Lechovice

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Lechovice
Wappen von Lechovice
Lechovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 572 ha
Geographische Lage: 48° 52′ N, 16° 13′ OKoordinaten: 48° 52′ 25″ N, 16° 13′ 19″ O
Höhe: 197 m n.m.
Einwohner: 521 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 63
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Juráček (Stand: 2009)
Adresse: Lechovice 32
671 63 Lechovice
Gemeindenummer: 594334
Website: www.obec-lechovice.cz

Lechovice (deutsch Lechwitz) ist eine Gemeinde im Okres Znojmo (Bezirk Znaim), Jihomoravský kraj (Region Südmähren) in der Tschechischen Republik. Der Ort liegt ca. zehn Kilometer östlich von Znojmo (Znaim).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte sind Borotice (Borotitz) im Süden, Čejkovice (Schakwitz) im Osten, Stošíkovice na Louce (Teßwitz an der Wiese) und Práče (Pratsch) im Westen. Der Ort selbst ist als ein Straßenangerdorf angelegt worden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lechwitz im Winter

Im 11. bis 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Siedlungsbewegung von West nach Ost. Mähren wurde von 1031 bis 1305 von der Dynastie der Přemysliden regiert. Um größere Gebiete landwirtschaftlich zu nutzen und damit höhere Erträge zu erzielen, bewarben sie die Kolonisten zum Beispiel mit zehn Jahre Steuerfreiheit (deutsches Siedlerrecht). Bis zum Jahre 1150 wurde das Gebiet um Mikulov (Nikolsburg) und Znojmo (Znaim) von deutschen Einwanderern aus Niederösterreich besiedelt. Die bis 1945 gesprochene ui-Mundart und die Anlage des Dorfes bekunden, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein. [2][3][4][5][6]

Lechwitz wurde im Jahre 1255 erstmals urkundlich erwähnt, wobei in der Urkunde auch von einer Feste die Rede war. Im Jahre 1389 wurde ein Teil des Dorfes vom Kloster Bruck gekauft, während der andere Teil des Ortes von dem Klarissinnenkloster in Znaim verwaltet wurde. Trotz des Verkaufs dieses Ortsteils einige Jahre später kaufte das Kloster Bruck 1660 den Ort vollständig zurück. Der Abt Wellner errichtete 1721 die große kreuzförmige Wallfahrtskirche 'Maria Heimsuchung'. Diese wurde das Wahrzeichen von Lechwitz. Aufgrund der darauf folgenden Wallfahrten kommt es im Ort zu einem raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Auch ließen sich die Äbte in Lechwitz ein Schloss als Sommerresidenz errichten. Ab 1740 wird von einer Schule im Ort berichtet. Die Matriken wurden bis 1785 bei Groß-Olkowitz und später im Ort geführt. Ein Jahr früher fällt der Ort, aufgrund der Josephinischen Reformen, unter die Verwaltung des Religionsfonds.

In den Jahren 1808–11 wird die Reichsstraße Znaim – Lechwitz – Pohrlitz gebaut, welche eine Verbindung zwischen den bereits vorhandenen Reichsstraßen Wien - Prag und Wien - Brünn darstellt. Das bis dahin vom Religionsfonds verwaltete Dorf ging im Jahre 1824 in den Besitz der Freiherren von Kübeck über, welche als Patronatsherren Kirche und Pfarre erhalten. Um 1828 wird in Lechwitz ein neues Schulgebäude errichtet. Ab 1870 verkehrt eine Postkutsche zum Bahnhof Frischau. Erst ab dem Jahre 1885 wird der Ort eine selbständige Pfarre. In der Pfarre sind weiters Borotitz und Phillipsdorf eingegliedert. 1888 zerstört eine Überschwemmung den tiefer gelegenen Ortsteil. Aufgrund der steigenden Kinderzahl im Ort wurde die Schule im Jahre 1889 auf zwei Klassen erweitert. Der größte Teil der Lechwitzer lebte von der Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau nur eine untergeordnete Rolle spielte. Die produzierten Weinmengen reichten meist nie über den Eigenbedarf des Dorfes hinaus. Aufgrund des Klimas wurden neben verschiedenen Getreidesorten auch Zuckerrüben, Gemüse, Gurken und Edelobst angebaut. Weiters gab es neben dem üblichen Kleingewerbe zwei Ziegeleien, eine Mühle und zwei Milchsammelstellen.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain [7] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Lechwitz, deren Bewohner 1910 zu 98 % Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Die versprochenen gleichberechtigte Stellung der Minderheiten wurde letztlich vom Mehrheitsvolk nicht zugestanden. Maßnahmen folgen wie die Bodenreform[8], das Sprachengesetz (1920) und die Sprachenverordnung (1926). Sie bewirkten die Ansiedlung von Tschechen in den deutschen Gemeinden und verschärfte die Spannungen zwischen den Volksgruppen. Als auch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland.[9] Somit wurde Lechwitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. - Zwischen 1928 und 1930 wurde der Ort elektrifiziert. Im gleichen Jahr wurde eine Klasse der Schule für die tschechische Minderheitenschule verwendet, welche ein Jahr später in einen Neubau umsiedelte.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Lechwitz 46 Opfer zu beklagen. Nach Kriegsende (8. Mai 1945) kamen die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bis auf 118 Personen flohen die deutschen Einwohner vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen durch selbsternannte Revolutionsgardisten und militante Tschechen oder wurden über die Grenze nach Österreich vertrieben. Im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, wurde zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung nicht Stellung genommen, explizit jedoch ein „geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt.[10] Die letzten 118 Deutschsüdmährer von Lechwitz wurden zwischen 9. Juli und 18. September 1946 nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 wurde das gesamte Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert[11] und unter staatliche Verwaltung gestellt. Es erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Transfermodalitäten des Potsdamer Kommuniques verlangte im Jänner 1946 die Rote Armee den Abschub aller Volksdeutschen aus Österreich nach Deutschland. Die in Österreich befindlichen Ortsbewohner wurden bis auf ca. 40 %, nach Deutschland weiter transferiert.[12][13][14]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste bekannte Gemeindesiegel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt ein Pflugeisen und ein Winzermesser nebeneinander in einem Schild. Im 19. Jahrhundert wurde vom Ort ein bildloser Stempel geführt, der in der unteren Hälfte eine Schmuck-Arabeske zeigt.[15]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 552 549 3 0
1890 613 613 0 0
1900 610 599 0 11
1910 610 598 5 7
1921 618 565 29 24
1930 575 529 31 15

[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche Mariae Heimsuchung, erbaut 1721 durch Christian Alexander Oedtl anstelle einer hölzernen Waldkapelle aus dem Jahre 1695, das Bild der Taufe Christi stammt von Josef Winterhalter
  • Schloss (1740) Umbau 1824
  • Schlosspark mit 1000jähriger Eiche und Schiffsrumpf des Schiffes mit dem der ehemalige Kaiser Maximilian von Mexiko fuhr.
  • Kriegerdenkmal (1922)
  • Kapelle Maria Siebeneichen (1880)
  • Statue des Hl. Johannes von Nepomuk (1760)
  • Statue des Hl. Antonius von Padua (1742)

[17][18]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Prock-Schauer (1926–2004) Heimatforscher
  • Hans Wagner (1893–1984) Abgeordneter in Österreich-Ungarn/Tschechoslowakei
  • Franz Wagner (1860–1929) Abgeordneter des Mährischen Landtages 1905/07 und Reichsrat 1907–1918
  • Max von Kübeck (1835–1913) Reichsrat und Delegierter im Deutschen Bund, Sohn von Karl Friedrich von Kübeck, dem Begründer der Österreichischen Nationalbank
  • Alois Lahoda K.K.Ingenieur, Semmeringbahnbauing. unter Ritter v.Ghega (1827–1906)

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/1946 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Traditionsgemäß pilgern zum Fest Maria Geburt (8. September) die Lechwitzer in einer dreitägigen Wallfahrt zum Heiligen Berg nach Nikolsburg (30 Kilometer).
  • Über Pfingsten erfolgt eine viertägige Wallfahrt nach Maria Dreieichen. Die Ortsbewohner von Panditz schließen sich dabei an.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren topographisch, statistisch und historisch, Bd. I-VI, Brünn, 1835-42
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Lechwitz 302
  • Hans Prock-Schauer: Heimatbuch der Gemeinde Lechwitz - Südmähren.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Hans Prock-Schauer: Wallfahrtskirche Lechwitz., 1993
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Verlag: Langen Müller, 1992, ISBN 3-7844-2412-0
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.html
  3. Joachim Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3 406 45954 4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Universität Giessen (Hrsg.): Sudetendeutsches Wörterbuch Bd.1, 1988, Oldenbourg Verlag, ISBN 978-3-486-54822-8
  6. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  7. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  8. Fritz Peter Habel: Dokumente zur Sudetenfrage, Langen Müller, 1984, ISBN 3-7844-2038-9, Bodenreform in der ČSR, 1918 bis 1938. S.471
  9. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  10. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  11. Ignaz Seidl-Hohenveldern: Internationales Konfiskations- und Enteignungsrecht. Reihe: Beiträge zum ausländischen und internationalen Privatrecht. Band 23. Berlin und Tübingen, 1952.
  12. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 281 f. (Lechwitz).
  13. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  14. Brunnhilde Scheuringer: 30 Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, Verlag: Braumüller, 1983, ISBN 3-7003-0507-9
  15. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band III, s. 200
  16. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  17. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Lechwitz S 60
  18. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Lechwitz, s. 16
  19. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z.2009