Sava von Serbien

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Der heilige Sava um 1228, Kloster Mileševa
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Sava von Serbien (veraltet auch Saba, serbisch Свети Сава/Sveti Sava; * 1175 in Ras; † 14. Januar 1236 in Tarnowo, Bulgarisches Reich) ist ein apostelgleicher Heiliger der christlichen Orthodoxen Kirchen. Sava war jüngster Sohn des serbischen Großfürsten Stefan Nemanja und Bruder des ersten Königs aus dem Hause der Nemanjiden. Auf Sava gehen sowohl die Errichtung des serbischen Erzbistums, der Zuwendung zur Byzantinischen Ostkirche als auch die Gründung des serbischen Athos-Klosters Hilandar zurück, das der serbischen Kirche auf Dauer einen Festen Platz innerhalb der Orthodoxie sichern sollte.[1] Für die weitere theologische Entwicklung in der Serbisch Orthodoxen Kirche, der Unterrichtung des serbischen Klerus wie der spirituellen Zuwendung des serbischen Adels zur byzantinisch-christlichen Theologie spielten die beiden einmaligen Wallfahrten Savas nach Palästina zu den Heiligen Stätten eine entscheidende Rolle.

Sava war ein orthodoxer Erzbischof und gilt als bedeutender Lehrer sowie Verfasser des ersten serbischen Gesetzbuches (Nomokanon). Sein Gedenktag ist der 14. Januar, der nach julianischer Kalenderrechnung auf den 27. Januar des gregorianischen Kalenders fällt.

Im Jahre 1594 verbrachte der osmanische Großwesir Sinan Pascha die sterblichen Überreste des heiligen Sava aus seiner Grablege in der Krönungskirche im Kloster Mileševa nach Belgrad um sie in provokativer Weise auf einem der höchsten topographischen Punkte der Stadt zu verbrennen. Auf dem wahrscheinlichen Verbrennungsort der Erhebung des Vračar-Hügels im heutigen engeren Stadtgebiet Belgrads wurde im 20 Jh. daher die Erinnerungsstätte der Kathedrale des Hl. Sava begonnen.

Leben[Bearbeiten]

Sein weltlicher Name war Rastko (Nemanjić). Er wurde um 1175 in Ras, der damaligen Hauptstadt Rasziens nahe dem heutigen Novi Pazar geboren. Er war der jüngste Sohn des serbischen Großžupan Stefan Nemanja und seiner Frau Ana. Sein ältester Bruder Vukan war Župan von Montenegro und Dalmatien (sog. Königreich Dioklitien und Dalmatien; Dalmatien war damals ein überregionaler Begriff und meinte allgemein die ostadriatische Küste, so dass viele Regenten Dalmatien in ihr Herrschaftsgebiet rechneten), sein zweiter Bruder Stefan serbischer Großžupan und ab 1217 serbischer König. Rastko selbst wurde mit 15 Jahren Župan von Zahumlje oder Hum, der heutigen Westherzegowina.

Der damals 16-jährige und tiefgläubige Rastko floh nach Athos, der heutigen Mönchsrepublik in Griechenland. Auf seiner Flucht wurde Rastko von zwei russischen Mönchen unterstützt, die durch Zahumlje reisten. Er trat in das Kloster Aghios Panteleimon ein, wurde Mönch und nahm nach dem hl. Mönch Sabas, dem Gründer des Klosters Mar Saba, den Namen „Sava“ an.

Das erregte in Athos Verwunderung und zugleich Bewunderung für den Fürstensohn, dem schon die Herzegowina zur Herrschaft anvertraut worden war. Sava war nicht nur zutiefst gläubig, er genoss auch eine gute Bildung, und bald wurde Sava einer der führenden Persönlichkeiten der Athos-Bruderschaft. Das Kloster Vatopedi, das damals bedeutendste Athos-Kloster, wählte ihn trotz seiner Jugend zum Abt.

Sein Vater Stefan Nemanja war ein tief gläubiger Mensch, was auch seine Schriften und Botschaften zeigen. 1196 entsagte Stefan Nemanja dem Fürstenthron und folgte seinem Sohn Rastko-Sava auf den Athos. Nun waren Vater und Sohn, Fürst und Fürstensohn, Mönche im Kloster Vatopedi. Stefan Nemanja verstarb 1200 als Mönch Simeon auf dem Athos. Aus seinem Grab wächst eine Traubenrebe, die im Glauben vieler orthodoxer Christen Wunder bewirken kann: Wer im tiefen Glauben von den Trauben dieser Rebe kostet, dem soll bei Kinderlosigkeit geholfen werden können. Das Athos-Kloster Hilandar, von Sava und Simeon 1198 erneuert, bewahrt mehrere Tausend Dankbriefe, wo das Wunder von Simeon dem Mönch (Simeon Mirotočivi) geholfen haben soll.

Auf dem serbischen Fürstenthron wurde von Stefan Nemanja sein zweiter Sohn Stefan Nemanjić eingesetzt, der spätere serbische König Stefan der Erstgekrönte. Nemanjas Erstgeborener Vukan, der die Nachfolge seines Vaters hätte antreten sollen, bekam Montenegro und Teile Dalmatiens. Es war im frühen Serbien nicht üblich, dass der zweite Sohn die Nachfolge antrat, und nachdem Stefan Nemanja verstorben war, lehnte sich Vukan mit Unterstützung vieler serbischer Stammesältester gegen seinen Bruder Stefan auf.

Vukan wurde auch vom Königreich Ungarn und der römischen Kirche unterstützt, während Stefan mehr Sympathien für die Ostkirche zeigte. Stefan wurde vertrieben, kam aber mit bulgarischer Hilfe wieder auf den Thron zurück. Da Stefan Nemanja seinerzeit den bulgarischen Aufstand gegen Byzanz unterstützt hatte, herrschte damals eine tiefe Freundschaft zwischen Serbien und Bulgarien. Die Bulgaren gehörten der Ostkirche an und waren zugleich mit Ungarn befeindet, insofern war es für sie ganz natürlich, dass sie Stefan Hilfe gewährten. Vukan musste sein Vatererbe in Montenegro zurücklassen, bereitete aber erneut einen Aufstand. Das bewirkte, dass Sava um 1208 von Athos nach Serbien zurückkehrte, begleitet von den Gebeinen Stefan Nemanja-Simeons.

Sava beschwor vor den Gebeinen des verstorbenen Vaters seine Brüder zur Versöhnung und schaffte tatsächlich, dass Frieden einkehrte in das von Bruderkriegen ausgeblutete Serbien. Die nächsten Jahre blieb Sava in Serbien und half bei der Überwindung der Wunden des Bürgerkriegs. Diese Jahre gelten als die bedeutendsten in seinem Wirken. 1217 kehrte Sava wieder nach Athos zurück.

Die römische Kirche begann ihre Position in Serbien zu festigen, weswegen orthodoxe Serben auf den Athos kamen und dieses Sava und den anderen Mönchen mitteilten. Das beunruhigte die Athos-Mönche. Die Athos-Mönche saßen Rat und beauftragten Sava, den ökumenischen Patriarchen der Ostkirche um eine eigenständige Kirchenorganisation für Serbien zu bitten. Eine Delegation Athos-Mönche mit Sava unter ihnen reiste 1219 nach Nicäa, wohin der damalige ökumenische Patriarch Manuel I. nach der Eroberung von Konstantinopel ausgewandert war. Patriarch Manuel stimmte dem Vorhaben der Athos-Mönche zu, eine eigene Kirchenorganisation für Serbien ins Leben zu rufen, nur bedurfte es dafür eines Kandidaten. Die Athos-Mönche hatten ihre Wahl schnell getroffen: Sava wurde zum Erzbischof für Serbien und die Küstenländer gewählt und schließlich von Patriarch Manuel geweiht.

1220 folgte die zweite Rückkehr des Sava nach Serbien, diesmal als Erzbischof von Serbien, begleitet von den fähigsten Athos-Mönchen. Dem konnte sich selbst König Stefan nicht widersetzen, oder er wollte es gar nicht. Zu Pfingsten 1221 wurde eine Volksversammlung berufen und Sava als Erzbischof bestätigt. Sava krönte danach seinen Bruder ein zweites Mal zum König, diesmal nach orthodoxem Ritus.

Damit wurde die serbisch-orthodoxe Kirche ins Leben gerufen. Im Grunde entstand die serbisch-orthodoxe Kirche auf dem Athos, unter den Athos-Mönchen, weswegen orthodoxe Serben heute noch sehr eng verbunden sind mit der Mönchsrepublik.

Nach der zweiten Wallfahrt zu den heiligen Stätten und zum Herrengrab in Jerusalem besuchte Sava den bulgarischen Kaiser Iwan Assen II. an dessen Hof in Tarnowo (heute Weliko Tarnowo). Er half dabei den orthodoxen Bulgaren, ihr Patriarchat zu erneuern. Man sieht, dass der heilige Sava wie ein richtiger Apostel Christi auch die geistliche Betreuung anderer Völker und Kirchen übernommen hat und nicht nur die Betreuung der Serbischen Kirche und des serbischen Volkes. Deshalb verehren ihn alle orthodoxen Christen als apostelgleichen Lehrer und Erleuchter.

Sava verstarb in Tarnowo am 14. Januar (einige meinen am 12. oder 13. Januar) 1236 und wurde in der dortigen Zarenkiche „Heilige Vierzig Märtyrer“ beigesetzt. Savas Nachfolger als Erzbischof von Serbien, Arsenije von Syrmien, hat gemeinsam mit dem serbischen König Vladislav die sterblichen Überreste von Sava als Reliquien aus Bulgarien nach Serbien gebracht, trotz anfänglichem Widerstand der bulgarischen Kaiser, und sie im Kloster Mileševa bestattet. Die Osmanen verbrannten 1594 seinen Leichnam bei Belgrad, als Strafmaßnahme auf den serbischen Aufstand von 1593. Doch gelang es ihnen nicht, durch die Verbrennung die Verehrung des heiligen Sava zu unterdrücken.[2]

Wallfahrten nach Palästina[Bearbeiten]

Nach heutigem Wissenstand hat Sava 1229/30 und 1234/35 zwei Palästinafahrten zu den Heiligen Stätten unternommen.[3] Über diese wurde durch die Hilandarmönche Domentijan und Theodosius ausführlich berichtet. Die Anregung zu den Palästinareisen hatte er sicher während seines Aufenthalts ab 1191 auf dem Heiligen Berg Athos von dortigen Jerusalem-Pilgern erhalten (u.a. der von Teodosije erwähnte Protos Dometios mit dem Beinahmen 'Jerusalemer'), unternahm diese jedoch insbesondere zur Absicherung der Autokephalie seiner Landeskirche (seit 1217) durch die östlichen Patriarchen.[4]

Sava hatte über seinen monastischen Namenspatron dem palästinensischen Mönchsvater Sabas eine lebendige Beziehung zum heiligen Land. Domentijan schildert in seiner Sava-Biographie die Palästina-Reisen Savas am ausführlichsten, was vielfach die Vermutung zuläßt, das er diesen begleitet hatte. Seine Pilgerreise begann Sava an der Todes- und Auferstehungsstätte Jesu, in der Grabeskirche. Nach dem ihn der Jerusalemer Patriarch Athanasios II. begrüßt hatte, führte ihn der Weg auf seiner zweiten Reise mit denselben Geschenken wie die Drei Magier zur Geburtsstätte Christi Bethlehem. Danach besuchte er den Saal auf dem Berge Sion. Domentijan schildert wie Sava an allen Pilgerorten eine Liturgie zelebriert, die Himmelfahrtskirche mit den Fußspuren Jesu sowie die Häuser des Zacharias, dem Vater Johannes des Täufers sowie der hl. Joachim und Anna, den Eltern Marias, aufsuchte. Sava besuchte dann das Tempelgelände sowie den Ölberg und den Garten Gethsemani. Weitere Stationen waren die Wüste Jericho (Ort der Versuchung Jesu) und der Jordan (Ort der Taufe Jesu) wie ein längerer Aufenthalt in der Klostergründung seines mönchischen Namenspatrons der Lavra Mar-Saba bei Bethlehem. Hierbei gründete er nach Besuchen in den georgischen und russischen Klöstern ein serbisches (Kirche des hl. Johannes des Theologen). Zum Abschluß reiste er noch auf den Berg Tabor und nach Nazareth.

Werke[Bearbeiten]

Erste Seite des Nomokanons Sava, Manuskript von 1262

Savas bedeutendste Gründungen waren das Athos-Kloster Hilandar (gemeinsam mit seinem Vater Stefan Nemanja), das Kloster Žiča in Serbien (bis 1253 Sitz des orthodoxen Erzbischofs), das Erzengel-Kloster bei Jerusalem (heute nicht mehr existierend), sowie ein Hospital für orthodoxe Pilger in Akkon (auch nicht mehr existierend).

Seine bedeutendsten geschriebenen Werke waren die Viten für seinen verstorbenen Vater Stefan Nemanja, das Typikon, die Klosterregeln, für das Athos-Kloster Hilandar, und 1217 der Nomokanon, das erste geschriebene serbische bürgerliche Gesetzbuch.

Trivia[Bearbeiten]

Der osmanische Großwesir Sinan Pascha, der über die Serben verärgert war, weil sie sich zum Aufstand gegen die Türken erhoben hatten, befahl, dass die sterblichen Überreste des heiligen Sava aus dem Kloster Mileševa nach Belgrad gebracht und auf dem Berg Vračar verbrannt werden. Auf dem Vračar wurde ursprünglich eine dem heiligen Sava geweihte kleine Kirche errichtet. An dieser Stelle begannen 1935 die Bauarbeiten für die Kathedrale Hl. Sava. Nach einem jahrzehntelangen Baustopp, wurde die Kathedrale 2004 eingeweiht.

Von der römisch-katholischen Kirche wurde der heilige Sava im 16. Jahrhundert kanonisiert. In den darauffolgenden Jahrhunderten und im Nationalitätenkonflikt, der auch die Kirchen beeinflusste, geriet Savas Kanonisierung von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger in Vergessenheit und ist ebenso heute vielen orthodoxen und römisch-katholischen Christen nicht bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Gerhard Podhalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien - 865–1459. G. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45024-5, S. 517 ff.
  2. Ekkehard Kraft: Sava. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Band 7, 4. Auflage. Tübingen 2004, ISBN 3-16-149634-5, Sp. 853.
  3. Gerhard Podhalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien - 865–1459. G. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45024-5, S. 517 ff.
  4. Gerhard Podhalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien - 865–1459. G. Beck, München 2000, S. 517.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint Sava – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma