Stangenroth

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Stangenroth
Koordinaten: 50° 17′ 10″ N, 9° 58′ 59″ O
Höhe: 379 m
Einwohner: 964 (31. Dez. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 97705
Vorwahl: 09734
Stangenroth (Bayern)
Stangenroth

Lage von Stangenroth in Bayern

Stangenroth ist der zweitgrößte Ortsteil des Marktes Burkardroth im Landkreis Bad Kissingen in Unterfranken (Bayern).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stangenroth liegt am Südhang des Biosphärenreservats Rhön etwa 14 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Bad Kissingen und nördlich des Zentralortes Burkardroth.

Von Stangenroth aus führt die Staatsstraße 2290 in südlicher Richtung nach Burkardroth und in nördlicher Richtung als St 2267 nach Langenleiten, einem Ortsteil von Sandberg, und Premich sowie als St 2290 nach Waldberg (ebenfalls einem Ortsteil von Sandberg).

Die durch Stangeroth verlaufende KG 19 führt nordwärts nach Gefäll.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann die Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Stangenroth im Salzforst begann, ist nicht genau gesichert. Vieles spricht dafür, dass die Geburt des Dorfes auf den Anfang des 13. Jahrhunderts zurückgeht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1244 als das halbe Dorf in einer Schenkungsurkunde Ottos von Botenlauben dem Kloster Frauenroth vermacht wurde. Man vermutet das gesamte Dorf hat in dieser Zeit aus sechs oder acht Bauernhäusern bestanden. Im Jahre 1264 verschenkten die Ministerialen von Burkardroth Vogt Albert und sein Sohn Heinrich ihren Besitz, auf dem auch ein Teil Stangenroths lag, an das Kloster Frauenroth.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1574 gehörte Stangenroth zum Amt Aschach, dies geht aus dem "Erbhuldigungsbuch" Julius Echters, dem Fürstbischof von Würzburg, hervor. In Aschach befand sich auch das Zentgericht. An der Spitze befand sich der Zentgraf, den die freien Bauern gewählt hatten. Zu seiner Seite hatte er 14 Schöffen, von denen einer auch Stangenroth stellen durfte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf von den Schweden und Marodeuren, die im Amt Aschach und Bad Kissingen untergebracht waren, überfallen. Es kam hierbei auch zu Vergewaltigungen, was die unehelichen Geburten im Burkardrother Taufbuch bezeugen. Stangenroth hatte sich in den Kriegsjahren stark dezimiert, denn 1673 zählte das Dorf nur noch 348 Einwohner.

Im Jahr 1730 wütete die „Schwarze Pest“ in Stangenroth. Da man keine Möglichkeit mehr hatte, die Toten einzusargen, brachte man die Leichname in Tücher gehüllt nach Burkardroth zum Friedhof, wo sie in Massengräbern beigesetzt wurden. Zudem wird in dieser Zeit auch von einer Viehseuche berichtet. Die verendeten Kadaver vergrub man in eine Senke, an der Strecke nach Gefäll unterhalb des heutigen Sportplatzes.

Am 18. Mai 1738, am Sonntag vor Pfingsten, zerstörte eine Feuersbrunst in nur einer Stunde 85 Häuser, 83 Scheunen, 85 Schweineställe und 85 Backöfen. Zudem kamen 14 Menschen dabei ums Leben. Laut mündlicher Überlieferung entstand das Feuer während des Sonntagsgottesdienstes, als eine Hausfrau beim Kochen versehentlich die Butter hatte anbrennen lassen. Nach einem vergeblichen Versuch, das brennende Fett mit Wasser zu löschen, floh die Hausfrau, so die Überlieferung, mit brennender Kleidung aus dem Haus. Die Dorfbewohner sollen vor dem Brand über großen Reichtum verfügt haben. Beim Wiederaufbau des Ortes mit Lehmhäusern entstand in seiner Mitte ein Löschwasserteich. Die mündliche Überlieferung weiß ferner zu berichten, dass drei in Stangenroth beheimatete Störche den Ort drei Tage vor der Katastrophe verlassen haben und nie mehr zurückgekehrt sind.

1747 wurde die Kirche erbaut, in der sich eine Madonna aus dem Jahr 1771 befindet. Die erste Schule wurde 1819 errichtet; ein neues Schulgebäude entstand im Jahr 1908 und wurde 1959 erweitert.

Hatten im Jahr 1574 in Burkardroth 373 Einwohner in 81 Haushalten und in Stangenroth 336 Einwohner in 73 Haushalten gelebt, stiegen diese Zahlen in Stangenroth auf 543 Einwohner in 118 Haushalten im Jahr 1623. Es war damit der einwohnerstärkste der einstigen drei Gründerorte der Kaplanei Burkardroth. Dies förderte in Stangenroth den Wunsch, sich von Burkardroth zu lösen und eigenständig zu werden. Dieser Plan konnte erst im nächsten Jahrhundert umgesetzt werden und rief den Widerstand Burkardroths hervor, der hauptsächlich durch die ernsthafte Erkrankung des Burkardrother Pfarrers gebremst wurde und im Jahr 1792 ein Separationsdekret des Würzburger Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal nötig machte. Noch 30 Jahre später klagte der Burkardrother Pfarrer Klee, dass die Einnahmen seiner Pfarrei um die Hälfte zurückgegangen seien.

Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1933 wurde in Stangenroth ein Lager des „Vereins für Freiwilligen Arbeitsdienst Unterfranken“ errichtet. Bei diesem handelte es sich um eine Tarnorganisation der NSDAP zur Unterwanderung des in der Weimarer Republik gegründeten Freiwilligen Arbeitsdienstes.[2] Am 15. September 1933 wurde das Lager Einheit des Reichsarbeitsdienstes (RAD) und erhielt die Abteilungsnummer 4/283 sowie den Namen „Johann Bleyer, der Ungardeutsche“. Anfang 1937 wurde das Lager vom RAD wegen Arbeitsmangels zunächst geschlossen, ab 1. August 1937 bis Kriegsende jedoch wieder für die weibliche Jugend genutzt.[3]

Als während des Zweiten Weltkrieges am 17. August 1943[4] eine Boeing B-17 von der 384th Bomber Group[5] der USAAF beim Angriff auf Schweinfurt teilnahm, wurde der Bomber im Einsatzraum von Flak-Feuer getroffen und dann von einer Messerschmitt Me 110 des Nachtjagdgeschwaders 101 abgeschossen. Beim Absturz in einem Waldgebiet bei Stangenroth kamen zwei der zehn Besatzungsmitglieder ums Leben, von den acht Überlebenden wurde ein Besatzungsmitglied von einem Einheimischen geschlagen. Beide Toten wurden zunächst auf dem Friedhof beigesetzt, später dann von den Amerikanern exhumiert und überführt.[6][7]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurde der Ort im Zuge der Gemeindegebietsreform nach Burkardroth eingemeindet.[8] Im Oktober 1971 hatten hierzu Befragungen und Abstimmungen in den Dörfern stattgefunden. Von den 262 abgegebenen Stimmen in Stangenroth sprachen sich 141 für die Eingemeindung aus; der örtliche Gemeinderat hingegen lehnte die Eingemeindung ab, die schließlich am 1. Januar 1978 aufgrund einer Rechtsverordnung der Regierung von Unterfranken erfolgte.

Bauwerke und Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Sebastian-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stangenrother St.-Sebastian-Kirche entstand nach dem Abriss eines Vorgängerbaus im Jahr 1747. Der Hochaltar wurde im August 1890 errichtet; eine der Heiligenfiguren stellt den Heiligen Sebastian, den Patron der Kirche, dar. Im Jahr 1899 wurde das Langhaus der Kirche erweitert und ein Kirchturm gebaut; im Jahr 1910 fand eine seitliche Erweiterung des Kirchenbaus statt. Der Zugang zur Kanzel ist zugemauert, da Pfarrer Gloos, der von 1933 bis 1965 in Stangenroth wirkte, vom Altar aus zu predigen pflegte.

Wendelinuskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige, auch „Platten-Heiligen-Häusle“ genannte Wendelinuskapelle aus dem Jahr 1977 ersetzt zwei Vorgängerbauten aus dem 17. Jahrhundert und von 1927. Im Inneren beherbergt die Kapelle über dem Altar eine Darstellung des Heiligen Wendelin sowie Wandgemälde der Heiligen Isidor von Madrid und Notburga von Rattenberg.

Heimkehrerkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimkehrerkapelle entstand im Jahr 1946 aus Dank dafür, dass so viele Männer des Ortes aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt waren und Stangenroth im Krieg nicht zerstört wurde. Sie ersetzte die Schmerzenskapelle, die sich ebenfalls an der alten Straße zum Basaltwerk, aber um 50 Meter versetzt in Richtung des Ortes befunden hatte. Ein denkmalgeschützter Kreuzweg aus 13 Stationen am Kapellenweg wurde im Jahr 1958 von Gebhard Keßler angefertigt. Vor der Kapelle stehen Sieben-Schmerzen-Stationen von Alfred Keßler.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Baudenkmäler in Stangenroth

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer von Stangenroth[9][10]
Name Herkunftsort Tätigkeitsbeginn Tätigkeitsende
Franz Fischer Bütthard 15. März 1792 1. Juli 1794
Johann Leonhard Gockler Neuses 2. Juli 1794 1. Juli 1800
Bartholomäus Blum - 22. Oktober 1800 1814
Paul Gensler Melperts 15. Juni 1816 14. August 1820
Kaspar Jahn Karbach 23. März 1821 20. März 1846
Andreas Fischer Volkach 2. August 1846 21. September 1856
Anton Kempf Neudorf 27. Februar 1857 14. Juli 1861
Josef Nies Brückenau 1. November 1861 24. Juni 1862
Johann Herberich Aschaffenburg 17. Oktober 1862 24. Mai 1872
Anton Peetz Seßlach 19. September 1872 1. Juni 1876
Michael Josef Greis Würzburg 30. November 1878 15. Oktober 1887
Lorenz Weißenberger Schwemmelsbach 15. Juni 1889 29. Januar 1894
Bartholomäus Kullmann Schweinheim 5. April 1894 15. November 1933
Philipp Gloos Gaukönigshofen 16. November 1933 1. November 1964
Oswald Grätz Rütschenhausen 22. Februar 1965 29. Juli 1984

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Reinhard: Burkardroth: Frauenroth, Stangenroth, Wollbach, Zahlbach. Beiträge zur Geschichte. Oeckler, Haßfurt 1975.
  • Gerhard Schätzlein: RAD-Abt. 4/283 Stangenroth/Oberbach. In: Gerhard Schätzlein: Der Reichsarbeitsdienst in der Rhön von 1932 bis 1945 – Mit allen Arbeitsdienstlagern in der fränkischen, hessischen und thüringischen Rhön und ihrem Umkreis. Selbstverlag, Willmars 2013, ISBN 978-3-942112-09-3, S. 128–133.
  • Vereinsring Rhönfreunde Stangenroth e.V. (Hrsg.): Chronik des Ortes Stangenroth. Eine Zusammenstellung von Ernst Dettmer. T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 1988.
  • Vereinsring Rhönfreunde Stangenroth e.V. (Hrsg.): Chronik des Ortes Stangenroth. Ein Blick bis in die 70er Jahre. Eine Zusammenstellung von Ernst Dettmer und Berthold Kleinhenz. Stangenroth 2012.[14]
  • Josef Wabra: Führer durch die Kissinger Rhön. (= Landeskundliche Schriftenreihe für das nördliche Unterfranken, Heft 10). Herausgegeben vom Landkreis Bad Kissingen und dem Bezirksheimatpfleger von Unterfranken. Bad Kissingen 1968, S. 249–257.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen in Burkardroth. In: Burkardroth.de. 31. Dezember 2017, abgerufen am 15. März 2018.
  2. Michael Hansen: Idealisten und gescheiterte Existenzen. Das Führerkorps des Reichsarbeitsdienstes. Dissertation, Universität Trier, 2004, S. 84 (PDF).
  3. Alfred Saam: Im Arbeitseinsatz vor der Wehrpflicht. In: Mainpost.de. 29. Mai 2015, abgerufen am 12. Juli 2018.
  4. Sigismund von Dobschütz: Überreste aus dem 2. Weltkrieg. In: Mainpost.de. 23. Dezember 2015, abgerufen am 12. Juli 2018.
  5. US-Absturzbericht (MACR 294). In: 384thbombgroup.com (PDF; englisch)
  6. Acht Flieger haben überlebt. In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 1. September 2014, abgerufen am 12. Juli 2018.
  7. Vereinsring Rhönfreunde Stangenroth e.V. (Hrsg.): Chronik des Ortes Stangenroth. Ein Blick bis in die 70er Jahre. Eine Zusammenstellung von Ernst Dettmer und Berthold Kleinhenz. Stangenroth 2012, S. 103.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 738.
  9. Anton Reinhard: Burkardroth: Frauenroth, Stangenroth, Wollbach, Zahlbach. Beiträge zur Geschichte. Oeckler, Haßfurt 1975, S. 60.
  10. Alfred Saam: Die Geschichte der Pfarrei Stangenroth von 1792–1984. In: Burkardroth.de. Abgerufen am 28. November 2017.
  11. Website der Kita St. Sebastian Stangenroth
  12. Website der Rhönfesthalle Stangenroth
  13. Alfred Saam: Basaltwerk Stangenroth. In: Rhoenline.de. Abgerufen am 9. April 2018.
  14. Stangenrother Geschichte in Bild und Wort. In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 19. Januar 2013, abgerufen am 26. Mai 2018.