Rollberg (Kanalbau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rollberg am Oberlandkanal
Trogbahn, moderne Version des Rollberges am Rhein-Marne-Kanal
Big Chute Marine Railway, Ontario, Kanada

Rollberge (auch Rollbrücken genannt) ersetzten früher regional Schleusen und dienten der Beförderung von Schiffen über Land zwischen zwei Kanälen oder Wasserstraßen mit ungleichem Wasserspiegelniveau. Rollberge waren auch Vorläufer der Schiffshebewerke. Die vertikale Hebung geschieht durch den Transport auf einer im Kanalbau geneigte Ebene genannten Rampe. Ein antikes Beispiel für einen Schiffskarrenweg ist der Diolkos.

Rollberge wurden unter der Bezeichnung Rollbrücken zunächst in den Niederlanden für mäßige Höhendifferenzen angewandt. Beim Transport kleiner Schiffe wurden auch Bohlenlagen oder eine schlüpfrige Ebene aus feuchtem Ton eingesetzt. Seit der Entwicklung der Eisenbahn wurden die Rollberge mit Gleisen ausgestattet, die sich an beiden Enden unter Wasser fortsetzten, weshalb sie auch Schiffseisenbahnen genannt werden. Die Schiffe fuhren dabei auf große Wagen, die mittels Seilen die eine Ebene hinab gelassen werden, wodurch gleichzeitig ein zweiter Wagen bergauf befördert werden konnte. Die Technik hat in Deutschland nur am Oberländischen Kanal Anwendung gefunden. Unter der Leitung des preußischen Baurats Georg Steenke wurden fünf geneigte Ebenen gebaut. Damit entstand eine direkte Schiffsverbindung von Osterode bis Elbing, die die Transportzeit enorm verkürzte. Steenkes Konstruktionen sind bis heute funktionsfähig.

Die ursprüngliche Form war die Trockenförderung, bei der das Schiff aus dem Wasser gehoben wird. Da an wenigen Punkten unterstützte Schiffsrümpfe nur eine geringe Biegefestigkeit besitzen, versah man die Wagen später oftmals mit Wasserbassins. Diese auch Trogbahn genannte Technik hat sich auf dem 1839 erbauten schottischen Monklandkanal und dem 1836 fertiggestellten Chesapeake and Ohio Canal bewährt und ist als Schiffshebewerk immer noch Stand der Technik. Bezeichnet wird dies als Nassförderung, die sowohl quer (z. B. beim Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller, siehe Bild), als auch längs zum Berg (z. B. beim Schiffshebewerk Ronquières) erfolgen kann.

Das zuletzt als Abstiegsbauwerk mit Trockenförderung errichtete Schiffshebewerk ist die neue Big Chute Marine Railway in Ontario, Kanada. Diese Anlage wurde 1978 in Betrieb genommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]