Runenstein

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Großer Jellingstein mit Christusdarstellung, um 960/985
Runenstein von Sandavágur (Färöer) auf einer Briefmarke

Runensteine sind aufrechtstehende Steine, die mit Runeninschriften versehen sind. Aufgerichtet wurden diese Steine ab der nordischen Eisenzeit sowie während der Vendel- und Wikingerzeit zwischen dem 5. und 12. Jahrhundert. Sie wurden meist zur Erinnerung an Verstorbene oder Gefallene gesetzt, aber auch als Denkmäler eigener Leistungen.

Viele Runensteine sind mit Ornamenten oder Bändern verziert. Um die 200 Runensteine sind auch mit figürlichen Darstellungen versehen, davon ungefähr 100 mit Tierdarstellungen. Es gibt auch Ritzungen, die auf Findlingen aufgebracht wurden und in Schweden „Runenblock“ (Ramsundritzung, Runenblock von Ed, Runenblock von Sjusta) oder auf Aufschlüssen, „Runenplatte“ (Runmarsvreten, „Runhäll“) genannt werden.

Kennzeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwedische und dänische Runensteine wurden durchnummeriert. Die schwedischen sind nach Provinzen geordnet (vgl. Samnordisk runtextdatabas, z. B. Sö 111 = Södermanland 111), während die dänischen die Buchstabenkombination DK und eine Zählnummer tragen. Dabei haben auch die deutschen Runensteine von Haithabu und die Steine einiger schwedischer Provinzen (z. B. Halland und Schonen) DR-Nummern. Es kommen aber auch andere Buchstaben-Zahlen-Kombinationen vor, besonders für Neufunde. In Schweden wird unterschieden zwischen dem bearbeiteten Stein (Runsten), dem massiveren Block (Runblock) und der Ritzung (Runhäll).

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste schriftliche Erwähnung erfuhr der Runenstein Vg 90, in einem Brief des schwedischen Königs Magnus Ladulås, der ihn 1287 als Grenzstein des Klosters Gudhem erwähnt. Die erste wissenschaftliche Abhandlung über einige Steine entstand 1554 durch die Gebrüder Magnus. Johannes Bureus schrieb 1599 sein Runensteinbuch Runakänslones lärespån und Ole Worm schrieb seine Abhandlung Runar sea Danica Literatura antiquissima, vulgo Gothica dicta über dänische Runensteine 1651.

Verbreitung und Zeitstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung von Runensteinen (pro km²) in Schweden
Runenstein Sö 111 mit Thorhammer an der Kirche von Stenkvista
  • Deutschlands vier im Umkreis von Haithabu gefundene Runensteine stehen im Wikinger-Museum Haithabu in Haddeby bei Schleswig. Der Runenstein von Rogäsen konnte bislang weder entziffert noch datiert werden.
  • In Skandinavien wurden rund 3200 Runensteine gefunden, davon über 2800 in Schweden (knapp 400 auf Gotland), 267 in Dänemark (einschließlich Schleswig und Schonen), in Norwegen fast 133. Ein Beispiel für Runensteine in Norwegen ist der Skeisteinen, in der Telemark. Die Inschrift ist auf das 11. Jahrhundert datiert. Zu diesem Stein gehörten ursprünglich drei weitere Steine. An diesem Kultort wurden bis ins 18. Jahrhundert Erntefeste abgehalten. Der Name des Steins leitet sich von “skeid” ab, was eine Zusammenkunft der Landbevölkerung zu Pferdewettkämpfen und anderen Wettbewerben bezeichnet.
  • über 220 Runeninschriften auf den Britischen Inseln allerdings kaum Steine
  • auf Island und den Färöern
  • auf Grönland

Runensteine wurden in Norwegen und Schweden seit dem 4. Jahrhundert, in England seit dem 7. Jahrhundert, in Dänemark (37 in der Literatur als bedeutend angesehene Steine), Deutschland und auf den Färöern (3) erst im 9. Jahrhundert aufgestellt. Der Runenstein von Beresan steht in der Ukraine. Vereinzelte Steine finden sich im Baltikum, auf Grönland (Runenstein von Kingittorsuaq) und auf den Britischen Inseln außerhalb Englands.

Einiges spricht dafür, dass Runensteine zuerst im Bohuslän oder im norwegischen Østfold aufkamen, von wo sie sich nach Mittelschweden ausbreiteten. Die Verbreitungskarte stützt diese Ansicht allerdings nicht. Die Gegend hat aber eine uralte Bildertradition. Einer der wenigen mit einem Bild geschmückten eisenzeitlichen Bautasteine steht auf dem Gräberfeld von Greby. In Tune in Norwegen wurde ein Stein gefunden, der zu den ältesten gehört, die man entdeckt hat. In Schweden findet man aus den Jahrhunderten vor der Wikingerzeit sowohl Runensteine als auch kleinere Steine in Gräbern, wie zum Beispiel einen Sargstein in einem Grab bei Kylver auf Gotland, das Gegenstände aus der Zeit um etwa 400 enthielt. Der Krogstastenen (U 1125) aus dem 6. Jahrhundert in Uppland mit einer frühen Bildritzung.

Der in den USA gefundene Runenstein von Kensington, Minnesota und der 1971 gefundene, vermeintliche Runenstein von Rathjensdorf, Schleswig-Holstein[1] sind Fälschungen.

Form und Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundtypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Runensteine erscheinen in zwei Grundtypen :

  • der „Schriftstein“ ist der ältere Typ und mit senkrechten, gelegentlich aber auch waagerechten Runenzeilen bedeckt. Berühmte Exemplare dieses Typs sind die Steine von Busdorf, Glavendrup, Karlevi oder Rök. Der Typ ist in Norwegen, Westschweden und Dänemark vorherrschend.
  • der „Schlangenbandstein“, (schwed. drakslingor; dt. Drachenschlinge), dessen Runenschrift sich vom Kopf eines Drachen oder einer Schlange über den gewundenen und verschlungenen Körper bis zum Schwanzende hinzieht, ist jünger. Er hat sein Zentrum in Ost- und Mittelschweden, von wo der Typ ausstrahlt, jedoch außerhalb Schwedens selten vorkommt. Er entwickelte sich mit dem Ringerike- und Urnes-Stil (ca. 980-1100 n. Chr.). Die Steine zeigen Darstellungen des "großen Tieres" (schwed. det stora djuret). Prachtexemplare standen/stehen in Tullstorp, Frösön, Nasta, Hansta und Simris. Bei Steinen, die mit einem christlichen Kreuz versehen wurden, sind meist die Merkmale der Schlange (Kopf und Schwanz) weggelassen worden.

Darstellungen und Verzierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Art Tatzen- und Ringkreuz

Die meisten Runensteine tragen nur Inschriften (Runenstein von Ådala). Andere sind auch mit Ornamenten (Schlangenband), Symbolen (Tatzenkreuz, Ringkreuz, Irisches Koppel) oder figürlichen Darstellungen (Tierdarstellungen, Menschendarstellungen) verziert (Bildsteine). Die Bilder waren mittels Farbe (rot, schwarz, weiß) hervorgehoben[2], die heute verblichen ist bzw. nachgemalt wurde. Der aufwendigste unter den verzierten norwegischen Steinen ist der Runenstein von Dynna. Er ist aus rotem Sandstein voller Bildmotive im Ringerike-Stil und trägt eine Inschrift

Als Maskensteine bezeichnete Bildsteine kennt man nur aus Dänemark (Århus, Sjellebro), hier sind Bilder in Findlinge geritzt, die nicht immer eine Runeninschrift tragen.

Bildsteine auf Gotland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Gotländische Bildsteine

Die wahrscheinlich farbigen (schwarz-weiß-rot) gotländischen Bildsteine sind eine Besonderheit der Wikingerzeit; sie sind primär auf der schwedischen Insel Gotland und vereinzelt an den benachbarten Küsten und auf Öland anzutreffen. Sie zeigen menschliche Gestalten (Götter), mehrere Tierarten, magische Symbole, Wirbelräder, Ruderboote, Segelschiffe, Spiralen, mythologische Szenen und Runenbänder und sind ein Abbild der Religionsgeschichte. Am Ende erscheinen Steine mit dem griechischen-(christlichen) Kreuz.

Daneben gibt es reich verzierte Kistensteine. Die Steine von Ardre sind in Stockholms Statens Historiska Museum ausgestellt.

Piktensteine in Schottland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Europa gibt es noch eine zweite Gruppe von Bildsteinen, deren Bildanteil Symbole zeigt, sich aber auch aus dem Bereich der symbolhaften Darstellungen, wie sie etwa irische Kreuz- oder Pillarsteine zeigen, heraushebt, das sind die Piktensteine in Schottland.

Größe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Runensteine sind Runenblöcke, Findlinge die nach der Art von Runensteinen beschriftet wurden (Runenblock von Ed, Runenblock von Sjusta und Runenblock U 412 bei Sigtuna). Der Runenstein von Vang (Thy) nordwestlich von Sjørring in Thy ist der kleinste Runenstein Dänemarks.

Der Runenstein mit der längsten bekannten Inschrift steht in Dänemark. Es ist der Bugstein der Schiffssetzung von Glavendrup auf Fünen. In Schweden trägt der Runenstein von Rök die längste Inschrift.

Schrifttypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Runensteine mit älteren Runen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der germanischen Eisenzeit und der älteren Vendelzeit liegen in Schweden mehr Inschriften mit älteren Runen vor als aus späteren Zeiten. Die meisten Inschriften treten auf Goldbrakteaten auf, doch viele auch auf Runensteinen, deren Anzahl aber nicht mit der gewaltigen Menge der wikingerzeitlicher Runensteine im jüngeren Futhark geschrieben, zu vergleichen ist. Aus der Eisenzeit und der Vendelzeit sind etwa 20 Steine mit den älteren Runen in Schweden bekannt, zu denen auch der Stein aus der Grabkiste von Kylver auf Gotland zählt. Norwegen hat etwa 30 Runenritzungen auf einzelnen Steinen, Steinen von Grabkisten und Felsen, während Dänemark keine Steine mit älteren Runen aufzuweisen hat.

Die Inschriften haben zuweilen berichtenden Charakter. Eine lange urnordische Runeninschrift findet sich auf einem Stein, der 1919 bei Rö, Otterö/Tanum in Bohuslän, entdeckt wurde. Ein ähnlicher Text ist auf einem Runenstein von Möjbro in Uppland eingeritzt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Runensteine bieten – ähnlich den römischen Grabstelen – einen Einblick in das Selbstverständnis, die Werte und Leistungen einzelner Personen, die aufgrund ihres Standes die Möglichkeit hatten, eine zumindest lokale Rolle in der überlieferten Geschichte zu spielen. Der älteste Runenstein, der noch an seinem ursprünglichen Platz steht, ist der Einangsteinen in Norwegen.

Man kann verschiedene Zweckbestimmungen von Runensteinen unterscheiden:

  • Die Gedenksteine, die von Angehörigen oder Verehrern gesetzt worden sind,
  • die Selbstdarstellungssteine, die Leistungen dessen rühmen, der den Stein gesetzt hat,
  • ähnlich, aber von etwas unterschiedlichem Charakter die endzeitlichen Steine, die religiöse Leistungen von erst vor kurzem zum Christentum übergewechselten Gläubigen ansprechen, auf ihnen ist neben den Runen das christliche Kreuz zu sehen.

Ein Beispiel eines Selbstdarstellungssteines ist der Runenstein von Yttergärde (U 344) nahe Stockholm. Dort schreibt ein schwedischer Wikinger über sich: "in ulfr hafir onklati * Þru kialtakat Þit uas fursta Þis tursti * Þa ---Þurktil * Þa kalt knutr" Übersetzt: Ulf hat in England dreimal Tributgeld erhalten. Das erste war mit Toste (Skagul Toste einem Wikinger aus der Provinz West Götaland – Dynastie Stenkil), das zweite mit Thorkel (Torkel der Hohe, ein dänischer Jarl, der 1011 englischen Tribut erhielt) und das dritte mit Knut dem Großen.

Runensteine für Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bemerkenswert ist auch die nicht geringe Anzahl von Steinen, die für und von Frauen für sich selbst oder ihre Töchter gesetzt sind.

Runensteine über Fahrten in andere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Runensteine berichten über Fahrten von Wikingern bzw Warägern in viele Teile Europas: in die Kiewer Rus, ins Byzantinische Reich, nach England und in andere Gebiete. Sie stammen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert.

Waräger-Runensteine

  • Ost-Runensteine

14 Steine berichten über Fahrten nach „dem Osten“. Der Kälvesten von Västra Stenby in Östergötland stammt aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Er ist der vermutlich älteste und berichtet, dass Stig das Denkmal für seinen Sohn Öyvind, der im Osten gefallen ist, errichtete.

Einige Steine berichten von Fahrten nach Gardarike (Kiewer Rus). Der Runenstein von Beresan steht in der Ukraine.

26 Runensteine berichten vom Heerzug Ingvars, der sich offenbar an der Schlacht von Sasireti beteiligte und 1041 mit fast allen seinen Männern umgekommen ist.

  • Serkland-Runensteine

Vier davon befassen sich mit Serkland (Georgien)

30 Runensteine berichten über Waräger, die im Byzantinischen Reich waren, als Krieger oder als Mitglieder der Warägergarde des byzantinischen Kaisers. Der wichtigste von ihnen ist der Runenblock von Ed, der von einem Befehlshaber der Garde gestiftet wurde.

Vier Runensteine erwähnen Krieger, die in Italien in byzantinischen Diensten starben

Einige Runensteine sind Personen im Baltikum gewidmet, die in Finnland, Estland oder Lettland waren

Wikinger-Runensteine

Weitere Steine erwähnen Aufenthalte in

  • Jerusalem ("Jursalir")
  • Rumänien

Runensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erik Nylén, Jan Peder Lamm: Bildsteine auf Gotland. Wachholtz, Neumünster 1981, 1991 (2. Aufl.), ISBN 3-529-01823-6.
  • Karsten Kjer Michaelsen: Politikens bog om Danmarks oldtid. Politiken, Kopenhagen 2002, ISBN 87-567-6458-8 (Politikens håndbøger).
  • Mårten Stenberger: Vorgeschichte Schwedens. In: Nordische Vorzeit. Bd. 4, Wachholtz, Neumünster 1977, ISBN 3-529-01805-8, S. 366
  • S. Oehrl: Zur Deutung anthropomorpher und theriomorpher Bilddarstellungen auf den spätwikinger-zeitlichen Runensteinen Schwedens. Wiener Studien zur Skandinavistik, Bd. 16. (Wien 2006).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Runenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bildsteine auf Gotland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Runenstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meldung der Kieler Nachrichten vom 12. Oktober 2008, nach geschichteimnorden.de
  2. Ein Bild davon gibt u.a. der moderne Runenstein "Frövis sten" wieder (online auf svenskarunstenar.net)