Samuel Meffire

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Samuel Njankouo „Sam“ Meffire (* 11. Juli 1970 in Zwenkau, DDR) ist ein ehemaliger deutscher Polizeibeamter, der im Rahmen einer Kampagne gegen Ausländerfeindlichkeit bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samuel Meffire kam als Sohn eines kamerunischen Vaters und einer deutschen Mutter zur Welt. Sein Vater verstarb schon am Tag seiner Geburt, unter nicht abschließend geklärten Umständen.[1] Nach Sportschule, mittlerer Reife und dem Abschluss seiner Lehre schlug Meffire sich 1989 mit diversen Jobs durch. Er arbeitete als Nachtwächter, in einer Müllsortierungsanlage, als Betreuer von Behinderten in anthroposophischen Camphills und für ein Sozialprojekt mit rechten Jugendlichen.[2] Zwischenzeitlich leistete Meffire seinen Wehrdienst bei der in Auflösung befindlichen Kasernierten Volkspolizei, er trat den Dienst bei der 8. VPK in Dresden an und nahm an einem mehrwöchigen Antiterrorlehrgang bei der 9. VPK in Potsdam-Eiche teil.

Die allgemein schwierige Umbruchsituation in Ostdeutschland[3] und der Zustand der geschwächten ostdeutschen Nachwende-Polizei[4] zwangen die politisch Verantwortlichen zur eiligen Anwerbung neuen Personals, diesen außergewöhnlichen Umständen scheint es geschuldet, dass Meffire als Seiteneinsteiger Kriminalistik studieren durfte, um anschließend als Kripo-Beamter im Polizeilichen Staatsschutz und dem Kriminaldauerdienst zu arbeiten. Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte Meffire 1992, als er einer Kampagne gegen Ausländerfeindlichkeit als Fotomodell zur Verfügung stand. Infolge dieser Kampagne trat er in zahlreichen Fernsehsendungen auf. Auch mit dem damaligen Innenminister von Sachsen Heinz Eggert nahm er in diesem Zusammenhang an öffentlichen Terminen teil.[5]

Ende 1994 trat er aus der Polizei aus, rutschte in die Kriminalität ab und verbüßte knapp 7 Jahre Haft.[6] Im Rahmen von Vollzugslockerungen durfte er die Haftanstalt stundenweise verlassen, er nahm ein Jahr lang an einer Fortbildung zum Mediengestalter teil.

Nach seiner Haftentlassung war Meffire für über zehn Jahre für verschiedene erlebnispädagogische Maßnahmen tätig, er arbeitete in diesen mit straffälligen bzw. schwerstauffälligen Jugendlichen.[7] Ab 2015 arbeitete Meffire auch mit Kindern und Jugendlichen in der Flüchtlingshilfe.[8]

Seit 2015 ist Meffire als Trainer für Gefahrenlagen tätig, unter anderem für Teams in der Flüchtlingshilfe, für Rettungssanitäter und Mitarbeiter von Universitäten.[9][10][11]

Der Dokumentarfilm Dreckfresser (D 2000) von Branwen Okpako schildert seinen Werdegang.[12][13]

2006 erschien das von Arte Deutschland produzierte Filmformat „Black Deutschland“ von Regisseur Oliver Hardt, in dem dieser neben anderen afrodeutschen Protagonisten auch Meffire zu Wort kommen lässt.

Nach seiner Haftentlassung betätigte sich Samuel Meffire als Autor und veröffentlichte die vierteilige Krimireihe "Unsere Feinde", ein Endzeitkrimi, der in Deutschland spielt, sowie den Politkrimi „Kunduz“ mit Co-Autor Marc Lindemann[14][15], einem Politikwissenschaftler und Journalisten und ehemaligen Offizier des Feldnachrichtendienstes, welcher mit kontrovers aufgenommenen Sachbüchern als Autor tätig ist.[16][17][18][19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sonja Hartwig, Bonn: Samuel Meffire im Gespräch: Es gibt Dinge, da habe ich keine Antwort. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 30. September 2018]).
  2. Porträt - Ganz sicher? Abgerufen am 30. September 2018.
  3. „Alles bricht zusammen“. In: Der Spiegel. Band 32, 6. August 1990 (spiegel.de [abgerufen am 30. September 2018]).
  4. mdr.de: Volkspolizei 1990: Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen | MDR.DE. (mdr.de [abgerufen am 30. September 2018]).
  5. Deniz Göktürk, David Gramling, Anton Kaes: Germany in Transit: Nation and Migration, 1955-2005. University of California Press, 2007, ISBN 978-0-520-24894-6 (google.de [abgerufen am 30. September 2018]).
  6. Der Seitenwechsler. In: Deutschlandfunk Nova. (deutschlandfunknova.de [abgerufen am 30. September 2018]).
  7. Auf die harte Tour. In: Der Tagesspiegel Online. 4. Januar 2004, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. September 2018]).
  8. Starker Selbstwert hilft gegen Übergriffe. Abgerufen am 1. Oktober 2018 (deutsch).
  9. Bevölkerungsschutz. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, abgerufen am 30. September 2018.
  10. Hilfe für die Helfer. Abgerufen am 1. Oktober 2018.
  11. Frankfurter Rundschau: Flüchtlinge in Darmstadt: Hilfe für die Helfer. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 1. Oktober 2018]).
  12. Dreckfresser. Internet Movie Database, abgerufen am 10. Juni 2015 (englisch).
  13. Branwen Okpako | filmportal.de. Abgerufen am 1. Oktober 2018.
  14. nasenstaub: Unter Beschuss: Warum Deutschland in Afghanistan scheitert. 30. Januar 2010, abgerufen am 1. Oktober 2018.
  15. Raphael Zehnder, Joachim Salau: Marc Lindemann: Kann Töten erlaubt sein? Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 28. Mai 2013, abgerufen am 1. Oktober 2018 (Schweizer Hochdeutsch).
  16. Neue Krimi-Reihe „Unsere Feinde“, Buchfunk-Verlag, 12. Dezember 2014.
  17. STEFFEN KÖNAU: Krimi: Krieger im Kaninchenstall. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 1. Oktober 2018]).
  18. eigenarten_meffire_201204.pdf. Abgerufen am 1. Oktober 2018 (englisch).
  19. Musiques-Opéra-Danses. Abgerufen am 1. Oktober 2018 (französisch).