Prêt-à-porter

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Dieser Artikel behandelt den Fachbegriff aus der Kleidermode. Für den gleichnamigen Spielfilm von Robert Altman siehe Prêt-à-Porter (Film).

Prêt-à-porter [pʀɛtapɔʀˈte] ist Kleidermode, die, wie die wörtliche Übersetzung aus dem Französischen sagt, „bereit zum Tragen“ ist. Unter tragefertiger Bekleidung versteht man Kleidung, die im Gegensatz zur Haute Couture nicht nur für den Laufsteg und Models erschaffen wurde, sondern in Standardgrößen und im fertigen Zustand auf den Markt kommt. Sinngemäß bedeutet prêt-à-porter etwa so viel wie Konfektion oder „von der Stange“ – wobei der Begriff meist in Zusammenhang mit den Entwürfen und Schauen großer Modehäuser verwendet wird und somit keine abwertende Konnotation als Massenware trägt. Im Englischen wird auch der gleichbedeutende Begriff ready-to-wear (dt. ‚bereit zum Tragen‘) verwendet.

Einige Modehäuser und Modeschöpfer kreieren Prêt-à-porter-Produktlinien, die industriell massengefertigt werden. Bei anderen sind diese Produkte immer noch sehr exklusiv und werden nur in limitierter Stückzahl und nur eine bestimmte Zeit lang produziert. Im Unterschied zur Haute Couture handelt es sich dabei jedoch nie um Einzelstücke und auch nie um Stücke, die nur zur Erzeugung von Aufmerksamkeit auf Modenschauen entworfen werden.

Oft werden die Kollektionen in gehobenen Modehäusern sogar noch in einem eigenen Atelier gefertigt. Auch werden viele von ihnen ausgestellt und auf Modeschauen präsentiert. Es gibt jedoch nur noch wenige Betriebe, die nach wie vor in Deutschland produzieren. Diese Betriebe verkaufen ihre Kollektionen vor allem ins Ausland.

Als bedeutendste Messe für Prêt-à-porter-Mode gilt oder galt die Bread & Butter in Berlin, deren Titel lautmalerisch auf die französische Bezeichnung anspielt und zugleich eine Metapher darstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prêt-à-porter-Mode von Palau Robert

Prêt-à-porter hatte seine Ursprünge in den Pariser Modesalons der 1930er-Jahre. In Italien begannen in den 1950er-Jahren Modeschöpfer, ihre Entwürfe in Manufakturen in begrenzten Stückzahlen zu fertigen und in Boutiquen zu verkaufen. In Deutschland gehörten Bessie Becker (1952) und Willy Bogner zu den ersten Modedesignern mit einem Prêt-à-porter-Atelier.[1] In England wurden Kreationen von jungen Designern, wie unter anderem Mary Quant, Laura Ashley und Barbara Hulanicki Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre nicht mehr in exklusiven Ateliers sondern in Boutiquen und Kaufhäusern weltweit vertrieben. In Frankreich verschlossen sich zunächst die etablierten Haute Couture-Modeschöpfer der neuen Entwicklung. Zu den Vorreitern der Prêt-à-porter-Mode in Frankreich zählten Cacharel, Dorothée Bis und Pierre Cardin.[2] Mitte der 1960er-Jahre begannen auch die bekannten französischen Modedesigner, jährlich zwei vorwiegend jugendliche und avantgardistische Kollektionen zu präsentieren. Die Kollektionen wurden erstmals 1965 auf der Messe Salon du Prêt-à-porter vorgestellt.[1] Im Jahr 1973 wurde die Chambre Synicale du Prêt-à-porter des Couturiers et Créateurs de Mode gegründet. In Italien gab es ebenfalls seit 1966 Alta-Moda-Pronta-Modeschauen. Besonders in den 1970er-Jahren trugen die Alta-Moda-Pronta-Kollektionen von Armani, Laura Biagiotti, Salvatore Ferragamo, Gianni Versace und Krizia zum internationalen Renommé der italienischen Designer bei und begründeten den Ruf von Mailand auf Zentrum des italienischen Prêt-à-porter.[1] In Deutschland und Österreich gehörten in den 1970er-Jahren unter anderem die Kollektionen von Jil Sander, Caren Pfleger und Helmut Lang zu den international beachteten Prêt-à-porter-Konfektionen.

Stilrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stilistisch dominierte in den späten 1970er-/frühen 1980er-Jahren der Folklore-Look – unter anderem mit Ponchos, Gaucho- und Haremshosen, folkloristischen Wollröcken – die Prêt-à-porter-Kollektionen. In den 1980er-Jahren kamen verstärkt über japanische Designer, wie Yōji Yamamoto und Issey Miyake, fernöstliche Einflüsse in die Kollektionen. Seit den 1980er-Jahren ist die Prêt-à-porter-Mode durch eine Vielzahl modischer Stilrichtungen geprägt. Jean Paul Gaultier prägte den androgynen Modestil Mitte der 1980er-Jahre, der Grunge- und Poor-Look wurde vor allem von Ann Demeulemeester eingeführt, während Vivienne Westwoods Kollektionen insbesondere durch provozierende Neuinterpretationen historischer Kostüme gekennzeichnet waren. Gianni Versace kreierte in den 1980er-Jahren den Bondage-Stil, entwarf aber auch wie Alexander McQueen und John Galliano opulente Prêt-à-porter-Kollektionen. Neben ausgefallenen Kollektionen beherrschte in den 1990er-Jahren auch ein puristischer, transparenter und sachlicher Stil die Prêt-à-porter-Mode. Die international erfolgreichsten Vertreter dieser Stilrichtung zählten Jil Sander, Helmut Lang und Donna Karan. Die traditionsreichen Modehäuser, wie Hermès, Chanel, Burberry und Louis Vuitton interpretierten ihre Modeklassiker zeitgemäß und schufen so begehrte Stilikonen.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 6. Auflage. Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010818-5, S. 410–413.
  2. Pierre Cardin – Mitbegründer der Prêt-à-Porter Mode. styleranking.de, abgerufen am 2. Mai 2012.