Niederzeuzheim

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Niederzeuzheim
Stadt Hadamar
Koordinaten: 50° 28′ 15″ N, 8° 2′ 10″ O
Höhe: 166 (140–223) m ü. NHN
Fläche: 7,65 km²[1]
Einwohner: 1453 (30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 190 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65589
Vorwahl: 06433
Luftbild des Orts aus Richtung Süden
Luftbild des Orts aus Richtung Süden

Niederzeuzheim ist einer der sechs Stadtteile von Hadamar im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Nordwesten des Limburger Beckens, am Südrand des Westerwaldes, naturräumlich im Elz-Hadamarer Beckenrand, rund neun Kilometer nördlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Am östlichen Ortsrand fließt der Elbbach nach Süden. Zwischen Ortskern und Elbbach verläuft außerdem die Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen, die einen Bahnhof in Niederzeuzheim hat. Am westlichen Ortsrand verläuft der aus Nordwesten kommende Salzbach, der an der Südspitze des Dorfes die Bahnstrecke unterquert und in den Elbbach mündet. Die bebaute Ortslage befindet sich auf einem in Nordwest-Südost-Richtung verlaufenden Buckel zwischen den beiden Bachläufen. An die grob dreieckige Gemarkung mit Spitze nach Norden schließt sich im Nordwesten der Dornburger Ortsteil Thalheim, im Osten der Hadamarer Stadtteil Oberzeuzheim und im Süden die Kernstadt Hadamars an. Im Westen grenzt Niederzeuzheim an die Ortsgemeinden Hundsangen und Molsberg und damit an die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz. Der niedrigste Punkt der Gemarkung liegt im Elbbachtal bei rund 140 Metern. Rund um die beiden deutlich eingeschnittenen Bachniederungen steigt das Gelände an, insbesondere nach Westen, wo mit 223 Metern der höchste Punkt liegt, und nach Norden. Den größten Teil der Gemarkung nimmt landwirtschaftliche Fläche (460 Hektar) ein, während sich im Norden und Westen Mischwald befindet. Die forstwirtschaftlich genutzte Fläche umfasst 172 Hektar. Ein erheblicher Teil der Gemarkung wird von den Bachauen und zahlreichen Fischzuchtteichen am östlichen Ortsrand eingenommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galeriegrab im Niederzeuzheimer Wald

In der Niederzeuzheimer Gemarkung findet sich ein Galeriegrab aus dem dritten Jahrtausend vor Christus (Wartbergkultur, 3000–2800 v. Chr.), umgangssprachlich und auf Wegweisern auch Steinkistengrab genannt.

Um das Jahr 780 wurde der Ort als "Zubetsheim" das erste Mal urkundlich erwähnt. Damals verschenkte der adelige Rimistein beim Eintritt in das Kloster Fulda Besitztümer im Ort. Eine erste Kirche wurde vermutlich im 9. Jahrhundert errichtet. Das Petrus-Patrozinium deutet allerdings auf eine Verbindung zum Erzbistum Trier hin, was eine Gründung bereits im 7. oder 8. Jahrhundert möglich erscheinen lässt. Ohne Zweifel war die Kirche dem Archidiakonat Dietkirchen zugeordnet.

Der Ort Ubitisheim (Niederzeuzheim) gehörte zunächst Eberhard, einem Bruder König Konrads. Eberhard hatte den Ort durch Tausch von einem Volcnand erworben. Bei einem Aufstand gegen König Otto I. wurde Eberhard 939 getötet.[2] Niederzeuzheim fiel nun an König Otto, der den Ort mit allen Höfen und Feldern am 20. April 940 dem Georgsstift in Limburg zum Unterhalt der dortigen Kleriker schenkte.[3]

1195 ist der erste Pfarrer belegt. Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche bereits Sitz eines Kirchspiels, zu dem Oberzeuzheim, Hangenmeilingen, Heuchelheim, Thalheim und von 1195 bis 1320 auch Hadamar gehörten. 1726 wurde die baufällig gewordene Kirche abgerissen. Die heutige Pfarrkirche St. Peter wurde auf den Fundamenten des Vorgängerbaus errichtet, wobei ein romanischer Turm einbezogen wurde. 1737 wurde die Kirche geweiht. Die Innenausstattung ist von Altären des "Hadamarer Barock" geprägt. 1447 wurde die Marienglocke als erste Glocke angeschafft. Sie ist heute noch vorhanden. 1537 erfolgte die Reformation nach lutherischer, 1575 ein Wechsel zur reformierten Konfession und 1630 die Rückkehr zum Katholizismus. Für 1587 ist erstmals Schulunterricht durch den Pfarrer belegt, 1590 ein Lehrer. 1838 wurde ein neues Schulhaus eingeweiht.

Einige Jahrzehnte älter als die Pfarrkirche ist die ebenfalls barock ausgestaltete Kreuzkapelle an der Landstraße in Richtung Frickhofen, wo eine Kreuzreliquie verehrt wird.

Für 1319 sind ein Schultheiß und ein Hubengericht im Ort nachgewiesen. Die ehemalige Zehntscheune dient heute als Pfarrheim. Der Ortskern ist von Fachwerkhäusern aus den Zeiten zwischen 1500 und 1800 geprägt. An den beiden Bäche wurden rund um Niederzeuzheim zahlreiche Mühlen errichtet. Am 1. Oktober 1886 bekam der Ort einen Bahnanschluss, 1901 die erste Wasserleitung und 1934 eine steinerne Brücke über den Salzbach. Im Ersten Weltkrieg fielen 31 von 250 eingezogenen Niederzeuzheimern.

1990 wurde im ehemaligen Rathaus ein Dorfmuseum eingerichtet, 1998 ein großes Neubaugebiet eingerichtet und 2000 Niederzeuzheim ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen, in dessen Verlauf mehr als drei Millionen Euro in Dorfbild und Infrastruktur investiert wurden.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen Niederzeuzheim in die neugebildete Stadt Hadamar eingegliedert. Die ehemaligen Gemeinden Hadamar, Niederweyer, Niederzeuzheim, Oberweyer, Oberzeuzheim und Steinbach bildeten die neue Stadtgemeinde Hadamar. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Hadamar.[4] Der Ort hatte zu diesem Zeitpunkt 1487 Einwohner.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niederzeuzheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1773 hatte Niederzeuzheim 546 Einwohner, 1910 hatte der Ort 877 Einwohner, 827 im Jahr 1939 sowie nach dem Zuzug zahlreicher Heimatvertriebener 1950 1272 und 1970: 1462 Einwohner.

Niederzeuzheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
811
1840
  
853
1846
  
892
1852
  
921
1858
  
883
1864
  
934
1871
  
863
1875
  
901
1885
  
905
1895
  
815
1905
  
849
1910
  
877
1925
  
936
1939
  
877
1946
  
1.254
1950
  
1.272
1956
  
1.223
1961
  
1.279
1967
  
1.344
1970
  
1.462
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [5]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[5]

• 1885: 8 evangelische (= 0,88 %), 897 katholische (= 99,12 %) Einwohner
• 1961: 64 evangelisch (= 5,00 %), 1207 katholisch (= 94,37 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Hauptartikel Liste der Kulturdenkmäler in Niederzeuzheim

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältester Verein des Dorfs ist der 1850 gegründete Männergesangverein „Liederkranz“. Darüber hinaus gibt es einen Brieftaubenzuchtverein, die Chorvereinigung „Cäcilia“, einen Förderverein für die Kreuzkapelle, die Freiwillige Feuerwehr (gegründet 1921, seit 1. Januar 1970 mit Jugendfeuerwehr und seit 4. April 2009 mit Kinderfeuerwehr), einen Historischen Verein, eine Katholische Frauengemeinschaft, einen Reit- und Fahrverein, einen Tischtennisclub, die Turn- und Sportgemeinde, den Musikverein „Musikfreunde Westerwald“, einen VdK-Ortsverband und einen Verkehrs- und Verschönerungsverein. Die Freiwillige Feuerwehr Niederzeuzheim wurde im Februar 2009 vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport als Feuerwehr des Monats ausgezeichnet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirmes wird am zweiten Sonntag im September gefeiert.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof

Niederzeuzheim verfügt über einen Bahnhof an der Oberwesterwaldbahn, an welchem die Regionalzüge der Linie RB90 (Westerwald-Sieg-Bahn) der Hessischen Landesbahn, Bereich Dreiländerbahn verkehren.

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1921 sorgt die Freiwillige Feuerwehr Niederzeuzheim (ab 1. Januar 1970 mit Jugendfeuerwehr und ab 4. April 2009 mit Kinderfeuerwehr) für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe in diesem Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederzeuzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Zahlen/Daten/Fakten“ im Internetauftritt der Stadt Hadamar, abgerufen im September 2015.
  2. Marie Luise Crone: Konrad Kurzbold. In: Kreisausschuß des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Schriftenreihe zur Geschichte und Kultur des Kreises Limburg Weilburg. Leben und Wirken, 1989, S. 18.
  3. Wolf Heino Struck: Das St. Georgenstift, die Klöster, das Hospital und die Kapellen in Limburg an der Lahn. In: Quellen zur Geschichte der Klöster und Stifte im Gebiet der mittleren Land bis zum Ausgang des Mittelalters. Band 1, Regest 2.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  5. a b c Niederzeuzheim, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).