Oregon-Petition

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Die Oregon-Petition ist die gebräuchliche Bezeichnung für eine Erklärung gegen das Kyoto-Protokoll als Teil der Klimaschutzpolitik, die vom Oregon Institute of Science and Medicine (OISM) 1999 herausgegeben wurde. Erstellt wurde das Schreiben von dem OISM-Vorsitzenden Frederick Seitz, einem ehemaligen Präsident der National Academy of Sciences und Mitbegründer des konservativen Think-Tanks George C. Marshall Institute, der zugleich zu den bedeutendsten klimaskeptischen Wissenschaftler der USA gezählt wird.[1]

Die Petition wird als eine politische Desinformationskampagne betrachtet[2], die das Ziel hatte, die Öffentlichkeit bezüglich den Erkenntnissen der Klimaforschung und des wissenschaftlichen Konsenses bezüglich der globalen Erwärmung zu verwirren. Die Oregon-Petition wird von Klimaskeptikern und insbesondere der organisierten Klimawandelleugnerindustrie häufig als Beispiel für eine angeblich existierende große Unsicherheit in der Wissenschaft bezüglich des menschlichen Einflusses auf die globale Erwärmung angeführt. Tatsächlich stammen die Unterschriften fast ausschließlich von Fachfremden; nur etwa 0,5 % der Unterzeichner verfügen über einen wissenschaftlichen Hintergrund in Atmosphärenwissenschaften oder Klimatologie.[3]

Entstehung und Unterschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Petition entstand unter Federführung von Frederick Seitz und wurde später von Arthur Robinson reviewt, die beide keine Klimaforscher sind. Anschließend wurde sie von Robinsons Institute of Science and Medicine sowie dem Heartland Institute verbreitet. Optisch war sie im gleichen Layout gestaltet wie Berichte der National Academy of Sciences.[4] Aufgrund der zahlreichen Anfragen bei der Academy gab diese kurz darauf eine Veröffentlichung heraus, in der sie ihre Nichtbeteiligung an der Petition klarstellte und überdies erklärte, dem Inhalt ganz und gar zu widersprechen.[5]

Die Petition wurde nach OISM-Angaben 31.000 mal unterzeichnet.[4] Darunter befinden sich neben zahlreichen originären Unterstützungen auch doppelte Einträge, Namen von Personen, die sich an eine Unterzeichnung nicht erinnern können, sowie offensichtliche Spaßeinträge.[6][7] Unter anderem wurden manche Namen auch mit betrügerischer Absicht in der Unterschriftenliste aufgenommen. Beispiele hierfür sind die Spice Girls sowie der in den 1880er Jahren verstorbene Charles Darwin.[2]

Der Scientific American versuchte anhand einer nicht repräsentativen Stichprobe von 30 der 1.400 Unterzeichnenden, die in einem Fach, das mit Klimaforschung zu tun hat, promoviert haben, herauszufinden, wie viele Klimawissenschaftler die Petition tatsächlich unterzeichnet haben. 11 dieser 30 gaben an, immer noch die Petition zu unterstützen, während 6 ihre Unterstützung heute nicht mehr geben würden und der Rest sich entweder nicht an die Petition erinnern konnte, nicht auffindbar oder gestorben war. Daraus schloss das Magazin, dass grob vielleicht nur 200 Unterzeichner der Petition an der Klimaforschung beteiligte Personen gewesen seien.[8]

Inhaltlich wurde die Oregon-Petition von Klimaforschern zurückgewiesen. In einem Meinungsbeitrag für die New York Times kritisierten beispielsweise der Physiker John Holdren und der Ökologe George Woodwell neben der zweifelhaften Authentizität der Unterschriften, dass das 8-seitige Abstract zum angeblich neuesten Forschungsstand, das die Petition begleitete, voller Fehler und Verdrehungen gewesen sei und Frederick Seitz keine Expertise in Klimafragen besitze.[9]

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Originaltext des Aufrufes:

„Global Warming Petition

We urge the United States government to reject the global warming agreement that was written in Kyoto, Japan in December, 1997, and any other similar proposals. The proposed limits on greenhouse gases would harm the environment, hinder the advance of science and technology, and damage the health and welfare of mankind.

There is no convincing scientific evidence that human release of carbon dioxide, methane, or other greenhouse gasses is causing or will, in the foreseeable future, cause catastrophic heating of the Earth's atmosphere and disruption of the Earth's climate. Moreover, there is substantial scientific evidence that increases in atmospheric carbon dioxide produce many beneficial effects upon the natural plant and animal environments of the Earth.“

Übersetzung:

„Global Warming Petition (Erklärung zur globalen Erwärmung)

Wir richten die eindringliche Bitte an die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, die Kyoto-Vereinbarung von 1997 und jedwede ähnliche Erklärung nicht zu unterzeichnen. Die vorgeschlagenen Begrenzungen von Treibhausgas-Emissionen würden der Umwelt schaden, den Fortschritt in Wissenschaft und Technologie hemmen und Gesundheit und Wohlergehen der Menschheit schädigen.

Es gibt keinen überzeugenden wissenschaftlichen Nachweis, dass menschengemachtes CO2, Methan oder andere Treibhausgase heute oder in absehbarer Zukunft eine katastrophale Erwärmung der Erdatmosphäre und eine Umwälzung des Erdklimas bewirken. Darüber hinaus ist wissenschaftlich eindeutig belegt, dass eine CO2-Zunahme in der Atmosphäre viele positive Auswirkungen auf die natürliche Pflanzen- und Tierwelt erbringt.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming. Bloomsbury Press, 2010.
  2. a b Sander van der Linden et al.: Inoculating the Public against Misinformation about Climate Change. In: Global Challenges. Band 1, 2017, doi:10.1002/gch2.201600008.
  3. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Climate change denial: Sources, actors and strategies. In: Constance Lever-Tracy (Hrsg.): The Routledge Handbook of Climate Change and Society. Routledge 2010, 240-259, S. 255.
  4. a b Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan 2011, S. 76.
  5. Pressemitteilung der National Academy of Sciences, 20. April 1998
  6. Todd Shelly (2005): Bashing the Scientific Consensus on Global Warming, in: HawaiiReporter, online
  7. Josef Hebert (1998): Jokers Add Fake Names To Warming Petition, in: Seattle Times, online
  8. Scientific American-Artikel (Memento vom 23. August 2006 im Internet Archive)
  9. John P. Holdren und George M. Woodwell: Climate-Change Skeptics Are Wrong, in: The New York Times, 14. November 1998