Želetice u Znojma

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Želetice
Wappen von Želetice
Želetice u Znojma (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 606 ha
Geographische Lage: 48° 56′ N, 16° 11′ O48.93639816.180749224Koordinaten: 48° 56′ 11″ N, 16° 10′ 51″ O
Höhe: 224 m n.m.
Einwohner: 271 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 34
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Horní Dunajovice - Vítonice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Miroslav Bazal (Stand: 2009)
Adresse: Želetice 49
671 34 Horní Dunajovice
Gemeindenummer: 595179
Website: www.obeczeletice.cz

Želetice (deutsch Selletitz) ist eine Gemeinde in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 20 km nördlich der österreichischen Grenze. Der Ort selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbardörfer sind Horní Dunajovice (Oberdannowitz) im Norden, Vítonice (Wainitz) im Süden und Chlupice (Chlupitz) im Nordosten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes war im Jahre 1351 unter dem Namen Zeletycz. Doch bereits im Jahre 1320 scheint der Ort unter den Lehensgütern des Olmützer Bistums auf. Aufgrund häufiger Herrschaftswechsel gab es im Laufe der Jahre mehrere Schreibweisen der Ortschaft. So schrieb man 1384 Selaticz, 1751 Seeletiz, 1846 Sellatitz und schließlich 1848 Selletitz.

Im 14. Jahrhundert wird im Dorf ein befestigtes Haus bezeugt, auf dessen Stelle später im Jahre 1770 ein kleines Schlösschen errichtet wurde.[2] 1548 wurde Selletitz durch Heinrich von Náchod mit Wainitz vereinigt.[3]

Während des Dreißigjährigen Krieges wird der Ort von den Schweden unter Lennart Torstensson geplündert. Nach dem Abzug der Schweden lebten nur noch drei Bewohner im Ort. Im Jahre 1680 wurde ein Brauhaus in Selletitz errichtet. Ab 1825 werden die Grafen Corynski Herren von Selletitz. Bereits 1838 verkauften diese den Ort an Carl Friedrich Kammel von Hardegger. Im Ort kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, als im Jahre 1870 eine Zuckerfabrik eröffnet wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Vertrag von Saint-Germain, [4]1919, erklärte den Ort, der 1910 zu 73 % von Südmährern des bairisch-österreichischen Siedlungsraumes bewohnt war, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit führten staatliche Maßnahmen zum Zuzug von Personen tschechischer Nationalität. Der Bevölkerungsanteil der deutschen Bürger sank zwischen 1910 und 1930 von 73 % auf 11,7 %. Zwischen den Volksgruppen vermehrten sich die Spannungen im ganzen Land. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der von Sudetendeutschen (später gebräuchlicher Überbegriff) bewohnten Randgebiete an Deutschland. Im Münchner Abkommen [5] wurde dies geregelt. Somit wurde Selletitz mit 1.Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. [6] - Aufgrund der Trennung zu den österreichischen Absatzmärkten musste im Jahre 1922 die Zuckerfabrik schließen. Die Elektrifizierung fand im Jahre 1926 statt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Wegen der schweren Nachkriegsexzesse gegenüber der deutschen Bevölkerung durch militante Tschechen flohen viele deutsche Bürger über die nahe Grenze nach Österreich, in der Hoffnung, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Der Bürgermeister von Selletitz kommt im Kreisgerichtsgefängnis in Znaim zu Tode. Im August 1945 bestimmten die Hauptalliierten des Zweiten Weltkrieges in den Potsdamer Beschlüssen (Konferenz) [7] die Nachkriegsordnung. Versuche der Sowjetunion, diese Beschlüsse als endgültige Entscheidung für die laufende Vertreibung zu werten, waren die Vereinigten Staaten entgegengetreten. [8] Schlussendlich wurde die laufende Vertreibung in diesen Beschlüssen nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 erfolgte die "geordnete" Vollstreckung des Potsdamer Kommuniqués und die Zwangsaussiedlung der letzten 106 Selletzer nach Deutschland. Aufgrund des Beneš-Dekretes 108, vom Oktober 1945, wurde das Vermögen der deutschen Ortsbewohner konfisziert. [9] [10] [11] Matriken werden seit 1640 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn. [12]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden alle rechtlichen Angelegenheiten von Selletitz vom benachbarten Markt Ober-Dannowitz bearbeitet und gesiegelt. Danach übernahm dies die Selletitzer Grundherrschaft für den Ort. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt der Ort einen bildlosen Gemeindestempel.[13]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 577 117 460 0
1890 624 207 414 3
1900 658 492 165 1
1910 768 557 192 19
1921 640 140 474 26
1930 572 67 502 3

[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Filialkirche des hl. Jakob des Älteren
  • Schloss (erbaut 1770, abgerissen 1862)
  • Laudon-Denkmal im Schlosspark[15]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Anton Schwetter, Siegfried Kern: Der politische Bezirk Nikolsburg in historischer, statistischer und topographischer Beziehung (1884)
  • Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, ISBN 3-927498-092
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0,
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band XI, S.308
  3. Gregor Wolny:Die Markgrafschaft Mähren,1836,s.505
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  6. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  7. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  8. Vgl. z. B. die Ausführungen des amerikanischen Außenministers George C. Marshall auf der Moskauer Außenministerkonferenz 1947: Documents on American Foreign Relations. Vol. IX, January 1–December 31, 1947 [1949], S. 49.
  9. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  10. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei, 2007. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher E.V. ISBN 978-3-9810491-7-6
  11.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 284 (Selletitz).
  12. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  13. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Selletitz S. 220
  14. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  15. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Selletitz s.35