Moët Hennessy Louis Vuitton

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LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE
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Rechtsform Societas Europaea
ISIN FR0000121014
Gründung 1987
Sitz Paris, Frankreich
Leitung Bernard Arnault (Chairman & CEO)
Antonio Belloni (Group Managing Director)
Mitarbeiter 134.476 (31. Dezember 2016)[1]
Umsatz 37,6 Mrd. EUR (2016)[1]
Branche Luxusgüter
Website www.lvmh.com

Die börsennotierte LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE ist der weltweite Branchenführer der Luxusgüterindustrie, der Rechte an über 70 verschiedenen Marken hält, die weltweit in über 3940 Geschäften vertrieben werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konzern entstand im September 1987 durch die Fusion der Unternehmen Louis Vuitton und Moët Hennessy, da ihre Vorstände – Henry Racamier (Louis Vuitton) und Alain Chevalier (Moët Hennessy) – eine feindliche Übernahme fürchteten.[2] Der Name des Konzerns setzt sich zusammen aus den Traditionsmarken Louis Vuitton (Koffer- und Taschenhersteller seit 1854), Moët et Chandon (Champagnerhersteller seit 1743) und Hennessy (Cognacproduzent seit 1765). Moët und Hennessy hatten sich bereits 1971 zu Moët Hennessy zusammengeschlossen. Chevalier wurde Präsident des neuen Unternehmens, Racamier wurde sein Stellvertreter.

Im folgenden Jahr kam es zunehmend zu Meinungsverschiedenheiten über den Betrieb des Unternehmens. Henry Racamier fühlte sich dominiert und wandte sich daher an den französischen Geschäftsmann Bernard Arnault, dem seit 1985 Christian Dior gehörte (wobei das Parfümgeschäft von Dior 1968 von Moët et Chandon übernommen worden war); Arnault sollte Anteile von LVMH übernehmen und damit Racamiers Position stärken.[3] Alain Chevalier hingegen wandte sich 1988 an den britischen Spirituosen-Giganten Guinness, der einen 12 %-Anteil an Moët Hennessy im Tausch für ein 12 %-Guinness-Anteil erhielt.[4]

Die Unterstützer wurden jedoch schnell Feinde im eigenen Unternehmen: Mit Hilfe der Investmentbank Lazard Frères und Guinness übernahm Bernard Arnault 45 % von LVMH. Ein Rechtsstreit mit Henry Racamier – Alain Chevalier war inzwischen ausgeschieden – folgte, aus dem Arnault als Sieger hervorging.[5] Somit konnte Arnault 1989 gegen den Willen der Vuitton- und Hennessy-Familienmitglieder Präsident des Konzerns werden.[2]

1990 – auch Henry Racamier hatte den Konzern mittlerweile verlassen – erhöhten Bernard Arnault und Guinness die wechselseitige Beteiligung auf 24 %. Die Allgegenwart des Louis-Vuitton-Monogramms Mitte der 1980er Jahre beschädigte den Ruf der Marke als Statussymbol und führte zu Umsatzrückgängen am Anfang der 1990er Jahre.[5] 1994 wurden die gegenseitigen Beteiligungen von LVMH und Guinness neu gegliedert. Guinness besaß nun 34 % von Moët Hennessy, LVMH bekam ein Rückkaufrecht für Anteile an der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft und den Guinness-Anteil an Moët Hennessy.[6][4]

LVMH breitete das Geschäftsfeld auf den Einzelhandel aus, indem es 1996 in DFS Galleria (Kaufhäuser im Duty-Free-Bereich) und 1997 in Sephora (internationale Parfümerie-Kette aus Frankreich) investierte (und zeitweilig auch an Douglas beteiligt war) – trotz der großen Streuung der Geschäftsbereiche und der Vergrößerung des Betriebes. Vor allem der asiatische Markt machte LVMH zu schaffen.[5] Auch der Versuch, die Fusion von Grand Metropolitan (Hotel- und Spirituosen-Konzern) und Guinness auszubremsen, verwandelte sich in einen Rückschlag. Bernard Arnault wollte Moët Hennessy einbringen, um am neuen Spirituosen-Giganten beteiligt zu sein, und hatte daher Milliarden in Grand Metropolitan investiert.[6] Grand Metropolitan fusionierte im Dezember 1997 mit Guinness zu Diageo. Ende der 1990er Jahre erfolgte dann der Umbruch, die asiatischen Märkte wuchsen wieder, LVMH konnte nun neue Marken kaufen.[5]

Ab 2010 erwarb LVMH sukzessive Aktienanteile an dem französischen Konkurrenten Hermès, wogegen sich das Familienunternehmen, das eine feindliche Übernahme durch LVMH befürchtete, 2011 durch die Gründung einer Familienholding schützte.[7] 2013 musste LVMH für den undurchsichtigen Erwerb der Hermès-Aktien an die französische Bankenaufsicht AMF acht Millionen Euro Strafe bezahlen. Im Herbst 2014 verkündete LVMH, dass die Hermès-Anteile von fast 23 % am Unternehmen mit einem Gewinn von 2,4 Milliarden Euro an die eigenen Aktionäre abgestoßen werden.

2011 übernahm LVMH den italienischen Konkurrenten Bulgari.[8] 2012 kaufte LVMH den britischen Herren-Maßschneider Arny's und den französischen Lederwarenhersteller Les Tanneries Roux. 2013 wurde die Aktienmehrheit an dem italienischen Kaschmir-Hersteller Loro Piana für zwei Milliarden Euro erworben.[9]

Im Oktober 2016 wurde bekannt, dass LVMH zum Januar 2017 den Kölner Kofferhersteller Rimowa mehrheitlich übernehmen werde. LVMH erwarb einen Anteil von 80 Prozent für 640 Millionen Euro.[10] Geschäftsführer und CEO ist der 24-jährige Sohn von Bernard Arnault, Alexandre Arnault.[11][12]

Eigentümerstruktur und Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch heute ist Bernard Arnault noch Vorsitzender des Vorstandes und Großaktionär über seine Holding Groupe Arnault. Die Groupe Arnault besitzt 46,60 % der Aktien. Weitere Anteilseigner sind: Internationale institutionelle Anleger mit 33,8 %, französische institutionelle Anleger mit 13,5 %, Eigenbestand mit 0,9 % und ein Streubesitz von 5,2 %.[13]

Marken der Gruppe LVMH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterteilt wird in folgende fünf Geschäftsbereiche (in Klammern: Jahr der Übernahme/Gründung bzw. Anteil):

Wein & Spirituosen
Mode & Lederwaren
Parfum & Kosmetika
Uhren & Schmuck
Einzelhandel
  • Duty Free Shoppers (DFS, 1998), Sephora (1997) (die 1998 aufgekaufte Parfümeriekette Marie-Jeanne Godard ging in Sephora auf), Le Bon Marché (1998), Starboard Cruise Services (2000), La grande epicerie de Paris
Andere Aktivitäten
  • Royal Van Lent (Feadship), Princess Yachts International, Jardin d’Acclimatation, Cova, Nowness (Online-Magazin als Nachfolger des 2009 eingestellten Onlineshops eluxury.com), La Samaritaine (2001), Connaissance des Arts (2000), Les Échos (2007), Investir (1993), Radio Classique (1999), Cheval Blanc Hotels, Classica, Arléa (2004)

Die älteste Marke des Unternehmens ist das Weingut Château d’Yquem, dessen Geschichte auf das Jahr 1593 zurückgeht. Die wertvollste Marke ist Louis Vuitton, deren Wert im Jahr 2007 auf 20,3 Milliarden Euro geschätzt wurde.[27]

Luxusgüterbranche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Luxusgüterhersteller lange Zeit alteingesessene Familienbetriebe waren, sind sie heutzutage meist Teil eines internationalen Luxusgüterkonzerns, siehe Konkurrenz unten. Nach außen hin werden die Marken unabhängig dargestellt, aber intern werden Zulieferer und Lizenznehmer zur Kostenersparnis geteilt. Das umsatz- und gewinnträchtigste Feld ist das Lizenzgeschäft mit Düften und Kosmetika, Lederwaren, Brillengestellen, Uhren und Schmuck, da sich die eigentliche Mode nur wenige wohlhabende Kunden leisten können.

Wichtige Wachstumsmärkte für Luxuswaren sind Russland, China, Indien, Japan und Korea.

Konkurrenzfirmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Prada-Gruppe, Mailand; CEO: Patrizio Bertelli; Fokus auf Kleidung, Schuhe, Accessoires; Marken: Prada, Miu Miu, Church’s (Schuhe) und The Original Car Shoe (Schuhe). Von 1999 bis Mitte der 2000er Jahre hatten weitere international bekannte Marken zum Konzern gehört.
  • Labelux, Wien/Caslano; 2007 gegründete Luxusgüter-Division der Joh. A. Benckiser SE mit den Marken Zagliani (Lederwaren), Derek Lam, Belstaff (Bekleidung) und Solange Azagury-Partridge (Schmuck).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moët Hennessy Louis Vuitton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c MHLV: Annual Report 2016. Abgerufen am 25. April 2017 (PDF).
  2. a b Der größte Luxuskonzern weltweit. In: manager magazin, 14. Dezember 2001.
  3. Gewinne vom Feinsten. In: Die Zeit, Nr. 50/1994, Seite 33.
  4. a b Our history, diageo.com
  5. a b c d Lvmh Moët Hennessy Louis Vuitton Sa, referenceforbusiness.com.
  6. a b LVMH: Luxus hat seinen Preis (Memento vom 9. August 2009 im Internet Archive), wirtschaftsblatt.at, 11. September 1997.
  7. Hermès gründet Familien-Holding (Memento vom 15. Januar 2013 im Internet Archive), wirtschaftsblatt.at, 15. Dezember 2012
  8. Louis Vuitton schmückt sich mit Bulgari, manager-magazin.de, 7. März 2011
  9. LVMH will Mehrheit an Kashmir-Spezialisten, t-online.de, 8. Juli 2013
  10. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Kofferhersteller: Rimowa wird von Luxuskonzern LVMH übernommen. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  11. LVMH: RIMOWA, global leader of high quality luggage, joins the LVMH Group. Abgerufen am 2. April 2016.
  12. Elizabeth Paton, New York, USA: Another Arnault Takes Charge. In: New York Times. Abgerufen am 2. April 2016.
  13. Website LVMH (Stand Dezember 2015), abgerufen am 7. Dezember 2016
  14. a b "Edward J. Phillips (…) Donates $1 Million to Multiple Myeloma Research Consortium", themmrc.org, 27. Januar 2005.
  15. a b "Millennium Acquires Belvedere Trademark in The U.S", findarticles.com, 29. Juni 2007.
  16. Starker Tango, weinwelt.at
  17. „Napa Valley Stunner - Famed Winery Sold“, sfgate.com, 1. August 2007.
  18. a b Cape Mentelle, thewinedoctor.com, 19. Mai 2007.
  19. Argentinische Wirtschaft (PDF) Argentinisches Tageblatt, 23. August 2003.
  20. "International briefs;Moet Hennessy to Buy Celine Fashion House", nytimes.com, 22. März 1996.
  21. a b c d e f LVMH Companies and brands, lvmh.com,
  22. Loro Piana: LVMH ernennt Antoine Arnault zum Präsidenten, Europolitan, 9. Dezember 2013.
  23. "LVMH Adds Fashion House Emilio Pucci To Its Empire", International Herald Tribune, 18. Februar 2000.
  24. „LVMH Acquires Controlling Stake in Benefit Cosmetic“ (Memento vom 8. Juli 2012 im Webarchiv archive.is), findarticles.com, 14. September 1999.
  25. „LVMH Acquires American Cosmetics Company Fresh“, findarticles.com, 25. September 2000.
  26. Die Geschichte von Hublot Geneve, 2008.
  27. Best Global Brands: 2007 Rankings, interbrand.com.