Eschenau (Runkel)

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Eschenau
Stadt Runkel
Koordinaten: 50° 26′ 11″ N, 8° 10′ 30″ O
Höhe: 155 m ü. NHN
Fläche: 2,6 km²
Einwohner: 275 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 65594
Vorwahl: 06482

Eschenau ist der kleinste Stadtteil von Runkel im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke über den Kerkerbach in der Ortsmitte

Eschenau liegt im Nordosten des Limburger Beckens, rund 3,5 Kilometer nordöstlich der Kernstadt Runkel und rund zehn Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Der Ort wird von dem aus Richtung Nordosten kommenden Kerkerbach durchflossen.

Die Gemarkung ist in Ost-West-Richtung gestreckt. Sie grenzt im Westen an Niedertiefenbach, im Norden an Schupbach (beides Ortsteile von Beselich), im Osten an ein Waldstück, das zur Kernstadt Runkel gehört und im Süden an den Nachbarstadtteil Hofen. Die Grenze verläuft hier etwa einen Kilometer entlang der Runkeler Straße (L 3020). Der Ort selbst liegt auf rund 160 Metern Höhe im Osten der Gemarkung. Das Gelände steigt an den Hängen des Kerkerbachtals zunächst steil, dann weiter sanft nach Norden und Westen an. In der nordwestlichsten Ecke der Gemarkung werden rund 250 Meter Höhe erreicht. Die Gemarkung wird größtenteils von landwirtschaftlich genutzter Fläche im Westen geprägt. Der große Mischwald, an dessen Ostrand Eschenau liegt, gehört größtenteils zu den Gemarkungen der benachbarten Orte. Auf Eschenauer Gebiet selbst befindet sich lediglich einige kleinere Waldstücke südwestlich des Orts und östlich des Kerkerbachs, sowie die Aue des Kerkerbachs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Niederlassung geht auf einen Gutshof der Herren von Runkel zurück.

Ortsadel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschenauer Mühle, früher Sitz der Adelsfamilie, links im Bild der älteste Teil der Anlage

Eschenau war der Sitz einer niederadligen Familie. Erstmals verbürgt ist sie für 1220 mit der Nennung eines Herrmann von Eschenau, bei dem es sich um einen Burgmann der Burg Runkel handelte. Ein zumindest lückenhafter Stammbaum des Geschlechts lässt sich aber erst ab 1264 mit der Nennung eines F. von Eschenau anlegen. Ein Festes Haus am Ortsrand war der Sitz des Geschlechts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor die Anlage bei einem Umbau ihren Turm und den größten Teil der übrigen befestigten Gebäudeteile. In Eschenau selbst scheint die Familie schon bald erloschen zu sein. Die letzte Überlieferung nennt 1289 einen Heinrich von Eschenaus. Die Grafen von Diez übernahmen den befestigten Sitz der Familie. Spätestens 1316 war er zu einer Mühle umgewandelt. 1376 fiel die Mühle an die Herrschaft Runkel, 1612 an Westerburg und 1648 an Wied-Runkel. 1734 übernahm der Müllermeister Christoph Becker das Anwesen in Erbpacht. Seine Nachkommen sind heute die Besitzer der Immobilie, die durch weitere Gebäude ergänzt wurde. Bis 1960 war die Mühle in Betrieb, heute beherbergt das Gebäude einen Nebenerwerbs-Bauernhof.

Verwandte der Adelsfamilie gehörten dem Patriziat der Stadt Limburg an. Diese Familie Eschenauer ist 1322 erstmals genannt. 1367 stiftete ein Klaus Eschenauer einen Nikolaus-Altar im Limburger Spital, was ihn als wohlhabenden Bürger der Stadt ausweist. Die Familie wies Heiratsverbindungen innerhalb des Limburger Stadtadels und zum Niederadel der umliegenden Region auf. Zahlreiche Mitglieder scheinen Münzer gewesen zu sein. Außerdem sind Träger des Schöffen- und des Schultheißenamts verbürgt. Als letztes Mitglied wird zwischen 1491 und 1493 ein Kuno von Eschenau genannt, der kurz darauf gestorben sein muss. Eine Margarete von Eschenau verkaufte am 9. Februar 1527 zusammen mit ihrem Ehemann Peter Stumpf, Vogt zu Simmern, Güter zu Baldeneck und Buch an den Erzbischof von Trier.[2]

Eine Episode aus der Limburger Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen verarbeitet der spätere Literaturnobelpreisträger Paul Heyse zu der Novelle Bruder Siechentrost. Dort lässt er die Patrizierfamilie Eschenau auftreten, allerdings mit dichterischer Freiheit als Leinenwebersippe.

Johanniter-Niederlassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle

Um 1303 errichtete Bela von Runkel auf diesem Gut eine Kapelle, die sie vermutlich unter dem Einfluss ihres Neffen Heinrich von Runkel, Komtur von Nidda, in den Jahren 1316 dem Johanniterorden übertrug. Zuvor hatte Heinrich von Runkel in Eschenau einige Güter erworben, um damit diese Niederlassung auszustatten. Die wirtschaftliche Basis dieses Ordenshauses war sehr schmal, da das Gebiet an der Lahn stark mit Klöstern und Stiften durchsetzt war. Außerdem waren die Herren von Runkel nicht in der Lage, dem Ordenshaus durch umfangreiche Schenkungen einen gesicherten Bestand zu garantieren. Die Stifterin Bela bedachte zudem in ihrem Testament nicht die Johanniter, sondern vermachte ihre Güter Angehörigen ihrer Familie. Einen Versuch zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage machte 1332 der Comtur Conrad Wambold von Niederweisel, der dem in eine Notlage geratenen Dietrich von Runkel seine Güter in Eschenau, allerdings gegen die Zusicherung des Einlösungsrechtes, abkaufte. Die Niederlassung wurde der Kommende Niederweisel unterstellt. Die letzte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1336, und bereits 1341 waren in Eschenau keine Johanniter mehr anzutreffen. Dietrich von Runkel scheint also bald nach 1336 seine Güter wieder zurückgekauft zu haben. Dadurch war die wirtschaftliche Grundlage des Hauses weiter verringert worden und der Orden verkaufte seine Güter in Eschenau.

Feuerlöschwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten die sechs Gemeinden Obertiefenbach, Heckholzhausen, Gaudernbach, Wirbelau, Eschenau und Schupbach einen Löschbezirk. Bei ausbrechendem Brand hatten sofort bestimmte Einwohner mit vier angeschirrten Pferden die in Schupbach stationierte Feuerspritze zu holen.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Eschenau unterstand im Überblick:[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[4]

  • 1840: 203 Einwohner
  • 1905: 219 Einwohner
  • 1939: 205 Einwohner
  • 1961: 285 Einwohner
  • 1970: 265 Einwohner
Eschenau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
203
1840
  
203
1846
  
203
1852
  
224
1858
  
230
1864
  
255
1871
  
237
1875
  
217
1885
  
235
1895
  
216
1905
  
219
1910
  
214
1925
  
211
1939
  
205
1946
  
290
1950
  
304
1956
  
276
1961
  
285
1967
  
265
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einziger Ortsverein ist die im Jahr 1934 gegründete Freiwillige Feuerwehr Eschenau, zu der die am 12. Mai 2001 gegründete Jugendfeuerwehr gehört. Ein Turnverein ist gleichermaßen im Nachbarort Hofen und in Eschenau aktiv. Zusammen mit Schadeck bilden die beiden Orte zudem eine Fußball-Spielgemeinschaft. Es existiert ein Singkreis, der jedoch kein eingetragener Verein ist.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschenau verfügt über ein 1902 erbautes Gemeinschaftshaus und ein heute noch funktionsfähiges Backhaus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eschenau – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Runkel: „Zahlen und Fakten“, abgerufen 19. Dezember 2017.
  2. LHA Ko Best. 1A Nr. 9372
  3. Franz-Josef Sehr: Das Feuerlöschwesen in Obertiefenbach aus früherer Zeit. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1994. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1993, S. 151–153.
  4. a b Eschenau, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 14. Oktober 2016)
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990