Rohr (Freystadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rohr
Stadt Freystadt
Koordinaten: 49° 13′ 23″ N, 11° 18′ 22″ O
Höhe: 412 m ü. NHN
Einwohner: 222 (1987)
Postleitzahl: 92342
Vorwahl: 09179
Ortskirche St. Martin
Ortskirche St. Martin

Rohr ist ein Gemeindeteil von Freystadt im bayerischen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Deutschland.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchdorf liegt auf einer Höhe von 412 m ü. NHN, links der Schwarzach und etwa fünf Kilometer nordwestlich des Gemeindesitzes im Albvorland der Südlichen Frankenalb. Anderthalb Kilometer nordöstlich von Rohr erhebt sich der auf 529 Meter ansteigende bewaldete Möningerberg mit dem Freystädter Gemeindeteil Möningerberg.

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich vom althochdeutschen „ror“ für Schilfrohr (auf sumpfigen Boden) ab.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1170 verwaltete ein Konrad von Wettenhofen im Auftrag des Kaisers Friedrich ein Lehen zu Rohr. 1182 schenkte der Kaiser Güter zu Rohr dem Kloster Reichenbach.[2] 1262 tauschte Ulrich von Sulzbürg-Wolfstein mit dem Zisterzienserinnenkloster Seligenporten sein Gut in Rohr gegen das Seligenportner Klostergut samt Mühle in Mühlhausen ein.[3] 1384 besaß Kraft Hetzel zu Rohr den Zehent zur Rohr als bischöfliches Lehen.[4] Das Dorf war 1403 eine Zugehörung der Burg Niedersulzbürg, als die Wolfsteiner diese von Schweiker von Gundelfingen erwarben, an ihren Verwandten Eustachius von Lichtenstein, der als Pfleger zu Allersberg saß, weiterverkauften und von dessen Witwe zurückerwarben.[5] 1466 bestätigte der Eichstätter Bischof Wilhelm von Reichenau die Stiftung einer Frühmesse zu Rohr durch den Möninger Pfarrer Kaspar Schreyer; das Präsentationsrecht lag beim Pfalzgrafen Otto von Neumarkt. 1556 wurde unter dem pfalz-neuburgischen Pfalzgraf Ottheinrich die Reformation eingeführt; unter dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm erfolgte 1625 die Rekatholisierung.[6]

Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Rohr aus 23 Untertanen-Anwesen unterschiedlicher Größe, die grundherrlich und damit niedergerichtlich der kurbayerischen, ehemals wolfsteinschen Herrschaft Pyrbaum, dem Kastenamt Neumarkt, dem Klosterrichteramt Seligenporten und der Reichsstadt Nürnberg gehörten. Die Hochgerichtsbarkeit übte das kurfürstliche Schultheißenamt Neumarkt aus.[7]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde Rohr zwischen 1810 und 1820 dem Steuerdistrikt Möning zugeteilt. Um 1820 bildeten die drei Orte Rohr, Aßlschwang und Richthof die Ruralgemeinde Aßlschwang im Landgericht (ab 1862 Bezirksamt, ab 1879 Landkreis) Neumarkt.[8]

1875 hatte die Gemeinde in ihren drei Orten insgesamt 353 Einwohner; in Rohr lebten 168 Personen, und dort wurden sieben Pferde und 181 Stück Rindvieh gehalten. Die Kinder besuchten die katholische Schule vor Ort, die 1845 erbaut und 1874 neuerbaut worden war; der Lehrer war zugleich Mesner.[9][10]

Mit der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Aßlschwang und damit auch Rohr zum 1. Januar 1972 in die Stadt Freystadt eingemeindet.[11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1835: 153 (29 Häuser)[12]
  • 1867: 165 (67 Gebäude)[13]
  • 1875: 168 (53 Gebäude)[14]
  • 1900: 162 (33 Wohngebäude)[15]
  • 1937: 172[16]
  • 1961: 203 (38 Wohngebäude)[17]
  • 1987: 222 (61 Wohngebäude, 67 Wohnungen)[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Filialkirche St. Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vormals zu Möning, seit 1931 zu Freystadt gehörende Filialkirche[19] ist eine ursprünglich romanische Anlage, die einen quadratischen Chor hatte, der durch einen späteren Aufbau zum Ostturm mit achtseitigem Spitzhelm umgestaltet wurde. Das Langhaus wurde im späten 19. Jahrhundert nach Westen verlängert und misst seitdem 13 × 5,2 Meter. Die Altäre sind barock (18. Jahrhundert).[20]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer der Kirche gilt das Bauernhaus Rohr Nr. 4, ein Wohnstallhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Baudenkmal.[21]

Liste der Baudenkmäler in Rohr

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu erreichen ist Rohr über die Staatsstraße 2237, von Freystadt aus in nördlicher und von Reckenstetten aus in südöstlicher Richtung.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DJK/SpVgg Rohr

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Hafner, katholischer Theologe, * 10. Februar 1859 in Rohr, † 18. Juli 1935 in Beilngries als freiresignierter Pfarrer und Erbauer der dortigen, 1913 geweihten Stadtpfarrkirche St. Walburga

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938
  • Bernhard Heinloth (Bearbeiter): Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt, München 1967

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rohr (Freystadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt (45) 1930, S. 112; Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 199
  2. Heinloth, S. 77, 81
  3. Felix Mader: Geschichte der südlichen Seglau. In: Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 53 (1937), S. 135
  4. Buchner II, S. 163
  5. Heinloth, S. 95
  6. Buchner II, S. 164 f.
  7. Heinloth, S. 278
  8. Heinloth, S. 321
  9. Buchner II, S. 170, 172
  10. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 881
  11. Wilhelm Volkert (Hg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, S. 533
  12. Th. D. Popp: Matrikel des Bissthumes Eichstätt. Eichstätt: Ph. Brönner 1836, S. 112
  13. J. Heyberger und andere: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. München 1867, Spalte 707
  14. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 881
  15. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Sp. 864
  16. Buchner I, S. 346
  17. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 547
  18. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 258
  19. Buchner I, S. 345
  20. Georg Hager (Hg.): Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. 2 Bd. Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XVII Stadt und Bezirksamt Neumarkt, München 1909, S. 251 f.; Buchner I, S. 347
  21. Sixtus Lampl (Bearb.): Denkmäler in Bayern, Band III, Oberpfalz, München 1986, S. 147