Těšetice

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Těšetice
Wappen von Těšetice
Těšetice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 726 ha
Geographische Lage: 48° 53′ N, 16° 10′ OKoordinaten: 48° 53′ 20″ N, 16° 9′ 30″ O
Höhe: 232 m n.m.
Einwohner: 589 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 61
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Znojmo - Hostěradice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Nekula (Stand: 2009)
Adresse: Těšetice 62
671 61 Prosiměřice
Gemeindenummer: 594946
Website: www.tesetice.cz

Těšetice (deutsch Töstitz) ist eine Gemeinde in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 15 km nördlich der österreichischen Grenze und etwa 8 km nordöstlich von Znaim.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Těšetice befindet sich am Bach Únanovka, der nordwestlich des Dorfes in der Talsperre Těšetice und im Bohunický rybník gestaut wird. Nachbarorte sind Kyjovice (Gaiwitz) im Norden, Prosiměřice (Proßmeritz) im Nordwesten und Bantice (Panditz) im Südosten. Der Ort selbst ist als ein Breitangerdorf angelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bis 1945 gesprochene "ui"-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weist auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte. [2][3] 1260 war die erste urkundliche Erwähnung des Ortes „Testitz“. Im Jahre 1376 erhielt der Augustinerkonvent in Alt-Brünn die Grundrechte an „Testicz“ von Markgraf Jodok überreicht. Die Schreibweise „Töstitz“ ist seit dem Jahre 1872 gebräuchlich.[4] Nach mehrfachem Besitzerwechsel gelangt der Ort 1625 zur Herrschaft Kromau. Die Schule des Ortes war zweiklassig und im Gemeindehaus eingerichtet. Um 1892 wurde aufgrund der steigenden Kinderanzahl ein eigenes Schulgebäude errichtet. Die Bewohner von Töstitz lebten von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Rolle spielte. Die Reblausplage, 1864, vernichtete jedoch über 4/5 der Weinbauflächen. Ab 1900 wurde mit dem Weinbau nur noch der Eigenbedarf des Dorfes gedeckt.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die ab Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[5] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dort lebenden Deutschsüdmährer der Tschechoslowakei zu. In der Zwischenkriegszeit kam es durch Neuernennung von Beamten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[6] Zwischen den Volksgruppen vermehrten sich die Spannungen im ganzen Land. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der von Sudetendeutschen bewohnten Randgebiete an Deutschland. Im Münchner Abkommen [7] wurde dies geregelt. Somit wurde Töstitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. [8] - Im Jahre 1923 wurden Hockergräber im Ortsgebiet entdeckt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 43 Opfer forderte, kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. In den Folgemonaten wurden die Häuser der deutschen Bewohner von tschechischen „Hausverwaltern“ in Besitz genommen und die deutschmährische Bevölkerung teilweise über die Grenze nach Österreich vertrieben. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [9] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind, verlangt. Zwischen dem 11. August und dem 18. September erfolgte die Zwangsaussiedlung von 235 Personen. 7 Personen verblieben im Ort. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. [10]

Die Matriken des Ortes wurden ab 1652 bei Proßmeritz geführt. Die Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken zwischen 1652 und 1790 befinden sich im Landesarchiv Brünn. [11]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Siegel aus dem 17. Jahrhundert zeigte einen schräggeteilten Schild, darin ein Winzermesser zwischen zwei Sternchen und unten ein Pflugeisen. Im 19. Jahrhundert erhielt der Ort ein Siegel mit der Umschrift Gemeindeamt Töstitz worin eine beblätterte Weintraube abgebildet war. Im Jahre 1925 wurde dieses Siegel zweisprachig.[12]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 447 398 49 0
1890 516 516 0 0
1900 498 495 3 0
1910 505 502 3 0
1921 557 538 15 4
1930 594 559 34 1

[13]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche zur Hl. Dreifaltigkeit (1847) anstelle einer Kapelle (1685)[14]
  • Kriegerdenkmal (1924)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren, (1793)
  • Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, topographisch, statistisch, historisch. (1835), Selbstverlag, In Commission der.L.W. Seidel'schen Buchhandlung (Brünn)
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Töstitz S.64
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Anton Kreuzer: Geschichte Südmährens, Band I (1997)
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  • Anna/Beneš, Jan Lorencová: Tešetice – Kyjovice, (1987)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S.9
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25.000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  4. http://www.europas-mitte.de/Toestitz.pdf
  5. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  6. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  7. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  8. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  9. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  10. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 284 (Töstitz).
  11. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  12. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band III, S.286
  13. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  14. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Töstitz s.36