Křídlůvky

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Křídlůvky
Wappen von ????
Křídlůvky (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 787 ha
Geographische Lage: 48° 48′ N, 16° 15′ OKoordinaten: 48° 47′ 53″ N, 16° 14′ 30″ O
Höhe: 190 m n.m.
Einwohner: 233 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 28
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Antonín Pacík (Stand: 2009)
Adresse: Křídlůvky 67
671 28 Jaroslavice
Gemeindenummer: 550086
Website: www.kridluvky.cz

Křídlůvky (deutsch Klein Grillowitz) ist eine tschechische Gemeinde im Jihomoravský kraj (Südmähren). Der Ort liegt etwa 5 km von der Grenze zu Österreich entfernt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte sind Valtrovice (Waltrowitz) im Westen, Hradek im Osten und Božice (Possitz) im Norden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage des Ortes und die bis 1945 gesprochene „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft erfolgte im Jahre 1255. In dieser Urkunde wird der Ort als Besitz des Klosters Saar erwähnt. Im Laufe der Jahre änderte sich die Schreibweise des Dorfes mehrmals. So schrieb man 1255 „Gfrelowitz“, 1381 „Grilwicz“ und 1524 „Grylwitz“. Der Zusatz „Klein-“ tauchte erstmals 1542 auf und wurde erst wieder im Jahre 1720 verwendet.

Im Jahre 1503 kam durch Kauf ein Teil des Dorfes zum Dominikanerkonvent Znaim. Über diesen Kauf stellte König Wladislaus im Jahre 1510 eine Urkunde aus. Der andere Teil des Ortes wurde weiterhin vom Zisterzienserkloster Saar verwaltet. Ab 1540 kam dieser Teil an die Herrschaft Joslowitz. Einige Jahre später wurde kam auch dieser Ortsteil an den Dominikanerkonvent Znaim, wodurch dieser nun den gesamten Ort verwaltete. In diesen Jahren wird der Ort eine selbstständige Gemeinde.[3] Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1893 gegründet. Der Friedhof des Ortes war bis 1900 in Erdberg, danach stiftet der Kirchenwirt einen Acker auf dem Ortsgebiet. Die meisten Ortsbewohner waren Bauern und lebten vom Anbau von Weizen, Roggen, Obst, Gemüse, Wein, Kirschen und Pfirsichen.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Friedensvertrag von Saint Germain [5] 1919 erklärte den Ort, dessen Bevölkerung im Jahre 1910 ausschließlich von Deutschsüdmährern bewohnt war, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Nach dem Münchner Abkommen 1938 gehörte der Ort bis 1945 zum Reichsgau Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 46 Opfer zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Klein Grillowitz, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Bei Nachkriegsexzessen im Mai und Juni 1945 kam es zu sechs Ziviltoten. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nahmen am 2. August 1945 im Potsdamer Kommuniqués, Artikel XIII, konkret zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. Die restlichen acht deutschen Bürger von Klein Grillowitz wurden am 29. März, 11. Oktober und 18. September 1946 in drei Vertreibungstransporten offiziell über Znaim nach Deutschland zwangsausgesiedelt. Laut dem Beneš-Dekret 108 wurden das Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Es erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen. Drei Ortsbewohner verblieben im Dorf.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen des Potsdamer Protokolls verlangte die Rote Armee im Jänner 1946 den Abschub aller Sudetendeutschen aus Österreich nach Deutschland.[6] Von den Vertriebenen konnten trotzdem 27 Familien in Österreich verbleiben, während die restlichen in Deutschland ansässig wurden. Sie sind heute in der Bundesrepublik auf rund 80 Orte verstreut. Ein Klein-Grillowitzer wanderte nach Australien aus. Der verwaiste Ort wurde wieder neu besiedelt.

Matriken wurden seit 1660 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[7]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde führte nachweislich seit dem Jahre 1649 ein eigenes Siegel. Bis heute konnte jedoch keine Abbildung dieses Siegels gefunden werden, da ein Brand viele alte Urkunden vernichtet hatte. Einzig eine Abbildung aus dem Jahre 1935 ist vorhanden. Es handelt sich um einen zweisprachigen Gemeindestempel, welcher in einer Umschrift einen auf die Spitze gestellten Würfel mit einer Schmuckzeichnung zeigte.[8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 481 481 0 0
1890 522 522 0 0
1900 563 557 0 6
1910 569 568 1 0
1921 584 577 1 6
1930 626 608 9 9

[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfkapelle (1845)
  • Dreifaltigkeit (1666) renoviert
  • Statue des Hl. Florian
  • Kriegerdenkmal (1921)[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Narozny: Heimatkunde Kl. Grillowitz. 1898.
  • Adalbert Karl Gauss: Umsiedler, Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Neubürger in Österreich. 1979. Salzburg: Österr. Flüchtlingsarchiv.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren. 1984, Geislingen/Steige.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. (1992), Klein Grillowitz, S. 107f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. 1989, S. 9
  3. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band III, S. 123.
  4. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z. 2009.
  5. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919–1989. Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X.
  6. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 288 (Klein-Grillowitz).
  7. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 23. April 2011.
  8. Narozny: Heimatkunde Kl. Grillowitz. 1898, S. 31.
  9. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984.
  10. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. (1990), Klein-Grillowitz S. 14.