Schusswaffe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff der Schusswaffe ist ein Überbegriff, der alle Vorrichtungen einschließt, die etwas verschießen, also ballistische Geräte im weitesten Sinn, zu aggressiven oder defensiven Zwecken in Kampfhandlungen, zur Jagd, zur Tötung (Hinrichtung, Mord, Selbsttötung), zur Injektion aus sicherer Entfernung, zur Signalgebung, zum Sport oder zu wissenschaftlichen Zwecken (z. B. Markierung, Vermessung). Hierin sind zum einen die Feuerwaffen, zum anderen die mechanischen Schusswaffen (wie z. B. Katapult, Bogen (Ein Bogen ist lt. WaffG Deutschland keine Schusswaffe. Grund: Die Energie wird nicht dauerhaft gespeichert und über einen Abzug freigesetzt, wie z.B. bei der Armbrust[1]. Wehrtechnisch gehören die Schusswaffen ihrerseits der Überkategorie der Fernwaffen an.

Die Herkunft des Verbs „schießen“ stammt vermutlich von der indogermanischen Silbe (s)keu–, und heißt etwa so viel wie „schnell laufen, eilen, treiben". Das Nomen „Waffe“ stammt vermutlich vom gotischen Wepma, und bedeutet ursprünglich Kampfgerät (vgl. Deutsch: Wappen). Der Begriff „Waffe“ hat sich allerdings z. B. auch bei der Jagd eingebürgert, obwohl Jagdwaffen nicht zum Kampf dienen.

Arten von Schusswaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Feuerwaffen sind Schusswaffen und ihnen gleichgestellte Gegenstände, bei denen zum Antrieb der Geschosse heiße Gase verwendet werden und ein Geschoss durch einen Lauf getrieben wird.
    • Handfeuerwaffen bezeichnet Feuerwaffen, im engeren Sinne nur Feuerwaffen die mit den Händen bedient werden, die durch eine Person transportiert und gehandhabt werden können, und auch als Langwaffen bezeichnet werden, und deren Lauf und Verschluss in geschlossener Stellung insgesamt länger als 30 cm sind und deren kürzeste bestimmungsgemäß verwendbare Gesamtlänge 60 cm überschreitet.
    • Faustfeuerwaffen sind Schusswaffen, die mit einer Hand bedient werden und die nicht unter die Definition einer Langwaffe fallen. In der Regel handelt es sich um Pistolen und Revolver. Der Begriff Kurzwaffe ist kein Begriff der Waffentechnik und nicht mit dem Begriff der Faustfeuerwaffe gleichzusetzen. Zu diesen zählen neben den Faustfeuerwaffen auch solche mit gekürztem Lauf wie kurze Maschinenpistolen (im nicht-behördlichen Bereich als halbautomatische Selbstladepistole).

Nach der Antriebsart des Geschosses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Druckluftwaffen (umgangssprachlich auch Luftdruckwaffen) sind Schusswaffen, bei denen zum Antrieb der Geschosse kalte Gase (Pressluft, Kohlendioxid (CO2), vorkomprimierte Luft) verwendet werden. Da diese Waffen kein Schießpulver benötigen, ist der Betrieb einer solchen Waffe vergleichsweise günstig. Sie werden fast ausschließlich für den Schießsport verwendet. Die verwendete Luft wird entweder durch einen seitlichen Spannhebel vorkomprimiert in der Waffe bis zur Schussabgabe gespeichert oder aus einer angeschraubten Speicherpatrone im Moment der Schussabgabe zugeführt.
  • Federdruckwaffen sind Waffen, bei denen die Geschosse durch die Rückstellkraft einer zuvor gespannten Feder angetrieben werden. Durch die angespannte Feder wird bei Auslösen des Abzuges entweder das Projektil direkt angetrieben oder mit über einem Kolben ein plötzlicher Luftüberdruck erzeugt, der das Projektil durch den Lauf treibt. Wie bei den Druckluftwaffen sind deshalb die Kosten pro Schuss gering. Diese Waffen, mit einem deutlichen Prellschlag bei der Schussauslösung, wurden überwiegend im Schießsport verwendet, sind jedoch mittlerweile veraltet.

Nach dem Lademechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein insbesondere bei Handfeuerwaffen:

  • Einzelladerwaffen sind Schusswaffen ohne Magazin mit einem oder mehreren Läufen, die vor jedem Schuss aus demselben Lauf von Hand mit einer Patrone geladen werden müssen.
  • Repetierwaffen sind Schusswaffen, bei denen nach Abgabe eines Schusses über einen von Hand zu betätigenden Lademechanismus Munition aus einem Magazin in das Patronenlager nachgeladen wird.
  • Halbautomatische und automatische Schusswaffen sind Schusswaffen, die nach Abgabe eines Schusses selbsttätig erneut durch automatisches Zuführen einer Patrone schussbereit werden.

bei Faustfeuerwaffen

  • Pistole als Einzellader und selbstladende Pistole
    • Revolver sind eine Unterkategorie von Pistolen mit einem sich drehenden Magazin als Trommel, die sich durch Betätigung des Abzugs weiterdreht, so dass das nächste Lager mit einer neuen Patrone zwischen Lauf und Schlagbolzen zu liegen kommt.

Verschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verschluss wird bei halb- und vollautomatischen Waffen unterschieden nach zuschießenden Waffen und aufschießende Waffen.

Ladezustand – Sicherungszustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ladezustände sind entladen – keine Munition im Magazin und Patronenlager, teilgeladen (in der Jägersprache auch untergeladen) – Munition im Magazin, dieses in die Waffe eingeführt, fertig geladen – Munition im Patronenlager. Juristisch umfasst der Begriff geladen sowohl den Zustand teilgeladen als auch fertig geladen. Der Schlagbolzen (Schlagstück/Hahn) des Abzugs einer Waffe ist entspannt oder gespannt. Die Waffe ist durch die Sicherung entsichert oder gesichert. Der Gesetzgeber kennt im Weiteren noch den Zustand schussbereit, wenn die Schusswaffe mit wenigen Handgriffen geladen und in Anschlag gebracht werden kann. Nicht schussbereit ist eine Schusswaffe, wenn sie in einem verschlossenen Transportbehälter mitgeführt wird, und die Munition davon getrennt ist.

Nach der Munitionsart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reizstoffwaffen sind Schusswaffen mit einem Patronen- oder Kartuschenlager, die zum Verschießen von Reiz- oder anderen Wirkstoffen bestimmt sind.
  • Schreckschusswaffen sind Schusswaffen mit einem Kartuschenlager, die zum Abschießen von Kartuschenmunition bestimmt sind.
  • Signalwaffen sind Schusswaffen mit einem Patronen- oder Kartuschenlager, die zum Verschießen von pyrotechnischer Munition bestimmt sind.

Nach dem Kaliber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirkung einer Feuerwaffe wird durch das Kaliber, aus der Größe der Treibladung und dem Projektil sowie seinem Gewicht im Verhältnis zur Rohrlänge, und in der Handhabbarkeit mit dem Schaft sowie dem Visier bestimmt.

  • Geschütze sind, nach der Definition der deutschen Gesetzgebung, Rohrwaffen mit einem Kaliber von mindestens 20 mm. In Abhängigkeit vom Verhältnis von Kaliber zu Rohrlänge werden sie in Kanone, Haubitze und Mörser (Geschütz) unterteilt. Großkalibrige Geschütze bilden die Hauptwaffe der Artillerie.

Es ist zu beachten, dass Bogenwaffen, Zwillen und Katapulte – nicht jedoch Armbrüste – entgegen der landläufigen Meinung keine Schusswaffen darstellen: Sie verfügen über keinen Lauf und vor allem über keinen Mechanismus, um zur Schussabgabe benötigte Energie zu speichern (Katapulte besitzen zwar einen Speichermechanismus, jedoch keinen Lauf). Sie gelten im Waffengesetz in „tragbarer Größe“ als den Schusswaffen gleichgestellte Gegenstände.

Erwerb und Besitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waffengesetz (WaffG) der Bundesrepublik Deutschland definiert den Waffenbegriff und regelt den Umgang mit Waffen. Für militärische Zwecke konstruierte Schusswaffen werden durch das Kriegswaffenkontrollgesetz geregelt.

Der Erwerb, der Besitz und der Schusswaffengebrauch sind in den meisten europäischen Ländern stark durch jeweilige Gesetze reglementiert. Verstöße sind meist ein Vergehen.

Schusswaffen können in Deutschland unter Voraussetzungen laut §§ 4–9 Waffengesetz erworben werden:

  • das vollendete 18. Lebensjahr
  • Zuverlässigkeit (keine relevanten Straftaten verübt, zuverlässige Aufbewahrung …)
  • persönliche Eignung (nicht gegeben z. B. bei Geschäftsunfähigkeit, Abhängigkeit, psychischen Erkrankungen)
  • Bedürfnis (z. B. als Sportschütze, Jäger, Sachverständiger, Sammler oder besonders gefährdete Person)
  • Sachkunde (Wissen über rechtliche und technische Aspekte von Waffen und deren Gebrauch sowie praktischer Umgang), in Deutschland siehe dazu auch Waffensachkundeprüfung
  • medizinisch-psychologische-Untersuchung (nur bis zum 25. Lebensjahr).

Im Kriegswaffenkontrollgesetz benannte Schusswaffen dürfen in Deutschland von Zivilpersonen nicht erworben werden. Das Bundeskriminalamt kann jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilen.

Demilitarisierung und Entsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demilitarisierung bedeutet hier, dass Schusswaffen fachgerecht teilzerstört werden und die Wiederherstellung ihrer militärischen Eigenschaften nicht oder nur unter sehr hohem Aufwand möglich ist. Dies wird meist durchgeführt, um Militärgerät für zivile Zwecke einsetzen zu können, oder um Ausstellungsstücke zu schaffen.

Nicht mehr benötigte oder gefundene Waffen können bei jeder Polizeidienststelle kostenlos zur Entsorgung abgegeben bzw. von dieser abgeholt werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Schusswaffe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Schusswaffen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Waffengesetz Anlage 1 (zu § 1 Abs. 4) Begriffsbestimmungen ( Fundstelle: BGBl. I 2002, 3994 - 3998; bzgl. der einzelnen Änderungen vgl. Fußnote ) Abschnitt 1: Waffen- und munitionstechnische Begriffe, Einstufung von Gegenständen Unterabschnitt 1: Schusswaffen 1. Schusswaffen im Sinne des § 1 Abs. 2 Nr. 1.1.1 Schusswaffen: Schusswaffen sind Gegenstände, die zum Angriff oder zur Verteidigung, zur Signalgebung, zur Jagd, zur Distanzinjektion, zur Markierung, zum Sport oder zum Spiel bestimmt sind und bei denen Geschosse durch einen Lauf getrieben werden. 1.2 Gleichgestellte Gegenstände: Den Schusswaffen stehen gleich tragbare Gegenstände,...1.2.2 bei denen bestimmungsgemäß feste Körper gezielt verschossen werden, deren Antriebsenergie durch Muskelkraft eingebracht und durch eine Sperrvorrichtung gespeichert werden kann (z. B. Armbrüste)