Simeticon

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Strukturformel
Strukturformel von Simeticon
Allgemeines
Freiname Simeticon
Andere Namen
  • α-(Trimethylsilyl)-ω-methylpoly[oxy(dimethylsilylen)] (WHO)
  • Simeticonum (Latein)
  • Dimeticon-Siliciumdioxid
  • SIMETHICONE (INCI)
Summenformel (C2H6OSi)n · (SiO2)m
Kurzbeschreibung

viskose, grauweiße, opaleszierende Flüssigkeit [1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 8050-81-5
EG-Nummer 617-098-1
ECHA-InfoCard 100.107.016
PubChem 6433516
Wikidata Q419415
Arzneistoffangaben
ATC-Code

A03AX13

Wirkstoffklasse

Carminativa

Eigenschaften
Molare Masse variabel
Dichte

0,965–0,970 g·cm−3 [2]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser und Methanol, sehr schwer löslich bis praktisch unlöslich in absolutem Ethanol, teilweise mischbar mit Dichlormethan, Ethylacetat, 2-Butanon und Toluol [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Toxikologische Daten

900 mg·kg−1 (LD50Hundi.v.)[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Simeticon (auch Simethicon) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Carminativa, der oral eingenommen wird und Völlegefühl und Schmerzen lindern kann, die durch zu viel Gas im Magen-Darm-Trakt ausgelöst werden. Bei Vergiftungen mit Tensiden wird Simeticon als Antidot gegen die übermäßige Schaumbildung eingesetzt.

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bei übermäßiger Gasbildung und Gasansammlung im Magen-Darm-Bereich (Meteorismus) mit gastrointestinalen Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Spannungsgefühl im Oberbauch, die zum Beispiel durch Aerophagie (Luftschlucken) oder durch Ernährungs- beziehungsweise Diätfehler hervorgerufen werden können.
  • Die Gabe von Simeticon bei der postoperativen Darmatonie und dem Ogilvie-Syndrom wirkt dem Meteorismus entgegen.[5]
  • Zur symptomatischen Behandlung der funktionellen Dyspepsie.[6]
  • Zur symptomatischen Behandlung bei Säuglingskolik (Dreimonatskolik).[7]
  • Bei verstärkter Gasbildung nach Operationen sowie dem Roemheld-Syndrom
  • Als Hilfsmittel zur Diagnostik im Bauchbereich zur Reduzierung von Gasschatten (Sonographie, Röntgen und Gastroskopie).
  • Als Sofortmaßnahme zum Entschäumen nach oraler Ingestion von tensidhaltigen Spül- und Waschmitteln. Geeignet zur Anwendung von Laien im Haushalt; vor allem wirksam bei Aufnahme großer Tensidmengen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Überempfindlichkeit gegen Simeticon sowie bei einem Darmverschluss (Ileus) dürfen Simeticon-haltige Arzneimittel nicht verabreicht werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl bisher keine Wechselwirkungen bekannt sind, sind auf Grund der oberflächenaktiven Eigenschaften der Wirksubstanz Einflüsse auf die Resorption anderer Arzneisubstanzen nicht auszuschließen. Die hier beschriebenen Interaktionen sind Einzelfälle.

  • Digoxin: erhöhte Spiegel von Digoxin[8]
  • Ribavirin: erniedrigte Spiegel von Ribavirin – AUC = −14 %
  • Warfarin: erhöhte Spiegel von Warfarin
  • Carbamazepin: Toxizitätssteigerung von Carbamazepin – Einzelbericht[9]

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Simeticon nicht vom Körper aufgenommen wird, können die entsprechenden Arzneimittel während der Schwangerschaft und Stillperiode eingenommen werden. Allerdings sollte während der Schwangerschaft die Anwendungsdauer drei Tage nicht überschreiten und danach ein therapiefreies Intervall von 14 Tagen eingehalten werden.[10]

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pharmakodynamik und Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestörte Verdauungsvorgänge führen oft zu Blähungen. Die vermehrten Gase liegen im Magen-Darmtrakt als träger, feinblasiger Schaum vor. Dadurch wird die normale Aufnahme der Gase durch die Darmwand erschwert oder völlig unmöglich gemacht. Simeticon ist ein stabiles, oberflächenaktives Polydimethylsiloxan. Es verringert die Oberflächenspannung der im Nahrungsbrei und im Schleim des Verdauungstraktes eingebetteten Gasblasen, die dadurch zerfallen. Die dabei frei werdenden Gase können von der Darmwand resorbiert sowie durch die Darmperistaltik eliminiert werden. Simeticon wirkt ausschließlich physikalisch, beteiligt sich nicht an chemischen Reaktionen und ist pharmakologisch und physiologisch eine inerte Substanz. In einer Konzentration von 0,1 mg/ml zerstört Simeticon Schäume in 3 bis 6 Sekunden, auch eine Schaumverhinderung findet bei dieser Konzentration statt. Diese hält für etwa 24 Stunden an.[11]

Nach der oralen Gabe von Simeticon findet keine Resorption statt, der Wirkstoff wird nach der Magen-Darm-Passage unverändert wieder mit dem Stuhl ausgeschieden.[10]

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chemische und pharmazeutische Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simeticon – α(Trimethylsilyl)-ω-methylpoly[oxy(dimethylsilylen)], Mixtur mit Siliciumdioxid – ist die Kurzbezeichnung für mit 4 % bis 7 % Siliciumdioxid aktiviertes Dimeticon, es enthält 90,5 % bis 99,0 % Polydimethylsiloxan. Das Siliciumdioxid wird an der Oberfläche durch Einbau von Methylsilyl-Gruppen verändert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate: Aero-OM (A, CH), Antiflat (A), Elugan (D), Endo-Paractol (D), Espumisan (D), Flatulex (CH), Lefax (D), Lefaxin (A), Sab simplex (D, A), Uluxan (CH), Air-X (TH), sowie diverse Generika

Kombinationspräparate: Andursil (CH), Enzym-Lefax (D), Helopanflat (A), Imodium akut complex/ plus (D, A, CH), Rennie Deflatin (CH)

Markennamen: Compounds: Dow Corning Q7-2243 (CEP), Dow Corning AF M Compound (CEP) Emulsion: Dow Corning Q7-2587 Emulsion

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Europäische Arzneibuch-Kommission (Hrsg.): EUROPÄISCHE PHARMAKOPÖE 5. AUSGABE. Band 5.0–5.8, 2006.
  2. The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; ISBN 978-0-911910-00-1.
  3. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  4. Eintrag zu Simeticon in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  5. O. [Hrsg.] H. P. [Hrsg.] ; Trentz R. ; Bruch Berchtold: Berchtold Chirurgie mit StudentConsult-Zugang. Urban & Fischer in Elsevier, München 2006, ISBN 978-3-437-44480-7.
  6. G. Holtmann et al.:A randomized placebo-controlled trial of simethicone and cisapride for the treatment of patients with functional dyspepsia Aliment Pharmacol Ther. 2002 Sep;16(9):1641–1648 Volltext (HTML) Volltext (PDF), PMID 12197843.
  7. Simeticon bei Säuglingskoliken wirksam und verträglich Anwendungsbeobachtung in: Pharmazeutische Zeitung (Ausgabe 28/2004).
  8. J C McElnay et al.:Interaction of digoxin with antacid constituents. Br Med J. 1978 June 10; 1(6126): 1554; PMID 656806; PMC 1604992 (freier Volltext, PDF).
  9. Ozlem Guneysel et al.:Carbamazepine overdose after exposure to simethicone: a case report Journal of Medical Case Reports 2008, 2:242 Volltext (PDF; 201 kB) doi:10.1186/1752-1947-2-242.
  10. a b Fachinformation (Mustertext des BfArM für Simeticon), Stand: 21. Dezember 2000 (RTF; 33 kB).
  11. M. Dittrich, S. E. Miederer, B. Havertz, R. Krastev: Schaumzerstörung und Schaumverhinderung: Der Wirkmechanismus von Simeticon in vitro. (PDF) In: Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen. Nr. 8, 2010, S. 1–7. Abgerufen am 26. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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