Schloss Fürstenau (Fürstenau)

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Ansicht von Westen

Schloss Fürstenau in Fürstenau ist eine ehemalige Landesburg des Fürstbistums Osnabrück, die im 14. Jahrhundert gegründet wurde und im 16./17. Jahrhundert als Residenz des Fürstbischofs diente. Es wird als Verwaltungssitz der Stadt und Samtgemeinde Fürstenau genutzt. Im Südflügel befindet sich die Pfarrkirche St. Katharina der katholischen Kirchengemeinde Fürstenau, die dem Dekanat Osnabrück-Nord des Bistums Osnabrück angehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Osten auf das Portal der Durchfahrt zum Innenhof
Blick vom Innenhof durch das Portal nach Osten auf die Brücke und die Wirtschaftsgebäude

Frühere Burganlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind zwei frühere Burganlagen überliefert: Eine Burg Fürstenberg, über die nichts Näheres bekannt ist, sowie eine Burg an der Segelfort (auch Segelforth, Segelfahrt) bei der seit 1972 zu Fürstenau gehörenden Ortschaft Settrup, etwa 3 Kilometer südwestlich des späteren Schlosses.[1] Letztere ließ Fürstbischof Ludwig von Ravensberg um 1300 als Stützpunkt für den Norden seines Territoriums errichten. Dies führte zum Streit mit Graf Otto IV. von Tecklenburg-Ibbenbüren, der 1308 mit der Schlacht auf dem Haler Feld (bei Halen) endete.[1] Als Folge der Friedensverhandlungen wurde die Burg geschleift.[2]

Die Stiftsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Fürstbischof Gottfried von Arnsberg wurde um 1335 die Stiftsburg erbaut. Aus der Vorburg östlich davon entwickelte sich die Ortschaft Fürstenau, die 1402 zum Weichbild erhoben wurde. Auf einem Siegel aus dieser Zeit wird die Burg als Bergfried mit angrenzendem Wohnhaus dargestellt.[1]

Zunächst mit einem Pfahlwerk gesichert, wurde die Burg nach mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen unter Bischof Konrad III. von Diepholz (1455–1482) mit Wällen und Gräben befestigt. Konrad IV. von Rietberg (1482–1508) und Erich von Braunschweig-Grubenhagen (1508–1532) ließen zusätzliche Gebäude errichten, wodurch die Anlage zunehmend den Charakter eines Schlosses erhielt.[2] Johann IV. von Hoya (1553–1574) ließ die Festungswerke weiter ausbauen und Gärten anlegen. Er wählte Fürstenau als dauerhafte Residenz und erhob die Burg 1556 zur Hauptfestung des Fürstbistums Osnabrück.[1]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Fürstenau ab 1633 mehrmals von protestantischen Truppen eingenommen, zunächst jedoch stets von den Kaiserlichen zurückerobert. Im Juni 1647 wurde das Schloss nach einwöchiger Belagerung an die Schweden übergeben.[2] Nach dem Krieg verlor Fürstenau seine Bedeutung sowohl als Festung als auch als Regierungssitz. Die Fürstbischöfe residierten nun in Iburg oder später im neu erbauten Osnabrücker Schloss. Schloss Fürstenau verfiel in der Folgezeit. Um 1750 wurden die Stadtwälle abgetragen, der Schlossgraben wurde trockengelegt.[1]

Nach der Eingliederung des Fürstentums Osnabrück in das Königreich Hannover wurde der Südflügel des Schlosses mit dem Bergfried 1817 zur Pfarrkirche für die 1789 gegründete katholische Gemeinde umgebaut und der heiligen Katharina geweiht.[3] In den anderen Flügeln wurden das Amtsgericht Fürstenau und Dienstwohnungen untergebracht.[1] Seit 1977 sitzt dort die Verwaltung der Samtgemeinde.[4]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die restaurierte Nordostbastion von Süden

Der Burgkomplex ist auf fast quadratischem Grundriss von Gräften umgeben und war ursprünglich nur über eine Brücke von Osten zugänglich. In den vier Ecken sind Überreste von Rondellen erhalten.[5] Im Nordosten und Südwesten befanden sich runde, mehrgeschossige Bastionen, die durch unterirdische Gänge mit dem Hauptgebäude verbunden waren. In der Nordwest- und Südostecke bestanden runde Erdwerke.[2] Die um 1527 erbaute Nordostbastion wurde restauriert und kann seit 1993 besichtigt werden.[6]

Das Schlossgebäude befindet sich in der Mitte der Anlage und besteht aus vier Flügeln und dem Bergfried. Nord-, Ost- und Südflügel wurden in der Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance aus Bruchstein gefertigt. An der Wand des Südflügels zum Innenhof befindet sich ein Wappen des Fürstbischofs Johann IV. von Hoya mit der Jahreszahl 1555.[2] Die Fenster wurden in der Barockzeit verändert.[5] Der Westflügel wurde 1974 hinzugefügt, er wurde auf den Fundamenten des alten Wehrgangs errichtet.[4][5]

Im Ostflügel (Torflügel) bildet ein rundbogiges Portal die Durchfahrt in den Innenhof. Über dem Portal befindet sich eine Giebelverdachung mit dem Wappen des Fürstbischofs Heinrich von Sachsen-Lauenburg (1574–1585), in der Durchfahrt ein Tonnengewölbe.[5][2]

Der Bergfried steht auf einem eigenen Fundament an der Westseite des Südflügels und besteht ebenfalls aus Bruchstein.[2] Ein Wappen des Bischofs Konrad III. von Diepholz trägt die Jahreszahl 1473.[1] Die Turmhaube stammt von 1630.[3]

Von den Wirtschaftsgebäuden, die sich innerhalb des Burgkomplexes befanden, sind zwei Fachwerkhäuser östlich des Torflügels erhalten[5], die als Ställe dienten. Nördlich des Nordflügels steht das 1720 erbaute ehemalige Gefangenenhaus, das bis 1971 als Gefängnis des Amtsgerichts genutzt wurde. Es wurde 2002 restauriert.[7]

Die Schlosskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Südwesten mit Nordflügel, Westflügel, Bergfried und Südflügel mit angefügtem Seitenschiff (von links)

Die Pfarrkirche St. Katharina befindet sich im Südflügel des Schlosses. Als Kirchturm dient der Bergfried, die Sakristei ist in der früheren Schlosskapelle in dessen Erdgeschoss untergebracht. 1924 wurde ein Seitenschiff nach Süden angebaut und die Katharinenkirche somit zu einer zweischiffigen Hallenkirche erweitert. Im Seitenschiff befindet sich eine Taufkapelle. 1988 wurde die Kirche renoviert.[3]

Zu den älteren Ausstattungsgegenständen gehören der barocke Hochaltar und die Kommunionbank aus der Zeit um 1700, die aus dem säkularisierten Franziskanerkloster in Rheine stammen und 1900 durch den Tischlermeister Heinrich Mensing stark verändert wurden. Ebenfalls um 1700 wurde die Pietà aus Sandstein geschaffen, wie die des Klosters Malgarten wahrscheinlich von Thomas Simon Jöllemann. Die Kanzel wurde um 1760–1770 gefertigt, aus dem 18. Jahrhundert stammen außerdem mehrere Heiligenfiguren sowie ein Relief, das die Taufe Christi zeigt.[5] In der Ostwand der Sakristei befindet sich ein mit 1574 bezeichneter Kamin.[2] Zelebrationsaltar und Ambo wurden 1989 zum 200-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde angeschafft.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück, Osnabrück 1930, S. 319 ff.
  • Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bremen/Niedersachsen, Neubearb., stark erw. Aufl., München/Berlin 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 480 f.
  • Arnold Nöldeke: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, IV. Regierungsbezirk Osnabrück, 3. Die Kreise Wittlage und Bersenbrück (Heft 13 des Gesamtwerkes), Hannover 1915, S. 119 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Fürstenau (Landkreis Osnabrück) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag von Stefan Eismann zu Schloss Fürstenau in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g v. Bruch, S. 319 ff.
  2. a b c d e f g h Nöldeke, S. 121 ff.
  3. a b c d Samtgemeinde Fürstenau: Katholische Kirche
  4. a b Samtgemeinde Fürstenau: Schlossinsel
  5. a b c d e f Dehio, S. 480 f.
  6. Samtgemeinde Fürstenau: Nord-Ost-Bastion
  7. Samtgemeinde Fürstenau: Amtsgefängnis

Koordinaten: 52° 30′ 58″ N, 7° 40′ 22″ O