Olbramovice

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Olbramovice
Wappen von Olbramovice
Olbramovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1721 ha
Geographische Lage: 48° 59′ N, 16° 23′ OKoordinaten: 48° 59′ 24″ N, 16° 23′ 25″ O
Höhe: 200 m n.m.
Einwohner: 1.140 (1. Jan. 2018)[1]
Postleitzahl: 671 76
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Moravský KrumlovBranišovice
Struktur
Status: Městys
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Lubomír Čech (Stand: 2009)
Adresse: Olbramovice 23
671 76 Olbramovice
Gemeindenummer: 594563
Website: www.obec-olbramovice.cz

Olbramovice (deutsch Wolframitz) ist eine Minderstadt in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 20 km nördlich der österreichischen Grenze im Okres Znojmo (Bezirk Znaim). Der Ort ist als ein Platzdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt am südöstlichen Fuße des Leskoun (Miskogel, 371 m) und die Hauptdurchgangsstraße verläuft in ost-westlicher Richtung. Am Miskogel wurde nach dem Ersten Weltkrieg ein Steinbruch errichtet, ursprünglich hatte der Berg eine Höhe von 387 m.

Nachbarorte sind Vedrovice im Norden, Kubšice (Gubschitz) im Nordosten, Lidměřice (Lidmeritz) im Südosten, Želovice (Klein Seelowitz) im Süden, Bohutice im Westen und Lesonice im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar war das Gebiet von Wolframitz schon seit der Bronzezeit bewohnt, doch der heutige Ort wurde von einem Wolfram im 13. Jahrhundert gegründet. Die bis 1945 gesprochene „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weist auf eine Besiedlung durch deutsche Stämme hin, wie sie vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte. Aufgrund besonderer Zwielaute unterscheidet sich diese Mundart von der mittelbairischen, welches im Osten von Südmähren gesprochen wird. Da diese Zwielaute in der nordbairischen Mundart verwendet werden, dürften die ersten Siedler aus der oberpfälzischen Raum stammen.[2][3] Die erste urkundliche Erwähnung war am 24. September 1436, als Markgraf Albrecht von Österreich den Ort zum Markt erklärte. Er erlaubte dem Ort die Abhaltung von zwei Jahrmärkten.

Um das Jahr 1590 ließen sich die Täufer im Ort nieder und bereits ab dem Jahre 1555 war der Pfarrer im Ort evangelisch. Im Jahre 1596 erhielt Wolframitz von Rudolf II. Weinbergrechte und weitere Marktprivilegien, worunter auch das Weinschankrecht war. Erst während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1627 bekannten sich die Wolframitzer wieder zum katholischen Glauben und die Täufer wurden des Landes verwiesen. Diese wanderten größtenteils nach Siebenbürgen aus.[4] Ab 1651 gehörte der Ort der Familie Liechtenstein und somit zur Herrschaft Kromau. Nach den Schulreformen der Kaiserin Maria Theresia wurde eine Schule im Rathaus eingerichtet. Diese war auch für die Kinder der Gemeinde Klein Seelowitz, Lidmeritz, Babitz und Gubschitz vorgesehen.[5]

Die Entwicklung des Ortes steigerte sich rasant durch den Bau der Eisenbahn im Jahre 1839 und den dazugehörigen Bahnhof in Wolframitz. Im Jahre 1866 wütete die Cholera im Ort, welche im Österreichisch-Preußischer Krieg von preußischen Soldaten eingeschleppt wurde. Um dem größeren Verkehrsaufkommen Herr zu werden, wurde in den Jahren 1880–1890 eine gepflasterte Bezirksstraße von Wolframitz über Lidmeritz-Schömitz nach Lodenitz gebaut. Im Jahre 1885 wurde im Ort die Freiwillige Feuerwehr Wolframitz gegründet. Der größte Teil der Wolframitzer lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau einen besonderen Stellenwert einnahm. Aufgrund des günstigen Klimas wurden neben verschiedenen Getreidesorten, Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Kraut, Gurken, Salate, Lauch, Rettich, Spinat, Melonen, Birnen, Äpfel, Zwetschgen, Kirschen, Pfirsiche und Marillen angebaut. Auch die Jagd war mit zu 1.400 geschossenen Hasen jährlich ertragreich. Der anfangs wichtige Weinbau ging durch die Reblausplage, um 1864, fast völlig zugrunde.[6] Neben dem üblichen Kleingewerbe gab eine Mühle und zwei Autobusunternehmen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 20 Opfer unter den Wolframitzern forderte, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Vertrag von Saint-Germain, 1919,[7] erklärte den Ort, dessen Bevölkerung im Jahre 1910 zu 98 % Deutschsüdmährer waren, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Im Jahre 1930 wurde die Dorfstraße ausgebaut. In der Zwischenkriegszeit kam es durch Neuernennungen von Beamten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität. Diese, sowie andere Maßnahmen, wie die Bodenreform[8] und das Sprachengesetz (1920) sowie die Sprachenverordnung (1926) führten zu Spannungen innerhalb des Landes. Nach dem Münchner Abkommen, das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte,[9] gehörte der Ort Wolframitz zwischen 1938 und 1945 zum Reichsgau Niederdonau.[10]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, welcher 47 Opfer forderte, kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bei Nachkriegsexzessen durch militante Tschechen kamen sieben Wolframitzer zu Tode.[11] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/46 (Straffreiheitsgesetz) erklärte Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ...'für nicht widerrechtlich. Viele deutsche Bürger aus Wolframitz flüchteten über die nahe Grenze nach Österreich oder wurden hinüber getrieben. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[12][13] Bis auf 51 Personen wurden alle Ortsbewohner zwischen dem 30. März und dem 18. September 1946 zwangsausgesiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der Deutschen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Die in Österreich befindlichen Wolframitzer wurden entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen bis auf ca. 26 Personen nach Deutschland abgeschoben. Sieben Personen wanderten nach Kanada und eine nach Afrika aus.[14] Der Ort wurde wieder neu besiedelt.[15][11]

Die Matriken werden seit 1680 im Ort geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[16]

1947 wurden Želovice (Klein Seelowitz), Lidměřice (Lidmeritz) und Babice (Babitz) eingemeindet. Im Jahre 1998 spendeten Vertriebene für die Renovierung der Pfarrkirche und des Pfarrhauses in Olbramovice (Wolframitz) sowie für die Rettung des Hausberges Leskoun und Bewahrung des dortigen Naturschutzgebietes vor einer Ausbeutung als Steinbruch. Seit dem 23. Oktober 2007 ist Olbramovice wieder ein Městys.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Městys Olbramovice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Olbramovice gehören die Ortslagen Želovice (Klein Seelowitz) Lidměřice (Lidmeritz) und Babice (Babitz).

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 15. Jh. erhielt der Ort ein Siegel, aber der erste Abdruck des Siegels stammte aus dem Jahre 1557. Das Siegel zeigt innerhalb einer Umschrift einen aus Weinlaub aufragenden Weinbauern in typischer zeitgenössischer Tracht des 15. Jh. In den erhobenen Händen hält er rechts eine beblätterte Traube und links ein Rebmesser. Dieses Siegel wird bis zum 19. Jh. unverändert verwendet. Später erhielt der Ort einen bildlosen Schriftstempel.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 545 507 32 6
1890 547 518 26 3
1900 539 509 30 0
1910 488 478 10 0
1921 491 426 44 21
1930 509 427 70 12

[17]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche des hl. Jakob des Älteren (1300) Hochaltar von Andreas Schweigel 1781, 1860 renoviert.
  • Rathaus (2. Hälfte des 16. Jh.) Zwei Renaissancetore
  • Bildsäule der Muttergottes (17. Jh.)
  • Bildsäule des Johann von Nepomuk (1. Hälfte 18. Jh.)[18]
  • Friedhof (1645)
  • Pfarrhaus, 1668 zerstört, 1758 abgebrannt und wieder aufgebaut.
  • „Köpftermarter“ (1472), an der Hinrichtungsstätte, 1729 letztmals zum Enthaupten benutzt.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brauchtum, Märchen und Sagen bereicherten das Leben:

  • Zum Fronleichnamsfest schmückte man das gesamte Dorf und das innere der Kirche mit Blumen und hielt eine Prozession ab.
  • Die drei Jahrmärkte fanden am Mittwoch vor Palmsonntag, am 29. September und am 2. Mittwoch vor Weihnachten statt.
  • Die Maimusik war am 1. Mai, weiters gab es einen Jakobi-Kirtag am 25. Juli und einen Kaiserkirtag am 20. Oktober.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Schweigel (1735–1812 Brünn) Bildhauer
  • Erhard Raus (1889–1956) Generaloberst

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark. Anton Schroll & Co, 1941, Wolframitz S. 497.
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, (1941), Generalvikariat Nikolsburg, Wolframitz S. 48
  • Pernicka/ Podborsky: Bronzezeitliche Funde aus Wolframitz und Römerzeitliche Siedlung bei Wolframitz (1959)
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25.000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  • Hans Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, (2000)
  • Arbeitsausschuß der Südmährer (Hrsg.): Südmährische Sagen. Geislingen, Steige
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. München, Verl. Heimatwerk, (1969)
  • Oswald Lustig: Die Marktgemeinde Wolframitz mit den Gemeinden Babitz, Gubschitz, Kl. Seelowitz, Lidmeritz (1982)
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X. Wolframitz S. 254f
  • Oswald Lustig: Alte Dokumente des Pfarrsprengels der Marktgemeinde Wolframitz, 1462-1934 (2001)
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Verlag: Langen Müller, 1992, ISBN 3-7844-2412-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Olbramovice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 10
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25.000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  4. Bernd Längin: Die Hutterer, 1986, S. 237
  5. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band III, S. 202
  6. Hans Zuckriegl: Ich träum von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 261
  7. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amaltea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  8. Elisabeth Wiskemann: Czechs and Germans; London, 1938; S. 152
  9. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  10. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z,2009, Wolframitz S. 261, 573.
  11. a b Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 261 f. (Wolframitz).
  12. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  13. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  14. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  15. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  16. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  17. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  18. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Wolframitz s.39