Rainer Koch (Sportfunktionär)

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Rainer Koch (Juli 2010)

Rainer Koch (* 18. Dezember 1958 in Kiel) ist ein deutscher Jurist und Fußballfunktionär. Von 9. November 2015 bis 15. April 2016 war er zusammen mit Reinhard Rauball kommissarischer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koch studierte nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München und dem Wehrdienst von 1979 bis 1984 Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität München und trat nach seiner Promotion in den bayerischen Justizdienst ein. Nach Stationen an verschiedenen Amtsgerichten, drei Jahren als Gründungsfachbereichsleiter für den Fachbereich Rechtspflege an der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung in Meißen und Jahren als stellvertretender Leiter der Gemeinsamen IT-Stelle der bayerischen Justiz ist Koch seit 2008 Richter am Oberlandesgericht München.[1] Aufgrund seiner vielfältigen sportpolitischen Verpflichtungen wechselte Koch 2008 beruflich auf eine Halbtagsstelle.[2]

Sportliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayerischer Fußball-Verband (BFV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Leidenschaft für Fußball entdeckte Koch als Spieler für die Münchner Vorortvereine Kirchheimer SC und TSV Poing. Von 1977 bis 1980 war Koch D- und C-Juniorentrainer beim Kirchheimer SC. Ebenfalls in Kirchheim übernahm Koch von 1989 bis 1990 die Jugendleitung. Kochs Karriere beim Bayerischen Fußball-Verband begann als aktiver Schiedsrichter. Von 1975 bis 1986 leitete er knapp 1000 Verbandsspiele bis zur Bayernliga, damals die dritthöchste Liga, und war darüber hinaus von 1987 bis 1989 als Schiedsrichterbeobachter im Einsatz. Zeitgleich trainierte er die A-Jugend des FC Falke Markt Schwaben, die Trainerlizenz B hatte Koch bereits im Jahr 1982 erworben.

Seine Funktionärslaufbahn startete er 1982 im Alter von 24 Jahren als Beisitzer im Kreis-Schiedsrichterausschuss München. Dieses Amt übte er bis 1986 aus. Nach einer berufsbedingten Auszeit nahm Koch 1990 die Verbandsarbeit im BFV wieder auf und wurde Jugend-Sportgerichtsvorsitzender des Bezirks Oberbayern.[3] Nach sechs Jahren wurde er Beisitzer im Verbands-Sportgericht, dem obersten Sportgericht im BFV, dessen Vorsitz er von 1998 bis 2004 übernahm. Im November 2004 wählte der erste außerordentliche Verbandstag des BFV den damals 45-Jährigen als Nachfolger des zum DFB-Schatzmeister gewählten Heinrich Schmidhuber in Nürnberg einstimmig zum Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes. In dieser Funktion zeigte er Präsenz bei den Kreis- und Bezirkstagen, forcierte die Anstrengungen gegen Wettmanipulationen und stärkte die weniger prestigeträchtigen Ligen im Landesverband.[2] Bei den darauffolgenden BFV-Verbandstagen 2006, 2010 und 2014 wurde Koch jeweils einstimmig wiedergewählt.

Süddeutscher Fußball-Verband (SFV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rainer Koch zog 2005 als Vizepräsident in den Vorstand des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) ein. Dem Regionalverband, der sich aus den Landesverbänden in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg zusammensetzt, steht Koch seit der Wahl auf dem 7. Ordentlichen SFV-Verbandstag in Kassel am 22. Oktober 2011 als Nachfolger von Rolf Hocke als Präsident vor.[4] Am 12. Oktober 2014 wurde Koch beim 8. Ordentlichen SFV-Verbandstag in Freiburg im Breisgau für weitere vier Jahre als Präsident des SFV bestätigt.[5]

Deutscher Fußball-Bund (DFB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 wurde Koch Beisitzer beim Sportgericht des Deutschen Fußballbundes (DFB), zu dessen Vorsitzendem er 1998 gewählt wurde.[6] In dieser Funktion trug Koch 2006 wesentlich zur Aufklärung im „Fall Hoyzer“ bei. Zudem griff das Gericht unter ihm entschlossen gegen rassistische Ausfälle von Fußballfans durch und verhängte dafür die höchsten Geldstrafen in der DFB-Geschichte.[7]

Zum DFB-Vizepräsidenten für Rechts- und Satzungsfragen wurde Koch im Oktober 2007 auf dem DFB-Verbandstag gewählt und gab in der Folge den Vorsitz im Sportgericht ab. Auch in der neuen Funktion propagierte er eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber Rassismus und Gewalt in den Fußballstadien.[8] Nachdem ihm in der Affäre um Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell relevante Informationen vorenthalten worden waren, gab Koch im Februar 2010 die ihm ebenfalls übertragene Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen im DFB ab.[9] Das Ressort für Rechts- und Satzungsfragen tauschte Koch im November 2011 aufgrund von Spannungen mit dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger kurzfristig mit dem vom hessischen Vizepräsidenten Rolf Hocke verantworteten Ressort „Prävention, Integration sowie Freizeit- und Breitensport“. Im März 2012 kam es nach der Wahl Wolfgang Niersbachs zum DFB-Präsidenten zum Rücktausch der Ressorts zwischen Koch und Hocke. Die Delegierten des 41. Ordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes wählten Koch einstimmig am 25. Oktober 2013 in Nürnberg zum „1. Vizepräsident Amateure“.[10] In dieser Funktion vertritt Koch die Interessen des deutschen Amateurfußballs und setzt sich im Sinne der Regional- und Landesverbände des DFB für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Profi- und Amateurfußball ein. Mit dieser Position verknüpft ist der Vorsitz der Konferenz der 21 Landes- und fünf Regionalverbandspräsidenten. Diese Konferenz berät das DFB-Präsidium, den DFB-Vorstand und die DFB-Zentralverwaltung in allen Themen, die den Amateurfußball betreffen. Nach dem Rücktritt von Niersbach im November 2015 als DFB-Präsident wurde Koch zusammen mit dem weiteren 1. DFB-Vizepräsidenten Reinhard Rauball satzungsgemäß kommissarischer DFB-Präsident.[11] Niersbach trat zurück wegen möglicher Schmiergeldzahlungen vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Koch appellierte am 9. November 2015 öffentlich an Franz Beckenbauer: Es sei „höchste Zeit, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge.“[12] Am 15. April 2016 wurde Reinhard Grindel auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt zum neuen DFB-Präsidenten gewählt. [13]

Internationaler Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2002 bis 2011 war Koch Mitglied in der Kontroll- und Disziplinarkammer der UEFA. Am 11. Mai 2017 wurde Koch in die FIFA-Governance-Kommission gewählt.[14]

Sportpolitisches Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kochs sportpolitische Agenda in Bayern zielt auf den Erhalt der für den Fußball unverzichtbaren Vereinslandschaft durch Modernisierung, Kampagnen und Imagearbeit für den Amateurfußball sowie die Wahrung der Einheit von Profi- und Amateurfußball. So initiierte er auf dem BFV-Verbandstag 2010 die Kampagne „Pro Amateurfußball“ mit Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Vereinsbasis.[15] Als Leiter eines Projektteams entwickelte Koch „BFV.TV“, die bekannteste Online-Sportschau für den Amateurfußball. 2013 wurde das Format mit dem Bayerischen Sportpreis in der Kategorie „Innovation im Sport“ ausgezeichnet. Seit seiner Zeit als Sportrichter steht Koch für den entschlossenen Kampf gegen Gewalt, Rassismus, Pyrotechnik und jede Form von Diskriminierung in den Fußballstadien. 2013 entwickelte er gemeinsam mit den Vorsitzenden der Rechtsorgane des DFB ein 10-Punkte-Programm für die Sportgerichtsbarkeit, mit dem die Täterermittlung gegenüber der verschuldensunabhängigen Zurechnungshaftung der Vereine in den Vordergrund rücken soll.[16]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koch sitzt seit 1990 für die SPD im Gemeinderat von Poing und wurde 2009 von seiner Partei zur Bundesversammlung entsandt.[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koch ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt seit 1964 in Poing.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014: Bundesverdienstkreuz am Bande[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sandra Tjong: Bundespräsidentenwahl – Rainer Koch, DFB-Vizepräsident. Interview. Focus, 20. Mai 2009, abgerufen am 11. Februar 2010.
  2. a b Der reisefreudige Reformator aus Poing. Main-Post, 15. Oktober 2010, abgerufen am 19. Dezember 2013.
  3. a b Runter mit den Spieler-Gehältern. In: Main-Echo, 28. Februar 2009.
  4. Dr. Rainer Koch neuer Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes. Bayerischer Fußballverband, 23. Oktober 2011, abgerufen am 16. Dezember 2013.
  5. Dr. Rainer Koch bleibt SFV-Präsident. Südbadischer Fußballverband, 12. Oktober 2014, abgerufen am 6. November 2014.
  6. Rainer Koch aus Poing will DFB-Vizepräsident werden. In: Münchner Merkur, 4. Oktober 2007.
  7. Höchststrafe für Hansa Rostock. In: Süddeutsche Zeitung, 15. September 2006.
  8. DFB verhängt harte Strafe gegen Erfurt. In: Focus, 21. August 2008.
  9. DFB-Vizepräsident Koch gibt Zuständigkeit für Schiedsrichterbereich ab. In: Spiegel Online, 10. Februar 2010.
  10. Dr. Rainer Koch 1. DFB-Vizepräsident für Amateurfußball. Bayerischer Fußballverband, 25. Oktober 2013, abgerufen am 15. Mai 2014.
  11. Nach Niersbach-Rücktritt: DFB verzichtet auf Klage gegen den SPIEGEL, Spiegel-Online vom 9. November 2015
  12. sueddeutsche.de 10. November 2015: Der Mann von der Basis
  13. Konrad-Adenauer-Stiftung: KAS-Altstipendiat Reinhard Grindel wird neuer DFB-Präsident
  14. FIFA.com: FIFA-Kommissionen Governance-Kommission und Prüfungskommission - FIFA.com. Abgerufen am 24. Mai 2017.
  15. Rainer Franzke: Koch beweist: Der Verband subventioniert jeden Klub. kicker, 21. Januar 2013, abgerufen am 16. Dezember 2013.
  16. Rassismus, Gewalt, Hallenfußball-Ärger: BFV-Präsident Koch spricht Klartext. Interview. heimatsport.de, 29. Oktober 2013, abgerufen am 15. Mai 2014.
  17. Mitteilung Innenministerium zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vom 1. Dezember 2014