Risikokosten

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Risikokosten (engl.: Total Cost of Risk) ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre, der sich mit den Kosten des Risikomanagements innerhalb einer Organisationseinheit beschäftigt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war der Begriff Risikokosten bei der Kreditvergabe von Finanzunternehmen gebräuchlich. Durch die Berechnung einer Risikoprämie als Bestandteil des Kreditpreises wurde versucht, drohende erwartete und unerwartete Zahlungsausfälle seitens des Kreditnehmers abzudecken (auch: Kreditkosten)
Im Zuge der KonTraG im Jahre 1998 wurde das Begriffsverständnis auf Nicht-Finanzunternehmen erweitert und stellt heutzutage einen essentiellen Bestandteil des Risikomanagements als Unternehmensaufgabe dar.[1]
Die sogenannten Kreditkosten stellen dementsprechend nach aktuellem Kenntnisstand einen Spezialfall des Begriffsvermögens der Risikokosten dar. [2]

Gegenstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verständnisrahmen der Risikokosten liegt zwischen Risikomanagement, Risikocontrolling und Kostenmanagement, wobei es keinem der einzelnen Themengebiete direkt zuordenbar ist, da der Übergang sowohl in der Wissenschaft und als auch in der Praxis sehr fließend verläuft.[3] Risikokosten, welche in vielen Unternehmen nur noch unter „Total Cost of Risk“ (TCR) laufen, sind quantifizierbare und steuerbare Kosten, die in Unternehmen im Sinne des Risikomanagements identifiziert und kontrolliert werden. Anhand dieser Kosten, die Risikobewältigung (z. B. Versicherungsprämie) gleichermaßen beinhalten wie die selbstzutragenden Schäden und die Eigenkapitalkosten,[4] werden Management-Strategien geplant und implementiert.[2] Risikokosten können somit als adäquate Kennzahl (Risikomaß) des Risikocontrollings verstanden werden.[5]

Die Spezifizierung der Risikokosten ist abhängig von den betrachteten Risiken und von den mit diesen Risiken in Verbindung stehenden und berücksichtigten Kosten.[6] Eine klare Abgrenzung zur besseren Identifikation der Risikokosten ist dabei unabdingbar.

Wichtig ist dabei zu klären, um welche Art des Risikos es sich handelt. Bei weiterer Betrachtung muss die Einbeziehung bestimmter zugeordneter Kosten und die Art der Risikotransferlösungen festgelegt werden.[3] Der Transfer von Risiken wird von den Risikokosten der verschiedenen Handlungsalternativen (siehe TCR-Ansatz) entscheidend beeinflusst. Durch den stetigen Transfer solcher Risiken ist es möglich mehr Risiken beim Aufbau von Erfolgspotenzialen zu berücksichtigen.[4]

Anhand verschiedener Ansätze und Maßnahmen ist es stets das Ziel die Risikokosten zu optimieren und zu reduzieren. Die Reduzierung ist als unternehmerische Herausforderung im dynamischen Wettbewerb nicht mehr wegzudenken und kann durch Einsparungen einen Wettbewerbsvorteil hervorbringen.[3]

Arten von Risikokosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentliche Komponenten der Risikokosten sind beispielsweise:

  • Kosten für interne Kontrollsysteme und die Organisation des Risikomanagements (z. B. Notfallorganisation)
  • Kosten für Risikotransfer und externe Dienstleistungen (z. B. Versicherungsprämien)
  • Kosten der eigenen Administration (z. B. Personal- und Sachaufwendungen)
  • Kosten der selbst getragenen Schäden und Schadensabwicklung (z. B. bewusst nicht versicherte Gefahren)
  • (kalkulatorische) Kosten des Eigenkapitals (z. B. zur Abdeckung risikobedingter Verluste)

Da über das Eigenkapital die meisten Risiken abgedeckt werden, ist die Berücksichtigung dieses für ein Unternehmen vordergründig von Bedeutung und als wesentliche Komponente anzusehen.[3] [6] Die Gesamtheit dieser Kosten zählen als Risikokosten, man spricht auch von einem Wertbetrag für Risiken.[3]

TCR-Ansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch dieses Verfahren sollen Kosten von Risiken im Unternehmen transparent und steuerbar gemacht werden:[7]

Als ersten Schritt werden die Risikoarten protokolliert und die dazugehörigen Kosten determiniert. Das Ergebnis stellt eine „virtuelle Captive“ dar, welche die zu optimierenden Risikokosten definiert. Zu jeden dieser Einzelrisiken werden nun die relevanten zugehörigen Kosten erfasst. Aus diesen betrachteten Risiken wird anhand einer Risikoaggregation die Gesamtrisikopostition bestimmt, welche eine detaillierte Beurteilung der Risikoeigentragungskraft des Unternehmens abbildet. Die Aggregation ist zudem ein obligatorischer Schritt, um die kalkulatorischen Eigenkapitalkosten zu berechnen, welche sich als Produkt von Eigenkapitalbedarf und Eigenkapitalkostensatz ermitteln lassen. Mithilfe diesen anfangs vorliegenden Einzelrisiken versucht man zur Risikobewältigung Effekte der Diversifikation zu nutzen, um die Minimierung der Risikokosten ebenfalls zu unterstützen. Nach Schaffung des Fundaments für weitere Entscheidungen und Strategien zur erhofften Reduzierung der Risikokosten, werden nun mögliche Handlungsalternativen in Betracht gezogen. Hierzu zählen beispielsweise folgende Maßnahmen:

Im weiteren Prozess werden die Handlungsalternativen auf drei bis fünf Operationen eingeschränkt und mittels des hier gewählten Erfolgsmaßstabs -den Risikokosten- miteinander verglichen. Letztendlich wird die auserwählte Handlungsalternative detaillierter geplant und meist in Form verschiedener Teil-Lösungen umgesetzt.[3] [6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P. Winter: Risikocontrolling in Nicht-Finanzunternehmen. In: FINANZ BETRIEB. Nr. 11, 2007.
  2. a b A. Sica, What is Total Cost of Risk?, 24.04.2014. Abgerufen am 07.06.2016
  3. a b c d e f W. Gleißner, Optimierung der Risikokosten. In: Zeitschrift für Versicherungswesen. Nr. 10, 2002. Abgerufen am 08.06.2016
  4. a b W. Gleißner (2011), Grundlagen des Risikomanagements in Unternehmen, München: Franz Vahlen, ISBN 978-3-8006-4408-7, S. 53.
  5. W. Gleißner, Risikocontrolling und strategisches Risikomanagement – Warum Risikocontrolling wichtig ist!. In: Controller Magazin. Nr. 07/08, 2008, S. 35–42. Abgerufen am 08.06.2016.
  6. a b c W. Gleißner: Total Cost of Risk: Wertorientierte Steuerung von Risikotransferstrategien. In: Die Versicherungspraxis. Nr. 03, 2007, S. 41–45.
  7. W. Gleißner (2011), Grundlagen des Risikomanagements in Unternehmen, München: Franz Vahlen, ISBN 978-3-8006-4408-7, S. 194.