 1988, ISBN 978-3-486-54822-8
  4. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.html
  6. Walfried Blaschka, Gerald Frodl:Der Kreis Znaim von A bis Z.,2009
  7. Böhm:Neu Schallersdorf, 1965, S.152
  8. Johann Lang:Heimatbuch Altschallersdorf,1998,s.68f
  9. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919–1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  10. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  11. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  12. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.
  13. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  14. Archiv Mikulov, Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna (1946).
  15. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 307 (Neuschallersdorf).
  16. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 10. April 2011.
  17. Archiv der Stadt Znaim
  18. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984