Rudolf Rentschler

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Rudolf Rentschler im März 2012 vor dem Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach, anlässlich des Workshops Enveloping Algebras and Geometric Representation Theory.

Rudolf Rentschler (* September 1940 in Nagold) ist ein deutscher Mathematiker und Politiker (FDP). In seiner wissenschaftlichen Arbeit konzentriert er sich vor allem auf Lie-Algebren und deren Darstellungstheorie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung, Berufs- und Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er kam als Sohn von Hugo und Eva Rentschler zur Welt, die im August 1938 geheiratet hatten. Sein Vater führte die familieneigene Wollspinnerei. Die Ehe der Eltern wurde allerdings 1948 geschieden. Rentschler besuchte die Oberschule seiner Heimatstadt und studierte anschließend Mathematik und Volkswirtschaftslehre. Das Studium, während dessen er ein knappes Jahr in den Vereinigten Staaten verbrachte, schloss er in beiden Fächern mit Diplom ab. Anschließend wurde er 1967 an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Dissertation über Die Vertauschbarkeit des Hom-Funktors mit direkten Summen promoviert.

Dort war Rentschler in der Folge auch als Mathematiker beschäftigt, bevor er später an die Pariser Universität Pierre und Marie Curie wechselte.[1] 1997 war er Projektleiter einer vom CORDIS unterstützten Forschungsgruppe, die sich mit Orbits, Crystals und der Darstellungstheorie befasste. Im Laufe der Jahre tat er sich in Kooperation mit der Universität Paris VII und dem Centre national de la recherche scientifique als (Mit-)Initiator zahlreicher Seminare und akademischer Veranstaltungen hervor. So zeichnete er beispielsweise im Mai 2000 für die mit Drittmittel aus dem europäischen TMR-Netzwerk (Training and Mobility for Researchers) finanzierte Konferenz zu „Orbits, Crystals and Representation Theory“ verantwortlich. Eine Konstante ist darüber hinaus seine häufige Organisation der „Journées Solstice d'été“ – einer jährlichen wissenschaftlichen Fachtagung in den Tagen um die Sommersonnenwende – in den Jahren 2002, 2003, 2004, 2006 und 2007. Dabei setzte Rentschler speziell die Lie-Theorie und die Gruppentheorie als Schwerpunkte der akademischen Diskussionen.

2006 verstarb sein Vater im Alter von 101 Jahren. Rudolf Rentschler ist ledig und Kommanditist der Wollspinnerei Louis Rentschler Vermögensverwaltung KG, die die Sheddach-Gebäude der früheren Wollspinnerei Nagold nunmehr verwaltet.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rentschler im Januar 2015 auf dem Landesparteitag der FDP Baden-Württemberg.

Rentschler trat 1969 in die FDP ein. Fünf Jahre später war er 1974 Gründungsmitglied des Ortsverbandes Nagold; gegenwärtig (Stand: März 2016) ist er dessen stellvertretender Vorsitzender. Darüber hinaus ist er Beisitzer im Vorstand des FDP-Bezirksverbandes Nordschwarzwald und seit dem 2. November 2013 auch Beisitzer des Landesvorstandes der FDP Baden-Württemberg.

1992 wählten ihn die Delegierten des Bundesparteitages entgegen einem Vorschlag des Bundesvorstandes zum Bundesrechnungsprüfer. Von 1982 bis 2. November 2013 übte er auch innerhalb seines Landesverbandes das Amt des Landesrechnungsprüfers aus. Der Geschäftsbericht der FDP Baden-Württemberg für den Zeitraum vom 1. Juli 2006 bis 30. Juni 2008 wies Rentschler zudem als Mitglied des Landesfachausschusses Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik sowie als stellvertretenden Vorsitzenden des Landesfachausschusses Europapolitik aus.[2] Am 2. November 2013 erfolgte auf dem 110. Ordentlichen Landesparteitag in Filderstadt seine Wahl in den Vorstand der FDP Baden-Württemberg. Rentschler ist nun Beisitzer der Abteilung II und wurde im zweiten Wahlgang mit 40,95 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt.

Rudolf Rentschler ist auch außerhalb der Landesebene europapolitisch aktiv und kandidierte beispielsweise zweimal für das Europäische Parlament. Auf dem 59. Ordentlichen Bundesparteitag der FDP in München wurde er Ende Mai 2008 als Delegierter des Landesverbandes Baden-Württemberg ins Council der ALDE gewählt. Im Jahr 2012 wurde er vom Bundesparteitag in dieser Position bestätigt. Seit 1978 ist er Delegierter bzw. Ersatzdelegierter der FDP im Kongress der ALDE. Seit 1994 ist er zudem ehrenamtlich Sekretär der liberalen Fraktion in der parlamentarischen Versammlung der OSZE.

Am 15. Mai 2015 kandidierte Rentschler auf dem Bundesparteitag in Berlin vergeblich gegen Holger Zastrow als Beisitzer im Präsidium der Partei. Er erhielt lediglich 98 von 572 Stimmen.[3]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rentschler ist wegen seiner näselnden Stimme des Öfteren – insbesondere in den Satiresendungen TV total (Pro7) und heute-show (ZDF) – mit der Trickfilmfigur „Willi“ aus Biene Maja verglichen worden (was Rentschler aber mit Humor nimmt); auf diese Weise ist er einem breiteren Publikum bekannt und sogar als „Kultfigur“ bezeichnet worden.[4]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf Rentschler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Der europäischen Idee verpflichtet“ auf schwarzwaelder-bote.de (Schwarzwälder Bote) vom 21. September 2010. Abgerufen am 11. April 2012
  2. Geschäftsbericht des FDP-Landesverbandes Baden-Württemberg für den Zeitraum vom 1. Juli 2006 bis 30. Juni 2008 (PDF; 922 kB). Abgerufen am 11. April 2012
  3. offizielle Twitter-Meldung der FDP
  4. DER SPIEGEL 45/2009 vom 2. November 2009