Organização Odebrecht

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem brasilianischen Unternehmen. Für weitere Bedeutungen siehe Odebrecht
Organização Odebrecht
Odebrecht
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1981
Sitz Salvador da Bahia, Brasilien
Leitung Emílio Odebrecht (Vorstandsvorsitzender),[1] Marcelo Odebrecht (Generaldirektor, Präsident)[2]
Mitarbeiter 128.000 Mitarbeiter weltweit (2017)
Umsatz 132,5 Mrd BRL
Branche Bauwesen, Chemie, Erdöl, Bioenergie, Logistik, Immobilien, Entsorger
Website www.odebrecht.com.br (en)
Stand: Dezember 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

Die Organização Odebrecht (deutsch Organisation Odebrecht; auch Odebrecht Group) ist ein großer familiengeführter Mischkonzern mit Hauptsitz in Salvador da Bahia, Brasilien sowie die Holdinggesellschaft des Hauptunternehmens Construtora Norberto Odebrecht,[3] die weltweit in 30 Ländern im Bereich Ingenieurwesen, Bauwirtschaft, Petrochemie, Chemie, Energie, Infrastruktur, Transport und Logistik, Immobilien, Umwelt, Ethanol und Zucker tätig ist. Die Gesellschaft ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Konzerns.[4][5] Mit 128.000 Mitarbeitern (2017) gehört der Konzern zu den größten Lateinamerikas.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln der brasilianischen Odebrecht-Gruppe gehen auf den deutschen Einwanderer und Kartografen Emil Odebrecht zurück, der im Jahr 1865 aus Greifswald in das Tal von Itajaí eingewandert war und sich beim Straßen- und Eisenbahnbau sowie bei der Landvermessung betätigte.[6] Direkte Nachkommen der Familie waren dann später an der Gründung der Organização Odebrecht beteiligt. Sie wird heute von dem Unternehmen Construtora Norberto Odebrecht angeführt, das im Jahr 1944 in Salvador da Bahia von Norberto Odebrecht gegründet wurde. Norberto Odebrecht war der Sohn von Emílio Odebrecht, einem Enkel von Auswanderer Emil Odebrecht.[7]

Seither, in mehr als 70 Jahren, hat sich die Gruppe Odebrecht kontinuierlich weiterentwickelt und wurde ständig ausgebaut. Zunächst expandierte sie von Bahia aus in andere nordöstliche Bundesstaaten, in den 1960er Jahren in den Südosten Brasiliens und ab 1979 in andere Länder. Für das Wachstum außerhalb Brasiliens dienten häufig Partnerschaften mit ausländischen Großunternehmen und Infrastrukturkonzernen als Sprungbrett, besonders in den Branchen Chemie und Petrochemie.

Heute bietet es Engineering- und Bauleistungen in den meisten Ländern Südamerikas, in Mittelamerika, den USA, Angola, Portugal und dem Mittleren Osten an. Von Brasilien werden petrochemische Produkte in über 50 Länder auf allen Kontinenten exportiert. Teile des Unternehmens sind im Transport-Sektor in Portugal beteiligt, sowie im Diamant-Bergbau und der Ölförderung in Afrika, speziell in Angola. Odebrecht stellt u.a. Dienste für die Ölförderung in der Nordsee.

Gemessen am Umsatz zählt Odebrecht heute zu den größten nichtstaatlichen Unternehmen Lateinamerikas. Bis auf die börsennotierte Tochtergesellschaft Braskem S.A. befindet sich die Odebrecht-Gruppe bis heute in Privatbesitz. Im Jahr 2001 kaufte Odebrecht im Rahmen der Privatisierung die Mehrheit der Anteile an den Chemiewerken Braskem S.A.

Odebrecht gilt in Brasilien als Pionier im Bereich der unternehmerischen sozialen Aktivitäten (siehe den Abschnitt Soziales Engagement). Gleichzeitig wird die Unternehmensgruppe mit Korruptionsskandalen in Verbindung gebracht (siehe den Abschnitt Korruptionsskandal). Marcelo Odebrecht wurde am 8. März 2016 zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt im Zusammenhang mit der Petrobras-Affäre.[8] Daraufhin kündigte der Konzern an, mit der Justiz in Sachen Bestechung zusammenzuarbeiten.[9]

Gewerkschaftliche Massenproteste gegen die Erhöhung der Autobahnmaut für Lkw in Peru Anfang 2017 richteten sich hauptsächlich gegen das Unternehmen Odebrecht, das in Peru als Autobahnbetreiber agiert.[10]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haupt-Geschäftsbereiche bilden Chemie und Petrochemie[11] und die Bautätigkeit. Es gehört zu den Global Players Brasiliens.

Der Konzern entwickelt und verwaltet öffentliche Infrastrukturprojekte[12] in Zusammenarbeit mit privaten und staatlichen Partnern. Seit 2007 gibt es verstärkte Investitionen in den Bioenergiesektor auf der Basis von Zucker und Alkohol und Stromerzeugung. Weiterhin ist Odebrecht in der Öl- und Gasförderung, Müllentsorgung, sowie in Portugal im Transportwesen[13] und in Angola im Immobilienbereich[14] und Bergbau tätig.

Der Staat Ecuador enteignete im September 2008 Odebrecht (ein Regionalflughafen und zwei Wasserkraft-Projekte im Wert von zusammen 800 Mio. USD) und schickte Truppen, um Odebrecht-Mitarbeiter aus dem Land auszuweisen.[15]

Im Wirtschaftsjahr 2009 erzielte der Konzern mehr als die Hälfte seines Umsatzes am heimischen Markt. Dennoch ist Odebrecht das führende brasilianische Unternehmen beim Export von Dienstleistungen, insbesondere in andere Schwellen- und Entwicklungsländer. Außerhalb Brasiliens erzielt Odebrecht seinen Umsatz vor allem im übrigen Lateinamerika einschließlich der Karibik (2009: 21,3 %) und in Afrika (11,3 %), insbesondere in den ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik. Auf Nordamerika und Europa entfielen 2009 nur jeweils 5,1 % bzw. 4,0 % vom Umsatz.[16]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Odebrecht S.A. untergliedert sich im Wesentlichen in die folgenden Tochtergesellschaften:

  • Braskem - betreibt Anlagen der Chemie & Petrochemie
  • Construtora Norberto Odebrecht - Bauwesen/Infrastruktur
  • Odebrecht Óleo e Gás - Ölfelddienstleistungen
  • Odebrecht Plantas Industriais e Participações - Dienstleistungen für das produzierende Gewerbe
  • Odebrecht Engenharia Ambiental - Abfallwirtschaft
  • Odebrecht Realizações Imobiliárias - Immobilienentwicklung

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In allen Bereichen des Unternehmens werden die Beschäftigten speziellen Ausbildung- und Weiterbildungsprogrammen unterworfen. Darüber hinaus wird der Berufsschulunterricht gefördert, sowie Möglichkeiten für Erweiterung und Verbesserung beruflicher Kenntnisse und Fähigkeiten geboten.[17] Die Stiftung Fundação Odebrecht fördert Erziehung-, Gesundheits-, Umweltprojekte sowie kulturelle Initiativen.[18]

Korruptionsskandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ermittlungen der US-Justiz hat der Odebrecht-Konzern in zwölf Ländern bis zu 785 Millionen US-Dollar an Schmiergeldern gezahlt, um dafür Bauaufträge zu erhalten. In den Unternehmen habe es regelrechte „Bestechungsabteilungen“ gegeben. In einem internationalen Korruptionsprozess willigten Odebrecht und ihre in der Chemiebranche tätige Tochterfirma Braskem am 22. Dezember 2016 in die Zahlung einer Strafe von 3,5 Milliarden US-Dollar (3,35 Milliarden Euro) ein. Dies wäre die bis dato größte Strafsumme gewesen, auf die sich Prozessbeteiligte jemals in einem internationalen Korruptionsfall geeinigt hätten.[19] Wie das US-Justizministerium mitteilte, sah sich Odebrecht aber nur zur Zahlung von 2,6 Milliarden US-Dollar in der Lage. Die Tochterfirma Braskem sollte 957 Millionen US-Dollar übernehmen. Argentinien, Venezuela, Peru und Kolumbien kündigten Ermittlungen zur Identifizierung mutmaßlicher Schmiergeldempfänger an.[20]

Im April 2017 verurteilte das US-Bundesbezirksgericht für den Eastern District New Yorks Odebrecht zur Zahlung von 2,6 Milliarden US-Dollar (ca. 2,4 Milliarden Euro). Der Großteil (2,4 Mrd. US-Dollar) der durch einen Vergleich mit den Justizbehörden mehrerer Länder festgelegten Strafe geht nach Brasilien, gefolgt von der Schweiz (116 Mio.) und den USA (93 Mio. US-Dollar).[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emílio Odebrecht, Presidente do Conselho de Administração aufgerufen 29. Juli 2011 (pt)
  2. Marcelo Bahia Odebrecht, Presidente aufgerufen 29. Juli 2011 (pt)
  3. Unternehmensstruktur Construtora Norberto Odebrecht. auf www.odebrecht.com.br (englisch)
  4. Odebrecht: Odebrecht no mundo. auf www.odebrecht.com (portugiesisch)
  5. Odebrecht: Negócios. auf www.odebrecht.com (portugiesisch)
  6. Bodo Bost: Von Hinterpommern nach Brasilien und in die Welt. In: Tópicos, ISSN 0949-541X, Jg. 49 (2010), Heft 3, S. 26–27, hier S. 26.
  7. Geschichte Odebrecht (Firmenhomepage, portugiesisch)
  8. Adriana Justi, Bibiana Dionísio: Justiça Federal condena Marcelo Odebrecht em ação da Lava Jato. In: O Globo G1, 8. März 2016 (portugiesisch).
  9. Lateinamerikas Büchse der Pandora. In: Neue Zürcher Zeitung, 6. Februar 2017.
  10. Gewaltsame Proteste gegen höhere Maut in Peru. In: Faz.net, 13. Januar 2017, abgerufen am selben Tage (Videobericht).
  11. Die Welt, In Brasilien entsteht ein neuer Gigant der Petrochemie
  12. WKO, Bauriese Odebrecht will mehr Infrastrukturprojekte selbst betreiben
  13. Konzessionsvertrag Hochgeschwindigkeitszug Lissabon-Madrid (portugiesisch)
  14. Webseite Odebrecht Angola Lda (englisch)
  15. Reuters-Meldung zur Enteignung in Ecuador.
  16. Odebrecht S.A. - SWOT Analysis 14. Mai 2010 (englisch)
  17. Programm "Bildung für Arbeit" Seite 23 (portugiesisch)
  18. Publikationen von Noberto Odebrecht (portugiesisch)
  19. US-Justizministerium: Odebrecht and Braskem Plead Guilty and Agree to Pay at Least $3.5 Billion in Global Penalties to Resolve Largest Foreign Bribery Case in History, 21. Dezember 2016.
  20. Korruption bei Odebrecht: Länder in Lateinamerika ermitteln. In: Südwest Presse, 23. Dezember 2016.
  21. Schmiergeldaffäre: Brasilianischer Konzern Odebrecht zu Milliardenstrafe verurteilt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. April 2017.