Poing

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Poing
Poing
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Poing hervorgehoben
Koordinaten: 48° 10′ N, 11° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Ebersberg
Höhe: 516 m ü. NHN
Fläche: 12,92 km²
Einwohner: 14.596 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1130 Einwohner je km²
Postleitzahl: 85586
Vorwahlen: 08121 (Ortsteil Grub: 089)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: EBE
Gemeindeschlüssel: 09 1 75 135
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 3
85586 Poing
Webpräsenz: www.poing.de
Bürgermeister: Albert Hingerl (SPD)
Lage der Gemeinde Poing im Landkreis Ebersberg
Pliening Poing Vaterstetten Zorneding Oberpframmern Egmating Markt Schwaben Forstinning Anzing Anzinger Forst Ebersberger Forst (gemeindefreies Gebiet) Eglhartinger Forst Hohenlinden Steinhöring Frauenneuharting Emmering (Landkreis Ebersberg) Aßling Baiern (Landkreis Ebersberg) Glonn Kirchseeon Ebersberg Grafing bei München Moosach Bruck (Oberbayern) Landkreis Erding Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Rosenheim München München Landkreis München Landkreis RosenheimKarte
Über dieses Bild

Poing ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Ebersberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poing liegt in der Region München in der Münchner Schotterebene im Einzugsgebiet der rund 21 km entfernten Landeshauptstadt München. Der Gemeindeteil östlich des Reuterparks befindet sich bereits auf einer Altmoräne der Riß-Kaltzeit. Poing liegt außerdem 20 km südlich von Erding, 11 km nördlich von Zorneding und 19 km von der Kreisstadt Ebersberg entfernt mit eigenem Anschluss an die S-Bahn, welche im 20-Minuten-Takt verkehrt und nach rund 20 Minuten den Münchner Ostbahnhof erreicht. Zur A 94 (Anschlussstellen Parsdorf und Anzing) sind es jeweils 4 km, den Flughafen München erreicht man über die Flughafentangente Ost nach etwa 31 km. Ortsteile von Poing sind Angelbrechting und Grub.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poing im 19. Jahrhundert

Archäologische Funde belegen eine ununterbrochene Besiedlung im Gebiet von Poing seit 2800 v. Chr. in der Jungsteinzeit. Spektakulär sind das Fürstengrab von Poing aus der Bronzezeit (etwa 1300 v. Chr.) und römische Landgüter, die 2004 entdeckt wurden. Südlich der Gemeinde verlief eine Römerstraße die Augusta Vindelicorum (Augsburg) mit Ovilava (Wels) verband.

Der ursprüngliche Ortsname Piuuuingun leitet sich von einer Person namens Piuwo ab. Die Endung „ing“ weist auf die altbayerische Herkunft hin. Direkt übersetzt bedeutet der Ortsname bei den Leuten des Piuwo. Erstmals wurde Piuuuingun in den Aufzeichnungen des Hochstifts Freising in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts erwähnt. Im Laufe der Zeit änderte sich der Ortsname mehrfach (Biuwingun, Pivingen, Puingen, Pewing, Poying). Das heutige Poing ist seit 1813 im Gebrauch. Graf Chunrat der Preysinger verkaufte 1398 die Hofmark Pewging an Ulrich Tichtel zu München. 1406 wurde jene von der Stadt München an den Herzog von Bayern-Ingolstadt verkauft. Im Landshuter Erbfolgekrieg (1502/1503) und im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde Poing in Mitleidenschaft gezogen. 1632 bis 1634 wütete die Pest. Am 1. März 1686 schenkte Kurfürst Max Emanuel dem Geheimsekretär Corbinian von Prielmair den Urbarshof zu Poyen. Er blieb bis ins 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Prielmair. Am 1. Mai 1871 wurde die Bahnstrecke München–Simbach eröffnet, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung Poings führte.[2]

Am 25. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, sollte ein Zug 3600 meist jüdische KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Mühldorf Richtung Tirol bringen. Unter den Gefangenen befand sich der spätere Buchautor Max Mannheimer. In Poing musste der Zug aufgrund technischer Probleme halten. Als die Wachmannschaften die Waggontüren öffneten, versuchten die Gefangenen zu entkommen, worauf das SS-Wachpersonal das Feuer eröffnete. 50 Menschen starben, 200 wurden verletzt, 250 Gefangene konnten entkommen.[3] Zum Gedenken der Opfer wurde ein Mahnmal in der Nähe des S-Bahnhof Poing errichtet. Am 1. Mai 1945 um elf Uhr erreichten die ersten amerikanischen Militärfahrzeuge Poing. Auf der Neufahrner Straße kam es zu einem letzten Schußwechsel.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Einwohner[5] 10.461 10.540 10.721 11.094 11.337 11.685 12.088 12.601 12.812 13.022 13.877 14.379 14.306 14.664 14.147


Zwischen 1988 und 2008 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf rd. 13.000. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Poing von einem kleinen Dorf zur zweitgrößten Gemeinde im Landkreis Ebersberg hinter Vaterstetten. 2006 ließ es bevölkerungsmäßig die bis dahin größeren Nachbargemeinden Kirchheim und Markt Schwaben hinter sich. Der starke Einwohneranstieg geht auf die vielen neuen Baugebiete zurück, die nördlich der S-Bahn immer weiter erschlossen werden (Neu-Poing). Die Bauaktivitäten im Neubaugebiet W5 (Zauberwinkel) sind nahezu abgeschlossen, demnächst wird mit dem Bau im Neubaugebiet W6 (Seewinkel) begonnen. Dort sollen in den nächsten Jahren erneut Wohnungen und Häuser für mehr als 1400 Einwohner entstehen. Auch für die Zukunft ist deshalb kein Ende dieser raschen Entwicklung zu erwarten.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 44,57 %
 %
40
30
20
10
0
34,41 %
31,00 %
17,42 %
12,53 %
4,64 %
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Seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 sind im Poinger Gemeinderat folgende Parteien und Listen vertreten:[7]

Am 11. März 2012 fanden die letzten Bürgermeisterwahlen statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 51,95 % konnte sich der amtierende Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) mit 68,51 % gegen Michael Frank (FWG, 19,65 %) und Carmen Berntheisel (CSU, 11,84 %) durchsetzen.

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge mit Wappen

Das Bayerische Staatsministerium des Inneren erteilte mit Entschließung vom 29. Mai 1961 der Gemeinde die Zustimmung zur Annahme des Wappens und Führung der Fahne.

Wappenbeschreibung: „Über von Silber und Blau geteiltem Schildfuß in Blau ein goldener Sparren, der einen achtstrahligen silbernen Stern einschließt.“[10]

Die Wappensymbole „goldener Sparren“ und „silberner Stern“ wurden aus dem Wappen der im späten 17. Jahrhundert in Poing begüterten Familie von Prielmair in das Gemeindewappen übernommen. Der von Silber und Blau geteilte Schildfuß weist auf die enge Verflechtung des Ortes mit den bayerischen Herzögen beziehungsweise Kurfürsten hin. Die Feldfarbe Blau gibt nochmals die bayerischen Farben wieder.

Beschreibung der Flagge: „Die Fahne der Gemeinde hat drei Streifen in der Farbenfolge Gelb-Blau-Weiß; sie kann auch mit dem Gemeindewappen geführt werden.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Greifvogelflugschau im Wildpark Poing

In der Nähe des Ortes befindet sich der 1959 eröffnete Wildpark Poing, der hauptsächlich Tiere aus Europa präsentiert. Viele Tiere können gefüttert werden und Damhirsche bewegen sich frei unter den Besuchern.

Von 1987 bis 1995 betrieb Heinz Bründl in Poing den Westernpark No Name City. Seit 2009 wird als Erinnerung an die Westernstadt das Festival Spirit of No Name City veranstaltet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poing ist über Bundesautobahn 94, die im Endausbau von München nach Passau führen wird, über die Abfahrt Parsdorf/Poing erreichbar. Derzeit (Stand 2015) endet die Autobahn in der Nähe von Pastetten, Richtung Passau führt ab Forstinning die Bundesstraße 12 via Hohenlinden nach Anzing zum nächsten fertiggestellten Teilstück der A94. Die Flughafentangente Ost, welche die A 94 mit dem Flughafen München verbindet, wurde am 20. Dezember 2010 fertiggestellt.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemeinde Poing verläuft die Bahnstrecke München–Mühldorf, die im Kursbuch der Deutschen Bahn als Kursbuchstrecke 940 geführt wird. Zwischen München Ost und Markt Schwaben ist die Strecke zweigleisig und elektrifiziert. Auf dem Abschnitt Markt Schwaben–Mühldorf ist sie eingleisig und nicht elektrifiziert. Der Streckenabschnitt München–Markt Schwaben sowie die Zweigstrecke nach Erding sind in das Netz der Münchner S-Bahn als S-Bahn-Linie S2 integriert. Die S-Bahnen werden unter der Kursbuchstreckennummer 999.2 geführt. Im Gemeindegebiet von Poing liegen an der Bahnstrecke von München nach Mühldorf die Bahnhöfe Poing und Grub (Oberbay). Beide Bahnhöfe verfügen über zwei Bahnsteiggleise. Die Bahnsteige aller Bahnhöfe in Poing verfügen über eine Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern.[11][12]

Die Bahnstrecke München–Mühldorf wurde am 1. Mai 1871 in Betrieb genommen.[13] Mit der Bahnstrecke ging auch der Bahnhof Poing in Betrieb. Der Bahnhof Grub (Oberbay) wurde erst nachträglich am 1. Mai 1897 mit dem Ausbau des von der Stadt München östlich gelegenen Vorortbahnnetzes eröffnet. Die Bahnstrecke ist seit 1972 elektrifiziert und in das Netz der S-Bahn München integriert. Seit 1972 werden die Bahnhöfe Poing und Grub (Oberbay) nur noch von S-Bahnen bedient. Alle Regionalzüge der Südostbayernbahn passieren die Bahnhöfe ohne Halt.[14] Heute verkehren auf der Bahnstrecke München–Erding S-Bahn-Züge der Linie S2 der Relation PetershausenDachau–München–Heimstetten–Poing–Markt Schwaben–Ottenhofen–Erding im 20-Minutentakt nach München. Der Abschnitt Markt Schwaben–Erding wird nur im 20/40-Minutentakt bedient.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bahnhof Poing aus bedienen sieben Buslinien sowie eine Rufbus- und eine Ruftaxilinie Poings Wohn- und Gewerbegebiete und mehrere Nachbarorte. Diese Linien sind wie die S-Bahn in den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) integriert.[15]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Avnet EM (Silica, Abacus, Memec, EBV, ALS)
  • BayWa, Bau- und Gartenmarkt
  • Océ Printing Systems, Hochleistungsdrucker, 1.000 Mitarbeiter
  • Schlemmer GmbH[16]
  • Stahlgruber, Automobilzubehör, gegründet 1923
  • Tschann-Bayern GmbH, Vertragshändler für DAF-Nutzfahrzeuge

Sonstige Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bauzentrum Poing, ständige Ausstellung für Musterhäuser und Gebäudetechnik[17]
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft – Institut für Tierzucht[18]
  • Werkstätten der Bayerischen Staatsoper

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Christa Stewens, lebt mit ihrer Familie in Angelbrechting. Stewens ist Ehrenbürgerin der Gemeinde. Auch das unter dem Namen Iny Lorentz publizierende Autorenduo Ingrid Klocke und Elmar Wohlrath, das durch historische Romane wie Die Wanderhure bekannt wurde wohnt in Poing.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Poing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Poing – Geschichte
  3. Broschüre der Ausstellung im Franz-Marc-Gymnasium (Markt Schwaben), 2009, S. 2 PDF (Memento vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive)
  4. Bastian Hosan: "Wir haben uns nicht näher dran getraut", Süddeutsche Zeitung, 7. Mai 2015, abgerufen am 17. Mai 2015 (Druckausgabe vom 8. Mai 2015)
  5. Bayrisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Einwohnerzahlen, jeweils zum 31.12.
  6. Ergebnisse der Kommunalwahl 2014
  7. [1]
  8. SPD Bürgerliste Poing
  9. CSU Ortsverband Poing
  10. Gemeinde Poing: Wappen
  11. Bahnsteiginformationen zum Bahnhof Poing. In: deutschebahn.com. DB Station&Service. Abgerufen am 1. April 2013.
  12. Bahnsteiginformationen zum Bahnhof Grub (Oberbay). In: deutschebahn.com. DB Station&Service. Abgerufen am 1. April 2013.
  13. Reinhard Wanka, Wolfgang Wiesner: Die Hauptbahn München–Simbach und ihre Zweigbahnen. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1996, ISBN 3-922138-59-4.
  14. Reinhard Pospischil, Ernst Rudolph: S-Bahn München. Alba, Düsseldorf 1997, ISBN 3-87094-358-0.
  15. Liniennetz vom Landkreis Ebersberg (PDF; 727 kB) In: mvv-muenchen.de. Münchner Verkehrs- und Tarifverbund. Abgerufen am 1. April 2013.
  16. Schlemmer.com: Schlemmer Standorte
  17. Bauzentrum Poing
  18. Website des Instituts für Tierzucht, aufgerufen am 15. November 2012