Seelbach (Herborn)

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Seelbach
Stadt Herborn
Wappen von Seelbach
Koordinaten: 50° 42′ 5″ N, 8° 20′ 28″ O
Höhe: 230 (222–276) m ü. NHN
Fläche: 13,27 km²[1]
Einwohner: 3535 (1. Jan. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 266 Einwohner/km²
Postleitzahl: 35745
Vorwahl: 02772
Karte
Blick auf Seelbach von Ballersbach

Seelbach ist nach der Kernstadt der größte Stadtteil von Herborn im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Vor seiner Eingemeindung hieß der Ort Herbornseelbach.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt nordöstlich der Kernstadt. Durch den südlichen Ortsbereich verläuft die Bundesstraße 255. Östlich von Seelbach liegen die Dörfer Ballersbach und Bicken; beide gehören zur Gemeinde Mittenaar. Westlich liegen Herborn und dessen Stadtteil Burg.

Das alte Haufendorf hat sich mittlerweile auf mehrere umliegende Hügel ausgeweitet. Die Hügel bzw. Berge sind der Bitzen, die Hardt und der Horch. Der höchste Berg in der Gemarkung ist der Wassenberg mit einer Höhe von 459 m ü. NN. Weitere Berge sind der Volpertsberg (426 m) im Norden und der Hain (339 m) im Süden des Dorfes.

Direkt durch Seelbach fließen zwei Bäche: der Hirtenborn, der unterirdisch den Dorfkern durchfließt, und der Essenbach am Fuße des Horches. Außerdem finden sich in der Gemarkung der Dernbach, der Monzenbach und der Seelbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zur Zeit der Merowinger war die Gegend besiedelt. Im 13. Jahrhundert (1290 ?) wird Seelbach erstmals in einer Urkunde erwähnt. Zweifellos ist „Sylbach“, wie es damals hieß, aber viel älter. Dafür gibt es klare Anhaltspunkte. Man nimmt an, dass hier schon in der mittleren Steinzeit Menschen, zumindest vorübergehend, gewohnt haben.

Das heutige Dorf entstand um die erste Kirche an der Hohen Straße. Vorher lebten die Menschen in einzelnen Gehöften in der heutigen Seelbacher Gemarkung, im Monzenbachtal (Wüstung Monzenbach), im Seelbachtal, in (Alt-)Dernbach sowie am Nesselhofsweiher im Schelderwald. Im Süden des Dorfes, dort wo der Dernbach in die Aar mündet, stand die kleine Wasserburg bzw. Motte der Herren von Dernbach, die Burg Alt-Dernbach. Die Burg lag an der Hohen Straße, die vom Schelderwald kommend nach Herborn führte. Als im 13. Jahrhundert die Grafen von Nassau in die Herborner Mark eindrangen, kam es zu Konflikten zwischen den Dernbachern und Nassauern; so nahm die Dernbacher Fehde ihren Anfang und dauerte über 100 Jahre. 1306 und 1326 wurde die Burg Dernbach zerstört. 1333 verließen die Dernbacher endgültig die Herborner Mark. Auch die im Monzenbachtal ansässigen und mit den Dernbachern verwandten Herren von Monzenbach verschwanden bald nach dem Ende der Dernbacher Fehde aus der Gegend.

Im Jahr 1580 wurde eine neue Kirche an der Stelle der alten errichtet. 1602 wurde die Alte Schule errichtet; sie wurde als Rathaus und Schule genutzt. Heute beherbergt sie das Heimatmuseum.

Im Dreißigjährigen Krieg am 3. Mai 1635 fielen Soldaten in Seelbach ein und stecken das Dorf in Brand; etwa 90 Häuser und die Kirche fielen den Flammen zum Opfer. 1647 wurde eine neue Kirche an der Stelle der im Krieg zerstörten errichtet.

Im Jahr 1777 kam der Förster Johann Georg Georg nach Seelbach. Er begann mit dem Anbau von Erbsen, Spinat und Bohnen und zeigte den Dorfbewohnern, wie man den Boden im Aartal und an den Hängen richtig nutzt. Er regulierte die Aar, entwässerte das Tal und trug die Ruinen der Wasserburg bis auf einen kleinen Hügel, den "Butschel", ab, damit man auch dort anbauen konnte. Er legte auch die ersten Gärten an. Sein wohl eindrucksvollstes Werk war der erste Brunnen im Dorf an der Kirche. Durch Leitungen aus den Wäldern holte er Wasser ins Dorf. Diese Wasserversorgung bestand 150 Jahre. Außerdem erbaute er 1790 das erste Steinhaus Seelbachs, das Jägerhaus, das bis heute steht. Er starb 1833.

1895 wurde ein neues Schulgebäude errichtet, welches Anfang der 1970er Jahre einen Hallenbad weichen musste. 1926/1927 erbaute der Turnverein eine Turnhalle auf "der Hardt". Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Stadt Herborn.

Im Jahr 1961 wurde das neue Schulgebäude, unterm Bitzen, an der Hohen Straße, als Grund- und Hauptschule eingeweiht. Bis heute befindet sich heute dort die Dernbachschule, eine Grundschule.

Kompaniegebäude in der ehemaligen Aartalkaserne

1966 bezogen Bundeswehrsoldaten und Amerikaner die Aartalkaserne, welche im Rahmen der Truppenreduzierung 1993 wieder aufgelöst wurde. Stationiert waren unter anderem ein Transportbataillon und die Fernspähkompanie 300

Am 1. Januar 1977 verlor die Gemeinde Herbornseelbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum zweiten Mal ihre Selbständigkeit und wurde in die Stadt Herborn eingemeindet.[3]

Die Aar-Salzböde-Bahn, die einen Haltepunkt in Seelbach hatte, wurde 2001 stillgelegt. Dieser Haltepunkt trug bis zur Einstellung des Betriebs den alten Ortsnamen Herbornseelbach. Er hatte über viele Betriebsjahre hinweg den Status eines Bahnhofs und verfügte über zwei Bahnsteiggleise, so dass hier auch fahrplanmäßige Personenzugkreuzungen stattfanden.[4]

2006 wurde mit dem Bau der seit über 30 Jahren erwünschten Ortsumgehung begonnen. Am 2. April 2009 wurden die Ortsumgehung und die Ausfahrt Seelbach-Ost für den Verkehr freigegeben. Die Ausfahrt Seelbach-West wurde am 17. April 2009 anlässlich der offiziellen Eröffnung der Ortsumgehung für den Verkehr freigegeben.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Seelbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbornseelbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
712
1840
  
741
1846
  
775
1852
  
826
1858
  
844
1864
  
884
1871
  
926
1875
  
934
1885
  
1.033
1895
  
1.122
1905
  
1.415
1910
  
1.529
1925
  
1.681
1939
  
2.003
1946
  
2.425
1950
  
2.467
1956
  
2.487
1961
  
2.601
1967
  
3.077
1970
  
3.384
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 1024 evangelische, 8 katholische und ein jüdischer Einwohner
• 1961: 2246 evangelische und 240 katholische Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Seelbach gibt es einen Ortsbeirat mit einem Ortsvorsteher. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Nach der Kommunalwahlen in Hessen 2016 ist Eckhardt Simon Ortsvorsteher.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von Seelbach zeigt in blauem Feld über einem goldenen (gelben) Wellenbalken einen goldenen Schild mit drei schwarzen Seeblättern im Dreipass. Der Wellenbalken im Schildfuß verkörpert den Namensteil Bach, während der Schild mit den Seeblättern das Wappen der Herren von Dernbach abbildet, deren Stammburg sich in der Gemarkung der heutigen Gemeinde befand. Die Farben blau und gelb des Wappens sind die nassauischen Farben und zeigen die landesherrschaftliche Zugehörigkeit des Orts seit dem späten Mittelalter an.

Seelbacher Katzen (Wappen der Kirmes)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katzenkirmes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herborn-Seelbach ist über die Grenzen des ehemaligen Dillkreises bekannt für die jährlich am dritten Wochenende im September auf dem Turnplatz stattfindende "Katzenkirmes". Highlight ist der seit 1988 am Kirmesmontag stattfindende Kirmesgarten, ein Showprogramm der Ortsvereine.[7]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum des Heimat- und Geschichtsvereins: Alte Schule
Evangelische Kirche

Der Heimat- und Geschichtsverein Herborn Seelbach betreibt ein Heimatmuseum, welches an ausgewählten Sonntagen im Jahr besucht werden kann.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Seelbach gibt es viele Vereine, bei denen Sport an erster Stelle steht:

  • den Turnverein 1897 Herborn-Seelbach,
  • den Schützenverein, den Sportverein (SKH 1920),
  • den Tischtennisclub TTC 1958 und
  • den Tennisclub.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seelbach gilt als das musikalischste Dorf im Aartal, was daran liegt, dass es hier viele musikbezogene Vereine gibt. Dazu gehören der Musikverein, das TV-Orchester des Turnvereins, der Aargesangverein sowie der Akkordeonclub.

Kirchen und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evangelische Kirchengemeinde Herbornseelbach
  • Evangelische Gemeinschaft/EC Herbornseelbach e. V.
  • Calvary Chapel Herborn
  • Missiongemeinde e. V. Herborn-Seelbach

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kulturdenkmäler des Ortes siehe Liste der Kulturdenkmäler in Seelbach.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Seelbach, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Zahlen, Daten, Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Herborn, abgerufen am 23. März 2018.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 357.
  4. So z. B. im Sommerfahrplan 1978 zwischen den Zügen 7265 und 7272, s. Kursbuch Sommer 1978, Mainz 1978, Teil 4, S. 83.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Ortsbeirat Seelbach im Internetauftritt der Stadt Herborn, abgerufen im Februar 2017.
  7. Katzenkirmes Herborn-Seelbach, abgerufen im März 2018.