Schadeck (Runkel)

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Schadeck
Stadt Runkel
Wappen von Schadeck
Koordinaten: 50° 24′ 34″ N, 8° 9′ 30″ O
Höhe: 160–230 m
Fläche: 4,65 km²[1]
Einwohner: 1061 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 228 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 65594
Vorwahl: 06482

Schadeck ist ein Stadtteil der Stadt Runkel im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Seinen Namen verdankt es der Burg Schadeck, die 1288 als Trutzburg gegen die Burg Runkel („Ecke zum Schaden der Burg Runkel“) erbaut wurde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild aus Richtung Süden mit dem Schadecker Ortskern (Bildmitte, oben) und den nach Südwesten gestreckten neueren Teilen des Orts sowie Altstadt (Bildmitte, unten) und neueren Teilen (rechts) der Kernstadt Runkel. Gut zu erkennen sind auch das Kerkerbachtal (links), der große Wald nördlich von Schadeck (oben) und ein Teil der Feldgemarkung im Osten (rechts).

Schadeck liegt unmittelbar nördlich der Lahn, gegenüber der Kernstadt Runkel, allerdings mit seinem Ortskern oberhalb eines Steilhangs und damit rund 50 Meter höher als der alte Runkeler Stadtkern. Der Ort befindet sich im Osten des Limburger Beckens, rund sieben Kilometer östlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn.

Heute hat Schadeck das extrem langgezogene Ortsbild eines fast zwei Kilometern langen, nach Süden geöffneten Bogens, größtenteils in Hanglage. Grund dafür sind Neubaugebiete, die sich vom Ortskern aus vornehmlich in Richtung Südwesten ausgedehnt haben. Im Nordosten ist der Ort fast mit den rechtslahnischen Teilen der Kernstadt Runkel zusammengewachsen, an seiner südöstlichen Spitze geht er in das ebenfalls zur Kernstadt gehörende Gewerbegebiet „Kerkerbach“ über.

Die Gemarkung ist grob dreieckig geformt, mit Spitzen nach Westen, Süden und Nordosten. Sie grenzt im Westen an Steeden, im Norden an Hofen und den Runkeler Wald, der zur Kernstadt gehört, im Osten an Arfurt, im Süden an den Hauptort der Nachbargemeinde Villmar, zu dem die Lahn die Grenze bildet, und im Süden an die Kernstadt Runkel. Der Ort selbst erstreckt sich von 130 bis 185 Metern Höhe. Östlich des Hangs, auf dem der Ort liegt, schließt sich vergleichsweise flaches Gelände an, das erst nahe der Lahn wieder deutlich abfällt. Nördlich des alten Dorfkerns steigt das Gelände noch einmal deutlich an und erreicht bis zu 230 Meter Höhe. Da sich der Kerkerbach in seinem deutlich eingeschnittenen Tal in einiger Entfernung nordwestlich des Orts entlang fließt, weist der gesamte westliche Gemarkungsteil erhebliche Höhenunterschiede auf, so dass die dort mit Häusern bebaute Fläche den Charakter eines Höhenzugs erhält.

Die Gemarkung ist vor allem von landwirtschaftlicher Fläche bedeckt, die nahezu den gesamten östlichen Teil mit seinen geringen Höhenunterschieden einnimmt. Dort ist nur der Hang zur Lahn hin mit Wald und Gebüsch bewachsen. Westlich und nördlich des Orts lassen die deutlichen Höhenunterschiede oft nur Grünlandwirtschaft zu. Dort wird zudem Fläche von der Aue des Kerkerbachs sowie von Mischwald beansprucht. Letzterer geht in ein großes Waldgebiet nordöstlich Schadecks über, das aber größtenteils zu den Gemarkungen anderer Runkeler Stadtteile gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Schadeck wurde von 1276 bis 1288 im Verlauf von Erb- und Besitzstreitigkeiten von „Heinrich von Westerburg“ als Trutzburg gegen die Burg Runkel erbaut, die sich seinerzeit im Besitz eines Vetters befand. Eine Eroberung der Burg Runkel fand jedoch nicht statt.

Während des Burgenbaus wurde auch eine kleine Siedlung von rund 35 Häusern innerhalb der weiteren Befestigungsanlagen aus Gebück und Landwehr um die Burg herum angelegt. 1288, das Fertigstellungsjahr der Burg, ist zugleich auch das Jahr der urkundlichen Ersterwähnung des Orts Schadeck. Bereits 1321 fiel die Burg an das Kurfürstentum Trier, das allerdings das Haus Westerburg dort beließ, nun aber als Lehnsnehmer auf dem vorherigen Eigengut. Es scheint kurz darauf Versuche der Westerburger Herren gegeben zu haben, die Lehnshoheit abzuschütteln. Im Jahr 1344 eroberte jedoch der Trierer Erzbischofs Balduin die Feste im Verlauf einer Kampagne zur Absicherung und Erweiterung seiner rechtsrheinischen Gebiete. Offenbar blieb das Haus Westerburg aber auf der Burg präsent, nun aber endgültig als kurtrierische Vasallen. 1346 erhielt Schadeck von König Karl IV. Stadtrechte nach Frankfurter Vorbild. Kurz darauf wurde eine Stadtmauer mit zwei Toren errichtet. Überreste des westlichen Teils dieser Mauer sind heute noch in einigen Hausfundamenten zu erkennen.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheint Schadeck Sitz eines kurtrierischen Amts gewesen zu sein. Ein Schultheiß für den Ort ist erstmals 1466 verbürgt. Sein Zuständigkeitsbereich dürfte auf den Ort selbst, einige wenige benachbarte trierische Besitzungen in den Orten Aumenau, Fürfurt, Ennerich und Oberrechen sowie das mit Runkel geteilte Gericht Wenigenvillmar beschränkt gewesen sein.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort 1626 von kaiserlich-wallensteinischen Truppen unter General Görzenich erobert, alle Anwohner vertrieben und die äußeren Mauern der Burg geschleift. 1628 scheint es erneut zu einer kurzen Besetzung der Burg gekommen zu sein.

Neben einer kleinen Kapelle in der Burg wurde 1429 ein eigenes Kapellengebäude im Burghof errichtet, das auch als Gotteshaus des Orts Schadeck diente. Es handelte sich um eine Filiale der Pfarrei Villmar. 1561 wurde die Reformation in Schadeck eingeführt. Für 1639 sind die ersten Juden nachgewiesen. 1682 begann der Bau einer Kirche auf dem inzwischen zugeschütteten Burggraben. 1691 wurde das Gotteshaus geweiht. Das Kapital für die Fertigstellung stammt aus dem Vermögen von Magdalene Sophie von Hohenlohe, der Verlobten von Graf Johann Anton zu Leiningen-Westerburg. Als sie kurz vor der geplanten Trauung starb, vermachte sie ihrem Bräutigam 13.000 Taler. Mit diesem Geld löste Johann Anton die verpfändeten Besitzungen seiner Familie an der Lahn aus, darunter auch Burg Schadeck, auf der er 1655 geboren worden war. Aus dem verbliebenen Rest des Erbes finanzierte er die Fertigstellung der Kirche.

Am 8. Juni 1765 brannten nach einer langen Trockenheit und durch einen Blitzschlag 56 Häuser und damit nahezu der gesamte Ort ab. Nach dem Feuer gelobte die Gemeinde, diesen Tag als Gedenktag zu begehen. Bis heute werden in Schadeck am 8. Juni aufgrund dieses Gelöbnisses drei Gottesdienste gefeiert. 1796 kam es während der Koalitionskriege mehrfach zu Plünderungen durch französische und österreichische Soldaten.

1803 wurden weitere Teile der Burganlage geschleift. 1812 verkaufte Graf Friedrich von Leiningen-Westerburg einen Großteil seiner Besitzungen und Rechte in und um Schadeck, darunter auch die Burg. Mehrheitlich traten Schadecker Einwohner als Käufer auf. Nach der Gründung des Herzogtums Nassau wurde Schadeck 1815 dem Amt Runkel angegliedert. Ab 1821 beherbergte der Westflügel der Burg das Bürgermeisteramt der Gemeinde und etwa ab 1850 befand sich im zweiten Stock die Gemeindeschule. 1843 entstand eine 205 Stufen umfassende Treppe, die über den steilen Felsenhang eine Verbindung zwischen Runkel und Schadeck herstellte. 1965 entstand ein Feuerwehrhaus.

Die 1888 westlich von Schadeck in Betrieb genommene Kerkerbachbahn bot bis zu ihrer Stilllegung 1958 einen direkten Eisenbahnanschluss an die Lahntalbahn und im frühen 20. Jahrhundert für kurze Zeit in den Westerwald bis Mengerskirchen. Die Schmalspurbahn diente überwiegend dem Transport von Bodenschätzen, ihre Bedeutung für den Personenverkehr war gering. Der Haltepunkt lag außerhalb des Dorfes bei einer Gaststätte im Tal. Heute ist der Bahndamm ein ausgebauter Radwanderweg.

Traditionell handelte es sich bei Schadeck um ein von Landwirtschaft geprägtes Dorf. Für das 19. Jahrhundert sind in der Gemarkung kleinere Marmorbrüche, eine ebenfalls kleine Eisensteingrube und geringfügiger Weinanbau überliefert.

Am 1. Dezember 1970 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Schadeck in die Stadt Runkel eingegliedert.[3]

Im Jahr 2002 wurde das „Haus der Vereine“ fertiggestellt.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Schadeck unterstand im Überblick:[1][4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für 1822 sind in Schadeck 385 Bewohner verzeichnet, 1854 waren es 488 Einwohner, davon 468 evangelisch, 14 jüdisch und sechs katholisch. 1987 hatte Schadeck 916 Einwohner. Der Anteil der Katholiken ist nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich gestiegen, dennoch bleibt Schadeck bis heute ein mehrheitlich evangelischer Ort.

Schadeck: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
436
1840
  
442
1846
  
438
1852
  
461
1858
  
503
1864
  
536
1871
  
492
1875
  
494
1885
  
490
1895
  
439
1905
  
462
1910
  
502
1925
  
466
1939
  
499
1946
  
738
1950
  
730
1956
  
664
1961
  
650
1967
  
645
1970
  
715
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 480 evangelische, 3 katholische Einwohner
• 1961: 549 evangelische, 65 römisch-katholische Einwohner

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1948 ist der Gemeinde vom Hessischen Minister des Innern das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältester Schadecker Verein ist der Gesangverein „Concordia“, gegründet 1878. Zudem existiert seit 1901 der Turnverein und seit 1933 die Freiwillige Feuerwehr Schadeck (seit 26. Juni 1993 mit ihrer Jugendfeuerwehr). Dazu kommen ein Kleintierzuchtverein, ein Heimatverein und die „Landsknechte“, ein Verein, der historisches Reenactment mit Schwerpunkt auf die Epoche des Dreißigjährigen Kriegs betreibt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Wißmann (1818–1884), Verwaltungsbeamter und Politiker, in Schadeck geboren

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schadeck – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Schadeck, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Runkel: „Zahlen und Fakten“, abgerufen 8. März 2018.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 372.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Schadeck, Oberlahnkreis vom 12. Juni 1948. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1948 Nr. 26, S. 261, Punkt 295 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,7 MB]).