Schmellnricht

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Schmellnricht
Stadt Freystadt
Koordinaten: 49° 7′ 48″ N, 11° 20′ 4″ O
Höhe: 401 m ü. NHN
Einwohner: 126 (1987)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 92342
Vorwahl: 08469
Schmellnricht aus westlicher Sicht
Schmellnricht aus westlicher Sicht
Ortskapelle „Mater dolorosa“
Ein Anwesen in Schmellnricht von 1919

Schmellnricht ist ein Ortsteil von Freystadt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.

Ortsnamendeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Schmellnricht“ (früher auch „Schmelariedt/Schmalenried/Smelbenried/Schmellgerreit/Schmellenricht“) ist ein Rodungsname, zusammengesetzt aus „reur/richt“ für „Reutung, Rodung“ und dem mittelhochdeutschen Wort „smele“ für „Schmelchen/Schmalheit“, vielleicht bezogen auf langhalmiges, dünnes Gras.[1] In Unterscheidung zum nahen Dorf Obernricht tritt bis ins 18. Jahrhundert auch die Ortsbezeichnung „Niederried/Nyderreut/Untere Reut genannt Niederreut/Niederricht“ in Erscheinung.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Reihendorf liegt auf 401 m ü. NHN und östlich der Schwarzach am Stubengraben, einem linken Zufluss der Schwarzach. Durch den Ort führt die Kreisstraße NM 5, von der im Süden des Ortes eine Gemeindeverbindungsstraße zum etwa einen Kilometer entfernten und 50 Meter höher liegenden Freystädter Ortsteil Lauterbach abzweigt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist erstmals 1389 urkundlich genannt, als Heinrich Schenk von Geyern zu Jettenhofen vom Markgrafentum Brandenburg-Ansbach „die Nieder Reut und das Holtz, die Swal genannt“ als Lehen erhielt, nachdem er zuvor diesen Grundbesitz, sein „eygen“, an Brandenburg-Ansbach veräußert hatte. Die Belehnungen wiederholten sich 1410, 1414 und 1441.[4] Laut einem Jettenhofener Salburch von 1491 handelte es sich um 13 Untertanen, wobei einer von ihnen zusätzlich zu seinem Gut eine halbe Hube hatte.[5] In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen die Herren von Hirnheim, die ihren Sitz auf Schloss Jettenhofen hatten, in diesen Besitz. Als das Geschlecht 1585 ausstarb, fiel Schmellnricht als erledigtes Lehen dem Markgrafen anheim und gehörte von diesem Zeitpunkt an zum brandenburgischen Amt Stauf.[6] Diese Güter – drei Höfe und zehn Köblergüter – kaufte der Eichstätter Bischof Johann Konrad von Gemmingen vom Zwischenbesitzer (1610/11) Karl von Birkholz am 1. Januar 1612.[7] Das eichstätt-hochstiftische Amt Jettenhofen war in der Folge für die Hofmark Thannhausen zuständig, zu der die 13 Eichstätter Grundholden in Schmellnricht nun gehörten.[8] Im Dreißigjährigen Krieg wurden die meisten Höfe Schmellnrichts öde; 1644 waren von den 13 Untertanen nur noch zwei Bauern und drei Tagwerker auf kleinen Anwesen vorhanden.[9]

Besitz in Schmellnricht lässt sich auch für das Geschlecht der Wolfsteiner auf der Feste Niedersulzbürg nachweisen. 1713 ist davon die Rede, dass die Mühle, drei Gütlein und ein Tropfhäusl sulzbürgisch seien.[10] Von Sulzbürg gingen diese Untertanen auf Bayern über. 1713 ist auch ein pfalz-neuburgischer Untertan für Schmellnricht nachweisbar; 1729 gehört dessen Söldengut den Herren von (Hilpolt-)Stein.

In der Auseinandersetzung um die Hochgerichtsbarkeit schloss das Hochstift Eichstätt mit Kurbayern, das sich auf die früheren Vogteirechte der 1305 ausgestorbenen Graf Gebhard von Hirschberg über das Amt Jettenhofen berief, am 30. Januar 1767 einen Staatsvertrag ab, in dem das Hochstift die hohe Gerichtsbarkeit unter anderem über Schmellnricht Kurbayern und damit dem Schultheißenamt Neumarkt zugestand. Die grundherrlichen Rechte und die niedere Gerichtsbarkeit blieben beim Kastenamt Jettenhofen des Unteren Hochstifts.[11] Laut einem Lagerbuch von 1786 der Hofmark Thannhausen hatten zu dieser Zeit die nunmehr 17 Eichstätter Grundholden in Schmellnricht folgende Besitzungen: drei Halbhöfe, sechs 1/8 Gut und vier 1/16 Gut. Dazu waren vier „Leerhäusl“ eichstättisch.[12] 1781 erbaute das Hochstift in Schmellnricht für die Hofmark ein Verwalterhaus, das nach der Säkularisation Wirtshaus wurde.[13] Gegen Ende des Alten Reiches waren zwei Höfe zur Gänze, drei zu 1/8, sechs zu 1/12 und fünf zu 1/16 eichstättisch. Außerdem besaß im Dorf das Pflegamt Hilpoltstein 1/16 Gut, die Kabinettsherrschaft Sulzbürg 1/4 Gut, 1/8 Gut und zwei 1/32 Güter. Gemeindlicher Besitz war ein Hirtenhaus.[14]

Nachdem das Fürstentum Ansbach 1792 an die Krone von Preußen gefallen war, versuchte der neue Landesherr, alte Rechtsansprüche, die der Markgraf von Brandenburg-Ansbach an den Fürstbischof von Eichstätt abgetreten hatte, wieder zurückzugewinnen. Der diesbezügliche Streit um Schmellnricht war jedoch noch nicht entschieden, als infolge des Reichsdeputationshauptschlusses zu Regensburg 1802 das Hochstift Eichstätt an das Kurfürstentum Bayern und 1806 an das neue Königreich Bayern fiel. 1803 wurde aus dem kurpfalz-bayerischen Schultheißenamt Neumarkt, dem die Gemeinde Schmellnricht zugeteilt war, das Landgericht Neumarkt.[15] Bei der Bildung der Steuerdistrikte 1808/09 wurde Schmellnricht dem Steuerdistrikt Großberghausen zugeschlagen, aus dem 1811 die Ruralgemeinde Großberghausen wurde. Dabei blieb es nicht lange: Das Gemeindeedikt von 1818 bildete aus Schmellnricht und den Dörfern Höfen und Obernricht sowie der Einöde Fuchsmühle die politische Gemeinde Schmellnricht im Landgericht Neumarkt. Diese Zugehörigkeit war ebenfalls nicht von langer Dauer: Zum 9. Oktober 1827 wurde Schmellnricht aus dem Landgericht Neumarkt herausgenommen und dem Landgericht und Rentamt Beilngries (später Bezirksamt, dann Landkreis) unterstellt. Schließlich verlor Schmellnricht 1857 seinen Gemeindestatus und wurde der Ruralgemeinde Lauterbach im Steuerdistrikt Burggriesbach zugeordnet.[16]

Die Landwirtschaft Schmellnrichts war nicht unbedeutend: 1875 wurden von den 108 Einwohnern neun Pferde und 119 Stück Rindvieh gehalten; in der Gemeinde Lauterbach gab es zu dieser Zeit nur ein weiteres Pferd, und zwar in Lauterbach selber.[17]

Mit der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Lauterbach aufgelöst und Schmellnricht zum 1. Juli 1972 in die Stadt Freystadt des oberpfälzischen Landkreises Neumarkt eingemeindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1840: 130 (24 Häuser, 1 Mühle)[18]
  • 1868: 119 (46 Gebäude)[19]
  • 1875: 108 (99 Gebäude)[20]
  • 1900: 110 (25 Wohngebäude)[21]
  • 1937: 112[22]
  • 1961: 126 (24 Wohnungen)[23]
  • 1978: 133[24]
  • 1987: 126 (35 Wohngebäude, 38 Wohnungen)[25]

Katholische Kapelle Mater dolorosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle wurde 1887 von der Ortsgemeinde erbaut; die Erlaubnis dazu hatte das Bistum Eichstätt im Jahr zuvor gegeben. Sie wurde mit einem zweisäuligen Barockaltar (um 1700) ausgestattet, der aus Allersberg angekauft wurde. Das Altarblatt zeigt eine Pietà.[26]

Kirchlich gehörte das Dorf bis ins 16. Jahrhundert zu der seit 1183 dem Kloster Plankstetten inkorporierten Pfarrei Sulzkirchen und ist mit Lauterbach nach Errichtung der Pfarrei Burggriesbach offensichtlich dorthin gepfarrt worden. 1580 kam Schmellnricht zur calvinischen Pfarrei Forchheim, wo 1540 durch das kurpfälzische Schultheißenamt Neumarkt die Reformation eingeführt worden war. Nach der Gegenreformation (1625) wurde Schmellnricht zusammen mit Obernricht, Lauterbach und Höfen 1705/06 der katholischen Pfarrei Burggriesbach und 1805 abermals der seit der Gegenreformation katholischen Pfarrei Forchheim zugewiesen. 1925 erfolgte die erneute Einpfarrung Schmellnrichts in die Pfarrei Burggriesbach, wohin auch die Kinder zur Schule gingen.[27]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer der Ortskapelle gilt das Bauernhaus Schmellnricht B 14 als Baudenkmal; es handelt sich um einen Wohnstallbau des 18./19. Jahrhunderts mit einem Backofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Sehenswert ist auch ein Wohnhaus von 1919 in der Nähe der Ortskapelle.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938
  • Bernhard Heinloth (Bearbeiter): Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt, München 1967
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959
  • Schmellnricht. In: Felix Mader: Geschichte der südlichen Seglau. (Ehem. Eichstättisches Amt Jettenhofen) (Pfarrei Burggriesbach) , Sonderdruck aus dem Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 1937, S. 148–156

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schmellnricht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Lexers Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, 33. Auflage, Stuttgart 1972, S. 199; Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch, Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 112
  2. Mader, S. 5
  3. [1] Schmellnricht auf geoportal.bayern.de
  4. Mader, S. 150
  5. Mader, S. 150
  6. Mader, S. 151
  7. Hirschmann, S. 31, 161; Mader, S. 49, 149 f.
  8. Heinloth, S. 114; Mader, S. 150
  9. Mader, S. 151
  10. Heinloth, S. 95; Mader, S. 153
  11. Hirschmann, S. 38, 78; Heinloth, S. 114, 201, 239
  12. Heinloth, S. 201
  13. Mader, S. 149, 153
  14. Heinloth, S. 279
  15. Hirschmann, S. 161 f., 166
  16. Hirschmann, S. 214, 216
  17. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1158
  18. Max Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt, München 1840, S. 367
  19. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 993, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  20. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 3. Abschnitt, S. 1158, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  21. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 809 (Digitalisat).
  22. Buchner I, S. 125
  23. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 518 (Digitalisat).
  24. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 1. Mai 1978. Heft 380 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München Dezember 1978, S. 121 (Digitalisat).
  25. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 258 (Digitalisat).
  26. Buchner I, S. 124, 126; Mader, S. 156; Friedrich Hermann Hofmann und Felix Mader (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg. XII. Bezirksamt Beilngries, I. Amtsgericht Beilngries, München 1908, S. 144 f.
  27. Buchner I, S. 123–125