Peer Schröder

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Peer Schröder (* 8. August 1956 in Kassel) ist ein deutscher Lyriker, Schriftsteller, Kulturwissenschaftler[1] und Rezitator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als Gymnasiast am Kasseler Friedrichsgymnasium gab Peer Schröder, ein „neuer Typus von umweltbewußtem Dichter eigener Prägung“,[2] seine erste literarisch-künstlerische Zeitschrift heraus. Einige seiner 2001 in dem Band Gedichte wieder hergestellt versammelten Gedichte erschienen, teilweise in ihrer Originalfassung, in diesen Zeitschriften: Analle, Auf die rauschende Laterne!, Der Sanitäter, Falk, Gegner, Loose Blätter Sammlung, Schorli Morli, Zeitschrift für angewandtes Alphabet und Kunst.[3]

Stephan Balkenhol erzählte von Peer Schröder in Kassel, mit dem er, inspiriert vom Dadaismus und der amerikanischen Beat Generation, eine Zeitschrift mit ihren eigenen Gedichten und Zeichnungen vervielfältigt und nachts in Briefkästen geworfen habe.[4] Schorli Morli, so hieß die Zeitschrift, hatten die beiden mittels eines Spirit-Carbon-Umdruckers am Karsamstag 1976 aus der Taufe gehoben.[5][6][7]

Der Kulturwissenschaftler tritt poetisch wie publizistisch für Rüstungskonversion ein,[8] so verweist er in einem Gedicht auf den Produktionsort in Kassel-Mittelfeld – ehemals Henschel, heute Rheinmetall: Mittelfeld // produziert weiter Waffen / dieses Mal wird es / Kassel ganz abschaffen.[9]

Gemeinsam mit Theo Köppen und Katja Töpfer gibt Peer Schröder seit 2007 die Zeitschrift Trompete heraus,[10] in der deutsche und amerikanische Beatniks, beispielhaft Rolf Schwendter, zu Gehör kommen. [11]

Peer Schröder rezitiert außerdem Samuel Beckett in Lesungen. Er lebt in Edermünde-Haldorf.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was Peer Schröders Poeme nach Ansicht von Hadayatullah Hübsch „sonnenstrahlig, querquirlig und ungelenk hübsch“ mache, seien seine widerborstigen Rubbeleien, mit denen er Worte auf eine Gedichtkette perlt, ohne auf den Gebrauchswert von eingeübten Satzfetzen und Bürokratiesprüchen zu achten. Der „Beatnik aus deutschen Schelmbereichen“ hüpfe stattdessen munter durch die Lande, ganz ein erlebnishungriges Kind einer anderen Wirklichkeitssphäre, poltere auch bisweilen mit seiner Ladung Poesie gegen allerlei Sperrmüll namens Realität, hadere aber weniger mit seinem Schicksal, als dass er es auf die Waggons von Zügen verteilte, die er so gerne in alle Himmels- und Windesrichtungen schicken würde.[12]

Der Dichter und Kulturwissenschaftler Peer Schröder sei einer der nimmermüden Aktivisten der Beat Generation, ein Autor, der das Erbe der großen amerikanischen Idole Allen Ginsberg, Ted Berrigan oder Charles Olson nicht etwa ehrfürchtig-kleinmeisterlich zitiere, sondern deren Dynamismus mit neuem Leben erfülle. In kleinen Zeitschriften und mit Publikationen in unabhängigen Verlagen habe Schröder seine Vorstellungen einer revitalisierten 'Beat Poetry' formuliert.[13]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wo ich aufhöre in den Gedichten ist der Himmel voraus fast klar. Nachwort Christoph Heubner, Hamburg 1979. (Taschen-Texte, 2)
  • Wie die Dinge anderer Dinge. Göttingen 1981. (Altaquito Sonderblätter, 14)
  • Guten Tag in dieser Nacht. Göttingen 1982. (Steinbrech, 3)
  • Rainer Maria Gerhardt und die Zeitschrift fragmente. Zusammen mit Helmut Salzinger. In: Falk. Loose Blätter für alles Mögliche. Odisheim (Oktober 1984), Ausgabe 9.
  • Flugzeug am Himmel ich bin der Pilot. Hamburg 1985.
  • Zeitschrift für angewandtes Alphabet und Kunst. (Hrsg. mit Theo Köppen; Paulus Böhmer, Bert Brune Beiträger), A bis Z, 1988–1994. Reprint: Dresden 1996.
  • Heimat – Identität – Fremdsein. Kulturelle Formen der Verarbeitung von Exilerfahrung am Beispiel der Briefe von Kurt Kersten. Göttingen 1990.
  • Das berühmte entlaufene Nilpferd. In einem Band mit Herzblut von Michael Kellner, Ostheim v. d. Rhön 1993.
  • Gedichte wieder hergestellt. Mit Zeichnungen von Stephan Balkenhol. Hamburg 2001.
  • Eingeschweißter Himmelsbürger. Hamburg 2018. (Spatzen, 2)

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kleines Kasseler Literatur-Lexikon. Autorinnen und Autoren. Herausgegeben von Nikola Roßbach. Wehrhahn Verlag, Hannover 2018. S. 770 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kulturwissenschaftler M. A., siehe: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2016/2017. 70. Jahrgang. Berlin 2016.
  2. Hadayatullah Hübsch: Der Himmel voraus ist fast klar. FAZ vom 4. Dezember 1979.
  3. Michael Schmidt: Alternativer Anlage-Geheimtipp. Gegner, Heft 15, Juli 2004, S. 64.
  4. Stephan Balkenhol im Interview mit Peter Elfert. Salon. Art Issue. Magazin zu den Salzburger Festspielen 2014, S. 154.
  5. Michael Kellner: Nordhessen-Beat. In: Karl-Heinz Nickel (Hrsg.): Literatur der Region. Kassel 2007. S. 47.
  6. „Zeitschriften wie Schorli Morli gibt es inzwischen eine ganze Menge, und es ist klar, dass da was in Gang gekommen ist...“ Michael Kellner, Sounds, November 1978, S. 3.
  7. Schröder und Balkenhol gaben dem ersten Heft ein Zitat von Julian Beck mit auf den Weg: „Gewalt in das Kreative“. Siehe: Schorli Morli, erste Ausgabe, o. O. (Kassel), o. J. (1976), o. p.
  8. Peer Schröder: Konversion der Rüstungsindustrie. Hinweise zu Tradition und Modernisierungsprozessen in der Kultur. In: Kassel bewirbt sich als Kulturhauptstadt Europas 2010. Die Dokumentation. Magistrat der Stadt Kassel (Hrsg.). Kassel 2004. S. 99.
  9. In: Jürgen Röhling (Hrsg.): Das poetische Kassel. Ein Lesebuch aus fünf Jahrhunderten. Berlin 2013. S. 151.
  10. Trompete nennt sich ein kleines, von Theo Köppen und Peer Schröder herausgegebenes Magazin, in welchem ergraute Undergroundler wie Udo Breger, Jörg Burkhard und Hadayatullah Hübsch mit etwas jüngeren Autorinnen wie Caroline Hartge und Anna Rheinsberg zusammentreffen – “ Michael Buselmeier: Zeitschriftenlese, SR 2 Kulturradio und Poetenladen, 10. November 2009.
  11. Volker Sommer: Harley Buddha. On the Road in America's West. Anthropolitan, Issue No. 11, Winter 2014/2015, S. 6.
  12. Hadayatullah Hübsch: Neue Bücher – Neue Platten. Alternative Literatur. Radio Bremen/Kultur aktuell, Sendung vom 29. Mai 1983. – Manuskript, S. 11, im Deutschen Literaturarchiv Marbach.
  13. Michael Braun: Deutschlandfunk Lyrikkalender 2010. Heidelberg 2009.
  14. „Kai J. Sasse ist eine literarische Entdeckung“, Spex, Nr. 355 (September 2014), S. 17.