Peter Hille

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Peter Hille, Gemälde von Lovis Corinth, 1902, Kunsthalle Bremen
Peter Hille und Erich Mühsam

Peter Hille (* 11. September 1854 in Erwitzen, Kreis Höxter, Westfalen; † 7. Mai 1904 in Berlin) war ein deutscher spätromantischer und naturalistischer Schriftsteller. Der Schriftsteller gilt als Wegbereiter der modernen Literatur.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Hille wurde als Sohn eines Rentmeisters und Lehrers Friedrich Wilhelm Hille im um 1830 erbauten Fachwerk-Schulhaus Erwitzen geboren. Sein Bruder Xaver wurde Franziskanermönch, sein Bruder Philipp wurde Weltgeistlicher. Von 1871 bis 1874 besuchte er das Progymnasium in Warburg, danach das Gymnasium Paulinum in Münster, wo er Mitglied der geheimen Schülerverbindung Satrebil wurde. Die Gruppe las und besprach Karl Marx, August Bebel, Charles Darwin, auch Johann Georg Hamann, Pierre-Joseph Proudhon, Karl Gutzkow und Ludwig Büchner. In seiner Münsteraner Zeit schickte er Glückwunschtelegramme an Ernst Haeckel und Wilhelm Liebknecht. Er publizierte in dieser Zeit die handgeschriebene Schülerzeitschrift Herz und Geist mit seinen Schulfreunden den Brüdern Heinrich und Julius Hart. 1874 musste Hille wegen ungenügender Leistungen das Gymnasium ohne Abschluss verlassen und arbeitete kurze Zeit als Protokollschreiber beim Staatsanwalt in Höxter und kurz als Korrektor in einer Leipziger Druckerei. In Leipzig war Hille Gasthörer an der Universität.

Erste literarische Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1877 schrieb er an der Zeitschrift Deutsche Dichtung Organ für Dichtung und Kritik mit, die von den Brüdern Heinrich und Julius Hart gegründet worden war. Hier erschienen seine ersten Gedichte. Für die Deutschen Monatsblätter schrieb er literaturwissenschaftliche Beiträge. Hille schrieb zudem für Michael Georg Conrads Gesellschaft, in der er 1889 das Gedicht Seegesicht veröffentlichte, und das Magazin für das In- und Auslands, die, die führenden Zeitschriften der naturalistischen Bewegung waren. In dieser Zeit erhielt er den lobenden Brief Vous êtes un homme von Victor Hugo. Dieser schrieb über Peter Hille:

„Sie sind von der großen Legion des Geistes. Ich schüttele ihnen die Hand.“

– Aus: Peter Hille: Rüdiger Bernhardt in: Ich bin, also ist Schönheit. Verlag Philipp Reclam, Leipzig, 1989, 3. Auflage S. 176

Vagantentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Zeit lang arbeitete er in Bremen an der sozialdemokratischen Zeitung Bremer Tageblatt. Nach Scheitern des sozialistischen Blattes 1880 lebte er in den Londoner Elendsvierteln, lernte Sozialisten und Anarchisten und das Zentrum der Arbeiterbewegung kennen. Er machte in London Bekanntschaft mit Algernon Charles Swinburne.

Von 1882 bis 1884 lebte Hille in Holland. 1884 finanzierte er mit dem Rest einer Erbschaft eine niederländische Schauspielertruppe, die ihn mit in den finanziellen Ruin riss. Er lebte zeitweilig als Vagant, spielte jedoch trotzdem eine wichtige Rolle in der naturalistischen Bewegung. Trotz materieller Not entwickelte sich bei ihm ein reges geistiges Leben. Er gab 1885 in Berlin die Zeitschrift Völkermuse Kritisches Schneidemühl heraus. Das Projekt scheiterte nach zwei Ausgaben, aber Hille freundete sich mit dem namentlich bekannten Abonnenten Detlev von Liliencron an, den er 1887 in Kellinghusen besuchte. Hille bezeichnete sich selbt als Meerwunder an Erfolglosigkeit. Liliencron ermöglichte Hille den Zugang zum Friedrichshagener Dichterkreis und den Druck seines Romans Die Sozialisten.

Im Winter 1888/89 war er völlig verarmt und tuberkulosekrank. Der Schriftsteller Karl Henckell rettete Hille vor dem Verhungern und nahm ihn 1889 mit nach Zürich. Henckell ermöglichte Hille den Besuch Arnold Böcklins Geburtstagsfeier. Hille ging anschließend auf Wanderschaft durch die Schweiz und Italien. In Zürich lernte er Gottfried Keller kennen. Hille brach anschließend zur erneuten Wanderschaft nach Italien, Ungarn, Tirol und mutmaßlich nach Spanien auf.

Berliner Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1885 zog Hille erstmals nach Berlin und war regelmäßiger Gast im Künstlerlokal Schwarzes Ferkel. 1891 suchte der völlig mittellose Hille Zuflucht bei seinem Freund Julius Hart. Seine Mittellosigkeit versuchte John Henry Mackay zu nutzen, um Hilles poetische Kraft in den Dienst extremer literarischer politischer Gruppierungen zu zwingen. 1891 lebte er kurzzeitig bei seinem Bruder in Hamm. Die Polizei verfolgte ihn als angeblichen Sozialdemokraten, er flüchtete durch ganz Deutschland, bis er 1895 wieder nach Berlin zurückkehrte. Er wechselt häufig die Wohnung, schlief nicht selten im Freien und galt seinen Freunden zeitweilig als verschollen. Jedoch findet ab 1899 Else Lasker-Schüler durch die Freundschaft mit Hille ersten Anschluss an die literarische Szene.

Die naturalistischen Schriftsteller unterstützten Hille. Die Neue Gemeinschaft bestritt seinen Lebensunterhalt. Erich Mühsam wurde 1901 sein Freund und Hille wurde eine Kultfigur der Berliner Bohème. 1902 eröffnete er das Kabarett Cabaret zum Peter Hille mit Erich Mühsam, Richard Dehmel, Otto Julius Bierbaum und Else Lasker-Schüler in dem er literarisch-musikalische Abende von hohem Anspruch hielt. 1902 malte Lovis Corinth Hille für ein Modellgeld von 37 Mark. 1903 reiste er nach Rügen. Am 27. April 1904 wurde Hille von einem Blutsturz auf dem Bahnhof Zehlendorf niedergeworfen. Am 7. Mai 1904, erlag er seinem chronischen Lungenleiden im Alter von 49 Jahren.

Zunächst wurde Hille in Mariendorf bei Berlin beerdigt. 1938 wurde er auf dem St. Michael Friedhof in Berlin-Mariendorf in ein Ehrengrab umgebettet.

Ein Teilnachlass von Peter Hille befindet sich in der Handschriftenabteilung der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.

Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hille fühlte sich zu den sozialistisch orientierten Dichtern wie Otto Erich Hartleben, Bruno Wille und Wilhelm Bölsche hingezogen.

Lasker-Schüler hat Hille in ihrem 1906 erschienenen Erstlingsprosawerk Das Peter Hille-Buch postum enthusiastisch gewürdigt.[1]

Für Gerhart Hauptmann war Hille der fast immer subsistenz und obdachlose Maler Peter Hullenkamp in seinem Roman Der Narr in Christo Emanuel Quint.

Hille beeinflusste die Dichter Johannes Bobrowski und Günter Bruno Fuchs, der ein Gedicht über ihn verfasste.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aphorismen von Peter Hille.

„Heimat ist Heimweh und Sehnen nach allen Weiten.“

– Aus: Peter Hille: Öffentlicher Gedenkhain in Erwitzen

„Ich habe keinen Feind als in mir selbt.“

– Aus: Peter Hille: Ich bin, also ist Schönheit: Lyrik, Prosa, Aphorismen, Essays von Peter Hille. [Hrsg. von Rüdiger Bernhardt, unter Mithilfe von Heidi Ruddigkeit]. Reclam Leipzig 1989 ISBN 978-3-379-00490-9

„Ich bin, also ist Schönheit.“

– Aus: Peter Hille: Ich bin, also ist Schönheit: Lyrik, Prosa, Aphorismen, Essays von Peter Hille. [Hrsg. von Rüdiger Bernhardt, unter Mithilfe von Heidi Ruddigkeit]. Reclam Leipzig 1989 ISBN 978-3-379-00490-9

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Sozialisten. Roman. W. Friedrich, Leipzig 1886.
  • Des Platonikers Sohn. Erziehungstragödie. E. F. Conrad's Buchhandlung (O. Reuter), Berlin 1896.
  • Aus dem Heiligtum der Schönheit. Aphorismen und Gedichte. Reclam, Leipzig 1900.
  • Semiramis – Cleopatra. Messer & Cie., Berlin 1902.
  • Die Hassenburg – Roman aus dem Teutoburger Wald. Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig 1905.
  • Das Mysterium Jesu. Erstabdruck in Fortsetzungen 1910 in Der Sturm, Buchausgabe 1921 in Insel-Bücherei 330/1.

Werkausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Hille. Gesammelte Werke. hrsg. v. seinen Freunden, 4 Bde., Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig 1904–1905
  • Peter Hille. Gesammelte Werke. hrsg. v. Friedrich Kienecker, 6 Bde., 1984–1986
  • Peter Hille: Ich bin, also ist Schönheit. Verlag Philipp Reclam, Leipzig, 1889
  • Peter Hille (1854–1904). Werke zu Lebzeiten nach Erstdrucken und in chronologischer Reihenfolge, hrsg. v. Walter Gödden, 2 Bde., Bielefeld 2007
  • Peter Hille. Sämtliche Briefe. Kommentierte Ausgabe. Herausgegeben von Walter Gödden und Nils Rottschäfer, Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 43, Reihe Texte Band 18, Aisthesis Verlag Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89528-781-7.

Zusammenstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Birkelbach, Michael Kienecker, Pierre Georges Pouthier (Hrsg.): „Aus allen Taschen muss es fallen …“ Ein Peter-Hille-Lesebuch. Mentis, Paderborn 2004, ISBN 3-89785-180-6.
  • Walter Gödden (Hrsg.): Peter-Hille-Lesebuch. Köln 2004
  • Günter Albrecht (Hrsg.): Peter Hille - Der Bohemien von Schlachtensee (Märkischer Dichtergarten). 1. Auflage. Morgenbuch Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-371-00365-5.

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Hille – ein großer Lump schreitet durch die Himmel. Hörspiel von Walter Gödden. Edition Nyland, Köln 2004 (2 Audio-CD, 59:19 Min.)
  • Vom Finden und Gefundenwerden. Peter Hille und Else Lasker-Schüler. Eine szenische Collage von Walter Gödden. Edition Nyland, Köln/Paderborn 2006 (Audio-CD, 52:45 Min.)

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter-Hille-Haus
  • Hille-Haus – die Hille-Gesellschaft unterhält in Erwitzen das Geburtshaus Peter Hilles; es ist als literarische Gedenk- und Begegnungsstätte eingerichtet.[2]
  • Peter-Hille-Literaturpreis „Nieheimer Schuhu“ – seit 2007 alle drei Jahre vergeben[3] an:

Der 18 Kilometer lange Wanderweg Peter-Hille-Weg mit dem Wanderzeichen U von Nieheim nach Erwitzen und zurück nach Nienheim wurde nach Peter Hille benannt. In Nieheim trägt eine Schule Peters Hilles Namen. Sein Geburtort benennt sich Hille-Dorf. In Erwitzen wurde 1971 ein Gedenkstein mit dem Zitat Ich bin, also ist Schönheit am Ortsrand gesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

Biographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Vogedes: Peter Hille. Ein Welt- und Gottestrunkener. Mit unveröffentlichten Arbeiten aus dem Nachlass des Dichters. Schöningh, Paderborn 1947.
  • Dietmar N. Schmidt: Hille, Peter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 146 f. (Digitalisat).
  • Franz Glunz: Peter Hille. Der Lebensweg eines ruhelosen Dichters. Huxaria, Höxter 1976.
  • Friedrich Kienecker (Hrsg.): Peter Hille. Dokumente und Zeugnisse zu Leben, Werk und Wirkung des Dichters. Schöningh, Paderborn 1986, ISBN 3-506-78455-2.
  • Rüdiger Bernhardt: „Ich bestimme mich selbst.“ Das traurige Leben des glücklichen Peter Hille (1854–1904). Bussert und Stadeler, Jena 2004, ISBN 3-932906-46-2.
  • Nils Rottschäfer: Peter Hille (1854–1904). Eine Chronik zu Leben und Werk. Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 44, Aisthesis, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89528-791-6.

Einzelne Studien zu Person und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Timmermann: Peter Hille. Persönlichkeit und Werk. Dissertation, Universität Köln 1936.
  • Bernward Pohlmann: Spontaneität und Form. Romanstrukturen im deutschen Impressionismus – untersucht an den Romanen „Die Sozialisten“ und „Die Hassenburg“ von Peter Hille. Lang, Frankfurt am Main/u. a. 1985, ISBN 3-8204-8225-3.
  • Liselotte Folkerts: Peter Hilles Beziehungen zu Münster und dem Münsterland. Münster 2004, ISBN 3-00-014563-X.
  • Martin M. Langner (Hrsg.): Peter Hille (1854–1904). Weidler, Berlin 2004, ISBN 3-89693-411-2.
  • Cornelia Ilbrig (Hrsg.): Peter Hille im Urteil seiner Zeitgenossen und Kritiker. 2 Bde.: Tl. 1: 1884–1919; Tl. 2: 1920–2006. Aisthesis, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89528-615-5.
  • Franz Schüppen: Feuersbrunst und Kultur. Peter Hilles unvollendete Auseinandersetzung mit Schiller, in: Walter Gödden (Hrsg.): Literatur in Westfalen. Beiträge zur Forschung 10, Aisthesis, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89528-782-4.
  • Peter Hamecher: Peter Hille, in: Peter Hamecher: Zwischen den Geschlechtern. Literaturkritik – Gedichte – Prosa. Bibliothek rosa Winkel Bd. 58, Männerschwarm Verlag 2011, ISBN 978-3-939542-58-2.

Nachlass, Autographen, Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf das Grab Peter Hille’s. Leipzig 1904 (Digitalisat der UB Paderborn)
  • Walther Pfannmüller: Der Nachlaß Peter Hilles. Dissertation, Universität Bonn 1940.
  • Maria Kühn-Ludewig: Bestandsverzeichnis der Hille-Autographen. In: Hans-Christian Müller (Hrsg.): „Programm habe ich nicht, die Welt hat auch keins“. Zum 125. Geburtstag des Dichters Peter Hille. Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Dortmund 1979, S. 34–85

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Peter Hille – Zitate
 Commons: Peter Hille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Peter Hille – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Jakob Hessing: Peter Hille. Wiederauferstehungen oder Peter Hille und die Folgen (Digitalisat)
  2. [1]
  3. [2]