Reptiloide

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Reptiloide sind hypothetische oder fiktionale Wesen, die in der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur, in Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien eine Rolle spielen. Es handelt sich dabei um menschenähnliche intelligente Wesen, die von Reptilien oder reptilienartigen Außerirdischen abstammen oder auf andere Weise reptilienähnlich sind. Es gibt Menschen, die an sogenannte Superverschwörungen glauben, in denen Reptiloide als Protagonisten die Politik einer Vielzahl von Ländern kontrollieren. Diese Verschwörungstheorie wurde vor allem von David Icke populär gemacht.

Science-Fiction und Fantasy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstellung von bösen menschenähnlichen Reptiloiden geht nach Einschätzung des amerikanischen Politikwissenschaftlers Michael Barkun auf die Erzählung The Shadow Kingdom zurück, die Robert E. Howard (1906–1936) 1929 in dem Pulp-Magazin Weird Tales veröffentlichte. Darin muss der Protagonist, der aus Atlantis stammende Kull, gegen Schlangenmenschen kämpfen, die ihre Gestalt verändern können und aus ihrem Schattenreich die Herrschaft über die Menschheit erringen wollen. Andere Autoren derselben Zeitschrift griffen das Motiv auf und popularisierten es:[1] H. P. Lovecraft (1890–1937) integrierte in seiner Erzählung Der leuchtende Trapezoeder (1936) Howards Schlangenmenschen in seinen Cthulhu-Mythos und übernahm auch dessen Ortsnamen; Clark Ashton Smith (1893–1961) bediente sich ebenfalls sowohl des Mythos als auch der Reptiloiden. In den Marvel Comics tauchten sie dann zu Beginn der 1970er Jahre als Gegner Conans des Cimmeriers auf, der gleichfalls Howards literarischer Phantasie entsprungen war. Im Fantasy-Film Der Zauberbogen (1981) sind Schlangenmenschen des Draikianischen Imperiums die Antagonisten.

In der Science-Fiction spielen Reptiloide immer wieder eine Rolle. In der Fernsehserie V – Die außerirdischen Besucher kommen (1983–1985) und dem Remake V – Die Besucher (2009–2011) wird etwa erzählt, wie sich Menschen gegen eine Invasion reptiloider Außerirdischer zur Wehr setzen. Die Auseinandersetzung mit einer feindlichen reptiloiden Rasse, den Dracs, steht auch im Mittelpunkt des Films Enemy Mine – Geliebter Feind von 1986. Im Uplift-Universum des amerikanischen Autors David Brin (* 1950) werden die Soro als etwa vier Meter lange, eierlegende Außerirdische dargestellt, die den Menschen feindlich gegenüberstehen. In der Serie Raumschiff Enterprise treten die reptiloiden Gorn auf, in der Serie Star Trek: Enterprise die Xindi-Reptilianer.

Ufologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung eines Reptiloiden der Ufologie im Größenvergleich zu einem ausgewachsenen Mann

Dulce Base[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reptiloide Außerirdische tauchen in ufologischen Texten auf, die eine angebliche unterirdische Basis in Dulce, New Mexico thematisieren. 1979 behauptete Paul Bennewitz (1927–2003), ein Geschäftsmann aus Albuquerque, er habe den Funkverkehr zwischen Alien-Raumschiffen und einer terrestrischen Station in New Mexico abgehört. Daraus wurde bald ein Narrativ von Außerirdischen (zunächst Greys, bald aber zunehmend Reptiloiden), die in einem Geheimvertrag mit der CIA das Nutzungsrecht der unterirdischen Basis bei Dulce erworben hätten; dieser Vertrag sei von den Reptiloiden gebrochen worden – so gibt es Berichte über haarsträubende Experimente an Entführungsopfern und sogar Schusswechsel mit amerikanischen Sicherheitsbehörden. Diesen Spekulationen liegen laut Michael Barkun zum einen geheime unterirdische Atomschutzbunker zugrunde, wie sie in der Zeit des Kalten Krieges an mehreren Orten der USA errichtet wurden. Zum anderen sieht er Spuren der oben genannten Fantasy-Literatur sowie der Lehren der Theosophin Helena Blavatsky (1831–1891), wonach die Bewohner von Atlantis ein globales System unterirdischer Verbindungsgänge geschaffen hätten, das auch nach dem Untergang intakt geblieben sei.[2]

David Icke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Verschwörungstheorie des britischen Rechtsesoterikers David Icke (geb. 1952) geht davon aus, dass reptilienartige Außerirdische aus dem Sternbild des Drachen und deren Nachkommen menschliches Aussehen annehmen können und die Politik kontrollieren. Dazu würden sie menschliches Blut benötigen, wodurch sich Berichte über Vampirismus und über massenhaften rituellen Missbrauch von Kindern erklären würden. Laut Icke sind die ranghöchsten Politiker Reptiloide oder von diesen beeinflusst. Ihr Ziel sei die Neue Weltordnung. Nach Ickes Überzeugung sind viele „Mächtige“ und einflussreiche Personen reptiloide Wesen und Teil einer geheimen pyramidenartigen Organisationsstruktur, an deren Spitze eine Vereinigung namens „Babylonian Brotherhood“ stehe. Mitglieder der englischen Königsfamilie (insbesondere die aktuelle Queen Elizabeth), William J. Jefferson, Bill Clinton, Hillary Clinton, Barack Obama, George Bush und George W. Bush sollen dazugehören. Sumerische Könige und ägyptische Pharaonen seien ebenfalls Reptiloide gewesen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tyson Lewis und Richard Kahn: The Reptoid Hypothesis. Utopian and Dystopian Representational Motifs in David Icke’s Alien Conspiracy Theory. In: Utopian Studies 16, 1 (2005), S. 45–74.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reptiloide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 122.
  2. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 111–115.
  3. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 106–109