Paulo Evaristo Arns

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Paulo Evaristo Kardinal Arns (Mai 1982)
Wappen von Paulo Evaristo Kardinal Arns

Paulo Evaristo Kardinal Arns OFM [ˈpawlu evaˈɾistu ˈaɾns] (* 14. September 1921 in Forquilhinha, Santa Catarina, Brasilien; † 14. Dezember 2016 in São Paulo[1]) war Kardinalprotopriester und Erzbischof von São Paulo.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulo Evaristo Arns wurde als fünftes von dreizehn Kindern einer deutschbrasilianischen Familie geboren, die aus dem Moselgebiet ins Land kam. Sein Vater war Gabriel Arns (1890–1965) und seine Mutter Helene Steiner (1894–1974). Drei seiner Schwestern sind Ordensschwestern, ein Bruder ist ebenfalls Mitglied des Franziskanerordens; seine Schwester Zilda Arns war Präsidentin der Pastoral da Criança, der Kinderpastoral der katholischen Kirche in Brasilien. Er war der Onkel von Leonardo Ulrich Steiner, Weihbischof in Brasilia.

Studium und Priester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulo Evaristo Arns studierte von 1941 bis 1943 Philosophie in Curitiba und von 1944 bis 1947 Theologie an der Katholischen Universität Petrópolis.

Am 10. Dezember 1943 trat Arns im Alter von 22 Jahren in den Franziskanerorden ein und empfing am 30. November 1945 durch Dom José Pereira Alves, Erzbischof von Niterói, das Sakrament der Priesterweihe. Er arbeitete in Petrópolis und lehrte gleichzeitig Theologie an der Katholischen Universität Petrópolis. 1950 folgten Studien in Literatur, Latein, Griechisch und Alter Geschichte an der Sorbonne in Paris, bevor er wieder nach Petrópolis zurückkehrte.

Bischof und Kardinal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Mai 1966 wurde Arns zum Titularbischof von Respecta und zum Weihbischof im Erzbistum São Paulo ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm Agnelo Kardinal Rossi am 3. Juli desselben Jahres. Als Wahlspruch wählte er Ex spe in spem (lat. „Aus Hoffnung in Hoffnung“, „Aus Hoffnung hoffend“) (Röm 4,18 EU).

Am 22. Oktober 1970 wurde er zum Erzbischof von São Paulo ernannt. Während des Konsistoriums vom 5. März 1973 nahm ihn Papst Paul VI. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Sant’Antonio da Padova in Via Tuscolana in das Kardinalskollegium auf.

Zu Beginn seiner Amtszeit als Erzbischof von São Paulo verkaufte er das Bischofspalais und verwendete den Verkaufserlös zum Aufbau einer Sozialstation in den Favelas. Paulo Evaristo Arns gilt als Verfechter der Befreiungstheologie und wurde als Gegner der Militärdiktatur einer der populärsten Kirchenmänner Brasiliens. So leitete er Ende der 1970er-Jahre das Untersuchungsprojekt Tortura Nunca Mais („Nie wieder Folter“). Er wurde von den sogenannten „Todeskommandos“ der jeweiligen Machthaber bedroht, arbeitete jedoch weiter.

Kardinal Arns war während der Militärdiktatur Kanzler der Päpstlichen Katholischen Universität São Paulo. Er tat sich dort besonders hervor, indem er Professoren zuließ, die ihre Professuren an staatlichen Universitäten aus ideologischen Gründen verloren hatten.

Im Alter von fast 77 Jahren ging er am 15. April 1998 in den Ruhestand, nachdem er bereits im Jahr 1996 zu seinem 75. Geburtstag bei Papst Johannes Paul II. das im Kirchenrecht vorgesehene Rücktrittsgesuch eingereicht hatte. Am Konklave 2005 nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. sowie am Konklave 2013 nahm er nicht mehr teil, da er die Altersgrenze von 80 Jahren bereits überschritten hatte.

Seit dem Tod von Eugênio de Araújo Sales im Juli 2012 war Arns dienstältester Kardinalpriester und damit Kardinalprotopriester. Neben dem früheren Kardinal und Papst Benedikt XVI. war er außerdem der letzte lebende Kardinal, der noch von Paul VI. kreiert wurde. Er lebte zuletzt in einem Franziskanerkonvent in Taboão da Serra und mied die Öffentlichkeit größtenteils.[2]

Arns starb im Dezember 2016 an Organversagen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrendoktorwürden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kardinal Arns schrieb 49 Bücher. Schwerpunkte waren das Verkündigungsamt in Großstädten und die Literatur der Urgemeinde. Daneben schrieb er hunderte Artikel für Zeitungen, bei denen er vor seinem Episkopat Redakteur war.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonio Carlos de Souza (Hrsg.): Memórias da Igreja de São Paulo. Homenagem ao Cardeal Dom Paulo Evaristo Arns, Arcebispo emérito de São Paulo no seu jubileu áureo episcopal 1966–2016. Herausgegeben im Auftrag der Arquidiocese de São Paulo und der Faculdade de Teologia Nossa Senhora da Assuncão, PUC-SP. Editora da PUC-SP (EDUC) / Paulus, São Paulo 2016, ISBN 978-85-283-0544-9.

Filmdokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dom Paulo oder Die Liebe zu den Armen. Ein Porträt über Kardinal Arns – Erzbischof von São Paulo. Deutscher Fernsehdokumentarfilm von Michael Albus, ZDF 1986, ca. 35 Minuten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paulo Evaristo Arns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brasilien: Kardinal Paulo Arns 95-jährig gestorben. Kathpress, 14. Dezember 2016, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  2. Brasilianischer Kardinal Paulo Arns wird 95. Kathpress, 12. September 2016, archiviert vom Original am 16. September 2016, abgerufen am 14. September 2016.
Vorgänger Amt Nachfolger
Eugênio de Araújo Sales Kardinalprotopriester
2012–2016
Michael Michai Kitbunchu
Agnelo Kardinal Rossi Erzbischof von São Paulo
1970–1998
Cláudio Kardinal Hummes OFM