Rimowa

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RIMOWA GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1898
Sitz Köln, Nordrhein-Westfalen
Leitung Dieter Morszeck, Geschäftsführer und Alexandre Arnault, Co-Geschäftsführer
Mitarbeiter 1055 (2013)[1]
Umsatz 250 Mio. (2013)[1]
Branche Gepäckproduktion
Website www.rimowa.de
Die Ju 52 aus dem Onlinewerbefilm
Gründungsplakette: „Paul Morszeck Kofferfabrik Gegründet 1898 in Cöln
Rimowa Topas Koffersatz

Die Kofferfabrik Rimowa GmbH („Richard Morszeck Warenzeichen“, Eigenschreibweise RIMOWA) mit Sitz in Köln ist ein Hersteller von Koffern aus Aluminium sowie Polycarbonat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1898 betrieb Paul Morszeck gemeinsam mit Heinrich Görtz in der Bechergasse und später im Filzengraben 18 in Cöln die Sattlerei Görtz & Morszeck. Seit 1900 war Morszeck Alleininhaber einer Musterkofferfabrik in der Röhrergasse 30 in Köln. Er fertigte neben Reisekoffern und Hutschachteln auch Koffer für Automobile, zumeist aus Sperrholz, Pappe und Leder. 1904 wurde die Produktion in die Gilbachstraße verlegt, und in der Röhrergasse verblieben noch bis 1913 das Lager des Unternehmens und eine Reparaturwerkstatt. 1908 wandelte Paul Morszeck sein Unternehmen in eine GmbH um und erwarb von dem Motorenfabrikanten Karl Eberhard Hagen ein Firmengebäude samt Wohnhaus an der Aachener Straße in Köln-Junkersdorf.

1931 meldete der Sohn des Firmengründers, Richard Morszeck, die Marke RIMOWA beim Reichspatentamt in Berlin an. Richard Morszeck experimentierte in den 1930er Jahren mit unterschiedlichen Materialien mit dem Ziel, den Koffer leichter und stabiler zu machen. 1937 entwickelte er einen Überseekoffer aus Aluminium. In den Kriegsjahren wurden die Fabrikgebäude an der Aachener Straße zerstört und alle brennbaren Werkstoffe vernichtet – übrig blieb nur das Aluminium. Fortan fertigte Rimowa ausschließlich Koffer aus Leichtmetall. Die Firmengebäude wurden 1946 wieder aufgebaut und blieben bis zum Umzug 1986 nach Köln-Ossendorf, in die Mathias-Brüggen-Straße, die Unternehmenszentrale. 1950 wurde erstmals das heute bekannte „Rillen-Design“ eingeführt. Ursprünglich diente die parallel gefalzte Aluminiumstruktur zur Stabilisierung der dünnen Aluminiumaußenhaut und ist heute als Wiedererkennungsmerkmal markenrechtlich geschützt.

1972 trat Richard Morszecks Sohn Dieter mit 19 Jahren in die Firma ein. Dieter Morszeck, selbst Hobbyfotograf, entwickelte 1976 den ersten wasser- und staubdichten Foto-Koffer, der sowohl wüsten- als auch tropentauglich war. 1981 übernahm Dieter Morszeck die Geschäftsführung. Ende der 1990er Jahre setzte er das Polycarbonat erfolgreich beim Kofferbau ein. Polycarbonat erhöhte die Stabilität der Koffer und sparte im Vergleich zum Aluminium etwa ein Viertel des Gewichts. 2000 wurden die ersten Koffer aus Polycarbonat vorgestellt.

2008 verkaufte Rimowa etwa 400.000 Koffer, davon etwa zwei Drittel aus Polycarbonat, immer mit der typischen Rillenstruktur und mit TSA-Schloss. In den letzten Jahren nahm die Nachfrage an Gepäckstücken aus Aluminium wieder zu. Im Jahr 2013 betrug der Anteil an Aluminiumkoffern am Gesamtumsatz rund 45 Prozent. Rimowa produziert in eigenen Fabriken in Deutschland, Tschechien, Kanada und Brasilien. Im Jahr 2013 wurden täglich 5800 Koffer hergestellt. Um die steigende Nachfrage zu decken und die Wartezeiten auf zehn bis zwölf Wochen zu reduzieren, ging man 2013 in den Dreischichtbetrieb an sechs Tagen in der Woche über.[2]

Rimowa entwickelte zusammen mit Lufthansa das Bag2Go-Koffersystem, mit dem das Einchecken am Flughafen erheblich beschleunigt werden kann.[3] Das System, bei dem ein E-Ink Display den Gepäckanhänger aus Papier ersetzt, ist seit März 2016 unter dem Namen Rimowa Electronic Tag erhältlich.

Die von der Stiftung Warentest mehrfach ausgezeichnete Qualität der Rimowa-Koffer ist im höheren Preissegment angesiedelt. Sowohl für die Lufthansa als auch für Porsche stellt Rimowa regelmäßig Sonderserien auf Wunsch auch in Wagenfarbe her, die sich primär in der Gestaltung von den übrigen Produkten abheben.[4] Im Jahr 2008 wurde für Manufactum eine Sonderedition auf Basis der seit 1950 hergestellten Serie Topas aufgelegt, die um Elemente der Classic Flight– Serie ergänzt wurde.

Als Werbestrategie setzt Rimowa hauptsächlich auf Produktplatzierung. In etwa 250 Fernseh- und Leinwandproduktionen sind die Rillenkoffer aus Köln zu sehen. Darüber hinaus stattet die Firma Sportler wie solche des 1. FC Köln oder der deutschen Fußballnationalmannschaft (2014 Serie: Victory red) sowie Künstler wie David Garrett (Sonderanfertigung für eine Stradivari-Geige) aus.[5][6]

Seit einigen Jahren investiert Rimowa zudem in 115 Monobrandstores und eigene Flagship-Stores, neben dem Hauptgeschäft in Köln zum Beispiel in den Top-Lagen von Hamburg, München, Rom, Peking, Macau, Shanghai, New York City oder Seoul.[7][8][9]

Konzernstruktur und Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 bestanden neben der Rimowa GmbH als Mutterunternehmen noch weitere sechs ausländische und ein inländisches Tochterunternehmen. Den meisten Umsatz konnte das Unternehmen 2013 in Asien mit 87 Millionen Euro erzielen, gefolgt von Deutschland mit knapp 75 Millionen Euro und Europa (ohne Deutschland) mit knapp 56 Millionen Euro.[1]

Im Oktober 2016 wurde bekannt, dass der französische Luxusgüterkonzern LVMH zum Januar 2017 Rimowa übernehmen wird. LVMH erwarb einen Anteil von 80 Prozent für 640 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil der Erlöse aus dem Verkauf soll in eine gemeinnützige Stiftung fließen[10][11]

Rimowa F13[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 verfolgt Rimowa das Ziel, die Junkers F 13, die ihren Erstflug 1919 absolvierte, wieder in Serie zu produzieren.[12] Das ursprünglich aus Duraluminium hergestellte einmotorige Flugzeug wurde im Luftfahrtbaubetrieb Kaelin Aero Technologies GmbH in Oberndorf nach Originalplänen von Hugo Junkers hergestellt. Das Flugzeug ist mit einem 331 kW (450 PS) starken Sternmotor von Pratt & Whitney R-985 Wasp Junior ausgerüstet.[13] Die Rimowa F 13 Anneliese 2 geht 2016 in Serie und wird in den Rimowa Flugzeugwerken AG in Dübendorf gefertigt.[14][15]

Trivia und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1986 errichtete Firmenzentrale in Köln-Ossendorf wurde nach Plänen von Gatermann & Schossig sowie dem Architekturbüro Dahlbender mit einer charakteristischen Außenfassade in Rillenoptik versehen.[16] Das modular als Zug mit erweiterbaren „Waggons“ geplante Firmengebäude wurde mit zahlreichen Architekturpreisen ausgezeichnet.[17]

Der japanische Designer Naoto Fukasawa entwarf 2007 für Vitra einen Stuhl aus Rimowa-Aluminium.[18]

Im Jahr 2014 wurde der Internetauftritt der Firma mit dem Red Dot Design Award – Communication Design ausgezeichnet.[19]

In der 1. Etage des Flagshipstore Köln betreibt Rimowa ein Firmeneigenes Museum.

Bildergalerie: Flagshipstore Köln mit Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildergalerie: Lager-, Verwaltungs- und Produktionsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rimowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Elektronischer Bundesanzeiger, 25. März 2015, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2013.
  2. lederwarenreport.de Rimowa-unglaubliche Entwicklung, 7. Januar 2014, abgerufen am 6. August 2015.
  3. faz.net: Vom Alu-Koffer zum Statussymbol, 12. April 2015, abgerufen am 6. August 2015.
  4. welt.de: Warum der Rimowa der Porsche unter den Koffern ist, 19. Oktober 2010, abgerufen am 6. August 2015.
  5. rimowa.com: News, abgerufen am 6. August 2015.
  6. Sebastian A. Reichert: 111 Kölner Geschäfte, die man gesehen haben muss. emons, Köln 2012, ISBN 978-3-9545100-2-3, S. 184.
  7. BrandEins Artikel (07/2008) über Rimowa. Das Geheimnis der Rillen. abgerufen am 6. August 2015.
  8. Jürgen Weise: RIMOWA Der Koffer mit den Rillen. in: Mario Kramp, Ulrich Soénius (Hrsg.): Made in Cologne – Marken für die Welt. J.P. Bachem-Verlag, Köln 2. Auflage 2015. ISBN 978-3-7616-2750-1, S. 159–161.
  9. lederwarenreport.de: Rimowa – Umsatzplus von 10 Prozent, 11. Februar 2015, abgerufen am 6. August 2015.
  10. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Kofferhersteller: Rimowa wird von Luxuskonzern LVMH übernommen. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  11. Rimowa wird französisch. In: Der Tagesspiegel Online. 4. Oktober 2016, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2017]).
  12. Rückkehr: Rimowa baut Junkers F 13. In: Klassiker der Luftfahrt. Abgerufen am 1. Mai 2016.
  13. RIMOWA F13. In: www.rimowa-f13.com. Abgerufen am 1. Mai 2016.
  14. flugrevue.de: Rimowa baut die Junkers F13 wieder in Serie, abgerufen am 1. Mai 2016.
  15. faz.net: Nachbau der Junkers F13 – Tochter Ju, abgerufen am 1. Mai 2016.
  16. gatermann-schossig.de: Rimowa-Kofferfabrik, Köln, abgerufen am 6. August 2015.
  17. baukunst-nrw.de: Rimowa-Kofferfabrik, abgerufen am 6. August 2015.
  18. altcateianews.com architonic-newsletter 0607, abgerufen am 6. August 2015.
  19. red-dot.de Winner Red Dot Award 2014, abgerufen am 6. August 2015.

Koordinaten: 50° 59′ 5,3″ N, 6° 53′ 2,8″ O