St. Burkard (Würzburg)

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St. Burkard von der Festung Marienberg gesehen
Die Kirche von der Mainseite
Innenraum mit Altar
St. Burkard vor der spätgotischen Erweiterung um das Querhaus, um 1490

St. Burkard, auch Burkarder Kirche genannt, ist eine römisch-katholische Pfarrkirche und war die erste Klosterkirche Würzburgs. Sie ist nach der Marienkirche auf der Festung Marienberg die zweitälteste Kirche Würzburgs. St. Burkard ist zudem die seit dem Mittelalter für das Mainviertel zuständige Pfarrei und war verbunden mit der Lokalkaplanei für das Militärhospital und die Festung Marienberg.[1] Das gleichnamige Kloster, das aus einem Andreaskloster hervorgegangene Benediktinerkloster St. Burkard, bestand von 983 bis 1464 und war ab spätestens 1470[2] ein Ritterstift (Kollegiatstift) bis 1803.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt wurde St. Burkard nach ihrem Patron, dem 742 von Bonifatius zum ersten Würzburger Bischof geweihten heiligen Burkard. Dieser gründete um 750 das am Fuße des Marienbergs gelegene Kloster St. Andreas. Der Bischof Hugo überließ das Andreaskloster im Jahr 983 den Benediktinern. Er ordnete ihnen, nicht zuletzt als wirtschaftliche Grundlage, Pfarreien und Dörfer zu. Am 14. Oktober 986 wurden die Gebeine des heiligen Burkard in einer feierlichen Prozession in das Kloster überführt und dort begraben. Seither heißt das Kloster nach seinem Schutzpatron St. Burkard. Geweiht wurde die Abtei durch den Bischof Bruno von Würzburg.

Der romanische Teil der Kirche wurde 1042 geweiht. 1168 wurde die nördliche Portalvorhalle des Langhauses errichtet. 1250 wurden die beiden Osttürme um zwei Stockwerke erhöht. Um 1490 wurde die romanische Basilika um ein spätgotisches Querhaus und den Ostchor erweitert. Um den Durchgang der Uferstraße zu erhalten, mussten diese auf Schwibbögen gestellt werden. 1663–1667 wurden, im Zuge des Neubaus der Würzburger Befestigungsanlagen, der Westturm und zwei Joche vom Langhaus abgebrochen. Zunächst war die Kirche bis 1464 Teil eines Benediktinerklosters, von 1464 bis 1803 ein Kollegiatstift, dessen Verwaltungssitzverlegung in den Rückermainhof (Karmelitenstraße 20) mit Befürwortung durch den Landesherrn Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths 1715 beschlossen wurde.[3] Letzter Abt und erster Propst von St. Burkard war Johannes von Allendorf.[4] Mit der Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung des Stifts gelangte die Kirche 1803 in den Besitz der Pfarrei. Letzter Propst von St. Burkard[5] war Adam Friedrich Groß zu Trockau.

Nach Christenmassakern in Syrien besuchte 1861 Gregor Ata, der melkitisch-katholische Erzbischof von Homs, die Diözese Würzburg um Almosen für die verwüsteten Christengemeinden seiner Heimat zu sammeln und feierte am 25. Mai 1861 in der Burkardskirche einen Gottesdienst in der Byzantinischen Liturgie.[6]

Ab 1890 war der Burkardushof in der Burkarderstraße 26 das Vereinshaus des neugegründeten Katholischen Arbeitervereins.[7]

1930 eröffnete in der Pfarrei St. Burkhard das erste Pfarrjugendheim.[8]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im romanischen Teil der Kirche gibt es einen Gedenkstein der seit dem Jahr 1010 bestehenden Fischerzunft Würzburg. Die Würzburger Fischer feiern jährlich am Dreikönigstag (6. Januar) in St. Burkard ihr Bestehen.[9] Außerdem gibt es einen Gedenktext an den Widerstand einzelner Gemeindemitglieder im Dritten Reich.

Dem Eingang gegenüber ist eine Madonna von Tilman Riemenschneider beleuchtet und hinter Glas geschützt zu sehen. Der Hochaltar von St. Burkard ist ein Werk des Lohrer Künstlers Franz Wilhelm Driesler, die Brüder Heinz und Matthäus Schiestl schufen die figürlichen Elemente.[10] Neben Werken Riemenschneiders weist die Ausstattung Arbeiten der Werkstatt der Auweras auf.

Marienaltar mit dem Schnitzwerk von Georg Meurer (1589/1590)
Pfarrhaus von St. Burkard mit einer wahrscheinlich von Balthasar Esterbauer um 1700 geschaffenen Madonna[11]

Ein 1589 bis 1590 geschaffener Marienaltar (der ehemalige Pfarraltar), ein Flügelaltar, für den der Maler Alexander Müller die nur bei geschlossenen Flügeln (auf den „Werktagsseiten“) sichtbare Passion Christi[12] des ihm 1589 in Auftrag gegebenen Retabels malte,[13] mit dem die Flügelinnenseiten und den Schrein zierenden, Szenen aus dem Marienleben zeigenden Schnitzwerk des Würzburger Meisters Georg oder Jörg Meurer zeigt noch Elemente der gotischen Tradition. Ende der 1660er Jahre geschaffene Altäre waren bereits im 18. und 19. Jahrhundert verschwunden.[14] Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 brannten der Dachstuhl und ein Langhaus aus, der Chor und das Querschiff blieben jedoch erhalten. Im Jahr 1950 war die Kirche wiederhergestellt.[15]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel an der Nordwand des Querhauses von St. Burkard wurde 2003 von der Orgelbaufirma Richard Rensch (Lauffen/N.) mit 28 Registern, zwei Manualen und Pedal in einem modern gestalteten Orgelgehäuse erbaut. Das Instrument hat mechanische Spieltrakturen und elektrische Registertrakturen.[16]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Spitzflöte 8′
3. Octave 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Quinte 223
6. Waldflöte 2′
7. Mixtur IV 113
8. Cornett V (ab b0) 8′
9. Bach-Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
10. Bourdon 8′
11. Salicional 8′
12. Flûte harmonique 8′
13. Unda maris (ab c0) 8′
14. Préstant 4′
15. Flûte octaviante 4′
16. Nasard 223
17. Octavin 2′
18. Tierce 135
19. Plein jeu IV 2′
20. Trompette harmonique 8′
21. Basson-Hautbois 8′
Tremulant
Pedal C–f1

23. Subbass 16′
24. Octavbass 8′
25. Spitzflöte (= Nr. 2) 8′
26. Quintbass 51/3
27. Octave (= Nr. 3) 4′
28. Posaune 16′
29. Trompete (= Nr. 9) 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P.
    • Superoktavkoppel: II/P
    • Suboktavkoppel: I/I

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Burkhard besitzt fünf Glocken mit den Schlagtönen cis' e' fis' a' h', ein Motiv aus Richard Wagners Parsifal mit Erweiterung. Darunter befindet sich die Katharinenglocke aus dem Jahr 1249, die älteste Glocke der Stadt Würzburg, dicht gefolgt von der Lobdeburgglocke des Domes St. Kilian.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Wendehorst: Die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. Germania Sacra NF 40: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg, 6. de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 978-3-11-018971-1.
  • Peter Kolb, Ernst-Günther Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. Würzburg 1989, S. 218.
  • Konrad Schäfer, Heinrich Schießer: Leben und Wirken des hl. Burkhard. Bad Neustadt a. d. Saale 1986, ISBN 978-3-9800482-4-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Burkard (Würzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 431.
  2. Elmar Hofmann: Geschichte St. Burkard, Würzburg.
  3. Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. S. 628.
  4. Peter Kolb: Das Spital- und Gesundheitswesen. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1, 2001, S. 386–409 und 647–653, hier: S. 394.
  5. Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 432.
  6. Würzburger Anzeiger, Nr. 142, vom 24. Mai 1861; (Digitalscan)
  7. Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1233.
  8. Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 458–463: Die Ära des Volks- und Widerstandsbischofs Matthias Ehrenfried (1924–1948). S. 459.
  9. Farbenprächtiger Auftakt zum 1000-jährigen Jubiläum der Fischerzunft in St. Burkard. In: Mainpost, Ausgabe Würzburg vom 7. Januar 2010, S. 31.
  10. Gertrud P. Fels: Historismus im Kirchenraum. Das Atelier des Franz Wilhelm Driesler (= Kirche, Kunst und Kultur in Franken). Würzburg 1996, S. 151.
  11. Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. 2004, S. 644.
  12. Werner Dettelbacher, Stefan Fröhling, Andreas Reuß: Franken. Entdeckungsfahrten zwischen Spessart und Fichtelgebirge: Würzburg, Nürnberg, Bamberg, Bayreuth, Rothenburg. 5. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7701-4186-9, S. 45 (Google-Books).
  13. Alfred Wendehorst: Die Benediktinerabtei und das Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. In: Max-Planck-Institut für Geschichte (Hrsg.): Germania Sacra. Neue Folge 6: Das Bistum Würzburg. Berlin 2001, S. 18, 20-22 und 25.
  14. Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 602 f., 605 und 622.
  15. Markus Schütz: St. Burkard: das erste Kloster in Würzburg. In: Haus der Bayerischen Geschichte.
  16. Näheres zum Neubau der Rensch-Orgel (Memento des Originals vom 12. September 2005 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kirchenmusik.st-burkard.de

Koordinaten: 49° 47′ 23,5″ N, 9° 55′ 29,6″ O