St. Marien (Heilbad Heiligenstadt)

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St. Marien von Südosten
Chorraum

St. Marien ist die katholische Pfarrkirche der gleichnamigen, 2017 neu gegründeten katholischen Pfarrgemeinde im Zentrum von Heilbad Heiligenstadt im thüringischen Eichsfeld. Neben der Pfarrkirche selbst gehören zur neuen Pfarrei die Kirchen St. Johannes in Rengelrode, St. Nikolaus in Kalteneber und die Kirche St. Aegidien in Heilbad Heiligenstadt. Im Sprachgebrauch der Heiligenstädter haben sich für die Pfarrkirche St. Marien der Name Altstädter Kirche, für die Kirche St. Aegidien Neustädter Kirche erhalten. Der stilreine, im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörte Bau der Kirche prägt mit seiner Doppelturmfassade und dem hohen Chor die Stadtsilhouette.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Heiligenstadt entwickelte sich am Osthang des Stiftshügels von St. Martin. Die St.-Marien-Kirche wurde vom Stift gegründet und blieb ihm bis zu dessen Ende zugehörig. Ein romanischer Vorgängerbau dürfte im 12. Jahrhundert entstanden sein. Er wurde ab 1300 in mehreren Etappen durch den anspruchsvollen gotischen Neubau ersetzt.

Ältester Teil ist der massive Westriegel mit den beiden aufgesetzten achteckigen Türmen, die bis zu den Spitzen aus Buntsandstein gemauert sind. Das reich abgestufte Portal mit Wimperg enthält im Spitzbogen heute neugotisches Maßwerk.

Das Langhaus, eine dreischiffige Halle mit Kreuzrippengewölbe, wurde im Lauf des 14. Jahrhunderts fertiggestellt. Die Wirkung der Weiträumigkeit wird durch eine Aufweitung zum Chor hin verstärkt. Figürliche Kapitelle, Schlusssteine und Konsolen geben dem Raum Festlichkeit.

Der dreijochige Chor mit polygonalem Schluss wurde 1420 geweiht, 1715 verändert und 1886 über das Langhaus erhöht und mit einem schlanken Dachreiter gekrönt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzetaufe von 1492

Das Kircheninnere war 1886 im neugotischen Stil ausgemalt worden. Bei Restaurierungsarbeiten der 1960er und 1980er Jahre wurde diese Bemalung nicht wiederhergestellt, sondern unter ihr wurden die Reste der spätgotischen Fresken von 1506 freigelegt, darunter eine Marienkrönung.

Im südlichen Seitenschiff neben der Öffnung zum Chor steht eine bedeutende Marienfigur. Die auf 1414 datierte Schnitzarbeit, eine Schöne Madonna, war das Gnadenbild des Wallfahrtsorts Elende und kam während des Dreißigjährigen Kriegs aus dem protestantisch gewordenen Ort zunächst nach St. Martin, 1803 dann nach St. Marien.

Den Chor beherrscht der von Hans Raphon 1512 geschaffene Flügelaltar. Die Mitteltafel zeigt in einer figurenreichen Darstellung die Kreuzigung Christi, die Flügel vier Dreiergruppen von Heiligen.

Der ornamentierte bronzene Taufkessel steht auf drei Trägerfiguren. Er wurde im Jahre 1492 von Erzgießer Hans Tegetmeiger geschaffen und trägt die Signatur „…hans tegetmeiger unde arnt eddelendes“.[1] 1713 entstand die barocke Pietà im nördlichen Seitenschiff.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prospekt der Orgel mit Spieltisch davor

Die Orgel von St. Marien wurde ursprünglich von den Gebr. Späth aus Fulda im Jahre 1941 gebaut. Im Zuge der baulichen Veränderungen in der Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil im Jahr 1969 (u.a. Ausbau der Seitenemporen) wurde die Orgel an ihren heutigen Standort versetzt und durch Gerhard Kühn, Merseburg neobarock umgestaltet. Im Jahr 2006 wurde als erster Schritt der Restaurierung ein neuer Spieltisch auf der erweiterten Empore durch Orgelbaumeister Karl Brode (Heilbad Heiligenstadt) eingebaut. Zwischen dem Weißen Sonntag 2015 und Pfingsten 2017 schwieg die Orgel zur Restaurierung des Orgelwerks (Pfeifen, Windladen und -versorgung). Zu Pfingsten 2017 wurde der 1. Bauabschnitt mit der Segnung beendet und die Orgel ist wieder spielbar. [2]

Disposition nach dem 1. Bauabschnitt der Restaurierung:

I. Brustwerk C-g3
Gedackt 8′
Quintade 8′
Prinzipal 4′
Waldflöte 2′
Sesquialtera 2f.
Nachthorn 1′
Scharff 4f. 113
Krummhorn 8′
Tremulant
II. Hauptwerk C-g3
Bordun 16′
Prinzipal 8′
Gemshorn 8′
Gamba (vacant) 8'
Doppelgedackt (vacant) 8'
Portunalflöte 8'
Oktave 4′
Rohrflöte 4'
Quinte 223
Superoktave 2′
Mixtur 4f. 2′
Cornett 3-4f.
Tuba (vacant) 16′
Trompete 8′
Feldtrompete (vacant) 4′
III Schwellwerk C–g3
Geigenprinzipal 8′
Hohlflöte 8′
Salizional 8′
Vox coelestis 8′
Prinzipal 4′
Spitzflöte 4′
Blockflöte 2′
Kleinquinte 113
Scharff 4f. 113
Kopftrompete 8'
Celesta (vacant)
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipalbaß 16′
Subbaß 16′
Zartbordun 16′
Quintbaß 1023
Oktavbaß 8′
Gedacktbaß 8'
Choralbaß 4′
Rauschpfeife 3f. 223
Posaune 16′
Trompete (vacant) 8′
Kopftrompete (vacant) 4′
  • Normalkoppeln: II/I, I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Superoktavkoppeln: III/I, III/II, III/III, III/P
  • Walze, Schweller für III
  • 8000facher Setzer

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier Bronze-Kirchenglocken schufen Apoldas letzter Glockengießermeister Peter Schilling und seine Frau Margarete Schilling im Jahr 1962. Die Glocken haben die Töne b0, d1, f1, g1 und ein Gewicht von 8053 Kilogramm.

Annenkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annenkapelle

Dem Nordportal der Kirche gegenüber steht die gotische St.-Annen-Kapelle. Sie ist ein Oktogon mit acht Giebeln, spitz zulaufendem Dach und bekrönender Laterne. Den vollendeten Gesamteindruck verstärken Wasserspeier und Krabben. Bei der letzten Restaurierung im Jahr 2000 erhielt sie die angenommene originale Farbfassung in Rotbraun und Gelb zurück. In der Kapelle befinden sich die Figuren der Muttergottes mit Kind und der Anna selbdritt, ebenfalls aus gotischer Zeit.

Die ursprüngliche Bestimmung der Annenkapelle ist unsicher. Eine Informationstafel beschreibt sie als Taufkapelle, möglicherweise wurde sie auch als Beinhaus errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne Severin: Die Sanierungsarbeiten an den Türmen der Pfarrkirche „St. Marien“ in Heiligenstadt 1949-1955. In: Eichsfeld-Jahrbuch 12 (2004), S. 235-254

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St.-Marien-Kirche Heilbad Heiligenstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Künstlerlexikon Thieme-Becker, Band 32, Seite 501
  2. Karl Brode: Restaurierung der Späth Orgel aus dem Jahr 1941 in der kath. Propsteikirche " St. Marien " in Heiligenstadt. Werkstätte für Orgelbau, abgerufen am 29. Mai 2017.

Koordinaten: 51° 22′ 43″ N, 10° 8′ 12″ O