Pariser Kolonialausstellung

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Dieser Artikel behandelt die Pariser Kolonialausstellung; siehe auch die Liste der anderen Pariser Weltausstellungen.
Ausstellungsplakat von Joseph de la Nézière
Straße der Kolonien
Kambodschanischer Tempel

Die Pariser Kolonialausstellung (frz.: „Exposition coloniale internationale“) fand vom 6. Mai bis zum 15. November 1931 in Paris, Frankreich statt.[1] Ziel war es, die vielfältigen Kulturen und gewaltigen Ressourcen des französischen Kolonialreiches und anderer Kolonialreiche zu präsentieren.

Geschichte[Bearbeiten]

Generalsekretär der Kolonialausstellung war Marschall Hubert Lyautey. Die Ausstellung wurde im Bois de Vincennes am östlichen Stadtrand von Paris rund um den Daumesnil-See errichtet. Sie folgte in ihrem Konzept vorangegangenen Weltausstellungen.

Angesichts ihrer gewaltigen Dimensionen.[2] sprach die Bildhauerin Elizabeth Prophet von der „spektakulärsten kolonialen Darbietung, die der Westen jemals erlebt habe“.[3] Die französische Regierung holte Bewohner aus den Kolonien nach Paris, wo sie ihre traditionelle Kunst und Handarbeit ausübten und die Vielfalt ihrer Architekturstile in Gestalt von Hütten oder Tempeln präsentierten.[4] Die Ausstellung umfasste so auch eine in senegalesischen Siedlungen präsentierte „Völkerschau“.[5] Das französische „Mutterland“ war in einer „Section métropolitaine“ repräsentiert und in einer „Cité des informations“ wurde die Gesamtheit des französischen Kolonialreichs vorgestellt. Die französischen Kolonien stellten sich dann in einzelnen Pavillons auf der Südseite des Daumesnil-Sees vor.[6] Die Ausstellung zu den französischen Kolonien nahm etwa die Hälfte der Ausstellungsfläche in Anspruch.[7]

Die andere Hälfte der Ausstellungsfläche, nördlich des Daumesnil-Sees, wurde mit Kolonialausstellungen anderer Nationen, wie Belgien, den Niederlanden, Italien, Japan, Portugal, dem Vereinigten Königreich und der Vereinigten Staaten belegt.[8]

Das Ausstellungsgelände wurde durch eine Parkeisenbahn erschlossen, auf dem in der Mitte des Ausstellungsgeländes liegenden Daumesnil-Sees fand Linienverkehr mit Schiffen statt. Spektakuläre Nachbauten – unter anderem ein kambodschanischer Tempel aus dem 12. Jahrhundert und eine Moschee im Stil der Lehmmoscheen von Timbuktu[9] – waren große Attraktionen. Die Ausstellung wurde von einem umfangreichen Programm mit folkloristischen Darbietungen und anderen Attraktionen begleitet.[10] Als ständige und bleibende Einrichtung der Ausstellung wurde ein Kolonialmuseum in dem für die Ausstellung errichteten Palais de la Porte Dorée eröffnet, dem einzigen Gebäude der Ausstellung, das heute noch steht.

Intention[Bearbeiten]

Frankreich verband mit der Ausstellung die politische Hoffnung, sein Kolonialreich als ein humanitäres Unternehmen darzustellen, indem es den gegenseitigen Austausch der Kulturen und den von Frankreich bewirkten Nutzen in Übersee beleuchtete. Damit suchte es deutscher Kritik zuvorzukommen, Frankreich sei ein „Ausbeuter der Kolonien [und] Verursacher von Rassenschande und Dekadenz“. Die Ausstellung strich die Rolle der einheimischen Kulturen in den Kolonien heraus und spielte die französischen Wirkungen bei der Verbreitung der eigenen Sprache und Kultur herunter, um die Meinung zu verbreiten, Frankreich sei mit den Kolonien verbunden, würde diese jedoch nicht assimilieren und überfremden.[11]

Erfolg[Bearbeiten]

Die Kolonialausstellung bot ein Diskussionsforum für den Kolonialismus im Allgemeinen und über die französischen Kolonien im Besonderen. Französische Fachleute veröffentlichten während des sechsmonatigen Ereignisses über 3.000 Artikel und veranstalteten über 100 Kongresse. Schriftsteller des Kolonialismus nutzten sie als willkommene Gelegenheit zur Verbreitung ihrer Werke und in Paris entstand ein Markt für diverse exotische Küchen fremder Länder, besonders die Nordafrikas und Vietnams. Filmschaffende machten die französischen Kolonien zum Gegenstand ihrer Werke. Das koloniale Geschäft erfuhr eine allgemeine Erweiterung.[12] Die Ausstellung verzeichnete 33 Millionen Besucher aus aller Welt.[13] Zu den prominenten Besuchern der Ausstellung gehörten unter anderem der Herzog von York, der spätere König Georg VI. von Großbritannien, und seine Frau.

Kritik[Bearbeiten]

Surrealisten protestierten in einem Pamphlet gegen die Kolonialausstellung, denunzierten die Massaker in den Kolonien und bekräftigten ihren radikalen Antikolonialismus. „Auch wenn es der skandalösen Sozialistischen Partei und der jesuitischen Liga für Menschenrechte nicht gefallen mag, es wäre doch zu viel, wenn wir zwischen einer guten und einer schlechten Art zu kolonisieren unterschieden.“[14]

Eine kleinere von der PCF und der Ligue de Défense de la Race Nègre unter der Führung von Tiemoko Garan Kouyaté organisierte Gegenausstellung unter dem Titel Die Wahrheit über die Kolonien zeigte unter anderem Albert Londres' und André Gides kritische Darstellungen der Zwangsarbeit in den Kolonien.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Pariser Kolonialausstellung 1931 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Theresa A. Leininger-Miller: New Negro artists in Paris, African American painters and sculptors in the city of light, 1922-1934. Rutgers University Press, New Brunswick NJ 2001. ISBN 0-8135-2810-0
  • Alexander C. T. Geppert: Fleeting Cities. Imperial Expositions in Fin-de-Siècle Europe. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2010. ISBN 9780230221642

Weblinks[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Erklärungstafel vor dem Palais de la Porte Dorée.
  2. Leininger-Miller: New Negro artists, S. 54.
  3. Tagebuch, 14. Juli 1931, zitiert in Leininger-Miller: New Negro artists, S. 55.
  4. Leininger-Miller: New Negro artists, S. 55.
  5. On the 1931 Colonial Exposition in Paris
  6. Erklärungstafel vor dem Palais de la Porte Dorée.
  7. Modell des Ausstellungsgeländes im Palais de la Porte Dorée.
  8. Modell des Ausstellungsgeländes im Palais de la Porte Dorée.
  9. Modell des Ausstellungsgeländes im Palais de la Porte Dorée.
  10. Erklärungstafel vor dem Palais de la Porte Dorée.
  11. Leininger-Miller: New Negro artists, S. 55.
  12. Leininger-Miller: New Negro artists, S. 55.
  13. Leininger-Miller: New Negro artists, S. 55.
  14. NN: Ne visitez pas L'exposition coloniale. In: Maurice Nadeau: Histoire du surréalisme suvie de documents surréalistes. Paris 1970, S. 325-327, Zitat: S. 327.


48.8307482.4140603Koordinaten: 48° 49′ 51″ N, 2° 24′ 51″ O