Thalheim (Dornburg)

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Thalheim
Gemeinde Dornburg
Koordinaten: 50° 29′ 12″ N, 8° 0′ 41″ O
Höhe: 162 m ü. NHN
Einwohner: 1276 (31. Dez. 2014)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65599
Vorwahl: 06436
Luftaufnahme des Orts, in der unteren rechten Bildecke ein Teil des Steinbruchs.
Luftaufnahme des Orts, in der unteren rechten Bildecke ein Teil des Steinbruchs.

Thalheim ist ein Ortsteil der hessischen Gemeinde Dornburg im Landkreis Limburg-Weilburg.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salzbach im Ortskern

Thalheim liegt in einem verbreiterten Talabschnitt am Ufer des Salzbachs, eines Zuflusses des Elbbachs. Der Ort selbst erstreckt sich von einer Höhe von rund 160 Metern am Salzbach bis auf rund 200 Meter in den Neubaugebieten am Ortsrand.

Die Thalheimer Gemarkung dehnt sich grob dreieckig und spitz zulaufend in nordöstlicher Richtung. Der Salzbach durchfließt sie vom Nordwesten nach Südosten. Von Norden kommt ein weiterer Bach heran, der am nördlichen Ortsrand in den Salzbach mündet. Die Gemarkung grenzt von Nordwesten im Uhrzeigersinn an Dorndorf, Frickhofen, den Elbtaler Ortsteil Heuchelheim, an die Hadamarer Stadtteile Ober- und Niederzeuzheim sowie im Westen an Molsberg und damit an die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Höchster Punkt der Gemarkung ist der südlich des Orts gelegene Hellersberg. Das gesamte Gelände steigt rund um die Troglage des Orts an, besonders nach Süden und Westen, mit Ausnahme des stark eingeschnittenen Salzbachabflusses im Südosten. Im Norden und Osten steigt die Landschaft nur leicht an. Die Gemarkung besteht hauptsächlich aus landwirtschaftlich genutzter Fläche. Vor allem die Höhenlagen im Westen sind von Mischwald bedeckt. Nordöstlich des Orts befindet sich ein Naturschutzgebiet mit einigen Seen, südwestlich ein Basaltsteinbruch am Hellersberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für die Töpfertradition

Die erste urkundliche Erwähnung ist für 1215 verbürgt. Der Kern der ursprünglichen Siedlung lag vermutlich im Bereich des heutigen Anwesens „Hofgarten“. Für 1231 sind fünf Höfe im Besitz des Deutschen Ordens in Thalheim nachgewiesen. Das älteste heute noch bestehende Haus ist der „Kölsche Hof“ aus dem Jahr 1553.

Wirtschaftlich bedeutend war das Töpferhandwerk. Aus diesem Grund wird auch heute noch die verspottende Bezeichnung „Deppe-Dohlem“ (von „Dippe“: Topf) verwendet. Vermutlich um 1840 erlosch das Töpfergewerbe im Ort.

Am 31. Dezember 1971 schloss sich Thalheim der seit dem 1. Februar 1971 bestehenden neuen Gemeinde Dornburg an.[2]

Im Herbst 2008 wurde in dem Fachwerkhaus Wirtshof 2 ein Dorfmuseum eingerichtet. Zum 1. Januar 2009 wurde Thalheim in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Thalheim unterstand im Überblick:[3][4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1933 und 1939 waren in Thalheim 863 bzw. 806 Einwohner gemeldet. Bei den Volkszählungen am 6. Juni 1961 und am 27. Mai 1970 wurden 1104 bzw. 1237 Einwohner amtlich festgestellt.

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[3]

Thalheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
848
1840
  
883
1846
  
972
1852
  
984
1858
  
932
1864
  
940
1871
  
831
1875
  
869
1885
  
923
1895
  
871
1905
  
858
1910
  
821
1925
  
907
1939
  
802
1946
  
1.194
1950
  
1.140
1956
  
1.040
1961
  
1.104
1967
  
1.190
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Rathaus mit altem Feuerwehr-Schlauchturm

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Thalheim besteht die im Jahr 1909 gegründete Freiwillige Feuerwehr Thalheim (seit 1. Mai 1973 mit Jugendfeuerwehr), der Sportverein SV Rot-Weiß Thalheim 1919 (mit Tanzgruppen und Fußballgruppen), der Schützenverein „Hubertus“, der Gesangverein „Concordia“ sowie die VdK-Ortsgruppe und die katholische Frauengemeinschaft. Weiterhin besteht im Ort der Verschönerungs- und Verkehrsverein 1910 e. V., der im Dezember 1910 gegründet wurde.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Stephanus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche wurde 1887 vom Limburger Architekten J. Fachinger entworfen. Der Bau weist zurückhaltend eingesetzte neugotische Merkmale auf und ist aus regionalem Basalttuff errichtet. Der Fassadenturm sticht durch seinen hohen Spitzhelm hervor. Die Seitenschiffe der Basilika sind sehr schmal aufgeführt. Das Kircheninnere wird durch Kreuzrippengewölbe und eine besonders hervorgehobene Eingangsempore geprägt.

Alter Kirchplatz 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen leicht verschoben angeordneten Dreiseithof am Salzbach. Das Wohnhaus ist durch Anbauten verschiedener Epochen verändert, zeigt aber am Obergeschoss noch deutlich das ursprüngliche Fachwerk. Der Bauschmuck besteht vor allem aus der sehr symmetrischen Ausführung des Fachwerks, aus genasten und runden Querstreben sowie Schnitzereien. Vor allem der fränkische Erker zum Innenhof hin zeigt solche Schnitzereien mit Weinranken, Girlanden und Hermen. Die Scheune mit einem sehr einfachen, klaren Fachwerk aus dem 18. Jahrhundert gehörte ebenfalls zum Ensemble, wurde aber um das Jahr 2000 herum abgerissen.

Hofgarten 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fachwerk dieses Wohnhauses aus dem 18. Jahrhundert ist heute weitgehend von Verputz verdeckt. Lediglich ein fränkischer Erker mit aufwändigem Schnitzwerk an den Säulen (Spiralsäulchen, Ranken, Maske, Fabeltiere) ist noch sichtbar.

Kölscher Hof 2/4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierbei handelt es sich um eine sehr alte Hofanlage, von deren Bausubstanz trotz starker Überformung noch wesentliche Teile erhalten sind. Der kleinere von zwei Fachwerkbauten auf dem Gelände stammt im Kern wohl noch aus dem 16. Jahrhundert, möglicherweise aus dem Jahr 1553. Eine rückseitige Erweiterung mit Veränderung des Dachstuhls und die Ausführung der Erdgeschoss-Außenwände als massives Mauerwerk um 1900 verfälschen den Urzustand stark, auch wenn die innere Raumaufteilung offenbar noch originalgetreu ist. Um das Jahr 2000 herum wurden einige Überformungen zurückgebaut (Schuppen vor dem Wohnhaus) und eine grundlegende Restauration vorgenommen. Der Bauschmuck beschränkt sich im Wesentlichen auf das Obergeschoss mit breit ausgeführter, gekehlte Schwelle mit Taubandschnitzerei, gebogenen Eckverstrebungen mit blattförmigen Schnitzereien und einem insgesamt sehr gleichmäßige Fachwerk mit durchlaufendem Brüstungsriegel. Die Fachwerkscheune aus dem 18. Jahrhundert und das zweite Fachwerkwohnhaus als Westflügel des Anwesens (laut Tafel aus dem Jahr 1722) sind weit weniger wertvoll, aber ebenfalls denkmalgeschützt.

Langgasse 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Scheune aus dem 18. Jahrhundert war mit ungewöhnlich breiter, repräsentativ zur Straße ausgerichteter Giebelseite ausgeführt. Das Fachwerk zeigte betont ebenmäßige Formen. Der Rähm unterhalb des obersten Dachstockwerks war betont breit ausgeführt. Um das Jahr 2000 herum wurde das Gebäude abgerissen.

Neue Straße 1/3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Gebäude besteht erkennbar aus zwei Fachwerkzonen, die zu verschiedenen Zeitpunkten errichtet wurden. Der vordere, ältere Teil zeigt dabei ein sorgfältiger ausgeführtes Balkenwerk mit Profilierungen im Rähm des Erdgeschosses. Wichtiges Baudetail ist die spätbiedermeierliche Haustür. Vermutlich schloss das Gebäude den alten Ortskern am südlichen Ende der Durchgangsstraße ab.

Oberdorfstraße 8/10[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei diesem zweizonigen Wohnhaus handelt es sich um das am kunstfertigsten geschmückte Fachwerkgebäude im Ort. Genaste und geschweifte Querstreben, Mannformen, gedrehte Säulchen und reich beschnitzte Schwellen machen zusammen mit vier fränkischen Erkern, die auf aufwendig beschnitzten Konsolen ruhen, den hohen Wert des Fachwerks aus. An einem Eckständer ist das Gebäude auf 1701 datiert. Ein heute verputztes Altenteil wurde später angebaut.

Salzbachbrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heute vorhandene, einbogige Brückenkörper, über den die Langgasse verläuft, ersetzte um 1900 herum einen Vorgängerbau an gleicher Stelle. Zu diesem Zeitpunkt diente er noch dem Anschluss der Landwirtschaftsflächen jenseits des Baches an den Ortskern. Heute befinden sich Häuser auf beiden Seiten der Brücke. Der Baukörper besteht aus Bruchstein. Die Gestaltung des Verputzes erweckt den Anschein von Quadern innerhalb des Brückenbogens. Das aus Winkeleisen gefügte Geländer ist durch ein Rautennetz gestaltet.

Unter Eichen 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Wohnhaus aus dem 8. Jahrhundert zeigt heute nur noch abschnittsweise seinen bauhistorischen Wert. An der verkleideten Giebelseite ist lediglich die wohl noch unveränderte Fensteranordnung erhalten. An der Traufseite ist das Fachwerk des Obergeschosses noch sichtbar. Dort zeigt die insgesamt recht einfache Balkenkonstruktion Schmuckschnitzereien in Form von Zackenfriesen, Schuppen und Ranken.

Unter Eichen 10[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Hofanlage ist Teil eines einstmals vom Dorfkern getrennten Siedlungsabschnitts am Salzbach. Das Wohnhaus wurde im 18. Jahrhundert errichtet und im 19. Jahrhundert an beiden Giebelseiten erweitert. Ein Rest des ursprünglichen Fachwerks ist an einem Teil der Traufseite im Obergeschoss noch zu sehen. Die einfache Struktur wird durch Mannformen und eine profilierte Schwelle erweitert. Die Scheune, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert, gehört ursprünglich zu dem angrenzenden Einhaus Wirtshof 2.

Unter Eichen 14[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um ein auffällig voluminöses Wohnhaus des 19. Jahrhunderts, dessen Fachwerk heute hinter Verkleidungselementen verborgen ist. Die Fenster dürften allerdings in ihrer Anordnung und Größe weitgehend unverändert sein.

Wirtshof 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses in sehr einfachem, nahezu quadratischem Fachwerk ausgeführte Einhaus stammt aus der Zeit um 1700. Der in das Schleppdach einbezogene Niederlass ist ein typisches Merkmal des Westerwälder Fachwerks. Die ursprünglich zugehörige, später erbaute Scheune gehört heute zum Anwesen "Unter Eichen 10". Seit 2008 beherbergt das Haus das Thalheimer Dorfmuseum.

Wirtshof 9[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Gebäude sticht im gesamten Ortsbild hervor. Es handelt sich um eine Villa, die 1903 im klassizistischen Stil und damit in dieser Umgebung ungewöhnlich modern errichtet wurde. Auch der rheinische Kalkschwemmstein als Baumaterial ist in der Region sonst kaum verbreitet. Bauherr war ein Thalheimer, der in Essen als Bauunternehmer arbeitete. Der Entwurf stammt von Architekten des damaligen Mischkonzerns Stinnes. Die Fassade verfügt über reichen Stuckdekor. Die massive Hofmauer hebt das Gebäude zusätzlich hervor.

Waldkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kleine Kapelle befindet sich oberhalb von Thalheim am Waldrand an der Straße nach Wengenroth. Sie wurde 1912 aus sichtverfugtem Basaltbruchstein errichtet. Der spitzbogig gewölbte Andachtsraum enthält eine Kreuzigungsgruppe, die ebenfalls auf den Anfang des 20. Jahrhunderts datiert.

Bildstöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfmuseum: Dieses Kruzifix aus dem Jahr 1892 wird von einem Schweifdach beschirmt und trägt einen auffallen großen Christuskorpus. Ursprünglich befand es sich an vor dem Anwesen Langgasse 37, wurde aber im Verlauf einer Straßensanierung entfernt und um das Jahr 2010 herum im Garten des Dorfmuseums, Wirtshof 9, erneut aufgestellt.

Oberdorfstraße 7: Dieser Bildstock mit quadratischem Grundriss wurde im 19. Jahrhundert aus Bruchsteinen errichtet und mit einem Pyramidendach gekrönt. Die Wände sind verputzt, die Kammer verfügt über einen leichten Spitzbogen und ein wohl noch bauzeitliches Türchen aus Schmiedeeisen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Dornburg: Zahlen und Fakten
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  3. a b Thalheim, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 9. Dezember 2016)
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thalheim – Sammlung von Bildern