Samuel Willenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Samuel Willenberg (2013)

Samuel Willenberg (* 16. Februar 1923 in Częstochowa) ist ein polnisch-israelischer Bildhauer, Buchautor und Überlebender des Vernichtungslagers Treblinka.

Leben[Bearbeiten]

Samuel Willenbergs Vater, Perec Willenberg, arbeitete als Kunstlehrer an einem jüdischen Gymnasium und war ein bekannter Synagogenmaler. Seine Mutter stammte aus einer russischen Adelsfamilie. Sie floh nach der russischen Revolution nach Polen. [1] Weil sein Vater eine Synagoge bemalen sollte, zog die Familie kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Opatów.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht und später der Roten Armee diente Samuel Willenberg mit 16 Jahren als Freiwilliger bei der polnischen Armee. [1]

Willenberg wurde im Oktober 1942 von Deutschen in Opatów verhaftet. Bis dahin war er einer Verhaftung mit gefälschten Papieren entkommen. Er wurde – so wie der Großteil der jüdischen Gemeinde Opatóws – ins Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo er bei der Selektion der Deportierten vorgab, Maurer zu sein. So wurde er als Arbeitshäftling registriert, während die restlichen Deportierten seines Transportes sofort in die Gaskammern geschickt wurden.[2] Im Lager musste er die Kleidung der kurz zuvor ermordeten Deportierten sortieren. Ein besonders tragisches Erlebnis war dabei der Fund der Kleidung seiner beiden Schwestern, Tamara und Ida.[3]

Am 2. August 1943 organisierten Häftlinge des Lagers – unter ihnen auch Willenberg – den Aufstand von Treblinka, um eine Massenflucht zu ermöglichen. Willenberg gelang es tatsächlich, zu entkommen und erreichte Warschau, wo er bis zu Kriegsende an der Seite der polnischen Untergrundarmee gegen die Deutschen beim Warschauer Aufstand kämpfte.[2] Für die Teilnahme am Aufstand wurde Willenberg von der neuen polnischen Armee ausgezeichnet und zum Leutnant befördert.[2]

Im Auftrag einer zionistischen Organisation suchte Willenberg nach dem Krieg jüdische Kinder, die den Holocaust im Verborgenen überlebt hatten, und es gelang ihm, jüdische Jugendliche illegal nach Italien zu bringen. 1948 heiratete er Ada Lubelczyk. Ada Lubelczyk konnte von ihren Eltern aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt werden.[2]

Als Willenberg 1950 die Erlaubnis erhielt, Polen zu verlassen, musste er seine polnische Staatsbürgerschaft abgeben.[2] Er emigrierte nach Israel. Dort arbeitete Willenberg vierzig Jahre lang für das Entwicklungsministerium.[4]

Nach seiner Pensionierung begann eine „zweite Karriere“: Er schloss ein Studium der Malerei, Bildhauerei und Kunstgeschichte in Tel Aviv ab. Seine ausdrucksstarken Skulpturen zeigen Szenen und Menschen aus dem Alltag von Treblinka. Sie waren bereits in mehreren Ausstellungen zu sehen, u. a. auch in Deutschland. 1986 veröffentlichte er ein Buch über den Aufstand vor Treblinka in hebräischer Sprache, das in mehreren Sprachen übersetzt wurde.[4] 2009 erschien es in deutscher Sprache.

Samuel Willenberg lebt mit seiner Frau Ada Lubelczyk Willenberg und seiner Tochter in Tel Aviv.[4]

Ausstellung[Bearbeiten]

Im Laufe von drei Jahren schuf Willenberg 15 Bronzeskulpturen. Seine Skulpturen wurden von Mai 2008 bis Mai 2009 unter dem Ausstellungstitel Die Kunst der Erinnerung in verschiedenen deutschen Städten ausgestellt.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Treblinka – Treblinka. Lager, Revolte, Flucht, Warschauer Aufstand., Hamburg / Münster: Unrast 2009, ISBN 9783897718203

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Willenberg: Treblinka. Seite 231 (siehe Literatur)
  2. a b c d e Willenberg: Treblinka. Seite 232.
  3. Vorwort des Bildungswerks Stanisław Hantz zum Buch von Willenberg über das Vernichtungslager Treblinka. Abgerufen am 16. September 2009
  4. a b c Willenberg: Treblinka. S. 233
  5. Fotos zur Ausstellung Die Kunst der Erinnerung