P&R-Gruppe

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Logo der P&R-Gruppe GmbH

Die P&R-Gruppe ist eine Gruppe von rechtlich unabhängigen, jedoch verwobenen Anlagefirmen aus Grünwald bzw. München und Zug, die Anlegern die Investition in Schiffscontainer anbot. Das Geschäftsmodell basierte auf Direktinvestitionen der Anleger in ISO-Container, die von der Gruppe zurückgemietet wurden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes Unternehmen dieser Gruppe wurde im Jahr 1975 die P&R GmbH gegründet.[2]

Die P&R-Gruppe entwickelte sich in der Folgezeit zu einem der größten Anbieter am grauen Kapitalmarkt.[3] Insgesamt haben die Unternehmen der P&R-Gruppe von rund 51.000 Anlegern ca. 3,5 Milliarden Euro eingeworben.[1][4]

Die Gruppe hatte erstmals im Jahr 2017 in ihren Verkaufsprospekten auf die hohen Risiken des Geschäftsmodells hingewiesen: Es drohe nicht nur ein Totalverlust der Einlagen, sondern der Anleger hafte auch mit seinem sonstigen Vermögen, bis hin zu einer möglichen Privatinsolvenz.[5] Die Stiftung Warentest wies daraufhin im Juni 2017 auf mögliche Risiken hinsichtlich Investments bei der P&R-Gruppe hin,[6] nachdem sie bereits ein Jahr (2016) zuvor vor Direktinvestments in Container gewarnt hatte.[7]

Nach einem Vertriebsstopp Anfang März 2018[8][9] ordnete das Amtsgericht München als Insolvenzgericht für drei Gesellschaften der Gruppe (P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH; P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH; P&R Container Leasing GmbH) jeweils die vorläufige Insolvenzverwaltung an und setzte vorläufige Insolvenzverwalter ein.[1]

Die mit dem vorläufigen Insolvenzverfahren betraute Anwaltskanzlei teilte mit, für betroffene Anleger eine Website mit Informationen zum aktuellen Stand und zum Verfahrensgang einzurichten.[4]

Im Mai 2018 informierte der vorläufige Insolvenzverwalter darüber, dass den (laut Unterlagen) etwa 1,6 Millionen Containern, die an die aktuell ca. 54.000 Anleger verkauft wurden, möglicherweise nur ein tatsächlicher Bestand von etwa 600.000 Containern gegenüberstünde.[10]

Das Handelsblatt hält es für möglich, dass sich die Insolvenz zum größten Anlageskandal der Bundesrepublik (Stand März 2018) entwickeln könnte.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Markus Zydra Frankfurt: Investmentfirma P&R insolvent: Zehntausende müssen um ihr Geld zittern. In: sueddeutsche.de. 19. März 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  2. Unternehmenshistorie. P&R-Gruppe, abgerufen am 19. März 2018.
  3. Massimo Bognanni: P&R-Insolvenz: Anlegern droht Milliarden-Pleite. In: Tagesschau.de. ARD, 19. März 2018, abgerufen am 19. März 2018 (deutsch).
  4. a b c Container: Insolvenzanträge beim Marktführer P&R. In: test.de. 19. März 2018, abgerufen am 21. März 2018.
  5. Tim Bartz, Martin Hesse, Anne Seith: Volle Ladung: Warum 50.000 Menschen um ihr Geld bangen. In: Der Spiegel. Band 12, Nr. 2018, 17. März 2018, S. 77 (spiegel.de).
  6. Containerinvestment: Neue Prospekte zeigen Tücken bei P&R. In: test.de. 20. Juni 2017, abgerufen am 19. März 2018.
  7. Direktinvestments in Container: Lange lukrativ, jetzt in der Krise. In: test.de. 19. Juli 2016, abgerufen am 19. März 2018.
  8. Marc Gericke: P&R Transport-Container GmbH: Was bedeutet der plötzliche Stopp für Anleger? In: KapitalRecht. Siegburg 12. März 2018.
  9. Container: Marktführer P&R stellt Vertrieb ein. In: test.de. 8. März 2018, abgerufen am 19. März 2018.
  10. Jan Willmroth, Markus Zydra: Anleger der Investmentfirma P&R bangen um ihr Geld. sueddeutsche.de, 7. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2018 (HTML).
  11. Gertrud Hussla, Lars-Marten Nagel: Containervermittler: Zehntausende Anleger investierten bei P&R – jetzt ist der Finanzdienstleister insolvent. 19. März 2018 (handelsblatt.com [abgerufen am 19. März 2018]).