Ruth Schweikert

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Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese, Ruth Schweikert, Sherko Fatah und OB Peter Feldmann (2016) bei der Schlüsselübergabe zum Stadtschreiberhaus

Ruth Schweikert (* 15. Juli 1965 in Lörrach) ist eine Schweizer Schriftstellerin.[1][2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth Schweikert wuchs in Aarau auf. Es folgten eine Theaterausbildung in Deutschland und ein abgebrochenes Germanistikstudium. Heute lebt sie mit ihren fünf Söhnen und dem Dokumentarfilmer Eric Bergkraut in Zürich. Mit verschiedenen Theaterprojekten und ihrem ersten Buch Erdnüsse. Totschlagen hat sie sich einen Namen gemacht und diverse Preise und Auszeichnungen gewonnen.

Obwohl Ruth Schweikerts Werk zu Beginn ihres literarischen Schaffens mit dem Etikett „Frauenliteratur“ bedacht wurde, distanziert sie sich selber davon mit den Worten: „Das ist leider allzu oft künstlerisch ambitionslose Betroffenheitsliteratur, selbstgerecht und sentimental.“ Auch wenn ihre Figuren viel Autobiographisches mittragen, handelt es sich nicht um eine direkte Übernahme des Erlebten, sondern um eine literarische Verfremdung, die sich schon in der häufig gewählten Erzählform der Er-Perspektive ausdrückt. Sie selbst beschreibt die Charaktere ihrer Bücher folgendermassen: „Meine Frauengestalten sind ziemlich durchschnittlich, nicht besonders emanzipiert, aber auch nicht friedfertig.“

Ihre Freude am Erzählen äussert sich nicht im Wesentlichen durch den Inhalt, sondern in der sprachlichen Präzision und im formalen, oft zuerst unübersichtlichen Aufbau der Texte. Sprache wird musikalisch umgesetzt mit Motiven und Rhythmen und einer an die Filmtechnik erinnernden Verwendung der Montage, in der der Erinnerungsrückblick einen zentralen Platz einnimmt. Mit einer konzentrierten Sprache werden einige Details exakt skizziert, gleichzeitig werden so auch wieder Leerstellen geschaffen. Dabei wird bei Schweikert sowohl auf Mimesis wie auch auf Poiesis Wert gelegt. Historische Wirklichkeit wird abgebildet und die erzählte Realität so dargestellt, dass sie durch Nennung einer konkreten Zeit an einem konkreten Ort möglich erscheint. Gleichzeitig werden aber Elemente auch künstlerisch frei verarbeitet, ohne Rücksicht auf die wirklichen Gegebenheiten.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autograph von Ruth Schweikert

Prosawerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge in Anthologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Beitrag in: Take care. Swiss Institute, New York 1995
  • Michele, geb. 1926; Almut geb. 1933. In: Grenzen sprengen. Texte von Schweizer Autorinnen und Autoren. Hg. v. Annemarie Bänziger. Wolfbach, Zürich 1997, S. 9–15.
  • Ein Beitrag in: Domino. Ein Schweizer Literatur-Reigen. Hg. v. Simone Meier. Otto Müller, Salzburg 1998
  • Fabrizio, geb. 1926; Almut geb. 1933. In: Die Schweiz erzählt. Junge Erzähler. Ausgewählt und mit einem Vorwort herausgegeben von Plinio Bachmann. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1998, S. 175–180.
  • Ein Beitrag in: Das Beste kommt noch. Theater Neumarkt Zürich 1993–1999. Eine Hinterlassenschaft. Kontrast, Zürich 1999, ISBN 3-9521287-4-0
  • E la nave va. In: Swiss Made. Junge Literatur aus der deutschsprachigen Schweiz. Hg. v. Reto Sorg und Andreas Paschedag. Wagenbach, Berlin 2001, S. 100–105.
  • Alejandros Katze. In: Natürlich die Schweizer! Neues von Paul Nizon, Ruth Schweikert, Peter Stamm u. a. Hg. v. Reto Sorg und Yeboaa Ofosu. Aufbau Taschenbuch, Berlin 2002, S. 73–79.
  • Ein Beitrag in: Valser Texte. Anthologie der Hausautoren. Edition Therme, Vals 2005, ISBN 3-938767-09-X.
  • Geleitwort in: Dominik Riedo (Hrsg.): Heidis + Peters. Vorsicht: Kulturraum Schweiz! Eine Anthologie. Pro Libro, Luzern 2009, ISBN 978-3-9523525-3-3.

Beiträge in Zeitschriften und Zeitungen, Vorworte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erdnüsse. In: Emanzipation. Feministische Zeitschrift für kritische Frauen 6/7 1994, S. 25–27.
  • Hunger. 7-Minuten-Roman. In: Der Schweizerische Beobachter 13/1994, S. 42.
  • Leseprobe. In: Krankenpflege / Soins Infirmiers, 12/1994, S. 71.
  • In Ingeborgs Namen. Kommunikation über Liebe und Fussball. In: Du, Heft 641 (= 9/1994), S. 88f.
  • «Fallen Sie nicht. Fliegen Sie lieber.» Über das Reisen am Ort im Express-Buffet der Bahnhofsunterführung. In: Die Weltwoche, Supplement vom April 1995, S. 8–10.
  • Diese unerträgliche Angst, ein Monster zu gebären. Umstrittener Schwangerschaftsabbruch: Die Schriftstellerin Ruth Schweikert schreibt über ihre Erfahrungen – sie ist selbst Opfer, Betroffene und Täterin. In: Die Weltwoche Nr. 47 vom 23. November 1995, S. 78.
  • Ein Beitrag in: Schwangerschaftsabbruch – eine Kontroverse. Utzinger, Rieden 1995, ISBN 3-908688-11-6.
  • Spinat. 7-Minuten-Roman. In: Der Schweizerische Beobachter Nr. 16/1997, S. 67.
  • «Die Schweiz ist die Leber der Welt.» Keine Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis zum eigenen Land oder Warum kein Text über die Schweiz auch ein Text über die Schweiz ist. In: Der kleine Bund vom 3. Oktober 1998.
  • Mokassins. Jeder legt sich seine Geschichte zurecht, so gut er kann. In: Crédit Suisse Bulletin 6/2000, S. 24–26.
  • Verstockt, verloren, Kind und Tier. In: Tages-Anzeiger vom 28. Juli 2001, S. 41.
  • 72 Stunden High Energy. Ruth Schweikert begibt sich auf eine Exkursion ins Universum der Orgelmusik. In: SonntagsZeitung vom 14. Oktober 2001, S. 119.
  • Vorwort zu: Return to Sender. Human excrement has no history. Bildband von Katrin Bechtler. Edition Dion Simonett, Zürich 2001, ISBN 3-905562-03-0.
  • Von Landschaften und Kindheiten. In: Via. Unterwegs mit Bahn, Bus und Schiff. Sonderausgabe «100 Jahre SBB», 1/2002, S. 14–15.
  • 800 Jahre Olten, ein Text zum Jubiläum. (Online (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive)).
  • Vorwort zu: 12 Gärten. Historische Anlagen in Zürich. Kontrast, Zürich 2004, ISBN 3-906729-29-X.
  • Zwei Kalenderblätter. In: Entwürfe. Zeitschrift für Literatur, Ausgabe 51: Vater. Zürich 2007, ISBN 3-906729-58-3.

Gedanken zum Schreiben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schreiben ist der Fluss. In: Neue Zürcher Zeitung vom 4. September 2001, S. 67.
  • Über das Verschwinden in der Zauberkiste. In: Neue Zürcher Zeitung. Solothurner Literaturtage (11. Mai 2002), S. 71.
  • Das Leben ist keine Kunst. In: Kolloquium Poetologie der Gegenwart, Dozent Reto Sorg, Universität Freiburg (Schweiz) 2003 (unveröffentlicht).

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruth Schweikert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweizer Literaturpreise 2016: Ruth Schweikert auf literaturpreise.ch, abgerufen am 8. Februar 2016
  2. Biographische Angaben von Ruth Schweikert. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2014/2015: Band I: A-O. Band II: P-Z., Walter De Gruyter Incorporated, 2014, S. 976, ISBN 978-3-11-033720-4.
  3. Buchbesprechung in der Sendung 52 beste Bücher des Schweizer Radios (14. Juni 2015).
  4. Thomas Ribi: Ruth Schweikert bekommt den Zürcher Kunstpreis – Die Postkarte in der Brieftasche des Mannes im Café. Neue Zürcher Zeitung, 27. Oktober 2016.