Želetice u Znojma

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Želetice
Wappen von Želetice
Želetice u Znojma (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 606 ha
Geographische Lage: 48° 56′ N, 16° 11′ OKoordinaten: 48° 56′ 11″ N, 16° 10′ 51″ O
Höhe: 224 m n.m.
Einwohner: 275 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 34
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Horní Dunajovice - Vítonice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Milan Choura (Stand: 2017)
Adresse: Želetice 49
671 34 Horní Dunajovice
Gemeindenummer: 595179
Website: www.obeczeletice.cz
Kirche St. Jakob

Želetice (deutsch Selletitz) ist eine Gemeinde in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 20 km nördlich der österreichischen Grenze. Der Ort selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbardörfer sind Horní Dunajovice (Oberdannowitz) im Norden, Vítonice (Wainitz) im Süden und Chlupice (Chlupitz) im Nordosten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung Želetices war im Jahre 1351 unter dem Namen Zeletycz. Doch bereits im Jahre 1320 scheint der Ort unter den Lehensgütern des Olmützer Bistums auf. Aufgrund häufiger Herrschaftswechsel gab es im Laufe der Jahre mehrere Schreibweisen der Ortschaft. So schrieb man 1384 Selaticz, 1751 Seeletiz, 1846 Sellatitz und schließlich 1848 Selletitz.

Im 14. Jahrhundert wird im Dorf ein befestigtes Haus bezeugt, auf dessen Stelle später im Jahre 1770 ein kleines Schlösschen errichtet wurde.[2] 1548 wurde Selletitz durch Heinrich von Náchod mit Wainitz vereinigt.[3]

Während des Dreißigjährigen Krieges wird der Ort von den Schweden unter Lennart Torstensson geplündert. Nach dem Abzug der Schweden lebten nur noch drei Bewohner im Ort. Im Jahre 1680 wurde ein Brauhaus in Selletitz errichtet. Ab 1825 werden die Grafen Corynski Herren von Selletitz. Bereits 1838 verkauften diese den Ort an Carl Friedrich Kammel von Hardegger. Im Ort kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, als im Jahre 1870 eine Zuckerfabrik eröffnet wurde.

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns kam der Ort 1918 wie ganz Mähren zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Der Bevölkerungsanteil der Deutschen sank zwischen 1910 und 1930 von 73 % auf 11,7 %. Aufgrund der Trennung zu den österreichischen Absatzmärkten musste im Jahre 1922 die Zuckerfabrik schließen. Die Elektrifizierung fand im Jahre 1926 statt. Nach dem Münchner Abkommen musste die Tschechoslowakei die deutschsprachigen Randgebiete an das Deutsche Reich abtreten. Somit wurde Želetice mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.[4]

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Wegen der schweren Nachkriegsexzesse durch militante Tschechen flohen viele deutsche Einwohner über die nahe Grenze nach Österreich, in der Hoffnung, bald wieder zurückkehren zu können. Der Bürgermeister von Selletitz kam im Kreisgerichtsgefängnis in Znaim zu Tode. Zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 erfolgte die Vollstreckung der Potsdamer Beschlüsse und die Zwangsaussiedlung der letzten 106 deutschen Ortsbewohner nach Deutschland. Ihr Vermögen wurde konfisziert.[5][6]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden alle rechtlichen Angelegenheiten von Selletitz vom benachbarten Markt Ober-Dannowitz bearbeitet und gesiegelt. Danach übernahm dies die Selletitzer Grundherrschaft für den Ort. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt der Ort einen bildlosen Gemeindestempel.[7]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matriken werden seit 1640 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn. [8]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 577 117 460 0
1890 624 207 414 3
1900 658 492 165 1
1910 768 557 192 19
1921 640 140 474 26
1930 572 67 502 3

[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Filialkirche des hl. Jakob des Älteren
  • Schloss (erbaut 1770, abgerissen 1862)
  • Laudon-Denkmal im Schlosspark[10]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Eckhart (1890–1938) Professor an der Technischen Hochschule

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Schwetter, Siegfried Kern: Der politische Bezirk Nikolsburg in historischer, statistischer und topographischer Beziehung (1884)
  • Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, ISBN 3-927498-092
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0,
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Želetice u Znojma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band XI, S.308
  3. Gregor Wolny:Die Markgrafschaft Mähren,1836,s.505
  4. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  5. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei, 2007. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher E.V. ISBN 978-3-9810491-7-6
  6. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 284 (Selletitz).
  7. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Selletitz S. 220
  8. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  9. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  10. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Selletitz s.35