St. Burkard (Würzburg)

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St. Burkard von der Festung Marienberg gesehen
Die Kirche von der Mainseite
Innenraum mit Altar
St. Burkard vor der spätgotischen Erweiterung um das Querhaus, um 1490

St. Burkard, auch Burkarder Kirche genannt, ist eine römisch-katholische Pfarrkirche. Sie ist nach der Marienkirche auf der Festung Marienberg die zweitälteste Kirche Würzburgs. St. Burkard ist zudem die seit dem Mittelalter für das Mainviertel zuständige Pfarrei und war verbunden mit der Lokalkaplanei für das Militärhospital und die Festung Marienberg.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt wurde sie nach ihrem Patron, dem 742 von Bonifatius zum ersten Würzburger Bischof geweihten heiligen Burkard. Dieser gründete um 750 das Andreaskloster. Bischof Hugo überließ dieses Kloster im Jahr 983 den Benediktinern. Er ordnete ihnen, nicht zuletzt als wirtschaftliche Grundlage, Pfarreien und Dörfer zu. Am 14. Oktober 986 wurden die Gebeine des heiligen Burkard in einer feierlichen Prozession in das Kloster überführt und dort begraben. Seither heißt das Kloster nach seinem Schutzpatron St. Burkard.

Der romanische Teil der Kirche wurde 1042 geweiht. 1168 wurde die nördliche Portalvorhalle des Langhauses errichtet. 1250 wurden die beiden Osttürme um zwei Stockwerke erhöht. Um 1490 wurde die romanische Basilika um ein spätgotisches Querhaus und den Ostchor erweitert. Um den Durchgang der Uferstraße zu erhalten, mussten diese auf Schwibbögen gestellt werden. 1663–1667 wurden, im Zuge des Neubaus der Würzburger Befestigungsanlagen, der Westturm und zwei Joche vom Langhaus abgebrochen. Zunächst war die Kirche bis 1464 Teil eines Benediktinerklosters, von 1464 bis 1803 ein Kollegiatstift. Mit der Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung des Stifts gelangte die Kirche 1803 in den Besitz der Pfarrei. Letzter Propst von St. Burkard[2] war Adam Friedrich Groß zu Trockau.

Nach Christenmassakern in Syrien besuchte 1861 Gregor Ata, der melkitisch-katholische Erzbischof von Homs, die Diözese Würzburg um Almosen für die verwüsteten Christengemeinden seiner Heimat zu sammeln und feierte am 25. Mai 1861 in der Burkardskirche einen Gottesdienst in der Byzantinischen Liturgie.[3]

Ab 1890 war der Burkardushof in der Burkarderstraße 26 das Vereinshaus des neugegründeten Katholischen Arbeitervereins.[4]

1930 eröffnete in der Pfarrei St. Burkhard das erste Pfarrjugendheim.[5]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im romanischen Teil der Kirche gibt es einen Gedenkstein der seit dem Jahr 1010 bestehenden Fischerzunft Würzburg. Die Würzburger Fischer feiern jährlich am Dreikönigstag (6. Januar) in St. Burkard ihr Bestehen.[6] Außerdem gibt es einen Gedenktext an den Widerstand einzelner Gemeindemitglieder im Dritten Reich.

Dem Eingang gegenüber ist eine Madonna von Tilman Riemenschneider beleuchtet und hinter Glas geschützt zu sehen. Der Hochaltar von St. Burkard ist ein Gemeinschaftswerk der Brüder Heinz und Matthäus Schiestl. Neben Werken Riemenschneiders weist die Ausstattung Arbeiten der Werkstatt der Auweras auf.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel an der Nordwand des Querhauses von St. Burkard wurde 2003 von der Orgelbaufirma Richard Rensch (Lauffen/N.) mit 28 Registern, zwei Manualen und Pedal in einem modern gestalteten Orgelgehäuse erbaut. Das Instrument hat mechanische Spieltrakturen und elektrische Registertrakturen.[7]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Spitzflöte 8′
3. Octave 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Quinte 223
6. Waldflöte 2′
7. Mixtur IV 113
8. Cornett V (ab b0) 8′
9. Bach-Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
10. Bourdon 8′
11. Salicional 8′
12. Flûte harmonique 8′
13. Unda maris (ab c0) 8′
14. Préstant 4′
15. Flûte octaviante 4′
16. Nasard 223
17. Octavin 2′
18. Tierce 135
19. Plein jeu IV 2′
20. Trompette harmonique 8′
21. Basson-Hautbois 8′
Tremulant
Pedal C–f1

23. Subbass 16′
24. Octavbass 8′
25. Spitzflöte (= Nr. 2) 8′
26. Quintbass 51/3
27. Octave (= Nr. 3) 4′
28. Posaune 16′
29. Trompete (= Nr. 9) 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P.
    • Superoktavkoppel: II/P
    • Suboktavkoppel: I/I

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Burkhard besitzt fünf Glocken mit den Schlagtönen cis' e' fis' a' h', ein Motiv aus Richard Wagners Parsifal mit Erweiterung. Darunter befindet sich die Katharinenglocke aus dem Jahr 1249, die älteste Glocke der Stadt Würzburg, dicht gefolgt von der Lobdeburgglocke des Domes St. Kilian.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Wendehorst: Die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. Germania Sacra NF 40: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg, 6. de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 978-3-11-018971-1.
  • Peter Kolb, Ernst-Günther Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. Würzburg 1989, S. 218.
  • Konrad Schäfer, Heinrich Schießer: Leben und Wirken des hl. Burkhard. Bad Neustadt a. d. Saale 1986, ISBN 978-3-9800482-4-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Burkard (Würzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 431.
  2. Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 432.
  3. Würzburger Anzeiger, Nr. 142, vom 24. Mai 1861; (Digitalscan)
  4. Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1233.
  5. Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 458–463: Die Ära des Volks- und Widerstandsbischofs Matthias Ehrenfried (1924–1948). S. 459.
  6. Farbenprächtiger Auftakt zum 1000-jährigen Jubiläum der Fischerzunft in St. Burkard. In: Mainpost, Ausgabe Würzburg vom 7. Januar 2010, S. 31.
  7. Näheres zum Neubau der Rensch-Orgel

Koordinaten: 49° 47′ 23,5″ N, 9° 55′ 29,6″ O