Okwui Enwezor

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Okwui Enwezor

Okwui Enwezor (* 23. Oktober 1963 in Calabar, Nigeria) ist ein Kurator und Autor. Seine Muttersprache ist Igbo.[1] Seit Oktober 2011 ist er Direktor des Hauses der Kunst, München.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Enwezor begann 1982 nach seinem Umzug nach New York ein Studium der Politikwissenschaft am New Jersey City State College, das er 1987 mit einem Bachelor abschloss. Sein Zugang zur Kunst begann mit einem Interesse an Lyrik, er trat in der Knitting Factory auf und schrieb erste Veröffentlichungen. Zu dieser Zeit fing er an, sich für Kunst zu interessieren und setzte sich konsequent dafür ein, dass der . Enwezor flankierte dies mit Veröffentlichungen und gründete 1993 gründete er zusammen mit Salah Hassan (Cornell University) und Chika Okeke-Agulu (Princeton University) das dreimal jährlich erscheinende Magazin "NKA: Journal of Contemporary African Art", in dem sie versuchen, die Fixiertheit des internationalen Kunstbetriebs auf den euroamerikanischen Zusammenhang zu überwinden.

Ausgehend von diesem Einstieg in den Kunstbetrieb wurde er außerordentlicher Kurator am International Center of Photography in New York. Er war Studiendekan am San Francisco Art Institute (2005–2009) und Gastprofessor an der Art History University in Pittsburgh, der Columbia University New York, der University of Illinois Urbana-Champaign, sowie der Universität Umeå in Schweden. Enwezor war Joanne Cassulo Fellow des Independent Study Program am Whitney Museum of American Art in New York (2010–2011).

Enwezor wurde als künstlerischer Leiter von zahlreichen Großausstellungen berufen. 1996-97 leitete er die zweite Johannesburg Biennale in Südafrika, 1998–2002 war er künstlerischer Leiter der documenta 11 in Kassel, 2006 kuratierte er die Biennale für zeitgenössische Kunst in Sevilla, sowie 2007–2008 die 7. Gwangju Biennale in Südkorea. Zudem wurde er künstlerischer Leiter von Meeting Points 6, einem Projekt für Performance und visuelle Kunst in acht Städten (Beirut, Amman, Damaskus, Kairo, Tunis, Tanger, Brüssel und Berlin) sowie Hauptkurator von La Triennale, Paris 2012. 2011 war er kuratorischer Berater der "Dublin Contemporary" in Irland.

Seit Oktober 2011 ist Enwezor Leiter des Hauses der Kunst in München und hat damit erstmals die Möglichkeit, die Ausstellungen eines großen internationalen Hauses längerfristig zu entwickeln.

Als bisheriger Höhepunkt der kuratorischen Arbeit Enwezors gilt die Funktion als künstlerischer Leiter der 56. Biennale von Venedig im Jahr 2015.[2] Die Presse schrieb über die Ausstellung, Enwezor zeige „eine unangestrengte, souveräne Anthologie der globalen zeitgenössischen Kunst, mit einem starken Akzent auf politisch und sozial motivierten Positionen.“[3] Er selbst nahm für seine Arbeit in Venedig in Anspruch, „Ideen“ auszustellen und auf die übermächtige Entwicklung des Kunstmarktes zu reagieren, in dem er die Ausstellung gegen den Markt positioniert. Er lässt Das Kapital vollständig vorlesen und stellt die Idee über die Ware.[4]

Kuratierte Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Veröffentlichungen als Autor[Bearbeiten]

  • Events of the Self: Contemporary African Photography from the Walther Collection (Steidl, 2010)
  • Contemporary African Art Since 1980 (mit Chika Okeke-Agulu; Damiani Editore, 2009)
  • Archive Fever: Uses of the Document in Contemporary Art (ICP/Steidl, 2008)
  • Großausstellungen und die Antinomien einer transnationalen globalen Form (Fink Verlag, 2002)

Interviews[Bearbeiten]

  • Eva Karcher, Alexandra Mühlauer: "Ich habe Angst, meine Wurzeln zu verlieren." Interview mit Okwui Enwezor. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 95/2014, 25. April 2014, S. 24.
  • Carolee Thea: On curating: Interviews with ten international curators. D.A.P./Distributed Art Publ., New York 2009, ISBN 9781935202004, S. 48-57.

Herausgeber Sammelbände[Bearbeiten]

  • Antinomies of Art and Culture: Modernity, Postmodernity, Contemporaneity and Alte Criolla (mit Terry Smith und Nancy Condee; Duke University Press, 2008)
  • Reading the Contemporary: African Art from Theory to the Marketplace (mit Olu Oguibe; INIVA und MIT Press, 1999)

Literatur[Bearbeiten]

  • Swantje Karich: Die Welten des Okwui Enwezor. Jetzt hat er das Sagen: Der Kurator der Biennale in Venedig hat eine Mission. Er will die Kunst vom Kapitalismus befreien. Ist sie schon bereit dafür? In: Die Welt, 2. Mai 2015, S. 27. Online-Version

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Okwui Enwezor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.basenow.net/2009/04/03/interview-with-okwui-enwezor-part-2/
  2. Wichtigste europäische Kunstschau: Okwui Enwezor leitet Biennale von Venedig. In: Spiegel Online vom 4. Dezember 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  3. taz: Das Motto von der Welten Zukünfte, 9. Mai 2015
  4. Frankfurter Rundschau: "Ich stelle Ideen aus, nicht Waren", 20. Mai 2015