Schlacht bei Abbeville

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Die Schlacht bei Abbeville fand vom 28. Mai bis 4. Juni 1940 statt. Zur gleichen Zeit räumten während der Schlacht von Dünkirchen die Engländer den Kontinent. Die Alliierten profitierten davon, dass die gepanzerten deutschen Truppen einige Zeit einen Haltebefehl hatten. Nachdem General Maurice Gamélin (1872–1958) am 19. Mai (rund eine Woche nach dem Beginn des deutschen Angriffs) seines Amtes enthoben worden war – sein Tun und Lassen trug entscheidend zur schnellen Niederlage an der Westfront bei – wurde General Maxime Weygand (1867–1965) sein Nachfolger als Generalstabschef. Er versuchte, um jeden Preis einen Weg freizukämpfen, um aus Abbeville herauszukommen.

Ziele[Bearbeiten]

Ziele der Alliierten[Bearbeiten]

Weygand gab mehrere offensive Tagesbefehle:

  • die noch freien Häfen von Dieppe, Le Havre und Rouen zu schützen (wohingegen Calais, Boulogne-sur-Mer und Dünkirchen eingekesselt waren und alle kurz vor dem Fall standen)
  • die Deutschen aus ihrem Brückenkopf zurückzudrängen, um später eine Verteidigungslinie an der Somme – die „ligne Weygand“ – errichten zu können.

Man kann diese Idee vergleichen mit dem 'Wunder an der Marne' im Jahr 1914, als der deutsche Vormarsch an der Marne zum Stehen kam und die Franzosen sie dort lange 'in Schach halten' konnten. Weygand versuchte so, die damaligen Züge von Joffre nachzuahmen. Man versuchte, eine stabile dichte Front zu schaffen; es war nicht das Ziel, den Gegner durch direkte Angriffe zu destabilisieren.

Ziele der Deutschen[Bearbeiten]

Die Wehrmacht hatte das Ziel, die Flanken ihrer gestoppten Einheiten zu sichern, die kämpften und – allerdings mehr im Norden – zur Einnahme der Häfen beitrugen. Dazu genügte ihnen ihr Ufer der Somme; ihnen schadete es nichts, wenn die Franzosen den Fluss überschritten. Das OKH stand vor der belastenden Frage, ob man Verluste in Kauf nehmen sollte, um den Brückenkopf zu halten. Für den Fall Rot (Eroberung Frankreichs im Zuge des Westfeldzugs) waren die Brücken von Abbeville keine bevorzugten Routen für die Deutschen; ihr Schwerpunkt lag weiter östlich. Man kann also sagen, dass Abbeville für die Franzosen wichtiger war als für die Deutschen.

Truppen[Bearbeiten]

Alliierte Seite[Bearbeiten]

Weygand verfügte – aus dem, was von seinen Einheiten übrig war – über 400 Panzer; diese waren aufgeteilt zwischen der 1st Armoured Division, die in der Normandie geblieben war, der 4. DCR von De Gaulle und der 2. DCR von Colonel Perré. Nach dem Fehlschlag der Schlacht bei Montcornet und dem Angriff im Sektor Crécy-sur-Serre war die 4. DCR frisch aufgefüllt worden. Er erhielt auch die 5. Britische DI unter General Fortune, die aus der Lorraine kam.

Deutsche Seite[Bearbeiten]

Gegenüber, auf dem Mont Caubert, standen Einheiten der 57. Infanterie-Division[1]. Sie waren ausgerüstet mit 37-mm-Kanonen, 88-mm-Flakkanonen sowie Batterien von Kaliber 105 und 150 mm.

Die Schlacht[Bearbeiten]

Panzerschlacht[Bearbeiten]

Anstatt alle seine Panzer gleichzeitig gegen die deutschen Panzer antreten zu lassen, führte Weygand drei Angriffe nacheinander. Es war die bis dahin größte alliierte Panzerattacke des Westens seit dem Beginn des Krieges.

Die 57. hielt dem Vorstoß stand; sie war auf ihren Verteidigungspositionen gut installiert. Die Engländer verloren 66 Panzer und zogen sich am 27. Mai zurück. De Gaulle versuchte den Mont Caubert zu nehmen und attackierte drei Tage nacheinander mit 190 Panzern, dem 22. Kolonie-Infanterieregiment und 1200 dragons portés (Dragoner ?).

Die Alliierten verloren in diesen Schlachttagen 260 Panzer und 200 Mann; auf deutscher Seite gab es 1200 Tote. Der Angriff zeigte, dass sogar eine Panzerattacke manchmal von Infanterie aufgehalten werden kann, wenn die Infanterie gut aufgestellt und mit Panzerabwehrkanonen (PAK) ausgerüstet ist. Es zeigte sich, dass nur die Acht-Acht die Panzerung der schweren britischen Panzer vom Typ Matilda II durchschlagen konnte. Die Deutschen verwendeten diese Verteidigungstechnik vier Jahre später erneut, nämlich am 18. Juli 1944 bei der Schlacht um Caen.

Folgen und Fazit[Bearbeiten]

Die Schlacht bei Abbeville gilt als ein tatsächlicher Erfolg. Dünkirchen fiel gleichwohl (schon) am 4. Juni. Die Schlacht allein reichte nicht, um das Kriegsglück zu wenden. Mit Blick auf die baldige Kapitulation Frankreichs – am 22. Juni 1940 in Compiègne – war die Schlacht nur eine Episode.

Henri de Wailly war in seinem Buch De Gaulle sous le casque noch strenger: er verglich die Sturheit de Gaulles, die Front am Mont Caubert zu attackieren mit der Sturheit der französischen Ritter in der Schlacht von Crécy 1346.

Sonstiges[Bearbeiten]

General de Gaulle wurde am 24. Mai zum Brigadegeneral ernannt; die Ernennung trat zum 1. Juni in Kraft.

Nach der Schlacht von Abbeville wurde de Gaulle mit den folgenden Worten im Armeebefehl zitiert:

„Le 7 mai 1940, à peine formée, la 4. DCR, sur les ordre du colonel de Gaulle a été jeté dans la bataille. Isolée de toute unité combattante au nord de l'Aisne au cours d'actions sur Montcornet, Crécy-en-Serre et dans les massif de Laon, a pris l'ascendant sur l'ennemi. Quelques jours plus tard, par une série de fougueuses attaques, a arrêté l'ennemi débouchant d'Abbeville ... La 4. DCR a bien mérité de la Patrie.“

(etwa: gerade erst formiert wurde die 4. DCR unter Befehl von Colonel de Gaulle in die Schlacht geworfen. Im Norden der Aisne von jeder mitkämpfenden Einheit isoliert – im Zuge der Aktionen auf Montcornet, Crécy-en-Serre und im Massiv von Laon – nahm sie den aufsteigenden Weg zum Feind. Einige Tage später hat sie durch eine Serie von heftigen Attacken den Feind gestoppt, der aus Abbeville herauskam. ... Die 4. DCR hat sich sehr um das Vaterland verdient gemacht).

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Henri de Wailly schrieb « étirée en pelure d'oignon sur plusieurs dizaines de kilomètres" (etwa: dünn wie eine Zwiebelschale über Dutzende von Kilometern auseinandergezogen)