Schloss Niederwinzer

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Ort und Schloss Niederwinzer von Hans Georg Bahre (1638)
Ehemaliges Brauhaus des Schlosses Niederwinzer
Tafel am Haus Nürnberger Straße 234; Inschrift: Maximilian Alban Haidt, Pfleger des Teutschenhaus zu Regensburg, und Maria Eleonora sein Ehefrau haben diese Tafern bauen lassen Anno 1689

Das abgegangene Schloss Niederwinzer befand sich im Ortsteil Winzer der oberpfälzischen Stadt Regensburg in Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird 1314 ein befestigter Sitz zu Winzer genannt. Damals befreien die Herzöge Rudolf und Ludwig den Ritter Polwein (Paldwein) Winzerer und dessen Veste Nider-Wintzer wegen seiner Leistungen bei der Schlacht von Gammelsdorf für alle Zeiten von allen Steuern und Leistungen. Der Ritter Polwein war auch berechtigt, Bier in Fässern an Wirte in und außer Landes zu verkaufen. Die Burg muss also schon vor 1313 bestanden haben und ihr Inhaber stand in Diensten der Wittelsbacher. Die Burg war aber kein Lehen der bayerischen Herzöge, sondern galt als Allodialgut.

Die drei Geschlechter der Wintzerer in Bayern haben unterschiedliche Stammsitze: einer lag im niederbayerischen Hengersberg, ein anderer im schwäbischen Mindelheim. Angehörige der Familie der oberpfälzischen Winzer ist vermutlich eine Alheidis de Wintzer, die im Schenkungsbuch von Obermünster aufscheint. Im Schenkungsbuch von Kloster Sankt Emmeram wird unter dem Abt Peringer II. (1177–1201) ein Ödalricus (Ulrich) de Winzere, Bruder der Pertha de Winzere, genannt. In diesem Kloster erscheint als 33. Abt ein Heinricus von Wünzer (1305–1312). Ein Wernher de Winzere legt 1300 gegenüber diesem mit ihm verwandten Abt ein Leibgedingbekenntnis wegen eines Hauses und einer Hofstätte in Regensburg ab. 1311 bestätigt Herzog Rudolf dem Regensburger Bürger Heinricus von Winzer, dem Sohn Ulrichs von Wünzer († vor 1311) einen Weingarten zu Mühlwinzer als Lehen. Um diese Zeit lebt auch eine Euphrosina (Offmey) von Winzer (1314–1333) als Äbtissin des Reichstiftes Niedermünster, zwei weitere Angehörige waren in diesem Kloster Stiftfrauen, und zwar Osanna Petrissa und Catharina von Winzer. Ein dominus Englbrecht von Winzer taucht zwischen 1316 und 1344 in den Urkunden auf. 1335 wird in einem Kaufvertrag zwischen dem Abt von St. Emmeram Albert und dem Ruger dem Wintzerer von Winzer mit Einwilligung Werher des Wintzerers und dessen Sohn Paldwein ein Weinberg hinter dem Turm erwähnt, der ohne Zweifel Teil der Veste Winzer war. Wernher der Wintzerär erscheint 1320 mit seiner Frau Katharina als Siegler und als Gerichtsherr. Wernher und seine Söhne Rüger und Baldwein verkaufen 1320 auch mehrere Äcker an das Prüfeninger Siechenhaus. Ein Rüdiger der Wintzerer wird auch 1336 genannt, seine Ehefrau Osanna 1333. Zudem wird in Eilsbrunn der Pfarrer Balduin Winzerer 1341 genannt. Ein weiterer Angehöriger dieser Familie war um 1340 der dominus Heinrich von Wintzer der pfarrer. Genannt werden 1334 des Weiteren ein Ulrich der Wintzerär und sein Sohn Heinrich, der zusammen mit seiner Schwester einen Weinberg in Pacht erhielt.

Ein bedeutender Vertreter dieser Familie war her Heinrich der Wintzerer, Wachtmeister zu Westen, d. h. in der Westenvorstadt von Regensburg. Dessen Frau hieß Offmey; seine Söhne Heinrich und Ruger ließen sich 1351 in Wien eine Verunglimpfung zweier Passauer Pfarrer zu Schulden kommen, so dass ihr Vater dafür Schadensersatz leisten musste. Die Wintzerer besaßen auch den Pühelhof zu Saalhaupt. Die Winzerer hatten das hochstiftische Erbmarschallamt als Afterlehen inne und sie waren vermutlich ebenso Erbtruchsesse des Hochstiftes Regensburg. Mitte des 14. Jahrhunderts verschwinden die Winzerer aus den Regensburger Urkunden. Im Friedhof und in der Kirche zu Winzer finden sich im Übrigen keine Grabsteine dieser Familie.[1]

Um 1357 scheint die Veste Winzer an den Ritter Ulrich den Kuttenauer gekommen zu sein. 1370 ist hier ein Kaspar Hofmeister genannt. Von diesem gelangte der Besitz 1440 auf dem Erbweg an den Caspar Puntinger, Inhaber der Hofmark Hochdorf. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts werden dann die Gießer, eine Familie aus der Hallertau, als Inhaber genannt. Dabei sind die Gebrüder Christoph und Jordan Gießer von Winzer 1494 und 1514 bezeugt. Christoph der Griesser (der Jüngere), Hofkastner zu Amberg, war ein scharfer Gegner der Reichsstadt Regensburg. 1555 bestätigt Jordan Giesser, dass der Sitz Winzer zur Landschaft von Oberbayern gehört. Nach einem Grabstein in der Friedhofsmauer von Winzer ist die Ehefrau des Jordan Giessers von Winzer, die edle, veste Barbara von Hausen, 1472 verstorben. Ein Ludwig der Gießer verkauft 1532 sein Lehen zu Pielenhofen an das dortige Kloster. 1555 erwirbt ein Jordan Giesser den Sitz Mayrhof bei Hemau und die Giessers verkaufen ihren Besitz in Winzer. Dieser Jordan nennt sich allerdings noch 1579 nach dem Sitz in Winzer.

Auf die Giesser folgten zwischen 1555 und 1567 die Altmann. 1567 war Hans Georg Altmann, Propst des Klosters Pielenhofen, Inhaber des unbewohnten Schlössels und von vier Weinzierlhäusern. 1581 besitzt Hans Georg Altmann von Schwandorf ein „steinern Haus und 6 Sölden“ in Winzer. Dieser Altmann war Kämmerer, Hofmeister und Pfleger von Hemau und Burglengenfeld. 1594 verkauft er seinen Besitz in Winzer an Hans Paulus Perickh (Pyrck), Brandenburgischer Rat und Reiterhauptmann. 1601 kaufte eine Barbara Neuhauser von diesem den Besitz. Da sie kein Landsassenrecht besaß, wurde die Gerichtsbarkeit 1607 vom Landgericht Stadtamhof eingezogen. Weitere Besitzer lösten sich danach in rascher Folge ab: Georg Ludwig von Neuhausen auf Sicklasberg und seine Hausfrau verkaufen die Güter zu Winzer 1607 an Georg Werner zu Pyrnbaum und Winzer, im gleichen Jahr ging der Besitz an Hans Egilhof von Lichtenau zu Pirnbach und Winzer. Nach seinem Tod (1613) folgen Heinrich Rechlinger, Hans Andre von Heignenberg (um 1639) und das Jesuitenkolleg St. Paul. 1651 kommt Hans Sebastian Nothafft Freiherr von Weißenstein und Viztum in Straubing in den Besitz von Winzer und erhält die Hofmarksrechte wieder. 1670 verkauft die Witwe des Sebastian Nothafft Niederwinzer an Johann Viktor von und zu Altfrauenberg. Unter diesem scheint mit der Renovierung des langsam verfallenen Schlosses begonnen worden zu sein. Wegen der befürchteten Baukosten verkauft dieser Niederwinzer 1685 an Johann Wilhelm von Zocha, Statthalter zu Mergentheim und Landkomtur der Deutschordensballei Franken. Anlässlich dieses Verkaufs wurde eine Wertberechnung der Hofmark Niederwinzer vorgenommen, die einen Gesamtwert von 2385 Gulden erbrachte.

Von Michael Wening wird der Besitz als kleine Hofmark im Eigentum der Deutschordenskommende Regensburg beschrieben. Der Bau bestand nicht mehr weilen der Adeliche Sütz gantz ruiniert sei. Der Sitz sei nicht mehr aufgebaut worden, stattdessen wurden die Einnahmen aus der Hofmark für die Wiedererrichtung der lange öd gelegenen Taverne verwendet. Die wertvollsten Zubehöre waren ein Brauhaus und eine Taverne. Allerdings brachte auch das Brauhaus keinen Gewinn mehr ein, eine Gelegenheit zum Verkauf ergab sich aber auch nicht. Am 10. Oktober 1805 wurde der Besitz im Zuge der Säkularisation das Brauhaus durch den bayerischen Staat beschlagnahmt.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Ansicht von 1638 erkennt man in Winzer einen dreigeschossigen Wohnbau mit einem Treppengiebel und einem angebauten kleinen Turm mit Spitzdach. Dahinter steht auf der donauabgewandten Seite ein mehrgeschossiger Turm. Vermutlich war hier ursprünglich eine Turmburg; Hof, Garten und Brauhaus waren mit einer Mauer umschlossen.

Erhalten ist noch das ehemalige Brauhaus, das zu einer Weinhandlung umgebaut wurde (heute Bert's Weinexpress in der Nürnberger Str. 249), das früher noch an dem Haus angebrachte Wappen des Deutschen Ordens ist seit Anfang 1900 verschwunden. Gegenüber liegt das Haus Nürnberger Str. 234, das die ehemalige Taverne beherbergte. Auf der Inschrifttafel wird an Maximilian Alban Haidt, Pfleger des Teutschenhaus zu Regensburg, erinnert, der diese Taverne mit seiner Ehefrau 1689 hat bauen lassen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sixtus Lampl: Oberpfalz. Hrsg.: Michael Petzet, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (= Denkmäler in Bayern. Band III). Oldenbourg, München 1986, ISBN 3-486-52394-5.
  • Stephan Acht: Die Hofmarken der Deutschordenskommende Regensburg. In: Paul Mai (Hrsg.): 800 Jahre Deutschordenskommende St. Ägid in Regensburg 1210–2010. Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg, St. Petersweg 11–13, 19. Juni bis 26. September 2010. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2421-3, S. 183–185.
  • Andreas Boos: Burgen im Süden der Oberpfalz. Die früh- und hochmittelalterlichen Befestigungen des Regensburger Umlandes. Universitätsverlag Regensburg, Regensburg 1998, ISBN 3-930480-03-4, S. 410–412.
  • Rudolf Freytag (1938). Winzer bei Regensburg. Versuch einer Ortsbeschreibung mit besonderer Berücksichtigung der Flurnamen. Verhandlungen des Historischen Vereins Regensburg, 88, 187–229.
  • Diethard Schmid: Regensburg I. Das Landgericht Stadtamhof, die Reichsherrschaften Donaustauf und Wörth. (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern Heft 41). Kommission für bayerische Geschichte. Verlag Michael Lassleben, München 1976, ISBN 3-7696-9904-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eintrag zu Niederwinzer in der privaten Datenbank „Alle Burgen“

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Freytag, 1938, S. 204–206.

Koordinaten: 49° 1′ 58″ N, 12° 3′ 14,1″ O