Płoty

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Płoty
Wappen von Płoty
Płoty (Polen)
Płoty
Płoty
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfice
Fläche: 4,00 km²
Geographische Lage: 53° 48′ N, 15° 16′ O53.80277777777815.266666666667Koordinaten: 53° 48′ 10″ N, 15° 16′ 0″ O
Einwohner: 4085
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 72-310
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 6 KołbaskowoPruszcz Gdański
DW 108 Parłówko ↔ Płoty
DW 109 Mrzeżyno ↔ Płoty
Schienenweg: PKP-Linien 402 Goleniów–Kołobrzeg–Koszalin
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 36 Ortschaften
19 Schulzenämter
Fläche: 239,00 km²
Einwohner: 9117
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3205043
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Marian Maliński
Adresse: pl. Konstytucji 3 Maja 1
72-310 Płoty
Webpräsenz: www.ploty.pl



Płoty ['pwɔtɨ] (deutsch Plathe) ist eine Kleinstadt mit Sitz einer Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Westpommern, Powiat Gryficki (Greifenberg)

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt in Hinterpommern, 75 Kilometer nordöstlich von Stettin am Fluss Rega, der oberhalb der Stadt zu einem Stausee aufgestaut wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Plathe an der Rega nordöstlich von Naugard auf einer Landkarte von 1905
Plathe (Plate) an der Rega (Rega fluvius) nordwestlich der Stadt Regenwalde (Regenwolde) auf der Landkarte des Eilhard Lubinus von 1618 (Ausschnitt)

Das Stadtbild von Płoty prägen zwei Burgen, die darauf hinweisen, dass die Stadt zeitweise von zwei Burgherren beherrscht wurde. Dies war von 1577 bis 1731 als der Fall, als sowohl die Familien von der Osten als auch die Familien von Blücher sich die Herrschaft über Plathe teilten.

In Plathe wurden bei Grabungen arabische Münzen aus dem 10. Jahrhundert gefunden, die vermuten lassen, dass sich dort schon sehr früh ein Handelsplatz befunden haben muss. Im Zuge der von den pommerschen Herzögen veranlassten Ostkolonisation wurde Dubslaw von Woedke im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts mit der Besiedlung am Mittellauf der Rega beauftragt. Unter Herzog Barnim I. erhielt die Siedlung Plathe das lübische Stadtrecht, 160 Hufen Landbesitz und für zwölf Jahre Abgabenfreiheit. Im Vertrag von Vierraden gab Herzog Bogislaw IV. von Pommern 1284 die Stadt an die Adelsfamilie von Wedell ab. Diese veräußerte Plathe 1367 weiter an die Familie von der Osten.

190 Jahre später, im Jahr 1577, war Wedige von der Osten gezwungen, die Familienburg und einen Teil der Stadt an Hermann von Blücher zu verkaufen. Von der Osten baute sich ein paar hundert Meter von seinem alten Schloss entfernt ein neues Schloss, das der Familie bis zur Vertreibung 1945 gehörte. Das jetzige "neue Schloss" ist jedoch erst ein Bau des frühen 20. Jahrhunderts. Die geteilte Herrschaft über Plathe endete, als Matthias Conrad von der Osten (1691–1748), Geheimer Finanzrat und Chefpräsident der kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer zu Berlin[2], 1731 die letzte Erbin der Familie von Blücher heiratete und damit die beiden Besitztümer vereinigt wurden.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschaffte der preußische Kammerherr Friedrich Wilhelm von der Osten der Stadt Plathe landesweite Geltung mit der von ihm geschaffenen „Pommerschen Bibliothek“, die mit 12.000 Büchern, zahlreichen Gemälden und Gobelins zu den größten privaten Sammlungen in Pommern zählte. Sie wurde bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter staatlichen Schutz gestellt und so vor Zerstreuung bewahrt. Die kam allerdings im Frühjahr 1945, als es dem damaligen Besitzer, Karl von Bismarck-Osten nur gelang, einen Teil zu evakuieren. Größere Teile der Bibliothek befinden sich deshalb heute in der Universitätsbibliothek Łódź und der Polnischen Nationalbibliothek in Warschau, ein Teil der Handschriftensammlung im Landesarchiv Greifswald (Rep. 42 Plathe) und Teile der sonstigen Kunstsammlungen, z. B. die Porträts der pommerschen Herzöge, im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald.

Ab 1818 befand sich Plathe in dem durch die preußische Verwaltungsreform geschaffenen Kreis Regenwalde. Durch die 1882 fertiggestellten Eisenbahnstrecken nach Altdamm und Greifenberg i. Pom. wurde der Anschluss an das pommersche Bahnnetz geschaffen. Im Gegensatz zu anderen Städten in der Nachbarschaft siedelte sich trotz des Bahnanschlusses nur wenig Industrie an. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges entstanden an den Ausfallstraße neue Wohnsiedlungen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Schlossanlagen durch Karl von Bismarck-Osten zur größten Schloss- und Parkanlage Hinterpommerns ausgebaut.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im März 1945 die Rote Armee kampflos die Stadt. Anschließend wurde Plathe zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die die eingesessene Bevölkerung aus deren Häusern und Gehöften drängten. Bis Juli 1945 wurden die Einwohner Plathes von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus ihrer Stadt vertrieben. Die deutsche Stadt Plathe wurde in Płoty umbenannt.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen 1740–1987
  • 1740: 600[3]
  • 1782: 590, darunter 16 Juden[3]
  • 1794: 681, darunter 16 Juden[3]
  • 1812: 795, darunter drei Katholiken und zehn Juden[3]
  • 1816: 802, darunter vier Katholiken und 18 Juden[3]
  • 1831: 1.420, darunter drei Katholiken und 37 Juden[3]
  • 1843: 1.771, darunter zwei Katholiken und 37 Juden[3]
  • 1852: 2.031, drunter sechs Katholiken 75 Juden[3]
  • 1861: 2.227, darunter neun Katholiken und 58 Juden[3]
  • 1875: 2.137[4]
  • 1880: 2.226[4]
  • 1925: 3.315, darunter 27 Katholiken und 18 Juden[5]
  • 1933: 3.670[4]
  • 1939: 3.653[4]

Kirchspiel[Bearbeiten]

Das Kirchspiel war von der Reformation an bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs evangelisch und gehörte zur Synode Greifenberg. Aus Urkunden der Familie Osten sind die Namen einiger Personen überliefert, die seit der Reformation in Plathe Priester waren.[6]

Priester seit der Reformation
  • Dinies Volckmar, † 1553 am Mittwoch nach Laetare[6]
  • Ambrosius Quappe[6]
  • Magister Gregorius Berckholtz, lebte 1606 und 1625[6]
  • Daniel Crüger, aus Belgard in Hinterpommern, 1631[6]
  • Matthias Fabricius von Daber, 1640 (verließ das Pfarramt heimlich aus persönlichen Gründen und soll in Wittenberg verstorben sein).[6]
  • Johann Crüger (Sohn des oben genannten Predigers Daniel Crüger), 1661–1700, † 2. Dezember 1700 nach 40-jähriger Amtszeit im Alter von 68 Jahren und drei Monaten, war 18 Jahre lang Senior der Synode Greifenberg gewesen[6]
  • Magister Johann Ventzke (Sohn eines Predigers aus Güntershagen bei Dramburg), 1701–1737, † 22. März 1737 nach 35-jähriger Amtszeit im Alter von 71 Jahren[6]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber der rote pommersche Greif.“[7]

Bei dem Sigillum Civitatis Plote aus dem 14. Jahrhundert erscheint zwischen den Vorder- und Hinterfüßen des linkshin gekehrten Greifen eine Kleestaude. Auch ein mit 1697 bezeichnetes Stadtsiegel und das Gerichtssiegel von 1599 wiederholen dies Bild, während die neueren Siegel die Pflanze weglassen und den Greif rechtshin wenden.[8]

Das Blücherschloss in Plathe
Das Neue Schloss (Ostenschloss) in Plathe

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auch heute noch stehen die beiden Schlösser der Familien Osten und Blücher. Das Ostensche Schloss ist ein dreigeschossiger Bau mit rechtwinklig angebauten Flügeln. Das 1869 durch Brandstiftung zerstörte Blücherschloss wurde nach 1945 wiederhergestellt. Es ist ein dreigeschossiger Bau, der mit Säulen und Löwenköpfen verziert ist.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der schleswig-holsteinischen Stadt Niebüll.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Amandus Karl Vanselow (1699–1771), Bürgermeister von Plathe von 1729 bis 1767, Verfasser pommerscher Personenlexika, verstarb in Plathe am 5. Juli 1771
  • Walter Goehtz (1878–1946), deutscher Verwaltungsbeamter, Bürgermeister von Plathe von 1906 bis 1911

Gmina Płoty[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Płoty umfasst eine Fläche von 239 km² bei einer Zahl von etwas mehr als 9.000 Einwohnern.

Rittergut Zimmerhausen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Zur Gmina Płoty gehören 19 Ortsteile („Schulzenämter“) bei 36 Ortschaften:

Ortsteile:

Übrige Ortschaften:

  • Bądkowo
  • Bucze
  • Charnowo (Ostenhagen)
  • Dąbie (Woldenburg)
  • Dalimierz
  • Dobiesław (Altenhagen)
  • Gardomino (Kardemin)
  • Gościejewo
  • Gostyński Bród
  • Jarysław (Stadthof)
  • Kłodno
  • Kobuz
  • Kopaniny (Krebskathen)
  • Łęczna (Henningswalde)
  • Lisowo (Lietzow)
  • Łowiska (Mittelhagen)
  • Lusowo (Lüssow)
  • Makowiska
  • Natolewiczki (Neu Natelfitz)
  • Ostrobodno (Ostenheide)
  • Pniewko
  • Potuliniec (Heydebreck)
  • Wicimice (Witzmitz)
  • Wicimiczki (Neu Witzmitz)
  • Wilczymiec (Wilksfreude)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Nachbarstädte Nowogard (Naugard) und Gryfice (Greifenberg) sind beide über die Landesstraße 6 (ehemalige deutsche Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) bzw. die Woiwodschaftsstraße 109 (ehemalige Reichsstraße 161) zu erreichen, die durch Plathe führen.

Im Ort kreuzen sich die Bahnlinien Nr. 402 Goleniów (Gollnow)– Kołobrzeg (Kolberg)– Koszalin (Köslin) und Nr. 420 von Worowo (Wurow) nach Wysoka Kamieńska (Wietstock). Letztere Bahnstrecke ist nicht mehr in Betrieb.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 296–299 (Volltext).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 1: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 361–364 und S. 371, Nr. 16.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern - Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Teil II: Landbuch des Herzogtums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 7: Der Kreis Regenwald, und Nachrichten über die Ausbreitung der römisch-kathol. Kirche in Pommern. Berlin und Wriezen 1874, S. 487–682.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Płoty – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 31. Dezember 2014.
  2. Johann Heinrich Zedler et al. (Herausgeber): Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste. Band 28, Halle und Leipzig 1741, Spalten 682-683.
  3. a b c d e f g h i Kratz (1865), S. 298–299.
  4. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/regenwalde.html#ew39rgnwhplathe
  5. Płoty
  6. a b c d e f g h Johann Heinrich Zedler et al. (Herausgeber): Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste. Band 28, Halle und Leipzig 1741, Spalte 683.
  7. Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte von Prof. Dr. Erich Keyser, Herausgegeben 1939 vom W. Kohlhammer Verlag Stuttgart Band I Nordostdeutschland Seite 211/212
  8. Deutsche Ortswappen von Prof. Otto Hupp, Herausgegeben 1925 von der Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft Bremen